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Anthropic zeigt Investoren Chipteam, das Claude bereits nutzt

Anthropic bestätigt sein Chipteam; Größe von 15 Personen und Claude-Einsatz stammen aus Berichten. Der Vorsprung gegenüber Nvidia und AMD ist nur geschätzt.

· Veröffentlicht: 04.11.2026 ·3 Min Lesezeit
Anthropic zeigt Investoren Chipteam, das Claude bereits nutztMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Anthropic stellt ein Team für eigene Chips ein, die seine Modelle betreiben sollen.
  • Ein Sprecher bestätigte die Pläne gegenüber Business Insider und TechCrunch.
  • Anthropic will weiterhin Hardware anderer Anbieter neben eigenen Designs nutzen.
  • Laut eigener Mitteilung sicherte sich Anthropic die gesamte Kapazität von Colossus 1 bei SpaceX.
  • Anthropic plant weitere Compute-Vereinbarungen: bis 5 GW mit Amazon, 5 GW mit Google und Broadcom.

Anthropic zeigt Investoren 15-köpfiges Chipteam, das Claude bereits nutzt

Vor dem geplanten Börsengang hat Anthropic Investoren ein Chipdesign-Team mit 15 Personen vorgestellt. Laut mehreren Medien, die übereinstimmend berichten, setzt das Team Claude schon für Engineering- und Designaufgaben ein. Die Berichte gehen erkennbar auf The Information zurück. Das Original liegt nicht vor, die Angaben sind daher nur über Sekundärberichte belegt.

Neu ist damit zweierlei. Bekannt war bisher, dass Anthropic ein „custom silicon team“ aufbaut. Stellenanzeigen suchen einen Senior Engineer mit Erfahrung bei ausgelieferten Halbleiterdesigns, einen Silicon Engineer und einen Technical Program Manager Silicon. Ein Sprecher bestätigte die Pläne gegenüber Business Insider und TechCrunch. Hinzu kommen nun die Teamgröße und der Hinweis, dass Claude in diesem Team bereits arbeitet.

Die Trennlinie verläuft klar. Das Team und die Pläne hat ein Anthropic-Sprecher bestätigt. Teamgröße und Claude-Einsatz stammen dagegen nur aus der Berichtslage. Noch weniger belastbar sind Einzelheiten, die allein eine Quelle nennt: Claude übernehme iterative Designvalidierung, Optimierungsschleifen und Dokumentationserstellung. Anthropic habe außerdem mehrere Firmen für Electronic Design Automation (EDA) um Zugang zu proprietären Chipdesign-Datensätzen gebeten, um die Modelle für Halbleiteraufgaben nachzuschärfen. Eine Bestätigung durch Anthropic oder die EDA-Firmen steht aus.

Der Vorsprung gegenüber Nvidia und AMD ist geschätzt, nicht gemessen

Den Berichten zufolge soll Anthropic behaupten, Claude verkürze die Entwicklungszeit und senke die Kosten gegenüber den Abläufen bei Nvidia und AMD. Das Unternehmen bezeichne den Vorgang als „rekursiven“ Zyklus: Claude helfe beim Entwurf der Chips, auf denen Claude später laufe. Es handle sich um eine Selbsteinschätzung, vorgetragen gegenüber Investoren im Börsenkontext, also gegenüber einem Publikum, das überzeugt werden soll.

Belastbar ist der Vergleich nicht. Er stützt sich auf Schätzungen über die Arbeitsabläufe beider Konzerne, nicht auf gemessene Entwurfszeiten vergleichbarer Projekte. Eine unabhängige Prüfung fehlt ebenfalls.

Prüfbar wäre die Aussage über gemessene Entwurfs- und Verifikationszeiten vergleichbarer Projekte, über Angaben in Prospekt oder Roadshow-Unterlagen sowie über unabhängige EDA-Fachleute aus Industrie und Forschung. Solche Ergebnisse liegen bislang nicht vor.

Eigene Chips sind ein Vorhaben, die Rechenleistung kommt von Fremdhardware

Ein Anthropic-Sprecher betont, das Unternehmen verfolge weiterhin einen „multi-chip approach“ und werde Hardware anderer Anbieter neben eigenen Designs nutzen. Dass Anthropic Nvidia und AMD herausfordern oder die Abhängigkeit von ihnen verringern wolle, deuten einzelne Berichte so. Von Anthropic selbst stammt diese Deutung nicht.

Die aktuelle Kapazität kommt überwiegend von Fremdhardware. Laut Anthropic soll die Vereinbarung mit SpaceX die gesamte Kapazität des Rechenzentrums Colossus 1 umfassen: mehr als 300 Megawatt und über 220.000 Nvidia-GPUs. Hinzu kommen bis zu 5 Gigawatt mit Amazon, 5 Gigawatt mit Google und Broadcom ab 2027 sowie eine Partnerschaft mit Microsoft und Nvidia samt 30 Milliarden US-Dollar Azure-Kapazität.

Der bei der SEC eingereichte Prospekt nennt mehr als 750 Milliarden US-Dollar an Compute-Vereinbarungen. Rund 400 Milliarden davon entfallen auf TPU-basierte Kapazität. Eigene Chips bleiben damit ein Vorhaben und kein laufendes Produkt.

Anthropic steht nicht allein da. OpenAI hat mit „Jalapeño“ einen mit Broadcom entwickelten Inferenzchip angekündigt. Google und Meta betreiben eigene Chips. Auch Mistral prüft nach Berichten dergleichen.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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