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Anthropic-Beschäftigte rechnen mit weit mehr KI-Übernahme als US-Arbeitnehmende

Die Studie „The AI expectations gap“ stellt 1.334 Anthropic-Beschäftigte den Antworten von 10.980 US-Erwachsenen gegenüber. Die Deutung der Lücke als Erfahrungsunterschied stammt vom Hersteller selbst.

· Veröffentlicht: 17.10.2026 ·3 Min Lesezeit
Anthropic-Beschäftigte rechnen mit weit mehr KI-Übernahme als US-ArbeitnehmendeMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Anthropic veröffentlichte am 16. Oktober die Studie „The AI expectations gap“ mit fünf Autorinnen und Autoren.
  • Die Umfragen erfassten 1.334 Anthropic-Staff und 10.980 US-Erwachsene.
  • Über die Hälfte der Anthropic-Beschäftigten erwartet, KI könne bis 2030 mindestens 80 % ihrer Arbeit erledigen.
  • 91 % der Staff und 39 % der US-Erwachsenen erwarten, KI mache bis 2030 eine Entdeckung auf Nobelpreis-Niveau.
  • Von den KI nutzenden Staff sagen 59 %, Aufgaben dauerten mit KI ein Viertel der Zeit oder weniger.

Mehr als die Hälfte der Anthropic-Beschäftigten erwartet bis 2030 KI-Übernahme von mindestens 80 % ihrer Arbeit. Unter US-Arbeitnehmenden sind es 5 %.

Anthropic hat die Studie „The AI expectations gap“ am Freitag, 16. Oktober, veröffentlicht. Verfasst haben sie Szymon Sacher, Tess Cotter, Charles I. Jones, Anton Korinek und Peter McCrory. Sie stellt die Erwartungen der eigenen Belegschaft zu KI, Arbeit und Wirtschaft bis 2030 den Erwartungen der US-Bevölkerung gegenüber.

Zwei Befragungen bilden die Grundlage. Die interne Umfrage lief vom 9. bis 12. August; 1.334 Beschäftigte antworteten. Die Daten wurden nicht gewichtet. Morning Consult befragte vom 11. bis 23. August 10.980 US-Erwachsene. Diese Antworten wurden auf die erwachsene US-Bevölkerung gewichtet.

Der größte Abstand zeigt sich bei der eigenen Arbeit. Über die Hälfte der Anthropic-Beschäftigten hält es für möglich, dass KI bis 2030 mindestens 80 % ihrer aktuellen Tätigkeit erledigen kann. Unter US-Arbeitnehmenden sagen das 5 %. Im Mittel rechnen die Beschäftigten mit 75 % Übernahme, US-Arbeitnehmende insgesamt mit 28 %. Eine genaue Prozentzahl für die Anthropic-Mehrheit nennt das vorliegende Material nicht.

Auch bei den Fähigkeiten klaffen die Erwartungen auseinander. 91 % der Beschäftigten, aber 39 % der US-Erwachsenen halten es bis 2030 für möglich, dass KI eine Entdeckung auf Nobelpreis-Niveau macht. Bei der Zeitersparnis sagen 59 % der Anthropic-Beschäftigten, eine Aufgabe dauere mit KI höchstens ein Viertel der bisherigen Zeit. Unter den US-Erwachsenen, die KI bei der Arbeit nutzen, sind es 26 %.

Mehr als 12 % Arbeitslosigkeit, 17,1 % BIP-Wachstum: Was die Beschäftigten erwarten und was die Studie nicht ist

Für 2030 erwartet die Mehrheit der befragten Anthropic-Beschäftigten eine Arbeitslosenquote von über 12 %. US-Arbeitnehmende rechnen mit etwa 8 % oder weniger. Aktuell liegt die Quote bei 4,2 %. Aus den Antworten leiteten die Forschenden außerdem Median-Prognosen zum BIP-Wachstum 2030 ab: 17,1 % bei den Beschäftigten, 5,4 % bei den US-Erwachsenen. Das US-BIP wuchs im Vorjahr um 2,2 %.

Beide Gruppen verknüpfen die Entwicklung der eigenen Arbeit mit der Gesamtlage. Wer mehr Übernahme der eigenen Tätigkeit erwartet, rechnet mit höherer Arbeitslosigkeit. Laut Studie fällt dieser Zusammenhang in beiden Gruppen sehr ähnlich aus.

Die Zahlen sind Erwartungen der Befragten, keine Prognose von Anthropic zur Arbeitslosenquote. Die Überschrift von hyper.ai („Predicts AI Impact on Unemployment“) überzeichnet das. Hyper.ai lässt außerdem offen, wer die 12 % erwartet. Business Insider ordnet sie den Anthropic-Beschäftigten zu. Im Primärtext ist diese Zuordnung nicht direkt geprüft.

Erfahrung statt Theorie: Warum Anthropic die Lücke so deutet und was sich noch nicht prüfen lässt

Die Autorinnen und Autoren sehen beide Gruppen beim heutigen Stand der KI weitgehend einig. Unterschiede bestehen beim Tempo der Verbesserung, bei der Verbreitung und bei den Zeitgewinnen. Anthropic-Beschäftigte und US-Arbeitnehmende hätten keine unterschiedlichen Theorien über KI und Jobs. Sie machten vielmehr unterschiedliche Erfahrungen mit den Fähigkeiten der Systeme. Das ist eine Deutung des Herstellers aus der eigenen Befragung. Belegt wäre sie erst durch unabhängige Replikation, etwa mit Beschäftigten anderer KI-Firmen.

Als mögliche Gründe nennen die Forschenden höhere Tool-Budgets der Beschäftigten und teils Zugang zu unveröffentlichten Modellen. US-Arbeitnehmende arbeiten dagegen häufiger manuell oder im Servicebereich. Peter McCrory schrieb auf X, die interne Adoption bei Anthropic liege etwa 18 Monate vor der Gesamtwirtschaft. Die Erwartungen könnten deshalb ein Frühindikator sein. Auch das ist eine Herstellerangabe. Prüfbar wird sie nur über unabhängige Adoptionsdaten oder einen späteren Abgleich mit Arbeitsmarktdaten. Intern stellt Anthropic nach eigenen Angaben weniger Junior-Kräfte ein. Bis August hatte das Unternehmen sechsmal mehr KI-Agenten als Beschäftigte.

Kontext, der nicht aus der Studie stammt: In einer Pew-Umfrage vom Juni erwarten 71 % der Erwachsenen weniger Jobs in den USA durch KI. Die Evidenz zum Arbeitsmarkt ist uneinheitlich. Ein Yale-Team fand KI „nicht assoziiert“ mit Veränderungen der Arbeitslosenquote. Einschränkend gilt: Die Umfrage unter den Anthropic-Beschäftigten war nicht gewichtet.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. hyper.ai ↗

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