Live General Robotics: Auto-Engineering verkürzt Roboter-Produktionsstart auf zwei Stunden

Groq lizenziert Inferenz-Technologie an Nvidia für rund 20 Milliarden Dollar und wechselt das Geschäftsmodell

Nicht-exklusiver Lizenzvertrag, Führungswechsel und Neupositionierung als Cloud-Anbieter

· Veröffentlicht: 15.09.2026 ·6 Min Lesezeit
Groq lizenziert Inferenz-Technologie an Nvidia für rund 20 Milliarden Dollar und wechselt das GeschäftsmodellMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Groq und Nvidia haben im Dezember 2025 einen nicht-exklusiven Lizenzvertrag über Groqs Inferenz-Technologie abgeschlossen.
  • Der Vertrag hat einen Wert von etwa 20 Milliarden US-Dollar in bar.
  • Im Rahmen des Deals wechseln Groq-Gründer Jonathan Ross, Präsident Sunny Madra und weitere Führungskräfte zu Nvidia.
  • Groq bleibt ein unabhängiges Unternehmen; zunächst übernahm Finanzchef Simon Edwards die CEO-Rolle, später wurde Adam Winter CEO.
  • GroqCloud wird nach Angaben von Groq ohne Unterbrechung weiterbetrieben.
  • Groq hat im Juni 2026 650 Millionen US-Dollar aufgenommen, um die AI-Inferenz-Cloud auszubauen.

Groq verkauft Inferenz-Technologie an Nvidia und wechselt das Geschäftsmodell

Groq hat im Dezember 2025 einen nicht-exklusiven Lizenzvertrag mit Nvidia über seine Inferenz-Technologie abgeschlossen. Der Wert liegt nach Angaben von CNBC und weiteren Quellen bei rund 20 Milliarden US-Dollar in bar. Im Rahmen des Deals wechselten Gründer Jonathan Ross, Präsident Sunny Madra und weitere Führungskräfte zu Nvidia. Ross übernahm dort die Rolle des Chief Software Architect.

Groq bleibt nach eigenen Angaben ein unabhängiges Unternehmen. Zunächst übernahm Finanzchef Simon Edwards die CEO-Rolle, später wurde Adam Winter zum Chief Executive ernannt. GroqCloud, die Inferenz-Cloud-Plattform des Unternehmens, werde ohne Unterbrechung weiterbetrieben, teilte Groq mit.

Der Vertrag markiert einen Strategiewechsel: Statt eigener Chips will Groq künftig als Anbieter von AI-Cloud-Infrastruktur auf Basis von Nvidia-Hardware auftreten. Die Mehrheit der Hardware- und Software-Engineering-Abteilungen wechselte zu Nvidia, während Rechenzentrumsbetrieb, Recht, Finanzen und Kundeninfrastruktur bei Groq verblieben.

Der Deal kam schnell zustande. Drei Monate zuvor hatte Groq im September 2025 noch 750 Millionen US-Dollar bei einer Bewertung von 6,9 Milliarden US-Dollar aufgenommen. Der Lizenzvertrag mit Nvidia entspricht damit dem 2,9-fachen dieser Bewertung.

Was Nvidia lizenziert: LPU-Architektur, aber nicht das Unternehmen

Nvidia hat nicht Groq als Unternehmen erworben, sondern eine nicht-exklusive Lizenz an der Technologie genommen. Lizenziert wurden die LPU-Architektur (Language Processing Unit), das Datenfluss- und statische Scheduling-Design, die Compiler-Toolchain sowie das Silizium-Design einschließlich des LP30, Groqs dritter Chip-Generation auf Samsung-4nm-Fertigung.

Groq Inc. als juristische Person bleibt unabhängig. Auch GroqCloud, die Inference-as-a-Service-Plattform, wurde nicht Teil der Transaktion und wird weiterhin eigenständig betrieben. Nvidia-CFO Colette Kress lehnte eine Stellungnahme zu dem Geschäft ab.

Die Struktur des Deals ist bemerkenswert: Statt einer Übernahme wählte Nvidia den Weg der Lizenzierung, verbunden mit der Abwerbung des Gründers und zentraler Führungskräfte. Die Mehrheit der Hardware- und Software-Engineering-Abteilungen folgte.

Für Nvidia bedeutet die Lizenz Zugriff auf eine Architektur, die für deterministische, latenzarme Inferenz optimiert ist – ein Bereich, in dem Groq bislang als einer der wenigen spezialisierten Herausforderer galt. Der nicht-exklusive Charakter der Lizenz erlaubt es Groq zugleich, die Technologie weiter zu nutzen.

Vom Chip-Startup zur Cloud: Finanzierungsrunden und Bewertungsabsturz

Nach dem Lizenzvertrag richtet sich Groq neu aus: vom Chip-Entwickler zum Betreiber einer AI-Inferenz-Cloud auf Nvidia-Hardware. Das Unternehmen will nach eigenen Angaben die weltweit führende AI-Inferenz-Cloud aufbauen. Dafür hat Groq in diesem Jahr zwei Finanzierungsrunden abgeschlossen: Im Juni nahm das Unternehmen 650 Millionen US-Dollar auf, im August weitere 350 Millionen US-Dollar. Die zweite Runde wurde von Disruptive angeführt, Nvidia plante eine Beteiligung.

Die Bewertung fiel dabei deutlich: Lag sie im September 2025 noch bei 6,9 Milliarden US-Dollar, beträgt sie nach der August-Runde 3,5 Milliarden US-Dollar – ein Rückgang um rund die Hälfte. Ein Sprecher des Unternehmens erklärte gegenüber TechCrunch, man sehe dies nicht als Down Round, sondern als neue Bewertung für die Post-Nvidia-Lizenzvertrag-Version von Groq.

Groq betreibt nach eigenen Angaben 13 Rechenzentren auf vier Kontinenten – Nordamerika, Europa, Naher Osten und Asien-Pazifik – und bedient mehr als sechs Millionen Entwickler. Die Kapazität soll von derzeit 54 Megawatt auf über 200 Megawatt bis 2027 ausgebaut werden. Das Unternehmen bietet Cloud-Dienste unter den Namen GroqMetal für Bare-Metal-Infrastruktur, GroqCore als Inference-Stack und GroqAssured für Governance an. Zudem wird Groq NVIDIA Groq 3 LPX Racks mit Vera Rubin NVL72 anbieten und ist NVIDIA Cloud Partner geworden.

Zu den bekannt gegebenen Partnerschaften zählen Equinix für ein britisches Rechenzentrum, das US-Energieministerium, Paytm, McLaren Racing, Bell Canada und Meta für die Llama-API.

GroqCloud-Kunden melden Support-Probleme trotz Beteuerungen

Zwischen offizieller Darstellung und Kundenberichten klafft ein Widerspruch. Groq erklärte nach dem Deal, GroqCloud werde ohne Unterbrechung weiterbetrieben. Doch mehrere Enterprise-Kunden berichten laut einem Bericht von einem Rückgang der technischen Support-Reaktionsfähigkeit und Verzögerungen bei AI-Modell-Updates nach dem Führungsabgang.

Die Ursachen sind nicht abschließend geklärt. Möglich ist, dass die Probleme erst mit zeitlichem Abstand zum Deal auftraten, als die Abwanderung der Engineering-Teams ihre Wirkung entfaltete. Die Mehrheit der Hardware- und Software-Engineering-Abteilungen wechselte zu Nvidia – genau jene Teams, die für die Pflege und Weiterentwicklung der Plattform zuständig waren. Bei Groq verblieben Rechenzentrumsbetrieb, Recht, Finanzen und Kundeninfrastruktur.

Auch die offiziellen Kennzahlen deuten auf operative Schwierigkeiten hin: GroqCloud war im Jahr 2025 operativ defizitär – über 40 Millionen US-Dollar Cloud-Umsatz standen über 64 Millionen US-Dollar Cloud-Ausgaben gegenüber. Die Umsatzprognose für 2025 wurde von über zwei Milliarden auf über 500 Millionen US-Dollar revidiert – Groq begründete dies mit Kapazitätsengpässen in den Rechenzentren, die einen Teil der Einnahmen in dieses Jahr verschoben hätten.

Groq selbst betont in aktuellen Mitteilungen Rekordzahlen bei Entwicklern und anhaltendes Wachstum des Produktions-Traffics. Die Diskrepanz zu den Kundenberichten bleibt ungeklärt.

US-Senatoren fordern Aufklärung zum Nvidia-Groq-Deal

Die US-Senatoren Elizabeth Warren und Richard Blumenthal haben einen Brief an Nvidia zum Groq-Deal geschickt. Der Inhalt des Schreibens ist nicht öffentlich zugänglich – der Link auf der Website des Senats führt zu einer Zugriffsverweigerung. Allein die Existenz des Briefes signalisiert jedoch kartellrechtliche Bedenken: Warren und Blumenthal gehören zu den schärfsten Kritikern der Marktmacht großer Technologiekonzerne und haben sich wiederholt zu Wettbewerbsfragen im KI-Sektor geäußert. Ob und wie Nvidia auf das Schreiben reagiert hat, ist nicht bekannt.

Nvidias Griff nach der Inferenz-Dominanz: Was der Deal für den Markt bedeutet

Der Deal ist ein strategischer Schritt Nvidias zur Sicherung der Inferenz-Dominanz. Während Nvidia im Training von KI-Modellen bereits eine marktbeherrschende Stellung einnimmt, verlagert sich die Nachfrage zunehmend auf die Inferenz – den Betrieb trainierter Modelle in Echtzeit. Groq galt mit seiner LPU-Architektur als einer der wenigen spezialisierten Herausforderer in diesem Bereich: Laut TechCrunch war das Unternehmen darauf fokussiert, eigene Chips zu bauen, um mit Nvidia bei der Inferenz zu konkurrieren. Durch die Lizenzierung der Technologie und die Abwerbung des Gründers sowie der Mehrheit der Hardware- und Software-Engineering-Teams eliminiert Nvidia einen potenziellen Konkurrenten, ohne ihn formal zu übernehmen. Konkret erhält Nvidia Zugang zu Groqs deterministischer Inferenz-Technologie, die für latenzkritische Anwendungen optimiert ist, und kann diese in sein eigenes Produktportfolio integrieren – etwa in die auf der GTC angekündigte LPX-Plattform. Gleichzeitig schwächt der Abfluss von Know-how und Personal Groq als eigenständigen Wettbewerber. Branchenbeobachter sehen darin einen Beleg für Nvidias Bestreben, seine Dominanz vom Training auf die Inferenz auszuweiten.

Für Groq bedeutet der Pivot eine Neuausrichtung. Das Unternehmen gibt die eigene Chip-Entwicklung auf und wird zum Abnehmer von Nvidia-Hardware – eine Rolle, die zahlreiche Cloud-Anbieter bereits ausfüllen. Die operative Ausgangslage ist schwierig: GroqCloud war im Jahr 2025 defizitär, die Umsatzprognosen wurden deutlich nach unten korrigiert. Die Bewertung halbierte sich.

Der Vergleich zu anderen Chip-Partnerschaften zeigt die Besonderheit: Üblicherweise lizenzieren Unternehmen Technologie, ohne dass der Lizenzgeber sein Kerngeschäft aufgibt. Im Fall Groq ist die Lizenzierung mit dem Verlust des Gründers und der Engineering-Teams verbunden – faktisch eine Übernahme der Technologiekompetenz ohne Übernahme des Unternehmens. Zum Vergleich: Qualcomm und AWS vereinbarten eine mehrjährige Chip- und Netzwerkpartnerschaft, bei der beide Unternehmen gemeinsam Produkte entwickeln, ohne dass eine Seite ihre Kernarchitektur lizenziert oder Führungskräfte abgibt. Der Groq-Deal geht weit darüber hinaus: Nvidia erhält die LPU-Architektur und die Schlüsselpersonen, während Groq als Cloud-Anbieter auf Nvidia-Hardware umsteigt. Ob die verbliebene Cloud-Infrastruktur unter neuer Führung profitabel betrieben werden kann, ist offen.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. hyper.ai ↗

Ähnliche Artikel