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Mosseri erwartet mehr Wut auf KI – Umfragen zeigen ein gemischtes Bild

Der Instagram-Chef rechnet mit wachsender Ablehnung, auch außerhalb der Kreativbranche. US-Umfragen stützen das, die Stanford-Daten zeichnen ein widersprüchlicheres Bild.

· Veröffentlicht: 29.10.2026 ·5 Min Lesezeit
Mosseri erwartet mehr Wut auf KI – Umfragen zeigen ein gemischtes BildMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Mosseri sagt, KI-Inhalte ranken vermutlich nicht so gut wie andere Inhalte.
  • Mosseri räumt ein, viele Menschen mögen KI nicht, und Frust über KI nimmt in kreativen Branchen zu.
  • Instagram führte Anfang 2026 Labels für KI-Accounts ein.
  • Im August ging Instagram gegen KI-generierte Profile vor.
  • Anfang Oktober sagte Mosseri, Instagram prüfe aktiv Maßnahmen gegen KI-Fakes.

Mosseri erwartet mehr Wut auf KI, auch abseits der Kreativbranche

Instagram-Chef Adam Mosseri rechnet damit, dass Frust und Angst vor künstlicher Intelligenz in den kommenden Jahren zunehmen. „It's not only getting worse, it's going to continue to get worse“, sagte er im Podcast „Colin and Samir“. Das Gespräch drehte sich um Instagrams Einführung von Breitbild- und Langvideos. Weiter sagte er: „I think we're going to see more frustration and anger, some of it founded, some of it unfounded, over the next couple of years, and that's going to make it hard for a lot of people, not just in the industry.“ Auch Plattformen wie Instagram bekämen einen Teil davon ab.

Auslöser der Frage war laut explainx.ai, dass Studierende bei Abschlussfeiern Tech-CEOs ausgebuht hatten. Mosseri räumte ein, dass viele Menschen KI ablehnen, junge Leute und Kreative eingeschlossen. Er beschrieb einen Trend zu „more anxiety and more frustration and more anger about AI“, besonders in kreativen Branchen.

Kreative, so Mosseri, sorgen sich um das Eigentum an ihren Inhalten, um das Training von Modellen mit diesen Inhalten, um Sicherheit und um Jobverlust. Der könne Creator, Ingenieure und Mathematiker treffen. Dahinter stehe im Kern die Angst, abgehängt zu werden.

Über das Interview berichtete The Verge (Stevie Bonifield) am 28. Oktober 2026. Das Original lag der Redaktion nicht direkt vor. Diese Meldung stützt sich auf drei Quellen, die die Zitate übereinstimmend wiedergeben.

Kennzeichnung statt Verbot: Instagrams Schritte sind älter als das Interview

Bei dem Interview handelt es sich um ein Gespräch, nicht um eine Änderung der Richtlinien. Neue Maßnahmen nennt das Material nicht. Die erwähnten Schritte sind älter. Laut Berichterstattung führte Instagram Anfang 2026 Labels für KI-Accounts ein und ging im August gegen KI-generierte Profile vor. Mosseri sagte, Instagram beginne damit, KI-Accounts zur Selbstkennzeichnung aufzufordern. Menschen sollten wissen, ob das Gezeigte echt ist.

Anfang Oktober hatte er erklärt, Instagram prüfe aktiv, was gegen KI-Fakes zu tun sei. Ein Verbot von KI-Inhalten halte er für unrealistisch. Irreführende Inhalte wie Deepfakes von Prominenten bleiben ein Problem.

Beim Ranking unterscheide Instagram KI-Creator nicht, sagte Mosseri. Ob KI-Inhalte genauso gut gerankt werden wie andere, beantwortete er selbst mit „Probably not“. Es gebe viel gute, aber auch viel schlechte KI-Inhalte. Im Material findet sich außerdem ein Neujahrs-Post, in dem er „AI slop“ als „überbreit verwendet“ bezeichnete. Eigene Vorberichterstattung dazu liegt nicht vor.

US-Umfragen stützen die Einschätzung: Skepsis wächst, bei Jüngeren am stärksten

Mehrere Erhebungen passen zu Mosseris Einschätzung. Laut Bentley-Gallup stieg in den USA der Anteil derer, die KI für mehr schädlich als nützlich halten, von 31 Prozent (2025) auf 39 Prozent (2026). Damit liegt er nahe den 40 Prozent von 2023. 52 Prozent sehen gleich viel Schaden und Nutzen, 9 Prozent mehr Nutzen. Bei den 18- bis 29-Jährigen kletterte der Wert von 36 auf 47 Prozent. Die Einstellungen hatten sich zuvor verbessert. Diese Entwicklung hat an Schwung verloren, obwohl die Vertrautheit mit KI gewachsen ist.

Das Pew Research Center befragte 37 Länder. In 34 davon erwarten die Menschen eher weniger Jobs durch KI als mehr. In reichen Ländern wie Australien, Südkorea und den USA rechnen rund 70 Prozent oder mehr in den nächsten 20 Jahren mit Jobverlust. In den USA stieg dieser Anteil binnen zwei Jahren um 7 Prozentpunkte. In mehreren Ländern sind junge Erwachsene besorgter als Ältere. In vielen Ländern ist etwa ein Fünftel oder mehr unentschlossen.

Die Seite dejan.ai fasst weitere Zahlen zusammen. 52 Prozent der US-Erwachsenen seien mehr besorgt als begeistert, 2021 waren es 37 Prozent. Bei den Unter-30-Jährigen liegt der Wert im Juni 2026 bei 55 Prozent. Damit stellt diese Gruppe erstmals eine Mehrheit. In 16 Experimenten mit 27.491 Teilnehmenden wurde identischer Text niedriger bewertet, sobald er als KI-generiert gekennzeichnet war. Es handelt sich um eine Sekundärzusammenfassung. Die Primärstudien nennt der Auszug nicht.

Stanford HAI: Mehr Nutzen und mehr Nervosität zugleich

Stanford HAI zeichnet ein anderes Bild. Weltweit stieg der Anteil, der KI-Produkte als mehr nützlich denn nachteilig ansieht, von 55 Prozent (2024) auf 59 Prozent (2025). Gleichzeitig wuchs der Anteil, den KI nervös macht, auf 52 Prozent. Südostasiatische Länder gelten weiterhin als sehr optimistisch. In Schwellenländern ist die Nutzung am Arbeitsplatz oft höher als in vielen Industriestaaten.

Zwischen Fachleuten und Öffentlichkeit klafft eine Lücke. Bei der Arbeitswelt erwarten 73 Prozent der Experten eine positive Wirkung. In der US-Öffentlichkeit sind es nur 23 Prozent. In den USA rechnen 64 Prozent in 20 Jahren mit weniger Jobs.

Der Widerspruch zu den US-Daten ist zum Teil nur scheinbar. Die Studien unterscheiden sich in der Region (global gegenüber USA), im Zeitraum (2024/25 gegenüber 2025/26) und in der Fragestellung: Nutzen gegen Nachteile, Schaden gegen Nutzen, Sorge gegen Begeisterung. Dass Optimismus und Angst gemeinsam steigen können, zeigen die Stanford-Zahlen selbst.

Was die Zahlen zur Prognose sagen und was offen bleibt

Die Daten belegen wachsende Skepsis und Sorge, vor allem in den USA und bei Jüngeren. Mosseris Beobachtung, dass die Ablehnung zunimmt, passt dazu. Ob sie sich über Kreative hinaus ausbreitet, zeigen die Umfragen nur indirekt, etwa über Jobsorgen in der Breite der Bevölkerung.

Eine Prognose für die nächsten Jahre kann allerdings keine dieser Umfragen direkt belegen oder widerlegen. Sie messen Vergangenheit und Gegenwart. Stanford zeigt außerdem, dass wachsender Nutzen und wachsende Nervosität nebeneinander bestehen können.

Offen bleibt, wer bei Instagram, bei Creatorn oder bei Marken konkret handeln muss. Das Material nennt dazu nichts. Spekulationen über Maßnahmen verbieten sich.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. mezha.net ↗

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