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EU-Ausschreibung für KI-Gigafabriken endet am 12. November

Brüssel stellt bis zu 10 Milliarden Euro für bis zu sieben Standorte bereit. Ob der Druck auf US-Rechenzentren Investitionen nach Europa lenkt, belegt das vorliegende Material nicht.

· Veröffentlicht: 07.11.2026 ·4 Min Lesezeit
EU-Ausschreibung für KI-Gigafabriken endet am 12. NovemberMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Die EU-Kommission sucht Konsortien für bis zu sieben KI-Gigafabriken, Bewerbungsschluss ist der 12. November 2026.
  • Bis zu 10 Mrd. € öffentliche Mittel sollen mindestens 20 Mrd. € private Investitionen auslösen.
  • Die Gigafabriken ergänzen das Netz von 19 KI-Fabriken und sollen Zugang zu Infrastruktur bieten.
  • Erste Fabriken sollen 2027 in Bau gehen; 18 Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Frankreich, beteiligen sich.
  • Die Bundesregierung will bis 2030 eine souveräne KI-Nation werden und mindestens eine Gigafactory holen.

EU schreibt bis zu sieben KI-Gigafabriken aus, Frist endet am 12. November

Die EU-Kommission hat am 30. Juli 2026 eine Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken gestartet. Aus EU- und nationalen Mitteln stehen bis zu 10 Milliarden Euro bereit. Sie sollen mindestens 20 Milliarden Euro an privaten Investitionen auslösen. Insgesamt spricht die Kommission von mehr als 30 Milliarden Euro Investitionsvolumen. Die Industrie führt das Vorhaben, die öffentliche Hand flankiert es.

Die Gigafabriken kommen zum bestehenden Netz von 19 KI-Fabriken hinzu. Start-ups, KMU, Industrie, Forschung und Behörden sollen dort Infrastruktur für Training, Inferenz und Fine-Tuning fortgeschrittener KI-Modelle nutzen können. Laut Kommission verbinden die Standorte KI-Prozessoren, Software- und Cloud-Stacks, schnelle Anbindung und energieeffiziente Rechenzentren. Europa soll fortgeschrittene KI damit auf eigener Infrastruktur und nach EU-Regeln entwickeln können.

Konsortien haben bis zum 12. November 2026 Zeit, sich zu bewerben. Die Frist läuft also in wenigen Tagen ab. Die ersten Fabriken sollen 2027 in den Bau gehen.

18 Staaten machen mit, neun haben noch kein Geld zugesagt

An dem Programm beteiligen sich 18 Mitgliedstaaten, darunter Deutschland und Frankreich. Zur Absicherung der Hardware hat die Kommission Absichtserklärungen mit AMD, NVIDIA und Qualcomm unterzeichnet. Absichtserklärungen sind jedoch keine Lieferverträge. Mengen oder Konditionen nennt das Material nicht.

Politico berichtet, zwei Drittel der EU-Regierungen hätten Geld für den Plan zugesagt. Neun Länder hätten dagegen keine Mittel zugesagt, und das in einer Phase, in der die nationalen Haushalte ohnehin angespannt sind. Beteiligung und Finanzierung fallen also auseinander.

Die Bundesregierung will Deutschland bis 2030 zu einer souveränen KI-Nation machen und mindestens eine Gigafactory ins Land holen. Das Programm ist vor allem ein europäisches Souveränitätsprojekt. Es soll die Abhängigkeit von US-amerikanischen und asiatischen Anbietern verringern.

US-Netze bremsen, der Ausbau läuft trotzdem weiter

In den USA gilt der Netzanschluss als zentraler Engpass. Ein Rechenzentrum lässt sich oft in ein bis drei Jahren bauen. Neue Netzinfrastruktur braucht dagegen fünf bis 15 Jahre für Planung, Genehmigung und Bau. Selbst mit bestehendem Anschluss kann lokale Überlastung die verfügbare Leistung vor Ort begrenzen.

Das Berkeley Lab zählte Ende 2025 rund 8.200 Projekte in den Interconnection-Queues. Bei 2025 gebauten Projekten lag die durchschnittliche Wartezeit zwischen Anschlussantrag und Betrieb bei über fünf Jahren. Die Daten betreffen allerdings Erzeugung und Speicher, nicht direkt Großverbraucher wie Rechenzentren. Sie zeigen, wie verstopft das Anschlusssystem ist. Verzögerungen bei Großlasten liegen nahe, belegt sind sie damit nicht.

SemiAnalysis zeichnet ein anderes Bild. Rund drei Viertel der für 2027 erwarteten 33,8 Gigawatt in den 20 wichtigsten Bundesstaaten seien bereits im Bau. Von rund 20 Gigawatt, die in lokale Beschränkungen fallen, sah das Unternehmen im September nur etwa 1,5 Gigawatt verzögert. Für 2028 erwartet es 62,2 Gigawatt Zubau in den USA, größtenteils ohne Baubeginn. Das politische Risiko wachse, weil der Widerstand gegen Rechenzentren zunehme und sich die Regeln ändern könnten.

Europa hat eigene Engpässe: volle Netze und teurer Strom

Auch Europa kämpft mit Netzengpässen. Anschlussanfragen von Rechenzentren beim italienischen Netzbetreiber Terna überstiegen am 31. August 2026 die Marke von 100 Gigawatt. Der dänische Betreiber Energinet stoppte im März 2026 neue Netzvereinbarungen. Rund 14 Gigawatt an Rechenzentren standen in seiner Warteschlange.

Hinzu kommen die Strompreise. Große Verbraucher zahlten im ersten Halbjahr 2026 in 12 von 15 untersuchten europäischen Ländern mehr als den US-Industriedurchschnitt, in Irland das 2,2-Fache. Im EU-Durchschnitt lag der Aufschlag im zweiten Halbjahr 2025 beim 1,5-Fachen. Gegenüber rund dem 2,3-Fachen im Jahr 2022 ist das eine deutliche Verbesserung.

Verlagerung nach Europa? Das Material belegt sie nicht, und das Paket gilt als klein

Die These, der Druck auf US-Rechenzentren bringe Europa KI-Milliarden, trägt das vorliegende Material nicht. Keine Quelle belegt konkrete Verlagerungen von US- an EU-Standorte. Der Golem-Artikel, der die Ausgangsthese aufstellt, liegt nur über seinen Titel vor. Die Quellen beschreiben US-Engpässe und das EU-Programm getrennt voneinander. SemiAnalysis sieht den US-Ausbau weitgehend ungebremst.

Über die Größe des Pakets gehen die Einschätzungen auseinander. Die Kommission sieht einen Hebel für mehr als 30 Milliarden Euro Investitionen. Das Handelsblatt nennt 200 Milliarden Euro, die die EU insgesamt für KI mobilisieren wolle. Eine Aufschlüsselung dieser Summe enthält das Material nicht. Dem stellt sich der Vergleich mit den USA gegenüber: Große Tech-Konzerne planen dort nach einem Bericht mehr als 600 Milliarden Dollar für Rechenzentren. Das europäische Paket fiele demnach deutlich kleiner aus.

Zudem zweifeln der Internetverband Eco und europäische Cloud-Anbieter daran, dass sich Gigafabriken ohne verbindliche Buchungen von Rechenkapazität rechnen. Offen bleibt, wer sich bewirbt, ob die neun Staaten ohne Mittelzusage noch Geld bereitstellen und ob die Nachfrage die Investitionen trägt.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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