Australiens KI-Rechenzentren: 162 in Betrieb, 90 geplant, A$155 Mrd. Investitionen
Stromverbrauch, Lärm und Energiewende: Der Boom der Rechenzentren bringt massive Investitionen und wachsende lokale Konflikte.
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◆ Fakten auf einen Blick
- In Australien gibt es 162 Rechenzentren, 90 weitere sind geplant, und es sind schätzungsweise über A$155 Mrd. (£80 Mrd.) an Investitionsgeldern vorgesehen.
- In West-Sydney ist eines der weltweit größten Rechenzentren mit einer Leistung von einem Gigawatt geplant; es wäre voraussichtlich Australiens größter Einzelenergieverbraucher.
- In Marsden Park (West-Sydney) entsteht das größte Rechenzentrum der Südhalbkugel, nur 100 Meter von einer Wohngegend entfernt.
- Microsoft investiert bis Ende 2029 A$25 Mrd. (USD 18 Mrd.) in neue digitale Infrastruktur in Australien und erweitert damit seine Azure-KI- und Cloud-Infrastruktur um mehr als 140 Prozent.
- Microsoft hat mit der australischen Regierung ein Memorandum of Understanding unterzeichnet und zugesagt, Übertragungs- und Infrastrukturkosten für Rechenzentren zu übernehmen, australischen Organisationen günstige Konditionen zu bieten und die Energiewende zu unterstützen.
- Microsoft wird bis 2028 drei Millionen Australierinnen und Australiern KI-Kenntnisse vermitteln und mit dem Australian AI Safety Institute sowie der Australian Signals Directorate und dem Department of Home Affairs zusammenarbeiten.
Australiens KI-Rechenzentren: 162 in Betrieb, 90 geplant, A$155 Mrd. Investitionen
Australien erlebt einen rasanten Ausbau von Rechenzentren. Nach aktuellen Angaben gibt es landesweit 162 bestehende Anlagen, 90 weitere sind geplant, und es sind schätzungsweise über A$155 Mrd. an Investitionsgeldern vorgesehen. In West-Sydney ist eines der weltweit größten Rechenzentren mit einer Leistung von einem Gigawatt geplant; es wäre voraussichtlich Australiens größter Einzelenergieverbraucher. In Marsden Park, ebenfalls in West-Sydney, entsteht bereits das größte Rechenzentrum der Südhalbkugel – nur 100 Meter von einer Wohngegend entfernt. Microsoft hat nach eigenen Angaben (Herstellerangabe) zugesagt, bis Ende 2029 A$25 Mrd. in neue digitale Infrastruktur zu investieren und damit seine Azure-KI- und Cloud-Infrastruktur um mehr als 140 Prozent zu erweitern. Der AI Data Center Index verzeichnet acht KI-Rechenzentren in Australien mit 1,2 Gigawatt erfasster Kapazität; vier sind in Betrieb, vier in Planung. Führende Betreiber sind Amazon Web Services, Google und Microsoft, mit Schwerpunkten in Melbourne und Sydney.
Stromverbrauch explodiert: Prognosen sehen Anstieg auf 33,7 TWh bis FY36
Der Strombedarf der Rechenzentren wächst deutlich schneller als bislang erwartet. Oxford Economics und der Australian Energy Market Operator prognostizieren, dass der Verbrauch im National Electricity Market von 5,1 Terawattstunden im Fiskaljahr 2026 auf 15,5 Terawattstunden im Fiskaljahr 2030 und 33,7 Terawattstunden bis FY36 steigt. National steigen die Werte von 5,2 auf 15,8 beziehungsweise 34,3 Terawattstunden. Die Nachfrage konzentriert sich dabei auf New South Wales und Victoria. Ein von Greenpeace in Auftrag gegebener Bericht geht noch weiter: Demnach wird der Strombedarf der Rechenzentren von 2024–25 bis 2040 um mehr als das Sechsfache steigen – von 2 auf 13 Prozent des gesamten Energieverbrauchs Australiens. Der Bericht warnt, dass dieser unerwartete Zuwachs größer sein könnte als der zusätzliche Strombedarf durch die Elektrifizierung von Autos und Haushalten.
Energiewende in Gefahr? Greenpeace warnt, Microsoft verspricht Unterstützung
Zwischen den Warnungen von Greenpeace und den Zusagen von Microsoft klafft ein deutlicher Widerspruch. Der von Greenpeace beauftragte Bericht kommt zu dem Schluss, dass der unerwartete Strombedarf der Rechenzentren die Energiewende gefährde und dazu führen könne, dass Australien auf teurere, fossile Energiequellen zurückgreifen muss, um die Lücke zu schließen. Microsoft hingegen hat nach eigenen Angaben (Herstellerangabe) mit der australischen Regierung ein Memorandum of Understanding unterzeichnet und zugesagt, Übertragungs- und Infrastrukturkosten für Rechenzentren zu übernehmen, australischen Organisationen günstige Konditionen zu bieten und die Energiewende zu unterstützen. Das Unternehmen will zudem die erneuerbare Energiekapazität im Land erhöhen, im Einklang mit seinen eigenen Zielen zur CO2-Neutralität bis 2030. Die unterschiedlichen Einschätzungen beruhen auf abweichenden Annahmen über die Ausbaugeschwindigkeit erneuerbarer Energien und den Netzanschluss: Greenpeace betrachtet den gesamten nationalen Bedarf, Microsoft nur die eigenen Projekte und Zusagen.
Lärm als neues Konfliktfeld: Anwohner klagen über Brummen, Grenzwerte unter Druck
Neben dem Energieverbrauch rückt zunehmend die Lärmbelastung in den Fokus. In Lane Cove, einem Vorort von Sydney, berichtet eine Anwohnerin von einem ständigen Brummen, das von einem 350 Meter entfernten Rechenzentrum ausgeht. Im örtlichen Industriepark sind vier weitere Rechenzentren geplant. Die für ein Rechenzentrum in Perth vorgeschlagenen Kühleinheiten sind mit je 89 Dezibel bewertet. Zum Vergleich: An einer ruhigen Straße in New South Wales muss der gesamte Standort am nächsten Haus unter etwa 35 Dezibel bleiben – und je ruhiger die Straße, desto strenger wird der Grenzwert. Ein A$600-Millionen-Rechenzentrum in Perth wurde im Mai zurückgezogen, weil ein in den Vorschriften nicht definiertes Generatorszenario aufgetreten war. Die Diskrepanz zwischen den technischen Anforderungen der Kühlung und den lokalen Lärmschutzvorgaben wird damit zu einem sichtbaren Konfliktfeld.
Zwischen Wachstum und Regulierung: Offene Fragen für Australiens Rechenzentrumsboom
Der Ausbau der Rechenzentren in Australien verbindet massive Investitionen mit wachsenden lokalen Belastungen. Auf der einen Seite stehen über A$155 Mrd. an geplanten Investitionsgeldern, Microsofts A$25-Mrd.-Zusage (Herstellerangabe) und die Aussicht auf eine führende Rolle im globalen KI-Markt. Auf der anderen Seite steigen der Stromverbrauch und die Lärmemissionen, während die Energiewende unter Druck gerät. Die Diskrepanz zwischen den Wachstumszielen und den lokalen Auswirkungen zeigt sich konkret: Während Investitionen von über A$155 Mrd. und Microsofts A$25-Mrd.-Zusage (Herstellerangabe) den Ausbau vorantreiben, prognostizieren Oxford Economics und AEMO einen Anstieg des Strombedarfs auf 33,7 Terawattstunden bis FY36 allein im National Electricity Market, und Greenpeace warnt vor einem Sechsfach-Anstieg bis 2040. Gleichzeitig klagen Anwohner über ständiges Brummen, und Grenzwerte wie die etwa 35 Dezibel in New South Wales stehen im Konflikt mit den technischen Anforderungen der Kühlanlagen. Wie Australien diesen Konflikt auflöst, bleibt vorerst ungeklärt.



