Warsh: KI steigert die Produktivität, die Jobfolgen bleiben offen
Der Fed-Chef erwartet bei den IWF-Weltbank-Jahrestagungen in Bangkok langfristig mehr Wohlstand, räumt aber offene Beschäftigungsfolgen ein. Einen neuen Zinshinweis gibt er nicht.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Warsh äußerte sich am 16. Oktober 2026 in Bangkok bei den IWF-Jahrestagungen mit Georgieva.
- Die Fed hob im September 2026 den Leitzins auf 3,75–4 % an, die erste Erhöhung seit 2023.
- Warsh hält KI für wahrscheinlich die folgenreichste Veränderung für die US- und Weltwirtschaft in seinem Leben.
- Laut Warsh wirkt KI zunächst nachfrageseitig, etwa durch Ausgaben für Rechenzentren, Chips und Strom.
- Warsh lehnt Vorwegnahme der FOMC-Zinsentscheidung vom 27./28. Oktober ab und bekräftigt Ablehnung von Forward Guidance.
Warsh sieht KI als Produktivitätsgewinn, die Beschäftigungsfolgen sind offen
Fed-Chef Kevin Warsh hat sich am 16. Oktober 2026 in Bangkok zu künstlicher Intelligenz geäußert. Im Fireside Chat mit IWF-Chefin Kristalina Georgieva bei den IWF-Weltbank-Jahrestagungen sagte er: Volkswirtschaften, die KI gut nutzen, werden produktiver und wohlhabender. Der Weg dorthin verlaufe jedoch nicht reibungslos. Die koreanische Zeitung Chosun zitiert ihn mit dem Wort „sehr beschwerlich“. Welche Folgen KI in den kommenden 12 bis 18 Monaten für die Beschäftigung habe, sei unklar. Nach der Übersetzung bei Chosun sagte er: „I still don’t know what impact it will have on employment over the next 12–18 months.“
KI nannte Warsh „wahrscheinlich die folgenreichste Veränderung für die US- und die Weltwirtschaft in meinem Leben“. Mehrere unabhängige Medien berichten über den Auftritt. Die Quellen widersprechen sich jedoch beim Wochentag. Deshalb nennt dieser Bericht nur das Datum.
Erst kommt die Nachfrage, dann die Produktivität, und offen bleibt, wer profitiert
Warsh beschreibt KI zunächst als Nachfrageschub. Die Ausgaben für Rechenzentren, Chips und Strom steigen. Erst danach hebt die Technik auf der Angebotsseite die Produktivität. Den Investitionsschub nannte er „wahrscheinlich das Wichtigste, was in der Weltwirtschaft auf der Positivseite passiert“.
Zweifel äußerte er dennoch an den Erträgen. Man wisse nicht, wie sich die Marktstruktur der neuen Technik entwickle. Wer profitiere? Und was geschehe mit Investoren, die auf Gewinne gesetzt hätten, wenn die Marktstruktur diese nicht zulasse? Solche Fragen stellte er.
Im Juli hatte Warsh vor dem Senatsbankenausschuss erklärt, KI werde langfristig Jobs schaffen und die Produktivität heben, trotz kurzfristiger Verwerfungen. In Bangkok klingt er zur Beschäftigung vorsichtiger. Ob das eine echte Positionsänderung ist oder nur eine andere Gewichtung von kurz- und langfristiger Sicht, lässt sich aus den Quellen nicht entscheiden.
Kein neuer Zinshinweis: Warsh bleibt bei „I don’t prejudge meetings“
Zur Zinsentscheidung der FOMC-Sitzung am 27. und 28. Oktober wollte sich Warsh nicht festlegen. „I don’t prejudge meetings“, sagte er. Seine Ablehnung von Forward Guidance bekräftigte er mit den Worten: „It’s a new chapter at the Fed.“ Die Fed hat im September den Leitzins auf 3,75 bis 4 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit 2023. Weltweit sieht er eine „synchrone Straffung“. Es gebe „keine Trittbrettfahrer“.
Laut CNBC blieben Asiens Aktienindizes und die Renditen von US-Staatsanleihen nach den Äußerungen weitgehend stabil. Nach CME FedWatch lag die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen im Oktober bei 72,3 Prozent. Eine Mehrheit der Händler erwartete bis Dezember eine Erhöhung um 25 Basispunkte.



