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Anthropic reicht Börsenprospekt ein und will an die Nasdaq als „ANT“

Der S-1 nennt 16,3 Milliarden Dollar Halbjahresumsatz, 80,7 Milliarden Dollar Verlust und 450 Milliarden Dollar an Cloud-Verträgen

· Veröffentlicht: 27.10.2026 ·2 Min Lesezeit
Anthropic reicht Börsenprospekt ein und will an die Nasdaq als „ANT“Mit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Der Umsatz lag im ersten Halbjahr 2026 bei 16,3 Mrd. Dollar, nach 1,1 Mrd. im Vorjahreszeitraum.
  • Die Ausgaben für Rechenkapazität und Infrastruktur lagen im ersten Halbjahr 2026 bei rund 9 Mrd. Dollar.
  • Der Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026 beträgt 80,7 Mrd. Dollar, davon rund 72 Mrd. Anpassungen ohne Zahlungswirkung.
  • Anthropic plant Rechenausgaben von 750 Mrd. Dollar in den kommenden Jahren.
  • Anthropic hat bereits rund 450 Mrd. Dollar an überwiegend nicht kündbaren Cloud-Verträgen geschlossen.

Anthropic reicht S-1 öffentlich ein und peilt Nasdaq-Listing als „ANT“ an

An einem Montag hat Anthropic seinen Börsenprospekt (S-1) öffentlich eingereicht, berichtet Fortune. Im Juni hatte das Unternehmen mitgeteilt, einen Entwurf vertraulich eingereicht zu haben. Aktienzahl und Preis standen damals nicht fest; der Börsengang sollte sich nach den Marktbedingungen richten. Eine Preisspanne und ein Emissionsvolumen sind bislang nicht bekannt.

Neu sind einige Details aus dem Dokument. Anthropic will an der Nasdaq unter dem Kürzel „ANT“ notiert werden. Diese Angabe stammt allein von Fortune. Ende September beschäftigte das Unternehmen 5.300 Mitarbeiter. Über eine Mehrklassen-Aktienstruktur liegt die Macht bei den sieben Mitgründern. Ein verbindlicher Termin für den ersten Handelstag steht nicht fest; der Börsengang hängt von den Marktbedingungen ab.

Umsatz 16,3 Milliarden, Verlust 80,7 Milliarden: Was dahintersteckt

Im ersten Halbjahr 2026 setzte Anthropic 16,3 Milliarden Dollar um, im Vorjahreszeitraum waren es 1,1 Milliarden. Fortune beziffert das Wachstum auf rund 1300 Prozent. Das gesamte Jahr 2025 schloss mit 4,6 Milliarden Dollar Umsatz ab.

Der Nettoverlust des Halbjahres beträgt 80,7 Milliarden Dollar, im Vorjahreszeitraum etwa 13 Milliarden. Rund 72 Milliarden davon sind nicht zahlungswirksame Anpassungen im Zusammenhang mit Wandelanleihen und anderen Finanzierungsinstrumenten. Der größte Teil des Fehlbetrags ist also Buchhaltung und kein abgeflossenes Geld. Abzüglich der rund 72 Milliarden Dollar an nicht zahlungswirksamen Posten bleibt ein deutlich kleinerer Fehlbetrag.

Echtes Geld floss dagegen in Rechenleistung. Die Ausgaben für Rechenkapazität und Infrastruktur beliefen sich auf rund 9 Milliarden Dollar, nach 2,3 Milliarden im Vorjahreszeitraum. Damit liegt der Halbjahreswert über den 7,3 Milliarden des gesamten Jahres 2025.

Das Wall Street Journal hatte vorab aus einem Entwurf berichtet. Die Hauptzahlen decken sich laut Fortune mit dem eingereichten Dokument. Dass Berichte mal 80, mal 80,7 Milliarden Dollar Verlust nennen, dürfte an unterschiedlicher Rundung liegen.

450 Milliarden Dollar Cloud-Verpflichtungen, offene Bewertung und der „Erste“-Anspruch

Schwerer wiegen die Verpflichtungen. Anthropic plant Rechenausgaben von 750 Milliarden Dollar für die kommenden Jahre und hat rund 450 Milliarden Dollar an überwiegend nicht kündbaren Verträgen mit Cloud-Anbietern geschlossen. Ein erheblicher Teil ist unabhängig von der Nutzung zahlbar. Die betroffenen Anbieter werden nicht genannt.

Als Risiko führt der Prospekt eine begrenzte Kundenbasis auf. Außerdem nennt er die Fähigkeit des Produkts, in andere Unternehmen einzudringen oder Kunden zu „erpressen“. Zudem warnt Anthropic, dass Kosten und Verluste weiter steigen werden.

Laut Fortune beschreibt das Dokument zugleich ein kommendes „Zeitalter der Wunder“ und „existenzielle Risiken für die Gesellschaft“. Dabei handelt es sich um Selbstbeschreibung des Unternehmens.

Offen bleiben Preisspanne und Emissionsvolumen. Auch die Bewertung ist unbestätigt. Der WSJ-Entwurf nennt laut Fortune 2 Billionen Dollar, Erwartungen liegen bei 1,5 bis 2 Billionen Dollar. Das sind Schätzungen, keine festgelegte Spanne.

Die Behauptung, Anthropic sei das erste große US-Unternehmen mit reinem KI-Software-Fokus an der Börse, stammt aus einer schwachen, unbestätigten Quelle. CoreWeave, ein Betreiber von Rechenzentren, wurde als erster Pure-Play-KI-Börsengang beschrieben. C3.ai, ein Anbieter von Unternehmens-KI-Software, reichte im November 2020 seinen S-1 ein. Plausibel ist die Aussage allenfalls mit der Einschränkung „Entwickler großer Basismodelle“. Laut Fortune war OpenAI zum CoreWeave-Börsengang noch privat.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. fortune.com ↗

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