Abundance-Autor Thompson: Rechenzentren sind keine Häuser
Derek Thompson überträgt im Business-Insider-Interview die Pro-Wohnungsbau-Argumentation nicht auf KI-Infrastruktur. Er verweist auf die Verdrängung anderer Bauinvestitionen. Die IEA beziffert den Boom mit eigenen Zahlen.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Investitionsausgaben fünf großer Tech-Konzerne überstiegen 2025 400 Mrd. USD; 2026 sollen sie um weitere 75 % steigen.
- Der Stromverbrauch von Rechenzentren stieg 2025 um 17 %, KI-fokussierte noch schneller.
- Die IEA erwartet bis 2030 eine Verdopplung des Rechenzentren-Stromverbrauchs, bei KI-fokussierten eine Verdreifachung.
- Thompson setzt sich stärker für Wohnungsbau als dafür ein, dass KI-Firmen überall Rechenzentren bauen dürfen.
- Laut Jason Furman stieg Rechenzentrumsbau im Vorjahr um über 60 %; Wohnungsbau sank.
Thompson: Menschen brauchen Wohnraum mehr als Räume für Chips
Derek Thompson, Co-Autor des Buchs „Abundance“, hält Rechenzentren nicht für gleichwertig mit Wohnhäusern. Im Interview mit Peter Kafka von Business Insider sagt er, er sei nicht grundsätzlich gegen Rechenzentren. Sie seien aber „Häuser für Chips“, genauer gesagt „Iglus“, denn dort sei es sehr kalt.
Kafka wollte wissen, wie die Abundance-Sicht auf Rechenzentren aussieht und ob sich ihr Bau ebenso gut für das Land begründen lässt wie der Bau von mehr Wohnungen. Thompson trennt die beiden Fälle. Beim Wohnungsbau setze er sich stark dafür ein, Hürden dort abzubauen, wo Menschen leben wollen. Bei der Forderung, jede KI-Firma müsse überall Rechenzentren errichten dürfen, sei sein Engagement deutlich geringer. Politisch stuft er Wohnraum für Menschen höher ein als Räume für Chips. Thompson war früher Autor bei The Atlantic und schreibt heute einen eigenen Substack.
Rechenzentrumsbau plus 60 Prozent, Wohnungs- und Krankenhausbau sinkt
Die starke Konzentration auf Rechenzentren, so Thompsons Argument, lasse andere Bauarten verkümmern. Als Beleg verweist er auf eine Grafik des Harvard-Ökonomen Jason Furman. Demnach stieg der Rechenzentrumsbau im vergangenen Jahr um über 60 Prozent, während der Bau von Krankenhäusern, Büros, Wohnungen und Fabriken zurückging. Dabei handelt es sich um Thompsons Lesart der Grafik. Eine eigene Prüfung der Zahlen liegt nicht vor.
Im selben Gespräch beschreibt Thompson eine Spannung in der eigenen Arbeit. Fakten über KI seien für ihn besonders gewinnbringend. Das gebe einen Anreiz, vor allem gefragte KI-Themen zu bearbeiten, und dadurch drohten andere Themen, die ihm wichtig sind, verdrängt zu werden.
IEA: Tech-Investitionen über 400 Milliarden Dollar, Strombedarf verdoppelt sich bis 2030
Die Größenordnung zeigt der Bericht „Key Questions on Energy and AI“ der Internationalen Energieagentur (IEA). Er enthält keine Aussagen über die Verdrängung anderer Bauarten. Die Zahlen stützen Thompsons These also nicht. Sie beschreiben, wie groß der Boom ist. Laut IEA überstiegen die Investitionsausgaben von fünf großen Tech-Konzernen 2025 die Marke von 400 Milliarden US-Dollar und sollen 2026 um weitere 75 Prozent steigen. Das ist mehr, als weltweit in die Öl- und Gasförderung investiert wird. Die Kapazität sogenannter „AI factories“ hat sich laut satellitengestützter Erfassung der IEA in 18 Monaten mehr als verdreifacht.
Der Stromverbrauch von Rechenzentren stieg 2025 um 17 Prozent, der weltweite Strombedarf um 3 Prozent. Bis 2030 erwartet die IEA eine Verdopplung, bei KI-fokussierten Rechenzentren eine Verdreifachung. Der Verbrauch pro KI-Aufgabe sinkt zwar rasch. Mehr Nutzer und energieintensive Anwendungen wie KI-Agenten gleichen diesen Rückgang aber mehr als aus.
Wie umstritten einzelne Projekte vor Ort sind, zeigen Berichte aus den USA, etwa über eine in Memphis mit 7:5 verschobene Abstimmung.



