Trump will Anwohner von Rechenzentren per „Dividende“ beteiligen
Der Präsident fordert Zahlungen an Gemeinden und Einwohner, nennt aber weder Betrag, Form noch Rechtsgrundlage. Der Vorstoß fällt in eine Phase wachsenden lokalen Widerstands vor den Midterms.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Trump schlug auf Truth Social vor, Unternehmen sollten Gemeinden oder Einwohner mit einer „Dividende“ bedenken.
- Der Post nennt weder Betrag noch Form oder rechtlichen Mechanismus der Zahlungen.
- Die Zahl lokaler Moratorien stieg laut Bitcoin Policy Institute von 6 (2024) auf 294 (2026).
- Laut dem US Data Center Moratorium Tracker waren im April 2026 69 Jurisdiktionen mit aktiven Moratorien belegt.
- Heatmap Pro zählt mindestens 260 Mrd. US-Dollar an abgesagten Rechenzentrumsprojekten in diesem Jahr.
Trump will Anwohner von Rechenzentren per „Dividende“ beteiligen
US-Präsident Donald Trump hat Betreiber von Rechenzentren aufgefordert, Standortgemeinden zu beteiligen. In einem Truth-Social-Post vom Mittwoch schrieb er: „If companies want to make their Data Centers popular, pay the community, and/or individuals within the community, a ‚dividend‘“. Den Post beendete er mit: „MAKE DEALS, and get them built!!!“
Der Beitrag nennt keinen Betrag, keine Form der Zahlung und keinen rechtlichen Mechanismus. Offen bleibt, wer die Zahlungen festlegen würde und ob die Regierung sie von den Firmen verlangen würde. Trump knüpfte an zwei frühere Punkte an: an die Forderung, Tech-Konzerne sollten die Stromkosten ihrer Rechenzentren tragen, und an den im März von mehreren Tech-Chefs unterzeichneten Ratepayer Protection Pledge. Die Unterzeichner sagten darin zu, den für KI-Infrastruktur nötigen Strom und die Erzeugungskapazität bereitzustellen oder zu bezahlen, damit lokale Strompreise stabil bleiben.
Trump behauptet außerdem, Rechenzentren, die zuvor äußerst unbeliebt gewesen seien, seien „extremely popular“ geworden, sobald ein finanzieller Deal geschlossen wurde. Belege nennt er nicht. Die Aussage ist eine unbelegte Selbsteinschätzung.
Vom Spott zum Angebot: Trumps Tonwechsel
Laut The Next Web, das sich auf Newsweek beruft und das wir nicht selbst geprüft haben, äußerte Trump die Idee erstmals am 29. September gegenüber Reportern. Am 31. August war sein Ton noch schärfer: Gemeinden, die Rechenzentren abweisen, riskierten, „backwards and poor“ zu werden.
Aus der Drohung wird damit ein Anreiz. Ob dahinter ein bewusster Kurswechsel steckt, lässt das Material offen.
Nebius-Manager Boroditsky sagte CNBC, die Idee sei „not crazy to consider“. Dividenden flössen schon heute, etwa über Steuereinnahmen, Bildung und Beschäftigung.
Hunderte Moratorien, Milliardenabsagen: der Widerstand
Vor den Midterms im November ist die Frage nach Rechenzentren zum politischen Streitthema geworden. Das Bitcoin Policy Institute (BPI) zählt lokale Moratorien: sechs im Jahr 2024, 294 im Jahr 2026. Der US Data Center Moratorium Tracker kommt im April 2026 auf 69 Jurisdiktionen mit aktiven Moratorien. Die Zahl laufender Moratoriums- und Verbotsinitiativen stieg dort von 8 im Mai 2025 auf 78. Die Angaben weichen deutlich voneinander ab. Das Material erklärt die Differenz nicht.
Heatmap Pro zählt in diesem Jahr mindestens 260 Milliarden US-Dollar an abgesagten Projekten. Die meisten scheiterten lokal. Anwohner nennen Strom- und Wasserrechnungen, Lärm und Belastung des Netzes. In Hoffman Estates (Illinois) zog der Entwickler Karis Critical Ende Juni seine Pläne für Plum Farms zurück, nach Protesten aus drei Gemeinden.
Louisiana als Modell: Ein Think-Tank rechnet mit 4.500 bis 8.900 Dollar
Konkreter wird das BPI. Autor Sam Lyman, früherer Berater von Finanzminister Scott Bessent, schlägt eine jährliche Zahlung pro Haushalt vor, finanziert aus einem Anteil der Grundsteuer. Geschätzt sind 4.500 bis 8.900 US-Dollar bei einer Anlage mit 1 Gigawatt und der Hälfte der Grundsteuer. Das gehe ohne Steuererhöhung und ohne Zusatzkosten für die Firmen, so das BPI. Dabei handelt es sich um eine Selbsteinschätzung der Organisation, nicht um einen geprüften Befund.
Als Modellfall gilt West Feliciana Parish in Louisiana. Ein Entwickler sagte dort rund 90 Millionen Dollar pro Jahr zu, bei 4.026 Haushalten. Louisianas Act 434 erlaubt den Steuerbehörden der Parish, Einnahmen an Einwohner zurückzugeben.



