Anthropic reicht Börsenprospekt ein: Nasdaq-Start unter ANT frühestens Mitte November
Der Halbjahresverlust von 80,7 Milliarden Dollar ist überwiegend ein Buchverlust; der GAAP-Betriebsverlust liegt bei 693 Millionen Dollar
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◆ Fakten auf einen Blick
- Anthropic hat den S-1 am 26.10.2026 bei der SEC eingereicht; Notierung an der Nasdaq unter ANT geplant.
- Der Halbjahresumsatz 2026 betrug rund 16,3 Mrd. $, 14-fach gegenüber rund 1,1 Mrd. $.
- Rund 13,1 Mrd. $ (ca. 80 %) des Halbjahresumsatzes stammen von Unternehmenskunden mit verbrauchsabhängigen Entgelten.
- Der Nettoverlust im ersten Halbjahr 2026 betrug 80,7 Mrd. $ (Vorjahr rund 13 Mrd. $).
- Die Ausgaben für Rechenkapazität und Infrastruktur betrugen im ersten Halbjahr 2026 rund 9 Mrd. $.
Anthropic reicht S-1 öffentlich ein und peilt Nasdaq-Start unter ANT an
Am Montag, dem 26. Oktober 2026, hat Anthropic seinen Börsenprospekt öffentlich bei der US-Börsenaufsicht SEC eingereicht. Die Aktien der Klasse A sollen an der Nasdaq unter dem Kürzel ANT gehandelt werden. Nach der Einreichung kann das Unternehmen nach 15 Tagen mit einer Roadshow beginnen. Ein Handelsstart wäre frühestens Mitte November möglich. Anzahl der Aktien und Preisspanne stehen laut Anthropic noch nicht fest.
Frühere Meldungen sind damit überholt. Reuters und das Wall Street Journal hatten über den vertraulich eingereichten Entwurf berichtet, der nicht auf EDGAR stand, der Plattform der SEC. Die Schlagzeile, der S-1 sei „erneut geleakt“, trifft nicht mehr zu. Offen bleiben Bewertung und Termin. Ein Bericht nennt 1,8 bis 2,0 Billionen Dollar und Mitte November, ein anderer 1,5 bis 2 Billionen Dollar und die Thanksgiving-Woche. Fortune beziffert die aktuelle Bewertung auf 965 Milliarden Dollar. Die Spannen stammen aus verschiedenen Berichten und Zeitpunkten.
16,3 Milliarden Dollar Umsatz, 80,7 Milliarden Verlust: Was dahintersteckt
Im ersten Halbjahr 2026 setzte Anthropic rund 16,3 Milliarden Dollar um. Im Vorjahreszeitraum waren es etwa 1,1 Milliarden Dollar, also das Vierzehnfache. Rund 13,1 Milliarden Dollar, etwa 80 Prozent, stammen von Unternehmenskunden. Sie zahlen nach Verbrauch und nicht per Einzelabo.
Der Nettoverlust beträgt 80,7 Milliarden Dollar. Im Vorjahreszeitraum waren es rund 13 Milliarden. Fortune führt ihn auf eine Bilanzbuchung im Zusammenhang mit Wandelanleihen zurück, nicht auf das operative Geschäft. Die Einordnung, dass der Verlust überwiegend ein Buchverlust ist, hatten wir bereits in unserem Archivbeitrag „Anthropic-Prospekt: 16,3 Milliarden Dollar Halbjahresumsatz, 80,7 Milliarden Verlust – überwiegend auf dem Papier“ vorgenommen. Der operative Wert liegt erst im offiziellen Prospekt vor und passt dazu: Der GAAP-Betriebsverlust beträgt nur 693 Millionen Dollar, eine Marge von minus 4 Prozent. Vor einem Jahr lag er bei 2,135 Milliarden Dollar.
Zusätzlich weist Anthropic einen bereinigten Betriebsgewinn von rund 1,6 Milliarden Dollar aus, eine Marge von 10 Prozent. Vor einem Jahr stand hier ein bereinigter Verlust von rund 1,8 Milliarden Dollar. Das ist eine Non-GAAP-Größe, also die Darstellung des Unternehmens selbst. Herausgerechnet werden aktienbasierte Vergütung, nicht zahlungswirksame Spenden und der Bartz-Vergleich. Nach GAAP ist Anthropic weiterhin nicht profitabel. Ein positives bereinigtes Halbjahr belegt noch keinen Trend.
Starre Compute-Verträge und die Stimmrechtsmehrheit der Gründer: das Risikoprofil
Für Rechenkapazität und Infrastruktur gab Anthropic im Halbjahr rund 9 Milliarden Dollar aus, nach 2,3 Milliarden im Vorjahr. Dem Entwurf des WSJ zufolge bestehen rund 450 Milliarden Dollar an überwiegend nicht kündbaren Verträgen mit Cloud-Anbietern. Kunden zahlen dagegen nach Verbrauch. Sinkt die Nachfrage, bleiben die Kosten, und Anthropic könnte unter Druck geraten. Ob dieser Wert im endgültigen S-1 gleich ist, lässt sich im vorliegenden Material nicht belegen. Ein früherer Entwurf nannte 518 Milliarden Dollar. Die Risikohinweise warnen vor steigenden Kosten, anhaltenden Verlusten und einer begrenzten Kundenbasis.
Die Mitgründer, darunter Dario und Daniela Amodei, sind die einzigen Mitglieder der Founder LLC. Diese hält 50,1 Prozent der Stimmrechte und entscheidet damit über alle Aktionärsabstimmungen. Anthropic räumt ein, dass dadurch unerwünschte Übernahmeangebote und Proxy-Kämpfe unwahrscheinlicher werden. Ende September beschäftigte das Unternehmen 5.300 Menschen. Den Long-Term Benefit Trust, der einen wachsenden Teil des Boards bestellt, beschreibt Anthropic in eigenen Mitteilungen, nicht im Prospekt. Diese Darstellung kann überholt sein.

