OpenAI wirft früherem Mitarbeiter Versand von über 100 vertraulichen Dateien vor, der nun bei Apple arbeitet
Im Apple-Prozess reagiert OpenAI mit Gegenvorwürfen und bittet das Gericht um Erlaubnis, Gegenansprüche zu erheben. Apple bestreitet die Vorwürfe. Richter Davila kündigt eine einstweilige Verfügung zugunsten Apples an.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- OpenAI wirft einer Person vor, über hundert vertrauliche Dateien an private Konten gesendet zu haben.
- Die Dateien betreffen ein unveröffentlichtes OpenAI-Gerät und sollen am 2. Juni 2026 versendet worden sein.
- OpenAI hat die Vorwürfe in einem Schriftsatz vor einem US-Bundesgericht in San Jose erhoben.
- Apple bestreitet die Vorwürfe und erklärt, keine Belege gefunden zu haben.
- Apples Anwälte verweisen auf abweichende private Empfängernummern der Person.
Früherer Mitarbeiter soll über 100 Geheimdateien an private Konten geschickt haben
Im Geschäftsgeheimnis-Prozess, den Apple gegen OpenAI führt, geht OpenAI nun selbst in die Offensive. In einem Schriftsatz beim Bundesgericht in San Jose, eingereicht vor einer Case-Management-Konferenz am Mittwoch, erhebt das Unternehmen schwere Vorwürfe gegen eine Person, die nicht namentlich genannt wird. Sie kam von Apple, arbeitete sechs Monate bei OpenAI und ist inzwischen zu Apple zurückgekehrt.
Laut Schriftsatz soll die Person am 2. Juni 2026, ihrem letzten Arbeitstag bei OpenAI, mehr als hundert hochvertrauliche Dateien zu mindestens einem unveröffentlichten OpenAI-Gerät an private Konten geschickt haben. Genannt werden detaillierte Bilder des Geräts, Engineering- und Fertigungsdaten, Lieferanteninformationen, Projektdateien, Standards für kosmetische Oberflächen sowie Berichte zu Beschichtung und Abdichtung von Hardwarekomponenten. Die Angaben stammen aus einer laufenden forensischen Untersuchung, auf die sich OpenAI im Verfahren beruft.
Außerdem soll die Person vor Monaten Apples Führungsebene Produktpläne von OpenAI vorgestellt haben, unter anderem dem Vice President of Operations in Asien. OpenAI befürchtet, dass seine Geheimnisse nun bei Apple kursieren und in dortige Produkte einfließen. Als Beleg verweist das Unternehmen auf den Start von HomeView in dieser Woche.
Den Schriftsatz selbst hat die Redaktion nicht vorliegen. Alle Angaben stützen sich auf Berichte darüber.
Apple: keine Belege, private Empfängernummern passen nicht
Apple weist die Vorwürfe zurück. Gegenüber Reuters erklärte das Unternehmen, es habe keine Belege für OpenAIs Behauptungen gefunden. Neue Mitarbeiter würden überprüft, damit sie keine vertraulichen Unterlagen früherer Arbeitgeber mitbringen.
In einem Schreiben vom 12. Oktober argumentieren Apples Anwälte, dass die zwei von OpenAI genannten privaten Empfängernummern nicht mit den Nummern übereinstimmen, die die Person dienstlich bei Apple nutzte. Daraus folgert Apple, dass es weder Besitz, Verwahrung noch Kontrolle über die Dateien hatte. Die Quelle zu diesem Schreiben bricht an dieser Stelle ab.
Nach Berichtslage belegt OpenAI den Versand an private Konten, nicht aber, dass die Dateien bei Apple ankamen. Genau diesen Schritt bestreitet Apple. Beide Seiten stützen sich auf eigene Untersuchungen, die von außen nicht einsehbar sind. OpenAI sagt, es habe Apple direkt angesprochen und keine Zusicherung erhalten, dass Apple keine OpenAI-Geheimnisse besitze oder nutze. Nun bittet das Unternehmen das Gericht um Erlaubnis, dem nachzugehen und gegebenenfalls Gegenansprüche zu erheben. Eine Stellungnahme der betroffenen Person liegt nicht vor.
Verfahren: Richter Davila kündigt einstweilige Verfügung zugunsten Apples an
Apple hatte im Juli geklagt. Das Unternehmen wirft ehemaligen Mitarbeitern vor, Geschäftsgeheimnisse zugunsten von OpenAI gestohlen zu haben. Im August legte Apple nach einer frühen forensischen Analyse des Laptops eines Ingenieurs, der zu OpenAI gewechselt war, nach eigenen Angaben „schockierende Beweise“ vor.
Laut Bloomberg sagte OpenAI in einer Anhörung freiwillig zu, während des Verfahrens keine Geheimnisse zu nutzen, die Apple als gestohlen bezeichnet. Zudem sollen forensische Abbilder der Geräte von 14 Mitarbeitern gesichert werden. Richter Edward Davila erklärte, er werde „höchstwahrscheinlich“ zugunsten von Apple entscheiden und eine einstweilige Verfügung erlassen. Die Vereinbarung kann er durchsetzen.



