Qualcomm und AWS vereinbaren mehrjährige Chip- und Netzwerkpartnerschaft
Amazon erhält Aktienoptionen im Wert von vier Milliarden Dollar – Qualcomm nutzt AWS-Cloud für Chipdesign und positioniert sich gegen Nvidia und AMD
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Qualcomm und Amazon haben eine mehrgenerationen Zusammenarbeit angekündigt.
- Der Fokus der Zusammenarbeit liegt auf KI-Inferenz.
- Die Zusammenarbeit umfasst optische Konnektivität mit Bandbreiten bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde.
- Amazon erhält einen Warrant zum Kauf von bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem Ausübungspreis von 161,26 US-Dollar pro Aktie, was einem Gesamtwert von etwa 4 Milliarden US-Dollar entspricht.
- Der Warrant läuft bis zum 3. September 2036.
- Die Aktienoptionen vesten in Tranchen, die an kommerzielle Vereinbarungen und Käufe von bis zu 60 Milliarden US-Dollar an Qualcomm-Produkten geknüpft sind.
Qualcomm und AWS vereinbaren mehrjährige Chip- und Netzwerkpartnerschaft
Qualcomm und Amazon haben am 8. September 2026 eine mehrjährige Zusammenarbeit angekündigt, bei der Qualcomm maßgeschneiderte Chips für KI-Inferenz und optische Netzwerklösungen für Amazon Web Services (AWS) liefert. Der Fokus liegt auf KI-Inferenz, also dem Betrieb bereits trainierter Modelle. Dieser Fokus ist strategisch: Bei Inferenz-Workloads entscheiden Energieeffizienz und Kosten pro Token über die Wirtschaftlichkeit, da sie kontinuierlich in Rechenzentren laufen. Analyst Stephen Sopko von HyperFrame Research betont: „Power is the constraint that decides which architectures get built“ – Leistung ist die entscheidende Größe. Qualcomm bringt nach eigenen Angaben seine Erfahrung in energieeffizienter Verarbeitung, Chipdesign und Systemintegration ein, während Amazon seine Cloud-Infrastruktur beisteuert. Die Chips sollen über mehrere Produktgenerationen entwickelt werden. Zusätzlich arbeiten die Unternehmen an optischer Konnektivität mit Bandbreiten bis zu 1,6 Terabit pro Sekunde, um Engpässe bei der Vernetzung von Inferenz-Clustern zu vermeiden. Die optischen Lösungen basieren auf Qualcomms SerDes- und optischen DSP-Technologien. Weder konkrete Produktnamen noch Liefertermine wurden genannt. Der Deal ist Teil von Qualcomms Strategie, sich vom Smartphone-Markt zu lösen und im Data-Center-Bereich Fuß zu fassen. Für AWS bedeutet der Vertrag eine Erweiterung der Hardware-Optionen neben den eigenen Chipfamilien Trainium, Graviton und Nitro.
Amazon sichert sich Aktienoptionen im Wert von vier Milliarden Dollar
Amazon erhält einen Warrant zum Kauf von bis zu 25 Millionen Qualcomm-Aktien zu einem Ausübungspreis von 161,26 US-Dollar pro Aktie. Das entspricht einem Gesamtwert von etwa 4 Milliarden US-Dollar. Der Warrant läuft bis zum 3. September 2036. Die Aktienoptionen vesten in Tranchen, die an kommerzielle Vereinbarungen und Käufe von bis zu 60 Milliarden US-Dollar an Qualcomm-Produkten geknüpft sind. Bei Ausgabe des Warrants wurden 3,75 Millionen Aktien sofort unverfallbar, basierend auf anfänglichen Kaufverpflichtungen. Die restlichen Aktien werden in Stufen frei, wenn Amazon bestimmte Meilensteine erreicht und tatsächlich Qualcomm-Produkte kauft. Die 60 Milliarden US-Dollar sind eine potenzielle Obergrenze über die Laufzeit, keine feste Bestellung. Die Vereinbarung wurde in einer SEC-Einreichung offengelegt. Qualcomm hat den Warrant an eine Amazon-Tochter ausgegeben. Die Laufzeit von zehn Jahren gibt Amazon langfristige Anreize. Die Vesting-Bedingungen sind an tatsächliche Käufe gebunden, nicht nur an Absichtserklärungen. Das macht den Deal für Qualcomm kalkulierbar. Insgesamt zeigt die Aktienkomponente, dass Amazon als strategischer Partner gewonnen werden soll, nicht nur als Kunde.
Qualcomm nutzt AWS-Cloud für Chipdesign und baut Data-Center-Geschäft aus
Qualcomm plant, AWS AI-Infrastruktur einschließlich Amazon Bedrock für Electronic Design Automation (EDA) zu nutzen, um Chipdesign-Zyklen zu verkürzen. Durch die Nutzung von AWS-Rechenleistung für Modellierung und Verifikation kann Qualcomm auf flexible, skalierbare Ressourcen zugreifen, was die parallele Bearbeitung komplexer Designaufgaben ermöglicht und so die Zeit bis zur Fertigstellung verkürzt. Diese gegenseitige Abhängigkeit vertieft die Partnerschaft: Qualcomm nutzt die Cloud des Kunden, für den es die Chips entwirft. Qualcomm strebt einen Data-Center-Umsatz von 15 Milliarden US-Dollar bis zum Geschäftsjahr 2029 an. Das ist ein ehrgeiziges Ziel, da das Unternehmen bisher vor allem für Smartphone-Prozessoren bekannt ist. Der AWS-Deal ist ein wichtiger Baustein, um dieses Ziel zu erreichen. Qualcomm hat bereits im Juni einen CPU-Vertrag mit Meta für den Dragonfly C1000 abgeschlossen, und Microsoft setzt Qualcomms Speicherarchitektur HBC in Azure ein. Damit hat Qualcomm innerhalb weniger Monate drei große Hyperscaler als Kunden gewonnen. Das Unternehmen will den Data-Center-Markt mit mehreren Produkten adressieren, darunter eine CPU, einen KI-Beschleuniger und optische Konnektivität.
Vom Fire Phone zum KI-Rechenzentrum: Die Vorgeschichte der Partnerschaft
Die Hardware-Zusammenarbeit zwischen Qualcomm und Amazon reicht über ein Jahrzehnt zurück. 2014 lieferte Qualcomm den Snapdragon-800-Prozessor für das Amazon Fire Phone, das jedoch kein kommerzieller Erfolg wurde. Im Januar 2025 kündigten die Unternehmen eine Zusammenarbeit im Automotive-Bereich an: Qualcomms Snapdragon Digital Cockpit Platform wurde mit Amazons Alexa Custom Assistant kombiniert, um KI-gestützte Fahrzeuginnenräume zu schaffen. Der neue Deal ist eine deutliche Ausweitung: Statt einzelner Geräte oder Fahrzeugkomponenten geht es nun um Rechenzentrums-Hardware im großen Maßstab. Zudem ist die Partnerschaft erstmals mit finanziellen Anreizen in Form von Aktienoptionen verbunden. Das zeigt, dass Amazon als strategischer Partner gewonnen werden soll, nicht nur als Abnehmer. Für Qualcomm ist der Deal ein weiterer Schritt, um sich vom Smartphone-Markt zu lösen und im Data-Center-Bereich zu wachsen. Die Vorgeschichte zeigt, dass die Unternehmen bereits Erfahrung in der Zusammenarbeit haben, aber der Umfang hat sich grundlegend geändert.
Qualcomm positioniert sich gegen Nvidia und AMD – auch mit Blick auf Europa
Qualcomm positioniert sich mit dem AWS-Deal im Wettbewerb gegen Nvidia und AMD. Der Markt für KI-Chips wird bisher von Nvidia dominiert, aber Qualcomm versucht, mit energieeffizienten Designs zu punkten. Analyst Stephen Sopko von HyperFrame Research erklärt, dass bei Inferenz Metriken wie Tokens pro Watt und Tokens pro Rack entscheidend sind – genau dort setzt Qualcomm an. Bereits im Juni hatte Qualcomm einen mehrgenerationalen CPU-Vertrag mit Meta für den Dragonfly C1000 abgeschlossen, Produktion ab 2028. Zuvor hatte Qualcomm einen Custom-AI-Chip-Deal mit ByteDance abgeschlossen. Diese Deals zeigen, dass Hyperscaler nach Alternativen zu Nvidia suchen. Auch AMD hat in der Vergangenheit Meta und OpenAI im Rahmen von Lieferverträgen eigene Aktien angeboten, um Kunden zu binden. Die Praxis, Kunden mit Eigenkapital zu beteiligen, wird in der KI-Infrastruktur zunehmend üblich. Qualcomm ist zudem einer von drei Chipmachern – neben Nvidia und AMD –, die Memoranda zur Belieferung der EU-KI-Gigafactories unterzeichnet haben. Dieses Programm umfasst bis zu sieben Standorte und ein Volumen von etwa 30 Milliarden Euro, von denen rund 10 Milliarden Euro öffentlich sind, aber nur etwa 1 Milliarde Euro tatsächlich zugesagt wurde. Die europäische Dimension zeigt, dass Qualcomm auch außerhalb der USA als Lieferant für KI-Infrastruktur wahrgenommen wird. Der AWS-Deal stärkt Qualcomms Position, da Amazon als weltgrößter Cloud-Anbieter ein wichtiger Referenzkunde ist. Die optische Konnektivität bis 1,6 Tbit/s ist ein weiteres Differenzierungsmerkmal, da Nvidia und AMD diesen Bereich weniger stark abdecken. Insgesamt verschiebt sich der Markt: Neben Nvidia und AMD etabliert sich Qualcomm als dritter Anbieter für maßgeschneiderte KI-Chips.
Börse reagiert verhalten: Kursanstieg zwischen vier und neun Prozent
Die Börse reagierte verhalten auf die Ankündigung. Die Qualcomm-Aktie stieg nach Bekanntgabe des Deals, aber die Angaben zum Kursanstieg widersprechen sich. Eine Quelle berichtet von einem Anstieg um knapp neun Prozent an der Wall Street, eine andere von vier Prozent. Die Gründe für die unterschiedlichen Angaben sind in den Quellen nicht erläutert. Klar ist, dass die Aktie zulegte, aber die Höhe des Anstiegs ist nicht eindeutig belegt. Die verhaltene Reaktion deutet darauf hin, dass der Markt die langfristigen Auswirkungen des Deals noch abwartet.



