JPMorgan: Das KI-Label allein überzeugt Kreditgeber nicht mehr
Rekordkosten für Kreditausfallversicherungen, ein Anleiheboom und die Frage, wer den KI-Ausbau noch finanzieren kann
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- KI-bezogene Anleiheemission erreichte 2026 bisher 266 Mrd. USD, davon 182 Mrd. von Hyperscalern.
- 2025 lag die KI-Anleiheemission bei 139 Mrd. USD, 2024 bei 29 Mrd. USD.
- JPMorgan erwartet über fünf Jahre einen KI-Capex-Finanzierungsbedarf von 2,1 Billionen USD am Investment-Grade-Anleihemarkt.
- CoreWeave-CDS-Spread (5 Jahre) stieg im Oktober auf Rekordwert von 1.194,5 Basispunkten.
- J.P. Morgan Asset Management: KI-Investitionen seit 2023 summierten sich auf 1,6 Billionen USD.
JPMorgan: Das KI-Label reicht Kreditgebern nicht mehr
Das Etikett „KI“ allein überzeugt Kreditgeber nicht mehr. So argumentiert Justin Biemann, globaler Investmentstratege bei J.P. Morgan Private Bank, in einer Research-Note vom 23. Oktober: „The AI label alone is no longer enough to reassure lenders. Companies must show that they can finance investment, service their debt and eventually turn spending into cash flow.“ Unternehmen müssen also nachweisen, dass sie Investitionen finanzieren, Schulden bedienen und Ausgaben irgendwann in Cashflow umwandeln können.
Auslöser sind Rekordkosten für Kreditausfallversicherungen (CDS) auf mehrere KI-nahe Schuldner. Ein CDS wirkt wie eine Versicherung auf Schulden: Der Käufer zahlt eine laufende Prämie und erhält bei einem Kreditereignis, etwa Insolvenz oder Zahlungsausfall, eine Zahlung. JPMorgan Private Bank liest die steigenden Kosten nicht als pauschales Urteil gegen das KI-Ökosystem. Sie sieht darin eine gezielte Neubewertung des Rückzahlungsrisikos. Die Kreditmärkte prüfen also, wer den weiteren Ausbau tragen kann. Hintergrund ist, dass der Sektor stark auf Schulden angewiesen ist.
Ob Kreditgeber bereits konkrete neue Nachweise oder härtere Konditionen verlangen, ist bislang nicht belegt.
CoreWeaves CDS-Spread erreicht 1.194,5 Basispunkte
Am deutlichsten zeigt sich der Druck bei CoreWeave. Der Fünfjahres-CDS-Spread des Cloud-Anbieters stieg im Oktober über 1.100 Basispunkte. Der Rekordwert liegt bei 1.194,5. Ein Spread von 1.000 Basispunkten bedeutet grob, dass die Absicherung von 10 Millionen Dollar Schulden rund eine Million Dollar im Jahr kostet. Ein weiter Spread muss nach Darstellung von JPMorgan Private Bank allerdings nicht zwingend einen erwarteten Ausfall anzeigen. Er kann auch die Marktstimmung widerspiegeln.
Der Handel mit CDS auf große KI-Unternehmen nahm bereits im September stark zu. JPMorgan sieht den Stress vor allem bei Unternehmen, die auf fortlaufende Kreditaufnahme angewiesen sind. Das erklärt, warum nicht der gesamte Sektor gleich betroffen ist. Wer seinen Ausbau laufend über neue Schulden finanzieren muss, braucht dauerhaft offene Kreditmärkte. Genau dort wird derzeit teurer abgesichert.
266 Milliarden Dollar Anleiheemission: Das Geld fließt weiter
Dem steht ein Boom am Anleihemarkt gegenüber. Nach JPMorgan-Daten, die das Portal Startup Fortune zitiert, erreichte die KI-bezogene Anleiheemission in diesem Jahr bisher 266 Milliarden Dollar: 182 Milliarden von Hyperscalern, 42 Milliarden von Rechenzentrumsbetreibern und 42 Milliarden von Chipherstellern. 2025 waren es im ganzen Jahr 139 Milliarden, 2024 lediglich 29 Milliarden. Für die kommenden fünf Jahre erwartet JPMorgan einen Finanzierungsbedarf von 2,1 Billionen Dollar am Investment-Grade-Markt. Morgan Stanley schätzt die Emission auf bis zu 400 Milliarden Dollar Investment Grade plus 65 Milliarden Dollar High Yield und Loans. Das entspräche nahe 20 Prozent der Gesamtemission.
Ein echter Widerspruch ist das nicht. Die Zahlen messen unterschiedliche Segmente: auf der einen Seite das Emissionsvolumen, auf der anderen die Absicherungskosten einzelner Schuldner. Naheliegend ist die Deutung, dass Kapital weiter fließt, vor allem zu bonitätsstarken Hyperscalern, während stark verschuldete Anbieter schärfer geprüft werden. Das ist eine Interpretation der Quellen, keine ausdrückliche Aussage. Das Portal Startup Fortune schreibt, das Geld fließe weiter.
Warum Neoclouds besonders verwundbar sind
Neoclouds sind spezialisierte KI-Cloud-Anbieter, die Hyperscalern und KI-Labors Rechenkapazität liefern. Laut J.P. Morgan Asset Management summierten sich die KI-Investitionen seit 2023 auf 1,6 Billionen Dollar. Investoren rechnen dauerhaft mit mehr als einer Billion Dollar jährlich. Die Expansion wurde ursprünglich weitgehend aus Cash finanziert. Nun hängt sie zunehmend von den Schuldenmärkten ab.
Für Neoclouds ist das heikel. Sie müssen Infrastruktur vorab finanzieren, während die Kundenerlöse erst über mehrere Jahre eingehen. Dadurch reagieren sie empfindlich auf höhere Zinsen, Vertragsverlängerungen und Änderungen bei den Compute-Preisen. Eine konzentrierte Kundenbasis und schnell an Wert verlierende GPUs verstärken diese Risiken.
Die Kanzlei Quinn Emanuel stellt den KI-Erlösen von rund 60 Milliarden Dollar im Jahr 2025 Investitionsausgaben von rund 400 Milliarden Dollar gegenüber.
Private Credit, Off-Balance-Konstruktionen und Ansteckungsrisiko
Die Lücke schließen Anleihen, Private Credit und Zweckgesellschaften (SPVs). Quinn Emanuel zufolge wurden binnen weniger als zwei Jahren mehr als 120 Milliarden Dollar an Rechenzentrumsausgaben aus den Bilanzen ausgelagert. Quinn Emanuel sieht neun Kategorien von Rechtsrisiken. Dazu zählen Ausfälle über verflochtene Kapitalstrukturen, Streit um die Bewertung von GPU-Sicherheiten und Take-or-pay-Verträge, bei denen Zusagen großer Kunden instabil werden.
Auch Investoren positionieren sich. Blackstone finanziert nach Aussage von Jas Khaira Rechenzentren und Neoclouds mit Krediten und Beteiligungen. Das Unternehmen bezeichnet sich als größten Compute-Eigner außerhalb der Hyperscaler. Die Man Group verweist auf mehrere prominente Ausfälle im Private Credit, die KI- und Software-Deals unter Beobachtung stellen.
JPMorgan warnt zudem, ein tieferer KI-Abschwung könnte auf andere Risikoanlagen übergreifen, Bitcoin eingeschlossen.


