KI-Agenten und Zahlungen: Behauptung ohne unabhängige Belege
Ein dev.to-Artikel behauptet, KI-Agenten könnten eigenständig Zahlungen tätigen – doch die Realität der gescheiterten AutoGPT- und BabyAGI-Projekte spricht dagegen.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Das ursprüngliche BabyAGI (März 2023) führte Task-Planung als Methode für autonome Agenten ein; das Projekt wurde archiviert und in ein Archiv-Repo verschoben (Snapshot September 2024).
- Das neueste BabyAGI ist ein experimentelles Framework für einen selbstbauenden autonomen Agenten; Kern ist 'functionz', ein Funktions-Framework zum Speichern, Verwalten und Ausführen von Funktionen aus einer Datenbank, inklusive Graph-Struktur für Imports, abhängige Funktionen und Authentifizierungsgeheimnisse.
- Der BabyAGI-Autor warnt im Repo: 'Not meant for production use. Use with caution.'
- BabyAGI begann als 105 Zeilen Python, die in einer Endlosschleife LLM-Aufrufe verketteten, um Aufgaben auszuführen; über drei Jahre und neun Iterationen wurde es zum Testfeld für Task-Graphen, parallele Ausführung, Plugin-Systeme, selbsterweiternde Tools, persistenten Speicher und Multi-Channel-I/O.
KI-Agenten und Zahlungen: Behauptung ohne unabhängige Belege
Ein auf dev.to veröffentlichter Artikel behauptet, KI-Agenten könnten eigenständig Websites durchsuchen, APIs aufrufen, Tools nutzen, proprietäre Daten konsumieren, Rechenleistung auslösen und schließlich Zahlungen tätigen – alles ohne dass ein Mensch jede einzelne Anfrage direkt auslöst. Die meisten bestehenden Infrastrukturen gehen jedoch davon aus, dass Anfragen von Menschen oder traditionellen Bots stammen; diese Annahme beginne zu bröckeln. Dadurch entstünden neue Verifizierungs- und Zugriffsprobleme: Wer ist dieser Agent? Kann ich ihn verifizieren? Was darf er abrufen? Wie viel verbraucht er? Soll die Interaktion kostenlos oder kostenpflichtig sein? Die Behauptung geht über die ursprünglichen AutoGPT- und BabyAGI-Berichte hinaus, die sich auf Aufgabenplanung und autonome Ausführung konzentrierten; die Zahlungsfähigkeit wird dort nicht als zentrale Funktion beschrieben. Unabhängige Belege für die Zahlungsfähigkeit fehlen jedoch: Bislang wurde keine unabhängige Studie oder ein Test veröffentlicht, der die Zahlungsfähigkeit von KI-Agenten bestätigt. Die einzige Quelle für diese Behauptung ist der dev.to-Artikel selbst, der vom Autor von Wayleave stammt.
Kritische Rückschau: AutoGPT und BabyAGI weitgehend gescheitert
Eine kritische Rückschau auf die ursprünglichen Projekte AutoGPT und BabyAGI zeichnet ein anderes Bild. AutoGPT, das im März 2023 innerhalb von 16 Tagen 50.000 GitHub-Sterne erreichte und bis Ende April über 100.000, gilt als gescheitert. Die ursprüngliche These versprach, dass der Agent ein Ziel in Teilaufgaben zerlegt, diese durch Tool-Aufrufe ausführt, eine eigene Aufgabenliste pflegt, priorisiert und neu plant sowie bei Bedarf Sub-Agenten erzeugt. Drei Jahre später sei fast nichts von dem ausgeliefert worden, was versprochen wurde; die wenigen umgesetzten Funktionen hätten gegenteilige Lehren gezogen. Auch BabyAGI, das kurz darauf als 105-Zeilen-Python-Skript startete und Task-Planung einführte, wurde inzwischen archiviert und in ein Archiv-Repo verschoben (Snapshot September 2024). Das Repository warnt ausdrücklich: „Not meant for production use. Use with caution.“ Vor diesem Hintergrund erscheint die Behauptung, Agenten könnten eigenständig Zahlungen tätigen, als unbelegt und unrealistisch.
Produkt-Pitch versus Realität
Der dev.to-Artikel entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als Produkt-Pitch für Wayleave. Bereits die Formulierung „Those questions are why I built Wayleave“ und die anschließende Beschreibung von Wayleave als „independent control layer between AI agents and the infrastructure they interact with“ mit dem Modell „Identify → Verify → Authorize → Route → Meter → Monetize“ machen deutlich, dass der Autor eine Lösung für ein von ihm selbst definiertes neues Infrastrukturproblem bewirbt. Eine unabhängige Bestätigung der behaupteten Zahlungsfähigkeit fehlt jedoch. Ein verwandter Artikel mit dem Titel „AI Creator Day an der UCLA: Kreative trotzen dem KI-Backlash“ deutet den breiteren Kontext gesellschaftlicher Reaktionen auf KI an.



