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KI-Ausbau: Schätzungen für 2026 liegen deutlich über 600 Milliarden Dollar

Die 600-Milliarden-Zahl ist im vorliegenden Material nicht belegt. Bei Amazon und Meta drückt der Ausbau auf den Free Cashflow, Private-Credit-Fonds vergeben Kredite, und Anthropic steuert auf einen Börsengang zu.

· Veröffentlicht: 30.10.2026 ·4 Min Lesezeit
KI-Ausbau: Schätzungen für 2026 liegen deutlich über 600 Milliarden DollarMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Amazon hält die Capex-Prognose für 2026 bei 220 Mrd. Dollar; Jassy erwartet für 2027 deutlich mehr.
  • Microsoft senkte seine Capex-Prognose für das Jahr auf 170 Mrd. Dollar, zuvor 175 Mrd.
  • Alphabet erwartet 2026 Capex von 195 bis 205 Mrd. Dollar, nach 91,4 Mrd. im Jahr 2025.
  • Meta investierte im dritten Quartal 34,9 Mrd. Dollar, nach 19,4 Mrd. im Vorjahresquartal.
  • Anthropic hat laut eigener Mitteilung vertraulich einen Entwurf der Registrierungserklärung (Form S-1) bei der SEC eingereicht.

Schätzungen zwischen 720 und 900 Milliarden Dollar liegen über der 600-Milliarden-Marke

Die Zahl von 600 Milliarden Dollar für KI-Investitionen 2026 geht auf einen Bericht von Axios zurück. Prüfen lässt sie sich nicht. Der Originalartikel liegt nicht vor, Herkunft und Abgrenzung sind damit unbelegt. Bestätigen oder widerlegen lässt sie sich auf dieser Grundlage nicht.

Die übrigen Schätzungen liegen deutlich darüber. Laut einer von Bloomberg zusammengestellten Analystenschätzung werden Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta in diesem Jahr über 720 Milliarden Dollar aufwenden, zum Großteil für KI-Infrastruktur. Goldman Sachs rechnet mit 800 Milliarden Dollar für fünf Hyperscaler: Amazon, Alphabet, Microsoft, Oracle und Meta. J.P. Morgan hob seine Schätzung für 2026 von 736 auf 900 Milliarden Dollar an. Gartner beziffert alle KI-Kategorien zusammen auf rund 2,67 Billionen Dollar, ein Plus von 49,5 Prozent gegenüber 2025.

Warum die Werte so weit auseinanderliegen, ist offen. Denkbar sind eine unterschiedliche Abgrenzung, eine andere Zahl berücksichtigter Konzerne, der Zeitpunkt der Schätzung oder ein abweichendes Bezugsjahr. Das bleibt Vermutung.

Bei Amazon und Meta frisst der Ausbau den Free Cashflow

Amazon hält an der Prognose von 220 Milliarden Dollar Investitionen für 2026 fest. Der Konzern meldete zum zweiten Quartal in Folge einen negativen Free Cashflow. Nachbörslich verlor die Aktie mehr als 6 Prozent. Ergebnis und Umsatz im dritten Quartal waren unter den Erwartungen geblieben.

Meta setzte im dritten Quartal 64,6 Milliarden Dollar um, 26 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Investitionen kletterten auf 34,9 Milliarden Dollar, nach 19,4 Milliarden im Vorjahresquartal. Beim Free Cashflow stand ein Minus von 2,1 Milliarden Dollar. Ein Jahr zuvor waren es plus 10,6 Milliarden.

Der operative Gewinn fiel um 37 Prozent auf 13 Milliarden Dollar. Diesen Rückgang kann man nicht dem Ausbau zuschreiben. Im Ergebnis stecken 9,9 Milliarden Dollar Sonderkosten für den Vergleich mit US-Bundesstaaten im Streit um süchtig machende Plattformen. Ohne diese Belastung läge der operative Gewinn laut Quartalsbericht bei 22,9 Milliarden Dollar.

Microsoft senkt, Alphabet hält, für 2027 wird mehr angekündigt

Die Signale wirken widersprüchlich. Microsoft senkte die Prognose für das laufende Jahr auf 170 Milliarden Dollar, zuvor waren es 175 Milliarden. Alphabet beließ sie bei 195 bis 205 Milliarden Dollar, nach 91,4 Milliarden im Jahr 2025. CNBC sieht erste Anzeichen, dass sich der Ausgabenschub abschwächt.

Für 2027 dagegen kündigen die Konzerne mehr an. Amazon-Chef Andy Jassy erwartet, 2027 „meaningfully more“ auszugeben, Alphabet-Präsidentin Ruth Porat „significantly more“. Der Widerspruch löst sich über die Zeithorizonte auf. Die Jahresprognosen für 2026 sind stabil oder leicht gesenkt, die Ankündigungen betreffen das Folgejahr.

Beide verteidigen die Ausgaben. Jassy spricht von einer „clear line of sight to attractive financial returns“. Porat sieht den Ausbau, gemessen am erwarteten wirtschaftlichen Wert, noch in einer frühen Phase. Das sind Selbsteinschätzungen des Managements. Prüfen lassen sie sich an Rendite und Free Cashflow sowie an Umsatz und Margen der KI-Dienste in den kommenden Quartalsberichten.

Private-Credit-Fonds finanzieren den Ausbau zunehmend mit Schulden

Ein Teil des Ausbaus läuft über Kredite. Laut Fortune wachsen Private-Credit-Fonds wie Blue Owl, Apollo und KKR als Geldquelle. Die ausstehenden Privatkredite an KI-nahe Firmen liegen nach einigen Schätzungen bei über 200 Milliarden Dollar. Amtlich ist diese Zahl nicht.

Dem gegenüber steht die Nachfrage. Laut J.P. Morgan wuchs AWS im August 2026 um 37 Prozent auf eine annualisierte Run-Rate von rund 169 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand liegt bei 496 Milliarden Dollar. J.P. Morgan wertet das als Hinweis, dass das Wachstum noch Jahre anhalten dürfte.

Zu Folgen für Energie, Halbleiter oder Immobilien liefert das vorliegende Material keine belegbaren Aussagen.

Anthropic-Börsengang: Zwei Darstellungen zum Stand der Registrierung

Anthropic selbst schreibt, es habe vertraulich einen Entwurf der Registrierungserklärung (Form S-1) bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Das eröffne die Option, nach Abschluss der SEC-Prüfung an die Börse zu gehen. Ob und wann es dazu kommt, hänge von den Marktbedingungen ab. Aktienzahl und Preis stünden nicht fest.

Computerbild berichtet dagegen, Anthropic habe am 26. Oktober 2026 seine Registrierungserklärung eingereicht. Die Class-A-Aktien sollen an der Nasdaq unter dem Kürzel „ANT“ gelistet werden. Medienberichten zufolge peile das Unternehmen die Woche ab dem 16. November 2026 an. Für die Bewertung waren bis zu 2 Billionen Dollar im Gespräch. Einige Investoren erwarten laut Computerbild eher rund 1,5 Billionen.

Ob es sich um zwei aufeinanderfolgende Schritte handelt, ist nicht belegt. Zeitplan und Bewertung stammen aus Medienberichten, nicht von Anthropic. Laut Computerbild ist die Registrierung noch nicht wirksam, einen offiziellen Termin gibt es nicht.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. fortune.com ↗

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