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OpenAI will COBOL-Programme verhaltenstreu nach Java und Rust übersetzen

Für GPT-6 Astra nennt der Konzern 87,4 Prozent im eigenen Test MultiLangBench. Die Migrationsqualität ist unabhängig bislang nicht bestätigt. Gartner und Ensono sehen das Kernproblem an anderer Stelle.

· Veröffentlicht: 27.10.2026 ·2 Min Lesezeit
OpenAI will COBOL-Programme verhaltenstreu nach Java und Rust übersetzenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Laut OpenAI sind neueste Modelle besser beim Bauen und Migrieren in COBOL, Fortran, Visual Basic.
  • MultiLangBench prüft, ob ein Modell eine SQLite-kompatible Datenbank-Engine aus Vorgaben baut.
  • Bei MultiLangBench erreicht GPT-6 Astra im Schnitt 87,4 % Testdurchlauf, GPT-5.6 Sol 26,8 %.
  • Bei MultiLangBench bleibt COBOL die schwierigste Sprache, Astra erreicht dort 72 %.
  • In einer zweiten Evaluation migrieren Modelle COBOL-Programme nach C++, Java, Kotlin, Python oder Rust.

OpenAI will COBOL-Programme verhaltenstreu nach Java, Rust und weiteren Sprachen übersetzen

OpenAI hat den Beitrag „Advancing coding in low-resource programming languages“ veröffentlicht. Demnach können die neuesten Modelle, genannt wird GPT-6 Astra, Software in COBOL, Fortran und Visual Basic besser entwickeln und migrieren. COBOL-Programme sollen sich ohne Verhaltensänderung nach C++, Java, Kotlin, Python und Rust übertragen lassen. Laut hyper.ai hat OpenAI dies am 19. Oktober gemeldet.

Begründet wird das mit Rückmeldungen von Entwicklern und Unternehmenskunden. Die Dokumentation sei oft unvollständig, Originalentwickler hätten das Unternehmen verlassen, und wichtige Geschäftsregeln stünden teils nur im Code. Deshalb müsse bei einer Migration das Verhalten der Systeme erhalten bleiben.

Zur Bedeutung der Sprache zitiert OpenAI eine Angabe von IBM: COBOL stütze mehr als 40 Prozent der Online-Banking-Systeme, 80 Prozent der Kartenzahlungen vor Ort und 95 Prozent der Geldautomaten-Transaktionen. Engadget nennt dagegen einen Anteil von 40 Prozent der Banken weltweit, die auf COBOL setzen. Das ist eine andere Bezugsgröße als im OpenAI-Beitrag.

MultiLangBench: 87,4 Prozent für Astra, 26,8 Prozent für GPT-5.6 Sol, COBOL bleibt am schwersten

OpenAI hat zwei Evaluationen selbst entwickelt. Bei MultiLangBench baut ein Modell eine SQLite-kompatible Datenbank-Engine in einer vorgegebenen Programmiersprache. Laut Engadget erzielt GPT-6 Astra über mehr als 20 Sprachen im Schnitt einen Testdurchlauf von 87,4 Prozent. GPT-5.6 Sol kommt auf 26,8 Prozent. COBOL ist die schwierigste Sprache, dort liegt Astra bei 72 Prozent. Es handelt sich um Herstellerangaben, die Engadget wiedergibt.

Die zweite Evaluation lässt die Modelle COBOL-Programme in fünf Zielsprachen migrieren und prüft, ob das Verhalten erhalten bleibt. Mehr Angaben zu diesem Aufbau enthält das vorliegende Material nicht: Metriken, Testaufbau und Vergleichswerte fehlen. Ein COBOL-Wert für das Vorgängermodell fehlt ebenfalls. Damit lässt sich nicht beziffern, wie viel Astra bei der schwersten Sprache gewonnen hat.

Ob die Meldung gegenüber früheren Ankündigungen anderer Anbieter einen Sprung darstellt, lässt sich auf dieser Grundlage nicht beurteilen.

Gartner und Ensono: Schnellere Übersetzung macht Migrationen nicht automatisch sicher

Unabhängig bestätigt ist die Migrationsqualität bislang nicht. Der Ausdruck vom „spektakulären Sprung“ stammt aus Herstellerangaben und Berichten darüber. Prüfbar wäre die Qualität durch unabhängige Differential- und Äquivalenztests an realen COBOL-Beständen, etwa zu Packed Decimal, Dateiformaten und Batch-Verhalten. Hinzu kämen ein offengelegter Testaufbau und Metriken.

Gartner erwartet laut Ascendion, dass über 70 Prozent der in diesem Jahr begonnenen Mainframe-Migrationen scheitern, vor allem weil Technologieverantwortliche den Nutzen generativer KI überschätzen. Analyst Matt Brasier nennt Legacy-Modernisierung ein ungelöstes Geschäftsproblem, kein technisches. Die Zahl betrifft alle Mainframe-Migrationen, nicht OpenAIs Modelle.

Auch Ensono sieht das Kernproblem nicht in der Codeübersetzung. Der Mainframe-Dienstleister ist allerdings nicht interessenfrei.

Beide Positionen können zugleich zutreffen. OpenAI misst Übersetzungs- und Testleistung. Kritiker betrachten die Gesamtmigration und das Betriebsrisiko. Die Warnungen sind nicht neu. Nach dem vorliegenden Material muss niemand sofort handeln.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. hyper.ai ↗

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