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OpenAI startet 5-Millionen-Dollar-Programm zur Erforschung von KI-Auswirkungen auf Jugendliche

OpenAI hat ein mit 5 Millionen US-Dollar dotiertes Förderprogramm gestartet, um unabhängige Forschung zu den Auswirkungen generativer KI auf die Entwicklung, das Wohlbefinden und die Sicherheit von Jugendlichen zu finanzieren. Die Ausschreibung richtet sich an Forschende, die untersuchen sollen, wie

· Veröffentlicht: 09.09.2026 ·6 Min Lesezeit
OpenAI startet 5-Millionen-Dollar-Programm zur Erforschung von KI-Auswirkungen auf JugendlicheMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • OpenAI hat ein mit 5 Millionen US-Dollar dotiertes Förderprogramm gestartet.
  • Das Programm soll unabhängige Forschung zu den Auswirkungen generativer KI auf die Entwicklung, das Wohlbefinden und die Sicherheit von Jugendlichen finanzieren.
  • Eine Studie mit 385 jüngeren Jugendlichen (Durchschnittsalter 14) und 359 älteren Jugendlichen (Durchschnittsalter 17) fand, dass 14,8% bzw. 52,6% generative KI für Schularbeiten nutzten; Jugendliche mit mehr Schwierigkeiten bei exekutiven Funktionen empfanden generative KI als nützlicher für Schularbeiten.
  • Eine Taxonomie auf Basis von 344 Chat-Transkripten, 30.305 Reddit-Diskussionen und 153 dokumentierten Vorfällen identifiziert 84 spezifische Risiken in sechs Themenbereichen, darunter Risiken für psychisches Wohlbefinden, Verhaltens- und soziale Entwicklung sowie neuartige Formen von Toxizität, Datenschutzverletzungen und Missbrauch.
  • Ein systematisches Review von 80 Studien (2020–2025) zu KI-Chatbots in der Jugend-Mental-Health-Versorgung zeigt moderate Effekte bei der Reduktion psychischer Belastung (g = −0,46 bis −0,10), aber auch potenzielle Risiken wie Abhängigkeit, sozialen Rückzug und Datenschutzbedenken.
  • Eine Synthese in Perspectives on Psychological Science argumentiert, dass generative KI niedrigschwellige Gelegenheiten zum Üben sozialer Interaktion, zur Emotionsregulation und Identitätserkundung bieten kann, aber auch Risiken wie soziale Isolation, untergrabene Frustrationstoleranz, verzerrte Erwartungen an menschliche Beziehungen und beeinträchtigte Identitätsentwicklung birgt.

OpenAI legt 5-Millionen-Dollar-Programm für Jugendforschung auf

OpenAI hat ein mit 5 Millionen US-Dollar dotiertes Förderprogramm angekündigt, das unabhängige Forschung zu den Auswirkungen generativer KI auf die Entwicklung, das Wohlbefinden und die Sicherheit von Jugendlichen unterstützen soll. Die Ausschreibung richtet sich an unabhängige Forschende, die untersuchen, wie generative KI Teenager beeinflusst. Der Untersuchungsgegenstand umfasst drei zentrale Bereiche: die Entwicklung von Jugendlichen, ihr Wohlbefinden und ihre Sicherheit. Das Programm ist als offener Aufruf konzipiert – Forschende können sich mit eigenen Projekten bewerben, die sich mit den Folgen generativer KI für Jugendliche befassen. Die Fördersumme von 5 Millionen US-Dollar soll die Durchführung unabhängiger Studien ermöglichen, die belastbare Erkenntnisse über die Auswirkungen generativer KI auf junge Menschen liefern. Die Ankündigung erfolgt vor dem Hintergrund einer zunehmenden Nutzung generativer KI-Systeme durch Jugendliche, ohne dass OpenAI in der Mitteilung nähere Angaben zum Stand der bisherigen Forschung oder zu konkreten Forschungslücken macht. Das Programm zielt darauf ab, eine Wissensbasis zu schaffen, die über anekdotische Beobachtungen hinausgeht und systematische Erkenntnisse darüber liefert, wie generative KI die Lebensrealität von Jugendlichen verändert. Interessierte Forschende können sich mit ihren Projektvorschlägen bewerben; die genauen Modalitäten der Antragstellung sind der Ankündigung zu entnehmen.

Studien zeigen Nutzung und Risiken generativer KI bei Jugendlichen

Unabhängige Studien zeichnen ein differenziertes Bild der Nutzung und Risiken generativer KI bei Jugendlichen. Eine Untersuchung mit 385 jüngeren Jugendlichen (Durchschnittsalter 14 Jahre) und 359 älteren Jugendlichen (Durchschnittsalter 17 Jahre) zeigt, dass die Nutzung generativer KI für Schularbeiten mit dem Alter deutlich zunimmt: Während 14,8 Prozent der jüngeren Jugendlichen angaben, generative KI zu nutzen, waren es bei den älteren 52,6 Prozent. ChatGPT war in beiden Gruppen das bevorzugte Werkzeug. Ein weiterer Befund: Jugendliche mit größeren Schwierigkeiten bei exekutiven Funktionen – also bei kognitiven Prozessen wie Planung, Inhibition und kognitiver Flexibilität – empfanden generative KI als nützlicher für Schularbeiten, insbesondere beim Erledigen von Aufgaben. Die schulische Leistung zeigte dagegen keinen signifikanten Zusammenhang mit der KI-Nutzung. Die Autoren weisen darauf hin, dass künftige Studien die Befunde validieren sollten.

Eine Taxonomie, die auf 344 Chat-Transkripten zwischen Jugendlichen und KI-Chatbots, 30.305 Reddit-Diskussionen und 153 dokumentierten Vorfällen basiert, identifiziert 84 spezifische Risiken in sechs Themenbereichen. Dazu gehören Risiken für das psychische Wohlbefinden, Beeinträchtigungen der Verhaltens- und sozialen Entwicklung sowie neuartige Formen von Toxizität, Datenschutzverletzungen und Missbrauch. Die Autoren ordnen die 84 Risiken vier unterschiedlichen Interaktionspfaden zu und betonen, dass diese Risikokategorien in bestehenden Rahmenwerken zum Schutz von Kindern im Internet oder zu KI-Risiken bislang nicht vollständig abgedeckt sind. Die Taxonomie biete eine strukturierte Grundlage, um KI-Entwickler, Pädagogen, Betreuungspersonen und politische Entscheidungsträger bei der Eindämmung von Risiken zu unterstützen.

Für den Bereich der psychischen Gesundheit zeigt ein systematisches Review von 80 Studien aus den Jahren 2020 bis 2025, das den PRISMA-Richtlinien folgte und 1247 Datensätze screente, dass KI-Chatbots in der Jugend-Mental-Health-Versorgung moderate Effekte bei der Reduktion psychischer Belastung erzielen – die Effektstärken liegen zwischen g = −0,46 und g = −0,10. Die Chatbots können zudem Zugangsbarrieren abbauen, insbesondere wenn es um Stigma-bedingte Hemmschwellen geht. Gleichzeitig dokumentiert das Review potenzielle Risiken: Abhängigkeit, sozialen Rückzug und Datenschutzbedenken. Die Autoren betonen, dass eine sorgfältige Abwägung ethischer Implikationen, kultureller Anpassungen und langfristiger Entwicklungseffekte unerlässlich sei.

Eine Synthese in der Fachzeitschrift Perspectives on Psychological Science argumentiert, dass generative KI niedrigschwellige Gelegenheiten zum Üben sozialer Interaktion, zur Emotionsregulation und zur Identitätserkundung bieten kann. Die Autoren warnen jedoch zugleich vor Risiken wie zunehmender sozialer Isolation, untergrabener Frustrationstoleranz, verzerrten Erwartungen an menschliche Beziehungen und beeinträchtigter Identitätsentwicklung. Sie betonen, dass die Risiken generativer KI für Jugendliche nicht allein über die Exposition gegenüber problematischen Inhalten erfasst werden können, sondern über die Entwicklungsaufgaben der Adoleszenz, die lebenslange Konsequenzen haben. Konkret nennen sie Risikopfade wie soziale Isolation, untergrabene Frustrationstoleranz, verzerrte Erwartungen an menschliche Beziehungen, beeinträchtigte Identitäts- und Sinnentwicklung sowie die Exposition gegenüber voreingenommenen, ungenauen oder sexuell unangemessenen Inhalten. Gleichzeitig weisen sie darauf hin, dass generative KI in bestimmten Kontexten die Emotionsregulation und Identitätserkundung unterstützen kann – das Framework ist also nicht einseitig alarmierend, sondern zweiseitig. Sie fordern Längsschnittstudien, die alle Entwicklungsdomänen abdecken und die unterschiedliche Vulnerabilität über verschiedene Altersstufen und Populationen hinweg berücksichtigen, sowie Partnerschaften zwischen Wissenschaft und Industrie und die Einbeziehung der Perspektiven Jugendlicher.

Die vorgestellten Studien liefern erste wichtige Erkenntnisse, weisen jedoch methodische Grenzen auf: Die Nutzungsstudie basiert auf Querschnittsdaten und kann keine Kausalität belegen; die Taxonomie stützt sich auf eine begrenzte Stichprobe von Chat-Transkripten und Reddit-Diskussionen, die möglicherweise nicht repräsentativ für alle Jugendlichen sind; das systematische Review umfasst Studien mit heterogenen Interventionen und kurzen Nachbeobachtungszeiträumen. Das neue OpenAI-Programm könnte diese Lücken schließen, indem es Längsschnittstudien, repräsentative Stichproben und die Einbeziehung jugendlicher Perspektiven fördert. Für Politik und Bildungseinrichtungen ergibt sich die Empfehlung, die Ergebnisse solcher Forschung aktiv in die Entwicklung von Leitlinien für den KI-Einsatz in Schulen und in die Ausgestaltung von Jugendmedienschutz einzubeziehen.

Förderlandschaft: Von NSF bis zu privaten Stiftungen

Die Förderlandschaft für KI in der Bildung ist bereits breit aufgestellt, richtet sich aber bislang nicht spezifisch auf die Erforschung der Auswirkungen generativer KI auf Jugendliche. Die National Science Foundation (NSF) unterhält mit dem AI Institutes-Programm mehrere bildungsbezogene Forschungszentren, die sich mit intelligenten Tutorensystemen, Lernanalysen und KI-gestützter Pädagogik befassen. Das Institute of Education Sciences (IES) hat sein Portfolio um KI-gestützte Interventionen erweitert. Das DRK-12-Programm der NSF fördert die Entwicklung KI-integrierter MINT-Lehrpläne, während das IUSE-Programm KI in der Hochschullehre unterstützt. Das Office of Educational Technology des US-Bildungsministeriums unterstützt zudem Forschung zur effektiven und gerechten Nutzung von KI im Klassenzimmer. Förderanträge in diesem Bereich sollten nach Ansicht der NSF und anderer Geldgeber Gleichstellungsfragen adressieren, menschenzentriertes KI-Design berücksichtigen, Lehrkräftefortbildung einplanen und evidenzbasierte Evaluationspläne vorlegen.

Ergänzend hat die NSF im Rahmen der Presidential AI Challenge zusätzliche Fördermittel für K-12-KI-Teams angekündigt. In einem Dear Colleague Letter (DCL) bekundet die NSF ihre Absicht, ergänzende Fördermittel für bestehende Projekte aus dem Directorate for STEM Education bereitzustellen, um die Presidential Initiative on Advancing Artificial Intelligence Education for American Youth zu unterstützen. Die Mittel sollen es Principal Investigators ermöglichen, als Team-Katalysatoren zu fungieren und Teams für die Teilnahme an der Challenge zu bilden, zu koordinieren und zu betreuen. Ziel ist es, praktische und erfahrungsbasierte Lernangebote zu schaffen, den frühen Zugang zu hochwertigen KI-Lernmöglichkeiten zu erweitern und die nächste Generation auf eine KI-geprägte Welt vorzubereiten.

Auch private Stiftungen engagieren sich: Die Bill & Melinda Gates Foundation und die Walton Family Foundation investieren in adaptive Lernplattformen, die benachteiligten Schülern zugutekommen sollen. Die Omacom Foundation, die im August dieses Jahres gegründet wurde, hat nach eigenen Angaben rund 15,5 Millionen US-Dollar an Zusagen eingesammelt – darunter 150.000 US-Dollar in Modell-Tokens von OpenAI. Die Stiftung hält die Markenrechte, finanziert Infrastruktur, bewirbt das Projekt und unterstützt vorgelagerte Open-Source-Projekte; sie fördert jedoch nicht speziell Jugendforschung. Gemeinsam ist diesen Initiativen, dass sie KI in der Bildung vor allem als Werkzeug betrachten – sei es für adaptives Lernen, intelligente Tutorensysteme oder die Vermittlung von KI-Kompetenzen. Die Frage, wie generative KI die psychosoziale Entwicklung von Jugendlichen beeinflusst, steht dabei nicht im Zentrum. Das neue OpenAI-Programm besetzt damit eine Nische: Es zielt nicht auf die Entwicklung oder den Einsatz von KI-Bildungstechnologien, sondern auf die unabhängige Erforschung ihrer Auswirkungen auf junge Menschen.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. openai.com ↗

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