Nach Berichterstattung: ISBNdb stoppt Buchbeschaffungs-Service für KI-Training
Das Buchdatenbank-Unternehmen ISBNdb hat nach einem Bericht von 404 Media die Bewerbung eines Dienstes eingestellt, der gedruckte Bücher für das KI-Training beschaffen sollte. Das Unternehmen entfernte die entsprechende Website und erklärte, es habe sich nur um einen „Test des Marktinteresses“ gehan
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- ISBNdb bewarb auf einer Marketing-Landingpage einen Service zur Beschaffung gedruckter Bücher für das Training von KI-Modellen.
- Nach der Berichterstattung von 404 Media am 21. Juli 2025 löschte ISBNdb den Teil der Website mit dem Angebot und veröffentlichte am 30. Juli 2025 eine Klarstellung auf der Homepage und der News-Seite.
- ISBNdb erklärte, niemals Bücher für KI-Training gekauft oder gescannt zu haben.
- Die Buchdatenbank von ISBNdb umfasst nach eigenen Angaben über 111 Millionen Einträge.
ISBNdb stoppt Buchbeschaffungs-Service für KI-Training
Die Buchdatenbank ISBNdb hat die Bewerbung eines Dienstes eingestellt, der gedruckte Bücher für das Training von KI-Modellen beschaffen sollte. Nach einem Bericht von 404 Media löschte das Unternehmen den entsprechenden Teil seiner Website. Neun Tage später, am 30. Juli 2025, veröffentlichte ISBNdb eine Klarstellung auf der Homepage und der News-Seite. Darin hieß es: „Wir haben die jüngste Berichterstattung über eine Marketing-Landingpage auf unserer Seite gesehen und verstehen die dadurch ausgelösten Bedenken.“ Das Unternehmen betonte, niemals Bücher für KI-Training gekauft oder gescannt zu haben, und bezeichnete die Seite als „Test des Marktinteresses“. Die Datenbank umfasst nach eigenen Angaben über 111 Millionen Einträge und gilt als eine der größten Buchdatenbanken weltweit.
Das Angebot: Hochvolumige Buchakquise für KI-Unternehmen
Der von 404 Media enthüllte Webauftritt warb mit dem Slogan: „The world's best AI training data is sitting on a shelf.“ Die Landingpage richtete sich explizit an KI-Unternehmen und bot „hochvolumige Buchakquise-Dienste“ an. Gedruckte Bücher seien demnach ideale Trainingsdaten, weil sie kuratiert, lektoriert und garantiert frei von KI-generierten Inhalten seien. ISBNdb pries seine Datenbank als Quelle für „kuratierte, peer-reviewte, domänenspezifische Informationen“ und versprach einen Service, der die Lücke zwischen physischen Büchern und digitalen Trainingsdatensätzen schließen sollte. Konkrete Angaben zu technischen Abläufen wie Scannen oder Digitalisierung machte die Seite nicht.
Rückzug und Relativierung: ISBNdb spricht von Markttest
Am 30. Juli ergänzte ISBNdb seine Homepage um eine Notiz und veröffentlichte ein Update auf der News-Seite. Darin erklärte das Unternehmen, die Landingpage habe lediglich einem „Test des Marktinteresses“ gedient. Man habe zu keinem Zeitpunkt tatsächlich Bücher für KI-Training erworben oder digitalisiert. Die Seite sei entfernt worden. Die Stellungnahme betonte: „The facts: ISBNdb has never purchased or scanned books for AI training.“ Das Unternehmen stellte klar, dass sein Kerngeschäft die Bereitstellung von Buchdaten sei, nicht der Handel mit physischen Büchern.
Widersprüchliche Darstellungen: Service oder Sondierung?
Zwischen der ursprünglichen Bewerbung und der nachträglichen Deutung klafft ein Widerspruch. Die Formulierung „high-volume book acquisition services for AI companies“ auf der Landingpage beschrieb einen konkreten, operativen Service – nicht eine unverbindliche Marktsondierung. ISBNdb hingegen spricht nun von einem Test des Marktinteresses. Die Diskrepanz wirft Fragen auf: Handelte es sich um ein reales Angebot, das nach der Berichterstattung zurückgezogen wurde, oder um eine übertrieben formulierte Marketingmaßnahme? Dass die Seite erst nach dem Medienbericht gelöscht wurde, spricht für Ersteres. Gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, dass tatsächlich Bücher angekauft oder gescannt wurden. Die nachgeschobene Erklärung erscheint daher wie ein Rückzieher unter öffentlichem Druck.
Branchenstimmen: Erleichterung bei Autoren, Verlust für KI-Entwickler
Der Rückzug des Dienstes stößt in der Branche auf ein geteiltes Echo. Autoren und Verlage, die seit langem gegen die ungefragte Nutzung ihrer Werke für KI-Training protestieren, begrüßen die Entscheidung. Sie sehen darin einen wichtigen Schritt zum Schutz geistigen Eigentums. KI-Unternehmen hingegen bedauern den Verlust einer potenziellen Datenquelle. Gedruckte Bücher gelten ihnen als hochwertige, kuratierte Trainingsdaten, die frei von KI-generierten Inhalten sind. Der Fall verdeutlicht die tiefe Kluft zwischen den Interessen der Urheber und dem Datenhunger der KI-Industrie.
Urheberrecht und KI: Ein umstrittenes Terrain
Der Vorgang fügt sich in die breitere Debatte um KI-Training mit urheberrechtlich geschützten Werken ein. Eine Studie von KI Spotlight mit dem Titel „Unternehmen forschen kaum zu verantwortungsvoller KI“ zeigt, dass ethische Fragestellungen beim KI-Training oft vernachlässigt werden. Die rechtlichen Rahmenbedingungen sind umstritten, wie eine wachsende Zahl von Gerichtsfällen und Fachartikeln belegt. Der Fall ISBNdb illustriert, wie schnell aus einer vermeintlich harmlosen Marktsondierung ein handfester Urheberrechtskonflikt werden kann, und unterstreicht die Notwendigkeit klarer Regeln für die Nutzung geschützter Inhalte im KI-Kontext.
Wenn die KI ihre eigenen Quellen frisst
Für manche Beobachter ist die Jagd nach unberührten Texten ein Zeichen dafür, dass sich die Technologie selbst kannibalisiert. summonsays in r/books kommentiert ironisch: „Es ist schon lustig – die KI vergiftet ihre eigene Quelle. Mal sehen, ob sie sich rechtzeitig stabilisiert oder sich selbst zerreißt.“ Ein KI-Insider hält dagegen und sieht in der Digitalisierung seltener Bücher einen Akt der Langzeitarchivierung: „Die meisten von uns spenden für solche Projekte und betrachten das Training der Modelle als Bewahrung des Wissens“, erklärt genshiryoku in r/singularity. Doch doodlinghearsay in r/singularity widerspricht: „Das ist keine Archivierung. Es gibt einen Grund, warum man Quellen angibt – damit Wissen nachprüfbar bleibt und Urheber gewürdigt werden.“



