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New Constructs nennt Anthropic-Börsengang „most ridiculous IPO of 2026“

Das Research-Haus rechnet im niedrigsten Szenario mit 144 Milliarden Dollar Eigenkapitalwert, bis zu 93 Prozent weniger als die kolportierten 2 Billionen Dollar. Anthropic nennt dagegen bereinigte Gewinne, während berichtete Verluste und Verpflichtungen im Raum stehen.

· Veröffentlicht: 21.10.2026 ·4 Min Lesezeit
New Constructs nennt Anthropic-Börsengang „most ridiculous IPO of 2026“Mit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • New Constructs veröffentlichte am 6. Oktober 2026 einen Bericht zum Anthropic-Börsengang.
  • Laut Modell bräuchte Anthropic für 2 Bio. $ 1.000 % Umsatzwachstum im laufenden Jahr.
  • Der 144-Mrd.-$-Wert ist das niedrigste Szenario des Berichts.
  • Laut Reuters erzielte Anthropic 2025 rund 4,6 Mrd. $ Umsatz und 42 Mrd. $ Nettoverlust.
  • Reuters nennt Cloud-, Compute- und Infrastrukturverpflichtungen von 518 Mrd. $, zu 80 % nicht kündbar.

New Constructs nennt Anthropic-Börsengang „most ridiculous IPO of 2026“ und rechnet mit bis zu 93 % weniger

Das Research-Haus New Constructs hält Anthropics geplanten Börsengang für einen „unprecedented test of investor gullibility“. Im Bericht vom 6. Oktober 2026 mit dem Titel „Anthropic Is The Most Ridiculous IPO of 2026“ setzt das Haus den Eigenkapitalwert des KI-Unternehmens im niedrigsten Szenario bei 144 Milliarden Dollar an. Das liegt rund 93 Prozent unter dem kolportierten Ziel von 2 Billionen Dollar.

Die Kritik kommt von einem Anbieter mit eigenem Geschäftsinteresse. New Constructs verkauft Aktienresearch an Investoren und ist als IPO-Skeptiker bekannt.

CNBC nennt eine andere Zahl: Die Firma bewerte Anthropic mit „a mere $150 billion“. Vermutlich handelt es sich um einen gerundeten Wert desselben niedrigsten Szenarios. Belegt ist das nicht. Der Bericht liegt uns nicht im Volltext vor, und wie New Constructs die Spanne oberhalb von 144 Milliarden Dollar herleitet, geht aus dem Material nicht hervor.

Für 2 Billionen Dollar bräuchte Anthropic laut Reverse-DCF 1.000 % Wachstum und 3,6 Bio. $ Umsatz 2035

New Constructs nutzt ein umgekehrtes DCF-Modell (Reverse DCF). Es rechnet nicht von künftigen Gewinnen zum Wert, sondern vom Preis zurück auf die Gewinne, die ihn rechtfertigen würden. Nach dieser Rechnung müsste Anthropic für 2 Billionen Dollar sofort eine operative Nachsteuermarge von 10 Prozent erreichen und sie ein Jahrzehnt halten. Der Umsatz müsste im laufenden Jahr um 1.000 Prozent steigen, 2027 um 100 Prozent. Von 2028 bis 2035 wären jeweils 56 Prozent pro Jahr nötig.

Daraus ergäben sich für 2035 ein Umsatz von 3,6 Billionen Dollar und ein operativer Nachsteuergewinn (NOPAT) von 358 Milliarden Dollar. Der Bericht stellt dem Nvidia mit 184 Milliarden und Apple mit 136 Milliarden Dollar Gewinn der jeweils letzten zwölf Monate gegenüber. Der Ausgangspunkt ist deutlich schlechter: Die operative Marge 2025 beziffert New Constructs auf minus 175 Prozent.

Das niedrigste Szenario von 144 Milliarden Dollar unterstellt, dass sich die Margen verbessern, laut Quelle auf 20 Prozent. Der Text bricht an dieser Stelle ab. Es handelt sich um eine Modellrechnung mit den Annahmen des Anbieters, nicht um einen belegten Befund.

Anthropic nennt 16,8 Mrd. $ Q3-Umsatz und 11 % Marge, aber nur bereinigt und ungeprüft

Anthropic nannte Investoren am Mittwoch laut Bloomberg (über Euronews) einen Umsatz von 16,8 Milliarden Dollar im dritten Quartal. Gegenüber den 11,5 Milliarden Dollar des Vorquartals sind das rund 46 Prozent mehr. Zum zweiten Mal in Folge weist das Unternehmen einen bereinigten Gewinn aus. Hinzu kommen ein positiver bereinigter Free Cashflow und eine bereinigte operative Marge von 11 Prozent. Jeder Dollar für Rechenleistung brachte 1,70 Dollar Umsatz.

Das Wachstum verlangsamt sich. Von Q1 auf Q2 hatte sich der Umsatz mehr als verdoppelt. Ein Bericht über dasselbe Update nennt 11,6 Milliarden Dollar als Q2-Basis und 45 Prozent Wachstum. Das dürfte eine Rundungsdifferenz sein.

Alle Angaben stammen vom Unternehmen. Es sind keine GAAP-Zahlen. Die Bereinigung „strips out certain costs“, welche Kosten herausgerechnet wurden, ist nicht bekannt, und öffentlich geprüft sind die Werte nicht. Prüfbar werden sie erst mit einem öffentlichen S-1 samt Überleitungsrechnung zu den bereinigten Kennzahlen.

Berichtete Verluste und 518 Mrd. $ Verpflichtungen stehen gegen die bereinigten Gewinne

Dem gegenüber stehen berichtete Zahlen aus dem geleakten Prospekt, die Reuters und das Wall Street Journal zitieren. 2025 erzielte Anthropic demnach rund 4,6 Milliarden Dollar Umsatz, nach etwa 400 Millionen Dollar im Jahr davor. Der Nettoverlust lag bei 42 Milliarden Dollar, davon rund 34 Milliarden aus der Neubewertung von Wandelinstrumenten. Der operative Verlust stieg von etwa 3 auf etwa 8 Milliarden Dollar.

Im ersten Halbjahr 2026 betrug der Nettoverlust laut WSJ 80,7 Milliarden Dollar. Rund 72 Milliarden davon entfallen auf buchhalterische Anpassungen. Der Umsatz lag bei 16,3 Milliarden Dollar. Die Compute- und Infrastrukturkosten beliefen sich laut Telegraph auf fast 9 Milliarden Dollar und übertrafen damit das gesamte Jahr 2025. Laut Reuters bestehen außerdem Cloud- und Compute-Verpflichtungen von 518 Milliarden Dollar, davon 80 Prozent nicht kündbar. Zudem hat das Unternehmen rund 122 Milliarden Dollar Privatkapital aufgenommen.

Ein direkter Widerspruch zu den 11 Prozent Marge liegt nicht vor. Bereinigtes Q3 2026 und berichtetes 2025 beziehungsweise erstes Halbjahr 2026 sind verschiedene Kennzahlen über verschiedene Zeiträume. Die berichteten Zahlen stammen aus einem Leak und aus Presseberichten, nicht aus einem veröffentlichten Dokument.

Zwischen 1,5 und 2 Billionen Dollar: Was bis zum öffentlichen S-1 und zum November-Termin offen bleibt

Frühere Berichte, darunter ein Bericht der Financial Times, nannten für Investoren rund 2 Billionen Dollar oder mehr. Laut einem Reuters-Bericht vom 15. Oktober, der uns nur über Cryptobriefing vorliegt, rechnen Investoren nun eher mit rund 1,5 Billionen Dollar. Beides sind Berichte, keine offiziellen Angaben. Die letzte bestätigte Privatbewertung liegt bei 965 Milliarden Dollar (Serie H, 28. Mai 2026). SpaceX war im Juni mit 1,77 Billionen Dollar an die Börse gegangen.

Anthropic reichte am 1. Juni vertraulich einen S-1-Entwurf ein. Stand 29. September gab es kein öffentliches S-1, Aktienzahl und Preisspanne waren offen. Bloomberg nennt frühestens Mitte November als Termin. Eine offizielle Bestätigung fehlt, frühere Berichte hatten Oktober genannt. Angestrebt ist eine Notierung an der Nasdaq.

Offen ist vor allem, ob Anthropic das S-1 rechtzeitig öffentlich macht und wie die Konsortialbanken den Preis festlegen. Sollte die Bewertung sinken, träfe das zunächst Investoren, die auf das höhere Ziel gesetzt haben.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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