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Studie: Alle neun getesteten KI-Chatbots kontaktieren Werbe- und Trackingdienste

Das IMDEA Networks Institute hat ChatGPT, Claude, Grok und sechs weitere Dienste gemessen. Chat-Titel, Prompts und Screenshots gelangen teils zu Google, Meta und TikTok. Das Ablehnen von Cookies stoppt nur einen Teil der Datenflüsse.

· Veröffentlicht: 17.10.2026 ·2 Min Lesezeit
Studie: Alle neun getesteten KI-Chatbots kontaktieren Werbe- und TrackingdiensteMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Alle neun getesteten KI-Dienste kontaktieren mindestens einen Werbe- oder Trackingdienst.
  • Gefunden wurden 124 Drittanbieter-Domains von 44 Organisationen, davon 34 Werbe- und Tracking-Anbieter.
  • Sechs von neun Webclients und drei von acht Android-Apps geben Gesprächsinformationen weiter.
  • Gemini, Grok und Mistral übermitteln Chat-Titel; Gemini sendet sie an Google Analytics.
  • Perplexity leitete eingegebene Prompts an Wingify weiter; Grok sendete Screenshots an TikTok.

Alle neun getesteten Chatbots kontaktieren Werbe- und Trackingdienste

Jeder der neun untersuchten KI-Chatbots nimmt Verbindung zu mindestens einem Werbe- oder Trackingdienst auf. Das zeigt eine Messung des IMDEA Networks Institute in Madrid. Getestet wurden ChatGPT, Claude, Grok, DeepSeek, Perplexity, Gemini, Microsoft Copilot, Mistral Le Chat und Meta AI. Die Forschenden zählten 124 Drittanbieter-Domains von 44 Organisationen. 34 dieser Organisationen ordnen sie Werbung und Tracking zu.

Bei sechs von neun Webclients und drei von acht Android-Apps gelangten Informationen aus den Gesprächen an Dritte. Es handelt sich um Chat-URLs, automatisch erzeugte Titel, Prompts oder Screenshots, häufig zusammen mit dauerhaften Nutzerkennungen.

Im Mai 2026 stellten die Forschenden in Spanien jedem Dienst eine medizinische Frage. Dabei variierten sie den Umgang mit Cookies: akzeptiert, abgelehnt, ignoriert. Außerdem testeten sie Gast-, Gratis- und Bezahlkonten. Geprüft wurden alle Webversionen und die Android-Apps von acht Diensten. iOS blieb außen vor. Für die mobile Gemini-App ließen sich keine Traces extrahieren.

Chat-Titel, Prompts und Screenshots: Was bei Google, Meta und TikTok landet

Welche Daten fließen, hängt stark vom Dienst ab. Gemini, Grok und Mistral übermitteln Chat-Titel. Gemini sendet sie laut borncity an Google Analytics. Solche Titel können Sensibles verraten, etwa „Parkinson-Symptome im Frühstadium“. Perplexity leitete eingegebene Prompts an Wingify weiter. Grok schickte Screenshots an TikTok und den jeweils letzten Nutzer-Prompt an Meta.

Nutzer-IDs gehen bei ChatGPT, Claude, Le Chat und Perplexity an Dritte. E-Mail-Adressen betrifft das bei Claude, Mistral und Perplexity. Chat-Links teilen ChatGPT, Claude, Grok, Mistral und Perplexity. Am meisten fällt Grok auf: Sieben Tracker erhalten dort Artefakte samt Nutzerkennungen. Bei ChatGPT, Gemini, Mistral und Perplexity ist es jeweils einer, bei Claude zwei.

Die Formulierung „Gesprächsinhalte“ trifft nicht auf alle sechs Dienste gleichermaßen zu. borncity schreibt, sechs von neun Chatbots, darunter ChatGPT, hätten Gesprächsinhalte weitergeleitet. Laut mactechnews beobachteten die Forschenden bei ChatGPT im Browser jedoch nur Gesprächskennung, Chat-URL sowie Nutzer- und Sitzungskennungen. Diese gingen an Datadog. Prompt, Antwort und Titel sahen sie dort nicht. Datadog ist ein Dienst für Analyse und Systemüberwachung, kein klassischer Werbeanbieter. Die Zahl „sechs von neun“ bündelt demnach unterschiedliche Datenarten, von bloßen Kennungen bis zu Klartext-Prompts.

Wer alle nicht notwendigen Cookies ablehnt, bremst die Datenflüsse nur zum Teil. 80,8 Prozent der Drittanbieter-Tracker liefen weiter. Kommen Kennungen wie gehashte E-Mail-Adressen hinzu, können die Daten laut ppc.land einer Person zuordenbar sein.

Die separate arXiv-Studie „Tracking Conversations“ weist in dieselbe Richtung. Sie misst 20 Chatbots, 17 davon teilen Informationen mit mindestens einem Dritten. Drei übermitteln Gesprächstext im Klartext per Session Replay an Microsoft Clarity. Fünfzehn geben Konversations-URLs oder Chat-IDs an Werbe-, Analyse- oder Social-Endpunkte weiter. In einigen Fällen fließen gehashte E-Mails.

Im vorliegenden Material fehlen Stellungnahmen der Anbieter, eine rechtliche Einordnung und unabhängige Nachmessungen. Zu dem Befund liegen bislang keine Reaktionen vor.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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