Microsoft soll Investitionsprognose um 5 Milliarden auf 170 Milliarden Dollar senken
Die Zahl stammt aus einem einzigen Sekundärbericht, ist unbestätigt und im Zeitbezug widersprüchlich. Belegt sind dagegen die Kündigung eines Nscale-Vertrags und ein Leasingvolumen von 329,1 Milliarden Dollar.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Microsoft kündigt Vertrag über Nscales KI-Rechenzentrum in Loughton wegen Verzögerungen beim Stromanschluss.
- Nscale hält am Standort fest; übrige Microsoft-Verträge sind laut Unternehmen nicht betroffen.
- Microsoft meldet nicht begonnene Leasingverträge über 329,1 Mrd. USD, Stand 30. Juni 2026.
- Der FY2026-Umsatz lag bei 331,8 Mrd. USD, Capex bei 115,9 Mrd. USD.
- Im Q4 FY26 stieg der Umsatz um 18 % auf 90 Mrd. USD, Azure um 43 %.
Microsoft soll Investitionsprognose um 5 Milliarden auf 170 Milliarden Dollar senken
Microsoft hat die Investitionsprognose für das Kalenderjahr 2026 von 175 auf 170 Milliarden US-Dollar gesenkt, also um rund 3 Prozent. So berichtet es das Portal hyper.ai. Demnach hat Finanzchefin Amy Hood die Änderung im Earnings Call zum ersten Geschäftsquartal bekanntgegeben, das am 30. September endete.
Als Grund nennt der Bericht verzögerte Kapazitäten von Drittanbietern, die unter GPU-as-a-Service-Verträgen geliefert werden sollen. Hood erwarte, dass die Ausgaben im weiteren Verlauf des Geschäftsjahres wieder steigen, sobald diese Kapazitäten verfügbar sind. Folgt man dieser Darstellung, wäre die Kürzung eine zeitliche Verschiebung und kein Rückzug.
Die gesamte Darstellung stützt sich auf eine einzige Sekundärquelle. Eine Primärquelle fehlt. Weder die Aufzeichnung des Calls noch der Quartalsbericht (10-Q) oder eine Pressemitteilung liegen vor. Die Senkung ist deshalb unbestätigt.
Nscale-Kündigung in Loughton, 329 Milliarden Dollar an noch nicht begonnenen Leasings
Belegt ist ein anderer Vorgang. Microsoft hat den Vertrag über das geplante KI-Rechenzentrum des Anbieters Nscale in Loughton (England) gekündigt, weil sich der Stromanschluss verzögerte. Vorgesehen waren 50 Megawatt, ausbaubar auf 90 Megawatt, und 23.040 Nvidia-GB300-GPUs für Azure. Ein Nscale-Sprecher bestätigte die Kündigung. Nscale halte an dem Standort fest und prüfe alternative Stromquellen. Die übrigen Verträge mit Microsoft seien nach Unternehmensangabe nicht betroffen.
Hinzu kommen Leasingzusagen. Im Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2026 (Stichtag 30. Juni 2026) weist Microsoft noch nicht begonnene Leasingverträge über 329,1 Milliarden Dollar aus, vor allem für Rechenzentren. Zum 31. Dezember 2025 waren es 155,1 Milliarden, zum 31. März 2026 196,6 Milliarden. Die Verträge beginnen zwischen dem Geschäftsjahr 2027 und 2033. In den 115,9 Milliarden Dollar Investitionsausgaben des Geschäftsjahres 2026 sind sie nicht enthalten.
Ob die Nscale-Kündigung mit der gemeldeten Prognosesenkung zusammenhängt, ist nicht belegt. Keine der Quellen stellt diese Verbindung her.
Kalender- oder Geschäftsjahr: Die 170-Milliarden-Zahl lässt sich nicht einordnen
Der Bericht widerspricht sich in sich. hyper.ai nennt für die Prognose das Kalenderjahr 2026 und spricht zugleich von einer Beschleunigung der Ausgaben in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahres. Microsofts Geschäftsjahr endet im Juni. Dessen zweite Hälfte liegt also im Kalenderjahr 2027.
Die belegten Vergleichsgrößen beziehen sich auf das Geschäftsjahr. 2026 beliefen sich die Investitionsausgaben auf 115,9 Milliarden Dollar, im vierten Quartal auf 41 Milliarden. Für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027 erwartete Microsoft mehr als 50 Milliarden Dollar. Die 170 Milliarden lassen sich damit nicht abgleichen.
Eine Umstellung erschwert den Vergleich zusätzlich. Microsoft verlängert im Geschäftsjahr 2027 die geschätzte Nutzungsdauer von Rechenzentren und Bürogebäuden von 15 auf 25 Jahre. Dadurch fallen mehr künftige Rechenzentrums-Leasings als Operating Leases statt als Finance Leases an.
Ob hyper.ai Kalender- und Geschäftsjahr vermischt oder Microsoft tatsächlich eine Kalenderjahresgröße genannt hat, bleibt offen. Ohne Primärquelle lässt sich das nicht klären.



