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Epoch AI schätzt KI-Rechenleistung pro Land und Quartal seit 2022

Der neue AI Chip Imports explorer verknüpft Zolldaten mit Chipabsatz-Schätzungen und weist Ländersummen seit 2022 aus – als Modellrechnung, nicht als Inventar

· Veröffentlicht: 01.11.2026 ·3 Min Lesezeit
Epoch AI schätzt KI-Rechenleistung pro Land und Quartal seit 2022Mit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Epoch AI hat den AI Chip Imports explorer gestartet, der KI-Rechenleistung seit 2022 schätzt.
  • Der Explorer erfasst alle grenzüberschreitenden Chip-Ankünfte, auch in Anlagen außerhalb des AI-Data-Centers-Hubs.
  • Die Schätzung nutzt monatliche Zollstatistiken ab Januar 2021 für 16 Zielregionen.
  • Epoch stellt die Werte als modellierte Schätzungen dar, nicht als Inventar installierter Chips.
  • Kein Zollcode isoliert KI-Beschleuniger; manche gezählten Chips sind möglicherweise noch nicht in Betrieb.

Epoch AI schätzt KI-Rechenleistung pro Land und Quartal seit 2022

Epoch AI hat den „AI Chip Imports explorer“ veröffentlicht. Das Werkzeug schätzt für jedes Quartal seit 2022, wie viel KI-Rechenleistung in H100-Äquivalenten in einzelnen Ländern angekommen ist. Die Basis bilden Zolldaten, die Epoch mit eigenen Schätzungen zum Chipabsatz verknüpft.

Neu ist die Ländersicht. Der bisherige AI-Data-Centers-Hub von Epoch verortet einzelne Anlagen. Der Explorer erfasst dagegen alle grenzüberschreitenden Chip-Ankünfte, also auch Chips in Anlagen, die der Hub nicht enthält. Er ist das jüngste Glied in Epochs Projekt zur Kartierung der KI-Chip-Lieferkette. Bereits veröffentlicht sind Daten zu Komponenten wie Wafern, CoWoS-Packaging und HBM-Speicher, zum Chipabsatz sowie zu Eignern, Nutzern und Rechenzentren.

Epoch will mit dem Zusammenspiel dieser Datensätze „the most complete public picture“ der weltweiten KI-Rechenleistung, ihrer Kontrolle und ihres Standorts liefern. Das ist ein Anspruch des Anbieters und keine überprüfte Tatsache. Konkrete Länderergebnisse liegen im hier ausgewerteten Material nicht vor.

Zolldaten aus 16 Regionen, verteilt nach Handelswert

Der Ansatz beruht darauf, dass fast jeder KI-Chip mindestens eine Grenze überquert. Die meisten Länder veröffentlichen dazu monatliche Zollstatistiken. Epoch sammelt solche Daten seit Januar 2021 für 16 Zielregionen: die USA, China, Hongkong, die EU, Südkorea, Malaysia, Singapur, das Vereinigte Königreich, Japan, Indonesien, Indien, Thailand und Mexiko. Saudi-Arabien, Australien und Kanada kommen über UN Comtrade hinzu. Ausgewertet werden vier HS-Codes für KI-Serverhardware, darunter Server und Teile wie GPU-Boards.

Epoch trennt den KI-bedingten Anteil von einer Nicht-KI-Basislinie ab, die aus dem Handel des Jahres 2021 gebildet wird. Re-Exporte werden abgezogen, sodass jeder Chip nur im Endbestimmungsland zählt. Anschließend verteilt Epoch die vierteljährlichen Absatzzahlen aus den eigenen Chipabsatzdaten proportional zum Handelswert auf die Länder. Herauskommen je Land und Quartal kumulative Werte für den KI-bedingten Chip-Handelswert, die Chipanzahl und die Rechenleistung in H100e. Die übrigen Zielländer leitet Epoch aus Exporteurdaten ab.

Die Absatzschätzungen stützen sich vor allem auf Umsatzberichte der Chiphersteller, Medien- und Analystenberichte zu Durchschnittspreisen sowie auf Angaben und Schätzungen von Unternehmen und Analysten. Laut Epoch macht Nvidia den Großteil der weltweiten KI-Rechenleistung aus. Daten und Methodik seien nach Angaben von Epoch öffentlich zugänglich.

Modellierte Schätzung, kein Inventar: Grenzen und abweichende China-Zahlen

Epoch betont, dass es sich um modellierte Schätzungen handelt und nicht um ein Inventar installierter Chips. Kein Zollcode trennt KI-Beschleuniger heraus. Der KI-Anteil am Hardwarehandel muss deshalb geschätzt werden. Außerdem sind manche gezählten Chips womöglich noch nicht in Betrieb.

Vergleichbar sind andere Schätzungen nur bedingt. Das Institute for Progress (IFP) rechnet laut einem Bericht der Zeitung SCMP, zitiert von forklog.com, damit, dass Chinas verfügbare KI-Rechenleistung bis Ende 2027 von 4,6 auf 8,8 Millionen H100-Äquivalente steigen könnte. Rund 65 Prozent entfielen auf US-designte Chips. Eingerechnet sind heimische Prozessoren, legale Importe, mutmaßlich geschmuggelte Lieferungen und Fernzugriff auf Cloud-Angebote im Ausland. Letzterer soll von etwa einer Million H100e Ende 2026 auf 2,8 Millionen Ende 2027 wachsen. Das IFP misst also verfügbare Rechenleistung, keine Importe.

Das CSET der Georgetown University führt eine Schätzung an, wonach 2024 und 2025 über 450.000 fortgeschrittene KI-Chips nach China geschmuggelt wurden. Auch sie bezieht sich nur auf einen Teilausschnitt.

Welche Schätzung der Wirklichkeit näherkommt, lässt sich mit dem vorliegenden Material nicht beurteilen. Gleichen Dritte die Ländersummen des Explorers mit solchen Angaben, mit Regierungsdaten oder mit Branchenanalysen ab, wird die Modellrechnung überprüfbar.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. epoch.ai ↗

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