WSJ verteidigt KI-verfassten Gastbeitrag von Stanley Druckenmiller
Milliardär räumt KI-Nutzung ein, WSJ verteidigt Veröffentlichung, Tagesspiegel zieht Konsequenzen
Mit KI erstellt◆ Fakten auf einen Blick
- Stanley Druckenmiller veröffentlichte am Montag im Wall Street Journal den Meinungsartikel „Let the Bond Market Speak“, der die Anleihemarkt-Interventionen von US-Finanzminister Scott Bessent kritisiert.
- Druckenmiller räumte ein, für den Artikel KI genutzt zu haben, und sagte, er sei nicht verlegen; er verglich KI mit einem Taschenrechner.
- Das KI-Erkennungstool Pangram stufte den Artikel als KI-generiert ein, teils als 100 Prozent.
- Paul Gigot, Editorial Page Editor des Wall Street Journal, verteidigte die Veröffentlichung mit den Worten, KI sei eine Tatsache des modernen Lebens; entscheidend sei, ob der Beitrag die ursprüngliche Argumentation des Autors widerspiegele.
- Druckenmiller arbeitete früher unter George Soros mit Scott Bessent zusammen und gilt teils als dessen Mentor.
- Der Artikel kritisierte Bessents Politik, die maximale Größe von Staatsanleihen-Rückkäufen auf 4 Milliarden Dollar pro Operation zu verdoppeln.
Druckenmiller veröffentlicht KI-verfassten Op-Ed gegen Bessent
Stanley Druckenmiller hat am Montag im Wall Street Journal den Meinungsartikel 'Let the Bond Market Speak' veröffentlicht. Darin kritisiert der Milliardär und Investor die Anleihemarkt-Interventionen von US-Finanzminister Scott Bessent, insbesondere die Verdopplung der maximalen Größe von Staatsanleihen-Rückkäufen auf vier Milliarden Dollar pro Operation. Druckenmiller arbeitete früher unter George Soros mit Bessent zusammen und gilt teils als dessen Mentor.
Nachdem das KI-Erkennungstool Pangram den Text als KI-generiert einstufte – teils mit einer Wahrscheinlichkeit von 100 Prozent –, räumte Druckenmiller die Nutzung ein. 'Natürlich habe ich KI genutzt', sagte er und ergänzte, er sei nicht verlegen. Er schreibe inzwischen alles mit KI, aus demselben Grund, aus dem er beim Rechnen einen Taschenrechner verwende. Zugleich betonte er, die ökonomischen Argumente seien seine eigenen und seit über 15 Jahren vertreten. Der Widerspruch zwischen der Messung des Tools und der Aussage des Autors bleibt bestehen: Erkennungstools messen Textmuster, während Druckenmiller die inhaltliche Urheberschaft für sich reklamiert.
WSJ verteidigt Veröffentlichung, Tagesspiegel zog Konsequenzen
Paul Gigot, Editorial Page Editor des Wall Street Journal, verteidigte die Veröffentlichung. KI sei eine Tatsache des modernen Lebens, sagte er. Entscheidend sei, ob ein Beitrag die ursprüngliche Argumentation des Autors widerspiegele und ob der Autor über die nötige Glaubwürdigkeit verfüge. Niemand könne bezweifeln, dass Druckenmillers Artikel dessen echte Meinung sei, so Gigot unter Verweis auf die langjährige Beziehung des Blatts zu dem Investor. Ob das Wall Street Journal offizielle Richtlinien für KI-unterstützte Einreichungen hat, ist unklar.
Anders reagierte der Tagesspiegel in Deutschland: Die Redaktion stoppte die Kolumnen von Stephan-Andreas Casdorff, nachdem bekannt geworden war, dass er KI für Meinungsbeiträge genutzt hatte, und nahm mehrere Texte offline. Zur Begründung hieß es, KI dürfe nicht den Kern der redaktionellen Arbeit übernehmen. Damit stehen sich zwei redaktionelle Haltungen gegenüber: Das WSJ setzt auf die Autorenabsicht, der Tagesspiegel auf Offenlegung und Kernjournalismus. Semafor-Medienredakteur bezeichnete die Verteidigung des Wall Street Journal als 'präzedenzsetzenden Moment', weil das Blatt die KI-Nutzung eines prominenten Gastautors nicht nur einräumte, sondern ausdrücklich billigte und damit signalisierte, dass die inhaltliche Urheberschaft wichtiger sei als der Schreibprozess.



