Anthropic-Prospekt: Gründer behalten Stimmenmehrheit, erstes Quartal mit Betriebsgewinn
Der öffentliche S-1 zeigt eine Class-F-Aktie mit 50,1 % der Stimmen, 974 Millionen Dollar GAAP-Betriebsgewinn im Juni-Quartal und Compute-Zusagen von bis zu 567 Milliarden Dollar.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Die Aktie soll unter „ANT“ an der Nasdaq gehandelt werden.
- Sieben Mitgründer, darunter Dario und Daniela Amodei, sind alleinige Mitglieder der „Founder LLC“.
- Die Founder LLC hält 50,1 % der Stimmrechte.
- Der Umsatz betrug im April bis Juni 2026 11,555 Mrd. Dollar, im Vorjahresquartal 787 Mio. Dollar.
- Im ersten Halbjahr 2026 betrug der Umsatz 16,3 Mrd. Dollar, im Vorjahr 1,2 Mrd. Dollar.
Sieben Mitgründer sichern sich mit einer Aktie 50,1 % der Stimmen
Anthropic hat am 26. Oktober 2026 den S-1-Prospekt öffentlich gemacht. Das Dokument umfasst rund 300 Seiten, Fortune zählt 318. Die Aktie soll an der Nasdaq unter „ANT“ gehandelt werden. Goldman Sachs und Morgan Stanley führen das Geschäft. Preisspanne, Aktienzahl und Zahlen für das dritte Quartal fehlen im Dokument noch.
Sieben Mitgründer, darunter Dario und Daniela Amodei, bilden die „Founder LLC“. Sie hält die einzige Class-F-Aktie. Diese Aktie trägt keine wirtschaftlichen Rechte, wohl aber 50,1 % der Stimmen. Öffentliche Anleger kaufen Class-A-Aktien und teilen sich die übrigen 49,9 %. Laut Prospekt können die Gründer damit auf absehbare Zeit alle Aktionärsabstimmungen entscheiden. Class-A-Inhaber können Abstimmungen und Direktorenwahlen „generally“ nicht beeinflussen. Dem Prospekt zufolge dürfte die Struktur als Hürde gegen unerwünschte Übernahmeangebote, Tender Offers und Proxy-Kämpfe wirken. Auch der Austausch von Direktoren und Management könnte schwieriger werden.
Erster GAAP-Betriebsgewinn: 974 Mio. Dollar bei 11,555 Mrd. Dollar Umsatz
Im Quartal April bis Juni 2026 erreichte der Umsatz 11,555 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 787 Millionen Dollar, ein Plus von 1.368 %. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz auf 16,3 Milliarden Dollar, nach 1,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum.
Der GAAP-Betriebsgewinn lag bei 974 Millionen Dollar, also einer Marge von 8 %. Unter den sechs Quartalen, die der S-1 ausweist, ist es das einzige mit Betriebsgewinn. Der bereinigte Betriebsgewinn beträgt 2,235 Milliarden Dollar (19 %). Die Differenz von 1,261 Milliarden Dollar entfällt auf aktienbasierte Vergütung. Der Prospekt warnt, die Marge könne sinken, sobald große Compute-Mengen ans Netz gehen.
Der Nettoverlust im Halbjahr beträgt 80,7 Milliarden Dollar. Den Großteil macht keine operative Belastung aus: 72,4 Milliarden Dollar entfallen auf eine Fair-Value-Belastung auf Wandelanleihen. Der operative Verlust im Halbjahr liegt bei 693 Millionen Dollar. Größter Aufwandsposten ist Compute mit rund 5,6 Milliarden Dollar im zweiten Quartal.
Compute-Zusagen von 542 bis 567 Mrd. Dollar, Medien zählen unterschiedlich
Laut Fortune hat sich Anthropic zu Ausgaben von 542 bis 567 Milliarden Dollar für künftige Compute und Infrastruktur verpflichtet. 417 Milliarden Dollar davon betreffen Verträge vom 31. Dezember 2025. Sie starten zwischen 2026 und 2027 und laufen ein bis 20 Jahre. Weitere 125 bis 150 Milliarden Dollar entfallen auf Kapazität mit Start zwischen 2028 und 2031. Gegenparteien sind Google, SpaceXAI, Amazon, Microsoft, Nscale und Lambda. Amazon, Google und Microsoft sind zugleich Vertriebspartner von Claude, Investoren und Wettbewerber.
Die Medien zählen unterschiedlich. Gadgets Now nennt sechs benannte Verträge und kommt auf bis zu 476 Milliarden Dollar. Xenospectrum listet sieben Verträge nach Gegenpartei. Vermutlich liegen unterschiedliche Abgrenzungen zugrunde, etwa Verträge mit fester Laufzeit gegenüber zusätzlichen Kapazitätszusagen. Ohne den Originaltext lässt sich das nicht auflösen.
Risikoteil warnt vor „catastrophic or existential risks to humanity“
Rund 94 Seiten widmen sich Risiken, Hamilton Nolan spricht von knapp 100. Anthropic warnt vor „catastrophic or existential risks to humanity“, ausdrücklich auch „within our organization“. Genannt werden Fehlausrichtung, Missbrauch und hochautonome Systeme. Als wesentlicher Risikofaktor gilt außerdem die Verfügbarkeit von Compute. Der Markt sei „intensely competitive“.
Offen bleiben Preisspanne, Aktienzahl und die Zahlen des dritten Quartals. Sie fehlen im veröffentlichten Dokument.



