Sachverständiger setzt ChatGPT für 3M-Gutachten ein – Prompts verlangen 0-Prozent-Schuld
Öffentlich gewordene Eingaben zeigen, wie die KI den Industriekonzern entlasten sollte.
Mit KI erstellt◆ Fakten auf einen Blick
- Ein Sachverständiger, der von 3M beauftragt wurde, hat ChatGPT verwendet, um große Teile seines Expertenberichts zu schreiben.
- Der Sachverständige hat seine Prompts öffentlich gemacht.
- Die Prompts zeigen, dass er ChatGPT bat, einen Bericht zu erstellen, der den Sorgfaltsstandard bei 3M verteidigt und zeigt, dass 3M zu 0% Schuld an der Explosion bei Watson Grinding hat.
- Der Rechtsstreit betrifft eine Explosion in Houston, bei der drei Menschen starben und etwa 200 Häuser zerstört wurden.
Sachverständiger setzt ChatGPT für 3M-Gutachten ein
Ein von 3M beauftragter Sachverständiger hat in einem Rechtsstreit um die Haftung für eine Explosion in Houston ChatGPT verwendet, um große Teile seines Expertenberichts zu verfassen. Der Gutachter, der für den Industriekonzern 3M tätig war und in dem Verfahren eine fachliche Einschätzung abgeben sollte, legte seine Prompts öffentlich offen. Er setzte die KI gezielt ein, um sich beim Schreiben des Berichts unterstützen zu lassen: Die Eingabeaufforderungen zeigen, dass er ChatGPT bat, ihm bei der Erstellung eines außergewöhnlichen Expertenberichts zu helfen. Dadurch übernahm die KI wesentliche Formulierungsarbeit und entlastete den Sachverständigen bei der Textproduktion. Statt den Bericht allein zu schreiben, nutzte er die KI, um zentrale Abschnitte zu erstellen. Die Explosion, um die es in dem Verfahren geht, ereignete sich bei Watson Grinding in Houston; dabei starben drei Menschen und rund 200 Häuser wurden zerstört. Der Fall belegt, dass generative KI in realen Gerichtsverfahren als Werkzeug für Sachverständige eingesetzt wird. Die öffentlich gewordenen Prompts machen nachvollziehbar, welche Anweisungen der Gutachter der KI gab und wie er sie in die Erstellung des Gutachtens einbezog.
Prompts verlangen 0-Prozent-Schuld für 3M
Die öffentlich gewordenen Prompts zeigen, dass der Sachverständige ChatGPT anwies, einen Bericht zu erstellen, der den Sorgfaltsstandard bei 3M verteidigt und 3M als zu 0 Prozent schuldig an der Explosion bei Watson Grinding zeigt. Konkret enthielten die Eingaben die Formulierungen, einen „außergewöhnlichen Expertenbericht“ zu verfassen, der den Sorgfaltsstandard bei 3M verteidigt, sowie darzulegen, dass 3M zu 0 Prozent für die Explosion verantwortlich ist. Diese Anweisungen geben der KI eine klare argumentative Richtung vor: Sie soll den Sorgfaltsstandard als ausreichend darstellen und jede Verantwortung von 3M ausschließen. Die direkten Vorgaben „defending the standard of care at 3M“ und „show how 3M is 0% at fault“ legen das Ergebnis des Berichts bereits vorab fest. Die Explosion in Houston hatte drei Todesopfer gefordert und rund 200 Häuser zerstört. Die Prompts machten damit sichtbar, dass der Bericht 3M vollständig entlasten sollte. Der Sachverständige legte diese Eingaben selbst offen. Sie dokumentieren, dass die KI gezielt Anweisungen erhielt, die auf eine Verteidigung des Unternehmens hinausliefen. Der Fall betrifft ein laufendes Verfahren zur Haftung für die Explosion.



