Microsofts KI-Doppelwette zahlt sich aus: 3,2 Milliarden Dollar Gewinn mit Anthropic
Während Microsoft von seinem Anthropic-Investment profitiert, kämpft OpenAI trotz rasanten Umsatzwachstums mit hohen Kosten und attackiert die Konkurrenz wegen angeblicher Schönrechnerei.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Microsoft verzeichnete im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (bis 30. Juni 2026) einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar aus seiner Investition in Anthropic, was den verwässerten Gewinn je Aktie um 33 Cent erhöhte (Gesamt-EPS: 4,81 USD).
- Microsoft investierte im November 2025 insgesamt 5 Milliarden US-Dollar in Anthropic; im Gegenzug verpflichtete sich Anthropic, Azure-Dienste im Wert von 30 Milliarden US-Dollar zu beziehen.
- OpenAI erreichte im Jahr 2025 einen Umsatz von rund 13 Milliarden US-Dollar (bzw. 13,1 Mrd. USD), nach 3,7 Mrd. USD im Vorjahr.
- OpenAI verzeichnete 2025 eine Bruttomarge von 33 %, wobei die Inferenzkosten 8,4 Mrd. USD erreichten und für 2026 auf 14,1 Mrd. USD steigen sollen.
- Anthropic meldete im April 2026 eine annualisierte Umsatzrate von etwa 30 Milliarden US-Dollar und übertraf damit OpenAIs rund 25 Mrd. USD (Stand Februar 2026).
- OpenAI erwirtschaftete im ersten Halbjahr 2025 einen Umsatz von 4,3 Milliarden US-Dollar.
Microsofts Milliardengewinn aus Anthropic-Investment
Microsoft hat im vierten Quartal seines Geschäftsjahres 2026, das am 30. Juni endete, einen Gewinn von 3,2 Milliarden US-Dollar aus seiner Beteiligung an dem KI-Labor Anthropic verbucht. Dies geht aus den Quartalszahlen des Konzerns hervor. Der Ertrag steigerte den verwässerten Gewinn je Aktie (EPS) um 33 Cent auf insgesamt 4,81 US-Dollar. Der Gewinn resultiert aus einer Investition, die Microsoft erst im November 2025 getätigt hatte. Damals beteiligte sich der Softwarekonzern mit 5 Milliarden US-Dollar an Anthropic. Die nun realisierte Wertsteigerung von 3,2 Milliarden Dollar innerhalb weniger Monate verdeutlicht die extreme Dynamik der Bewertungen im Sektor der generativen KI. Microsoft profitiert damit direkt vom rasanten Wachstum des OpenAI-Konkurrenten, ohne dass es sich um operative Erträge aus dem eigenen Cloud-Geschäft handelt.
Die Azure-Verpflichtung: 5-Milliarden-Investition mit 30-Milliarden-Rückkanal
Die im November 2025 vereinbarte Finanzspritze von 5 Milliarden US-Dollar war kein einseitiges Geschäft, sondern Teil einer zirkulären Vereinbarung. Im Gegenzug für das Kapital verpflichtete sich Anthropic, Cloud-Dienste aus Microsofts Azure-Plattform im Gesamtwert von 30 Milliarden US-Dollar zu beziehen. Diese Struktur sichert Microsoft einen massiven, langfristigen Umsatzstrom, der die initiale Investition um ein Vielfaches übersteigt. Während Microsoft also einerseits vom Wertzuwachs seiner Anthropic-Beteiligung profitiert, fließt ein großer Teil der Ausgaben des KI-Labors für Rechenleistung direkt an Microsoft zurück. Solche Deals sind in der Branche nicht unüblich, da sie Cloud-Anbietern helfen, ihre Infrastruktur auszulasten, und KI-Firmen den Zugang zu dringend benötigter Rechenkapazität sichern. Die schiere Größenordnung von 30 Milliarden Dollar unterstreicht jedoch den immensen Kapitalbedarf, der mit der Entwicklung und dem Betrieb großer KI-Modelle verbunden ist.
OpenAIs rasantes Umsatzwachstum und die Schattenseite
OpenAI, der andere große Profiteur von Microsofts KI-Strategie, verzeichnete unterdessen ein ebenso beeindruckendes wie teures Wachstum. Der Umsatz des Unternehmens verdreifachte sich im Jahr 2025 nahezu und stieg von 3,7 Milliarden US-Dollar im Vorjahr auf rund 13 Milliarden US-Dollar. Im ersten Halbjahr 2025 hatte OpenAI bereits 4,3 Milliarden US-Dollar erlöst. Dieses Tempo gehört zu den schnellsten Umsatzsteigerungen der Unternehmensgeschichte. Allerdings wird dieses Wachstum von erheblichen Kosten begleitet. Die Bruttomarge lag 2025 bei lediglich 33 Prozent, was vor allem auf die hohen Inferenzkosten zurückzuführen ist – also die Kosten für den Betrieb der Modelle. Diese beliefen sich 2025 auf 8,4 Milliarden US-Dollar und sollen laut Prognosen im Jahr 2026 auf 14,1 Milliarden US-Dollar steigen. Das Umsatzplus wird somit durch einen überproportionalen Kostenanstieg belastet, was den finanziellen Spielraum des KI-Pioniers trotz der Milliardeneinnahmen einengt.
Anthropics umstrittene 30-Milliarden-Rate und OpenAIs Konter
Die Rivalität zwischen den beiden KI-Laboren wird zunehmend auch über Finanzkennzahlen ausgetragen. Anthropic meldete im April 2026 eine annualisierte Umsatzrate von etwa 30 Milliarden US-Dollar und überholte damit nach eigenen Angaben OpenAI, das im Februar 2026 auf rund 25 Milliarden Dollar kam. OpenAI weist diese Darstellung jedoch scharf zurück. Der neue Umsatzchef des Unternehmens bezeichnete die 30-Milliarden-Dollar-Zahl von Anthropic als künstlich überhöht („inflated“). Worauf dieser Widerspruch genau beruht, ist nicht abschließend geklärt. Denkbar sind unterschiedliche Berechnungsmethoden, etwa die Einbeziehung von Cloud-Gutschriften in die Umsatzrate, oder eine wettbewerbsbedingte Herabsetzung durch OpenAI. Der Disput zeigt, wie sehr beide Unternehmen um die Deutungshoheit im Markt ringen und dass die veröffentlichten Zahlen nicht immer direkt vergleichbar sind. Für Außenstehende bleibt die tatsächliche Ertragskraft der KI-Labore schwer zu durchschauen.
Microsofts Doppelwette und der Kampf um die KI-Vorherrschaft
Microsofts Position in diesem Wettstreit ist einzigartig. Der Konzern ist über seine enge Partnerschaft und Beteiligung sowohl mit OpenAI als auch mit Anthropic verbunden und profitiert auf zwei Wegen: von den Wertsteigerungen der KI-Firmen und von deren massiven Ausgaben für Azure-Infrastruktur. Während OpenAI trotz eines Umsatzes von 13 Milliarden Dollar mit hohen Inferenzkosten und einer Bruttomarge von nur 33 Prozent kämpft, liefert Anthropic mit seiner Azure-Verpflichtung über 30 Milliarden Dollar einen planbaren Umsatzstrom. Gleichzeitig befeuert die Rivalität der beiden Labore das Wachstum des gesamten Marktes. Der Streit um die korrekte Höhe der Umsatzraten – 30 Milliarden Dollar bei Anthropic versus 25 Milliarden Dollar bei OpenAI – ist dabei mehr als eine Eitelkeit. Er beeinflusst die Wahrnehmung von Investoren und potenziellen Kunden und prägt so die Dynamik eines Marktes, in dem Microsoft als Infrastrukturanbieter und Anteilseigner eine zentrale, doppelt profitable Rolle einnimmt.



