KI-Sicherheit und Missbrauch
Bedrohungen, Angriffsflächen und Schutzmaßnahmen rund um KI-Systeme.
Bedrohungen, Angriffsflächen und Schutzmaßnahmen rund um KI-Systeme. Vollständige, faktenbasierte Fassung mit Belegen und Quellenregister.
Management-Zusammenfassung
Prompt Injection ist keine Randerscheinung
OWASP führt Prompt Injection in der 2025er Liste der Risiken für LLM-Anwendungen an erster Stelle. Dabei verändert eine Eingabe das Verhalten oder die Ausgabe eines Modells entgegen der beabsichtigten Steuerung. Besonders kritisch ist indirekte Prompt Injection: Die schädliche Instruktion stammt nicht vom Benutzer, sondern steckt in einer Webseite, E-Mail, Datei, Datenbank, einem Tool-Ergebnis oder einer RAG-Quelle, die das Modell verarbeitet. Das BSI beschreibt genau dieses Risiko für LLMs, die externe Quellen und Anwendungen einbeziehen. [S-001, S-011]
Der entscheidende Unterschied zu klassischer SQL-Injection: Ein heutiges LLM besitzt innerhalb seines Kontextes keine zuverlässig durchsetzbare technische Trennung zwischen „Daten“ und „Instruktionen“. Das britische NCSC warnt deshalb ausdrücklich davor, Prompt Injection wie eine klassische Injection-Schwachstelle zu behandeln. Input-Sanitizing allein löst das Grundproblem nicht. [S-010]
Für reine Chatbots kann der Schaden auf falsche Antworten oder Datenoffenlegung begrenzt bleiben. Sobald ein Modell jedoch E-Mails lesen, Dateien verändern, APIs aufrufen, Überweisungen vorbereiten, Tickets schließen oder andere Systeme steuern darf, wird aus einer Manipulation der Antwort eine Manipulation von Handlungen. Genau deshalb führt OWASP „Excessive Agency“ als eigenes Risiko und veröffentlichte Ende 2025 zusätzlich eine Top-10-Liste für agentische Anwendungen. [S-002, S-003]
Jailbreak und Prompt Injection sind verwandt, aber nicht identisch
Ein Jailbreak zielt typischerweise darauf, Sicherheits- oder Nutzungsbeschränkungen eines Modells zu umgehen. Prompt Injection zielt auf die Instruktionssteuerung einer konkreten Anwendung. In der Praxis überlappen die Techniken. Forschung wie JailbreakBench und HarmBench entstand gerade deshalb, weil Erfolgsraten verschiedener Angriffe ohne standardisierte Testbedingungen kaum vergleichbar waren. [S-047, S-048]
Abwehr ist möglich, aber keine einzelne Schutzschicht sollte als absolut gelten. Anthropic berichtete 2025 bei einem experimentellen Constitutional-Classifier-System über eine starke Reduktion erfolgreicher Jailbreaks, wies aber selbst auf Overrefusal und zusätzlichen Rechenaufwand hin. 2026 betonte Anthropic erneut, dass derzeit keine am Markt befindlichen AI-Systeme perfekt robuste Jailbreak-Abwehr besitzen. OpenAI verfolgt mit Instruction-Hierarchy-Training denselben Grundgedanken: Instruktionen unterschiedlicher Vertrauensstufen müssen explizit priorisiert werden. [S-050, S-051, S-052]
Agenten verschieben die Sicherheitsfrage von „Was sagt die KI?“ zu „Was darf sie tun?“
AgentDojo untersucht Agenten, die mit E-Mail, Banking und Reisebuchungen interagieren, und enthält 97 realistische Aufgaben sowie 629 Sicherheitstestfälle. Die zentrale Erkenntnis ist nicht, dass jeder Agent unsicher ist, sondern dass Zuverlässigkeit und Sicherheit getrennt gemessen werden müssen: Ein Agent kann eine Aufgabe korrekt lösen und trotzdem auf manipulierte externe Daten reagieren. [S-046]
Für Unternehmen folgt daraus ein robustes Architekturprinzip: Das Sprachmodell darf nicht die letzte Sicherheitsinstanz sein. Berechtigungen, Freigaben, Transaktionsgrenzen, Tool-Allowlisting, Datenklassifizierung, Netzwerkgrenzen und Human Approval müssen außerhalb des Modells durchgesetzt werden. NCSC/CISA und der britische AI Cyber Security Code empfehlen Secure-by-Design, Least Privilege, sichere APIs, getrennte Umgebungen, Logging, Monitoring und Incident-Management. [S-008, S-009]
KI macht Betrug skalierbarer und glaubwürdiger
Das FBI warnt, dass generative KI Zeit und Aufwand für Betrüger reduziert und die Glaubwürdigkeit von Betrug erhöht. Genannt werden massenhaft erzeugte Profile, besser formulierte Phishing-Nachrichten, Übersetzungen ohne typische Sprachfehler, gefälschte Ausweise, Bilder, Audio und Videos. [S-020]
INTERPOL bewertet KI 2026 als „Force Multiplier“ für Finanzbetrug. Der Bericht beschreibt AI-gestützte Personalisierung, synthetische Identitäten, Voice-/Face-Cloning und agentische Systeme. Die dort genannte Schätzung, AI-enhanced fraud sei 4,5-mal profitabler, ist keine universelle Naturkonstante; sie ist als von INTERPOL übernommene, quellenabhängige Schätzung zu behandeln. [S-019]
Europol berichtet im IOCTA 2026, dass generative KI zunehmend zur Anpassung von Social Engineering eingesetzt wird und Online-Betrug beschleunigt und verschleiert. Gleichzeitig bleiben klassische Enabler relevant: Caller-ID-Spoofing, kompromittierte Konten, gestohlene Daten und SIM-Infrastrukturen. [S-017, S-018]
CEO-Fraud ist älter als generative KI - Deepfakes erhöhen aber die Beweiskraft des Angreifers
Die deutsche Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt CEO-Fraud als etabliertes Muster: Täter recherchieren Unternehmen, Führungskräfte und Abläufe und erzeugen Zeitdruck, Geheimhaltung und angebliche Autorität. Zu den Informationsquellen gehören ausdrücklich Unternehmenswebseiten, Wirtschaftsberichte und Handelsregister. [S-026]
Generative KI kann diese Vorbereitung beschleunigen und um Stimme oder Video erweitern. Das BSI nennt ausdrücklich den Fall, dass ein Angreifer mit einer imitierten Stimme des Geschäftsführers eine Geldtransaktion auslösen will. Daraus folgt: Stimme, Video, angezeigte Telefonnummer und Schreibstil sind keine hinreichenden Authentifizierungsmerkmale mehr. [S-012, S-028]
Fake-Rechnungen nach Registereinträgen sind real - KI ist dafür nicht erforderlich
Nach Handelsregistereintragungen oder Änderungen erhalten Unternehmen seit Jahren irreführende Zahlungsaufforderungen. Die IHK Reutlingen verweist auf Warnungen der Justizbehörden vor Schreiben, die amtliche Rechnungen nachahmen oder Leistungen nichtamtlicher Register anbieten. [S-027]
Diese Masche ist kein KI-Phänomen. KI kann aber Layout, Sprache, Personalisierung, Skalierung und Recherche verbessern. Wer jeden modernen Betrug als „KI-Betrug“ bezeichnet, überschätzt die Technologie und unterschätzt organisatorische Schwachstellen.
Deepfake-Detektion ist hilfreich, aber kein Wahrheitsautomat
Das BSI beschreibt sicht- und hörbare Artefakte sowie automatisierte Detektoren, weist aber auf Generalisierungsprobleme und adversariale Umgehung hin. Deshalb darf eine Organisation kritische Freigaben nicht von einem einzelnen Deepfake-Detektor abhängig machen. [S-012]
NIST betrachtet Provenance, Watermarking und Detection als komplementäre technische Ansätze. C2PA ermöglicht kryptografisch gebundene Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen. C2PA stellt jedoch ausdrücklich klar: Gültige Provenance beweist nicht, dass der Inhalt sachlich wahr ist; fehlende Content Credentials beweisen umgekehrt nicht, dass ein Inhalt falsch ist. [S-007, S-045]
Seit 2. August 2026 greifen zentrale Transparenzpflichten des AI Act
Art. 50 AI Act verpflichtet bestimmte Anbieter generativer Systeme zu maschinenlesbarer Kennzeichnung synthetischer Inhalte und Betreiber unter anderem zur Offenlegung von Deepfakes. Die Europäische Kommission veröffentlichte 2026 ergänzende Leitlinien und einen Code of Practice. Der Code wurde von Kommission und AI Board als geeignetes freiwilliges Instrument bewertet; seine Einhaltung ist jedoch kein unwiderlegbarer Beweis vollständiger Rechtskonformität. [S-030, S-031, S-032, S-033]
Für Hochrisiko-KI verlangt Art. 15 angemessene Robustheit und Cybersecurity. Die technischen Lösungen sollen gegebenenfalls Data Poisoning, Model Poisoning, adversariale Eingaben, Vertraulichkeitsangriffe und Modellschwachstellen adressieren. Für GPAI-Modelle mit systemischem Risiko verlangt Art. 55 unter anderem adversariales Testing, Risikominderung, Incident-Dokumentation und ein angemessenes Cybersecurity-Niveau. [S-030]
KI-Sicherheit ersetzt bestehende IT-Sicherheit nicht
NIS2 verlangt für betroffene wesentliche und wichtige Einrichtungen angemessene technische, operative und organisatorische Maßnahmen, einschließlich Incident Handling, Supply-Chain-Sicherheit, sichere Beschaffung/Entwicklung, Schwachstellenmanagement, Cyberhygiene, Training, Kryptografie und Zugriffskontrolle. Die DSGVO verlangt bei personenbezogenen Daten ein risikoadäquates Schutzniveau. Der Cyber Resilience Act ergänzt horizontale Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. [S-036, S-037, S-038]
KI-Sicherheit ist deshalb eine zusätzliche Schicht auf klassischer Security. Ein unsicheres IAM, fehlende MFA, zu breite API-Rechte, unkontrollierte Secrets oder mangelhafte Backups werden nicht dadurch sicher, dass ein modernes Modell davor sitzt.
Management-Fazit
Die stärkste Sicherheitsstrategie ist keine „magische Prompt-Injection-Erkennung“. Sie ist Defense in Depth: Daten und Instruktionen nach Vertrauensstufe behandeln, Agentenrechte minimieren, irreversible Aktionen freigabepflichtig machen, Identitäten außerhalb von Stimme/Video verifizieren, Zahlungsprozesse vom Kommunikationskanal trennen, Modelle und Datenlieferketten prüfen, Logs führen, Red-Teaming betreiben und Vorfälle üben.
Für Geschäftsführer ist die wichtigste Veränderung organisatorisch: Eine Nachricht des Chefs, ein Video-Call, eine perfekte Rechnung oder eine scheinbar interne E-Mail darf bei kritischen Aktionen nicht mehr als Beweis genügen. Der sichere Prozess muss stärker sein als die perfekte Fälschung.
Die 50 wichtigsten Kernaussagen
| ID | Kernaussage | Status | Einschränkung | Quellen | Refresh |
|---|---|---|---|---|---|
| K-001 | Prompt Injection ist OWASP LLM01:2025. | Sicherheitsstandard | OWASP ist kein Gesetz. | S-001, S-002 | mittel |
| K-002 | Indirekte Prompt Injection kann in Webseiten, Dateien, E-Mails, Tool-Outputs oder RAG-Quellen stecken. | Forschungs-/Behördenstand | Wirkung hängt von Architektur und Rechten ab. | S-011, S-049 | hoch |
| K-003 | LLMs erzwingen im Prompt keine harte technische Trennung zwischen Instruktion und Daten. | Behördenposition | Training kann Robustheit erhöhen, aber keine absolute Grenze garantieren. | S-010, S-052 | hoch |
| K-004 | Prompt Injection und SQL-Injection benötigen unterschiedliche Abwehrmodelle. | Behördenposition | Klassische AppSec bleibt zusätzlich notwendig. | S-010 | mittel |
| K-005 | Agentische Tool-Nutzung erhöht den möglichen Schaden erfolgreicher Prompt Injection. | Sicherheitsstandard/Forschung | Risiko hängt von Berechtigungen ab. | S-003, S-046 | hoch |
| K-006 | Least Privilege ist bei Agenten zentral. | Best Practice | Umsetzung ist kontextabhängig. | S-008, S-009 | mittel |
| K-007 | Kritische Aktionen sollten außerhalb des LLM durch Policies und Freigaben begrenzt werden. | Best Practice | Keine Architektur ist universell. | S-008, S-009 | mittel |
| K-008 | Jailbreaks umgehen Safety-Guardrails; Prompt Injection manipuliert die Instruktionssteuerung einer Anwendung. | Forschungsstand | Techniken überlappen. | S-047, S-050 | mittel |
| K-009 | Jailbreak-Erfolgsraten sind ohne einheitliche Benchmarks schlecht vergleichbar. | Forschungsstand | Benchmarks altern schnell. | S-047, S-048 | hoch |
| K-010 | Perfekte Jailbreak-Robustheit darf 2026 nicht unterstellt werden. | Forschungs-/Anbieterstand | Neue Modelle können Lage ändern. | S-050, S-051 | sehr hoch |
| K-011 | Input-/Output-Classifier können Risiken reduzieren, erzeugen aber Kosten und Fehlklassifikationen. | Forschungsstand | Anbieterbefunde sind nicht universell. | S-050 | hoch |
| K-012 | Instruction-Hierarchy-Training kann Robustheit gegen niedrig priorisierte schädliche Instruktionen verbessern. | Forschungsstand | Kein Ersatz für Systemkontrollen. | S-052 | hoch |
| K-013 | RAG-Systeme schaffen Angriffsflächen über manipulierte Wissensquellen. | Sicherheitsstandard | Risiko hängt von Ingestion/Retrieval ab. | S-002, S-004 | hoch |
| K-014 | Trainings-, Fine-Tuning- und Embedding-Daten können Ziel von Poisoning sein. | Sicherheitsstandard | Angriffsmodelle unterscheiden sich. | S-002, S-005, S-014 | hoch |
| K-015 | Modell- und Datensupply-Chain müssen inventarisiert und geprüft werden. | Behörden-/Best-Practice | Pflichten hängen vom Rechtsrahmen ab. | S-008, S-009, S-036 | mittel |
| K-016 | System-Prompts sind keine geeignete Ablage für Geheimnisse, die niemals offengelegt werden dürfen. | Sicherheitsstandard | Vertraulichkeit kann trotzdem betrieblich sinnvoll sein. | S-002 | mittel |
| K-017 | LLM-Ausgaben sind als untrusted data zu behandeln, wenn sie an Interpreter oder APIs gehen. | Sicherheitsstandard | Sanitization ist kontextabhängig. | S-002 | mittel |
| K-018 | Sensible Daten können über Modell- oder Anwendungsausgaben offengelegt werden. | Sicherheitsstandard | Nicht jede Offenlegung stammt aus Training. | S-002, S-038 | mittel |
| K-019 | Generative KI senkt laut FBI Zeit und Aufwand für glaubwürdigen Betrug. | Behördenbefund | Keine universelle quantitative Rate. | S-020 | mittel |
| K-020 | KI kann Phishing sprachlich verbessern, übersetzen und massenhaft personalisieren. | Behördenbefund | Phishing funktioniert auch ohne KI. | S-020, S-017 | hoch |
| K-021 | Deepfakes können Stimme, Gesicht und Video zur Identitätsvortäuschung nutzen. | Behördenbefund | Qualität und Aufwand variieren. | S-012, S-019 | hoch |
| K-022 | Stimme allein ist für kritische Freigaben kein robustes Authentifizierungsmerkmal. | Eigene Synthese | Abgeleitet aus Voice-Cloning- und Fraud-Evidenz. | S-012, S-020, S-021 | hoch |
| K-023 | Angezeigte Telefonnummern können manipuliert werden. | Behördenbefund | Nicht jeder unbekannte Anruf ist Spoofing. | S-028, S-018 | mittel |
| K-024 | CEO-Fraud basiert auf Autorität, Zeitdruck, Geheimhaltung und Vorrecherche. | Behördenbefund | KI ist dafür nicht erforderlich. | S-026 | mittel |
| K-025 | Handelsregister- und Unternehmensdaten können Betrügern Kontext für personalisierte Ansprache liefern. | Behörden-/Praxisbefund | Öffentliche Daten sind nicht ursächlich für Betrug. | S-026, S-027 | mittel |
| K-026 | Fake-Rechnungen nach Registereinträgen sind ein dokumentiertes Betrugsmuster. | Praxis-/Behördenwarnung | Kein spezifisches KI-Phänomen. | S-027 | mittel |
| K-027 | BEC verursachte laut FBI/IC3 2024 gemeldete Verluste von rund 2,77 Mrd. USD. | Amtliche Statistik USA | Nicht vollständig KI-attributierbar. | S-022 | jährlich |
| K-028 | INTERPOL bewertet BEC 2026 als weltweit besonders häufig gemeldete Fraud-Typologie. | Strafverfolgungsanalyse | INTERPOL-Daten sind kein vollständiges Weltregister. | S-019 | jährlich |
| K-029 | INTERPOL beobachtet eine Zunahme synthetischer Identitätsbetrugsfälle mit KI-Unterstützung. | Strafverfolgungsanalyse | Keine vollständige Prävalenzmessung. | S-019 | hoch |
| K-030 | FinCEN beobachtete mehr Verdachtsmeldungen zu Deepfake-Medien, besonders gefälschten Identitätsdokumenten. | Behördenbefund USA | US-Finanzsektor. | S-023 | hoch |
| K-031 | Deepfake-Erkennung ist anfällig für Generalisierungsprobleme. | Behörden-/Forschungsstand | Leistungswerte hängen vom Datensatz ab. | S-012, S-007 | hoch |
| K-032 | Ein einzelner Deepfake-Detektor sollte keine kritische Freigabe entscheiden. | Eigene Synthese | Defense-in-depth-Empfehlung. | S-012, S-007 | mittel |
| K-033 | C2PA kann Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen kryptografisch binden. | Technischer Standard | Adoption ist nicht universell. | S-045 | hoch |
| K-034 | C2PA-Provenance beweist nicht die sachliche Wahrheit eines Inhalts. | Technischer Standard | Provenance und Faktizität sind verschieden. | S-045 | mittel |
| K-035 | Fehlende Content Credentials beweisen nicht, dass ein Inhalt falsch ist. | Technischer Standard | Legitimer Content kann ohne C2PA existieren. | S-045 | mittel |
| K-036 | Art. 50 AI Act enthält Transparenzpflichten für bestimmte synthetische Inhalte und Deepfakes. | Geltendes EU-Recht | Ausnahmen und Übergangsregeln beachten. | S-030, S-031 | hoch |
| K-037 | Die Art.-50-Pflichten sind seit 2. August 2026 anwendbar. | Geltendes EU-Recht | Übergang für bestimmte Alt-Systeme beachten. | S-031, S-032 | hoch |
| K-038 | Der Transparenz-Code 2026 ist ein freiwilliges Instrument zur Compliance-Unterstützung. | Offizielle EU-Position | Keine unwiderlegbare Konformitätsvermutung. | S-032, S-033 | hoch |
| K-039 | Art. 15 AI Act verlangt bei Hochrisiko-KI angemessene Robustheit und Cybersecurity. | Geltendes EU-Recht | Hochrisiko-Anwendungsbereich gesondert prüfen. | S-030 | mittel |
| K-040 | Art. 15 nennt Data/Model Poisoning, adversariale Eingaben und Vertraulichkeitsangriffe ausdrücklich. | Geltendes EU-Recht | „where appropriate“ und risikobasiert. | S-030 | mittel |
| K-041 | Art. 55 verlangt für GPAI mit systemischem Risiko adversariales Testing und Cybersecurity. | Geltendes EU-Recht | Nur betroffene GPAI-Provider. | S-030, S-034 | hoch |
| K-042 | NIS2 verlangt bei betroffenen Einrichtungen Supply-Chain-Sicherheit, Incident Handling, Training und Access Control. | Geltendes EU-Recht | Anwendungsbereich prüfen. | S-036 | mittel |
| K-043 | DSGVO Art. 32 bleibt für personenbezogene Daten in KI-Systemen relevant. | Geltendes EU-Recht | Risikobasierte Einzelfallprüfung. | S-038 | mittel |
| K-044 | Der Cyber Resilience Act ergänzt Security-Pflichten für Produkte mit digitalen Elementen. | Geltendes EU-Recht | Gestaffelte Anwendung beachten. | S-037 | hoch |
| K-045 | Betrug mit KI kann unter bestehende Straftatbestände fallen; ein eigener „KI-Betrug“-Tatbestand ist nicht Voraussetzung. | Rechtsanalyse | Einzelfall entscheidet. | S-039, S-040, S-041 | mittel |
| K-046 | Unbefugtes Ausspähen oder Verändern von Daten kann unabhängig vom KI-Einsatz strafbar sein. | Geltendes deutsches Recht | Tatbestandsvoraussetzungen prüfen. | S-042, S-043 | mittel |
| K-047 | Geschäftsgeheimnisse benötigen angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen; unbefugte Erlangung/Nutzung ist gesetzlich adressiert. | Geltendes deutsches Recht | Geheimnisqualität und Maßnahmen sind einzelfallabhängig. | S-044 | mittel |
| K-048 | AI Security braucht Logging, Monitoring, Incident- und Recovery-Pläne. | Behörden-/Best-Practice | Umfang risikobasiert. | S-009 | mittel |
| K-049 | Red Teaming muss Modelle, Prompts, Datenquellen, Tools und Berechtigungen einbeziehen. | Forschungs-/Best-Practice | Kein einmaliger Test. | S-004, S-046, S-048 | hoch |
| K-050 | Der sichere Geschäftsprozess muss stärker sein als eine glaubwürdige synthetische Identität. | Eigene Synthese | Organisatorische Schlussfolgerung. | S-012, S-019, S-026 | mittel |
Methodik und Evidenzhierarchie
Recherchiert wurde mit Stichtag 7. August 2026. Primär berücksichtigt wurden EU-Rechtsakte, Bundesrecht, Behörden, Strafverfolgungsbehörden, Sicherheitsbehörden und Originalforschung. Anbieterforschung wird nur dort genutzt, wo sie eigene Schutzverfahren oder beobachtete Missbrauchsmuster dokumentiert; solche Aussagen werden nicht als neutrale Marktstatistik behandelt.
Die Evidenz wird in fünf Klassen getrennt: (1) geltendes Recht, (2) Behörden- und Strafverfolgungsbefunde, (3) offene Sicherheitsstandards und Best Practices, (4) wissenschaftliche Originalforschung/Benchmarks, (5) Anbieterbefunde. Quantitative Fraud-Zahlen werden nie automatisch KI zugerechnet, wenn die Quelle nur die Gesamtbetrugsart misst.
Wichtige Recherchegrenze: Cybercrime-Dunkelfelder sind groß. Polizeiliche Meldungen, IC3-Daten und Fraud-Assessments bilden nur gemeldete oder beobachtete Fälle ab. Ebenso ändern sich Frontier-Modelle, Guardrails und Angriffstechniken schnell. Deshalb enthält dieses Dossier eine explizite Refresh-Liste.
Bedrohungsmodell: Was ist bei KI tatsächlich neu?
KI-Sicherheit lässt sich in drei Ebenen zerlegen:
- Angriffe auf das KI-System: Prompt Injection, Jailbreak, Poisoning, Model Extraction, Datenoffenlegung, RAG-Manipulation.
- Angriffe durch ein kompromittiertes KI-System: Tool-Missbrauch, falsche Transaktionen, Datenexfiltration, unerwünschte Änderungen.
- Missbrauch von KI als Werkzeug: Phishing, BEC, Deepfakes, synthetische Identitäten, Scam-Automatisierung.
Viele klassische Sicherheitsziele bleiben identisch: Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Authentizität, Zugriffskontrolle und Nachvollziehbarkeit. Neu ist, dass natürlichsprachliche Inhalte gleichzeitig Nutzdaten und Steuerimpulse sein können. [S-005, S-010]
Die wichtigste Architekturfrage lautet deshalb nicht „Welches Modell ist am sichersten?“, sondern: Welche untrusted inputs sieht das Modell, auf welche Geheimnisse kann es zugreifen und welche Aktionen darf es auslösen?
Prompt Injection und indirekte Prompt Injection
Direkte Prompt Injection kommt vom interagierenden Nutzer. Indirekte Prompt Injection wird über Daten eingeschleust, die das System im Auftrag des Nutzers verarbeitet. Greshake et al. demonstrierten 2023, dass manipulierte externe Inhalte LLM-integrierte Anwendungen zu Datenabfluss oder unerwünschten API-Aktionen bringen können. [S-049]
Das BSI beschreibt als Risikokonstellation insbesondere LLMs, die externe Quellen und Anwendungen einbeziehen. OWASP empfiehlt unter anderem Privilegienminimierung, klare Vertrauensgrenzen, Output-Validierung und Human Approval für risikoreiche Aktionen. [S-001, S-011]
Praktische Konsequenz: Ein E-Mail-Agent darf den Text einer eingehenden E-Mail nicht als vertrauenswürdige Instruktion behandeln. Ein Web-Agent darf Webseiteninhalt nicht automatisch in Handlungsbefehle übersetzen. Ein RAG-System muss Dokumente als Daten behandeln, nicht als Autorität über Systemregeln.
Jailbreaks und Safety-Bypass
Jailbreaks zielen auf die Schutzregeln des Modells. Many-shot jailbreaking zeigte, dass lange Kontexte selbst neue Angriffsflächen schaffen können. JailbreakBench und HarmBench standardisieren Tests, weil Modell-, Prompt- und Scoring-Unterschiede sonst zu irreführenden Vergleichen führen. [S-047, S-048, S-053]
Anbieter entwickeln mehrschichtige Abwehr. Anthropic dokumentierte Constitutional Classifiers; OpenAI Instruction Hierarchy. Diese Ansätze sind relevant, aber nicht als Garantie zu lesen. [S-050, S-051, S-052]
Für Unternehmensanwendungen ist entscheidend: Ein Jailbreak darf nicht automatisch zu Datenzugriff oder realen Aktionen führen. Safety-Guardrails des Modells und Security Controls des Systems sind getrennte Schichten.
Agentische Systeme und Excessive Agency
Agenten kombinieren Modellentscheidungen mit Werkzeugen. Damit entsteht eine klassische Least-Privilege-Frage in neuer Form. OWASP bezeichnet zu weitreichende Funktionalität, Berechtigungen oder Autonomie als „Excessive Agency“. [S-002, S-003]
Sicherheitsarchitektur sollte mindestens enthalten:
- separate Read-/Write-Berechtigungen,
- minimale OAuth-/API-Scopes,
- Allowlisting von Tools und Zielen,
- Betrags- und Transaktionslimits,
- Human Approval vor irreversiblen Aktionen,
- keine Secrets im Modellkontext, wenn vermeidbar,
- sandboxed execution,
- vollständige Audit-Logs,
- Rate Limits und Kill Switches.
AgentDojo zeigt, warum Security-Tests reale Tool-Ketten abbilden müssen. Ein Agent, der ohne Angriff schon unzuverlässig arbeitet, ist kein geeigneter Kandidat für hochkritische Autonomie. [S-046]
RAG, Embeddings, Memory und Knowledge-Base-Poisoning
RAG reduziert nicht automatisch Halluzinationen und schafft eine neue Vertrauensschicht: die Wissensbasis. Manipulierte Dokumente können Retrieval und Modellverhalten beeinflussen. OWASP führt Vector- und Embedding-Schwächen als eigenes Risiko. [S-002]
Kontrollen: Provenance der Dokumente, getrennte Schreibrechte, Ingestion-Freigaben, Malware-Scanning, Versionshistorie, Mandantentrennung, Retrieval-Filter, Berechtigungsprüfung vor Retrieval, Kennzeichnung untrusted Quellen und Tests mit absichtlich manipulierten Dokumenten.
Memory-Systeme erhöhen Persistenzrisiken. Eine einmal eingeschleuste falsche Information oder Instruktion kann wiederholt wirksam werden. Deshalb braucht persistentes Agenten-Memory eigene Schreib-, Review- und Löschregeln.
Trainingsdaten, Fine-Tuning und Model Poisoning
NIST und OWASP unterscheiden Poisoning von klassischen Laufzeitangriffen. Manipulierte Trainings- oder Fine-Tuning-Daten können Verhalten, Backdoors oder Verzerrungen verankern. [S-002, S-005]
Die gemeinsame AI-Data-Security-Guidance unter Führung des NSA AISC betont die Schutzbedürftigkeit von Daten über Entwicklung, Test und Betrieb hinweg. [S-014]
Unternehmen sollten Datensätze versionieren, Herkunft dokumentieren, Schreibrechte minimieren, Integritätsprüfungen einsetzen und Training/Fine-Tuning reproduzierbar machen. Externe Datensätze und Modelle gehören in die Supply-Chain-Prüfung.
Sensitive Information Disclosure und System-Prompt-Leaks
OWASP weist darauf hin, dass LLM-Anwendungen personenbezogene Daten, Finanzdaten, Gesundheitsinformationen, Credentials, Geschäftsgeheimnisse oder proprietäre Informationen offenlegen können. [S-002]
Ein System-Prompt kann operative Regeln enthalten, sollte aber nicht als Tresor verwendet werden. API-Schlüssel, Passwörter und langfristige Secrets gehören in Secret Stores und deterministische Zugriffskontrollen. Datenminimierung reduziert zugleich die Schadenshöhe erfolgreicher Angriffe.
Unsichere Output-Verarbeitung und Tool-Ketten
Ein LLM-Output kann Code, HTML, SQL, Shell-Befehle oder API-Parameter enthalten. Wird er ungeprüft ausgeführt, entsteht „Improper Output Handling“. [S-002]
Deshalb: strukturierte Schemas, Parser statt String-Konkatenation, Allowlisting, Parametergrenzen, Prepared Statements, Escaping, Sandbox, Egress-Control und separate Autorisierung. Die Tatsache, dass ein Modell eine Aktion vorgeschlagen hat, ist keine Autorisierung.
Supply Chain, Modelle, Plugins, MCP/API und Abhängigkeiten
AI-Systeme bestehen aus Modell, Runtime, Frameworks, Plugins, APIs, Vektordatenbank, Datenquellen, Observability und Identitätsdiensten. NIS2 verlangt für betroffene Einrichtungen ausdrücklich Supply-Chain-Sicherheit; der UK Code fordert Asset-Inventar und Schutz der Lieferkette. [S-009, S-036]
Bei MCP- oder Tool-Integrationen gilt dieselbe Regel: Tool-Beschreibung und Tool-Output sind keine vertrauenswürdige Sicherheitsgrenze. Berechtigungen müssen im Zielsystem selbst begrenzt werden.
Deepfakes, Voice Cloning und synthetische Identitäten
Das BSI unterscheidet manipulierte Gesichter, Stimmen und Texte. Deepfakes können biometrische Verfahren, Social Engineering, CEO-Fraud, Desinformation und Rufschädigung unterstützen. [S-012]
FinCEN beobachtete 2024 eine Zunahme von Verdachtsmeldungen mit Deepfake-Medien, besonders gefälschten Identitätsdokumenten. INTERPOL berichtet 2026 über Voice-/Face-Cloning aus kurzen Ausgangssequenzen und wachsende synthetische Identitätskriminalität. [S-019, S-023]
Authentifizierung muss deshalb stärker auf kryptografische, gerätegebundene oder out-of-band Verfahren setzen als auf die bloße Wahrnehmung einer Stimme oder eines Gesichts.
CEO-Fraud, BEC, Fake-Rechnungen und Registerdaten
CEO-Fraud nutzt Autorität und Dringlichkeit. Die Polizei empfiehlt organisatorische Gegenmaßnahmen und sensibilisiert insbesondere Finanzabteilungen. [S-026]
BEC verursachte laut FBI/IC3 2024 gemeldete Verluste von rund 2,77 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl beschreibt BEC insgesamt und darf nicht als „KI-Schaden“ bezeichnet werden. [S-022]
Fake-Rechnungen nach Handelsregistervorgängen sind dokumentiert. KI kann solche Schreiben verbessern, aber die Basismasche funktioniert ohne KI. [S-027]
Robuste Zahlungsregel: Änderung von Bankverbindungen, außergewöhnliche Überweisungen und vertrauliche Sonderzahlungen immer über einen zweiten, vorher bekannten Kanal verifizieren; Vier-Augen-Prinzip und Limits technisch erzwingen.
KI als Beschleuniger klassischer Betrugsmaschen
Das FBI nennt fünf Beschleuniger: schnellere Texterstellung, Skalierung, Übersetzung, synthetische Profile und Medien sowie glaubwürdigere Websites/Chatbots. [S-020]
Europol und INTERPOL sehen dieselbe Entwicklung: AI ersetzt nicht die gesamte Betrugsinfrastruktur, sondern verbessert Social Engineering, Profiling und Automatisierung. [S-017, S-019]
Die sachlich richtige Buchaussage lautet deshalb: KI industrialisiert Teile des Betrugsprozesses, nicht den gesamten Betrug. Geldwäsche, Konten, Identitäten, Zahlungswege, kompromittierte Systeme und menschliche Manipulation bleiben relevant.
Deepfake-Erkennung, Provenance, C2PA und Grenzen
Automatisierte Detektoren sind nützlich, aber anfällig für Domain Shift und adaptive Angreifer. Das BSI verweist auf begrenzte Generalisierung; NIST betrachtet Detection nur als eine Säule neben Provenance und Watermarking. [S-007, S-012]
C2PA Content Credentials dokumentieren Herkunft und Bearbeitung kryptografisch. Sie beantworten aber nicht die Frage, ob eine Behauptung wahr ist. [S-045]
Für kritische Unternehmensprozesse ist deshalb Authentifizierung vor Forensik besser: Nicht erst versuchen herauszufinden, ob die Stimme gefälscht ist, sondern die Transaktion über einen unabhängigen, authentisierten Workflow bestätigen.
AI Act, DSGVO, NIS2 und Cyber Resilience Act
AI Act: Art. 15 verlangt bei Hochrisiko-Systemen angemessene Accuracy, Robustness und Cybersecurity und nennt AI-spezifische Angriffe. Art. 50 regelt Transparenz für bestimmte synthetische Inhalte und Deepfakes. Art. 55 verpflichtet GPAI-Provider mit systemischem Risiko zu adversarial testing, Risikominderung, Incident Reporting und Cybersecurity. [S-030]
DSGVO: Art. 32 verlangt bei personenbezogenen Daten geeignete technische und organisatorische Maßnahmen. Ein KI-System hebt diese Pflicht nicht auf. [S-038]
NIS2: Art. 20/21 adressiert Managementverantwortung, Risikomanagement, Incident Handling, Business Continuity, Supply Chain, sichere Entwicklung, Training, Kryptografie und Access Control. [S-036]
Cyber Resilience Act: Er schafft horizontale Cybersicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. Für konkrete Produkte sind Anwendungsbereich und Übergangsfristen separat zu prüfen. [S-037]
Security Governance, Red Teaming und Incident Response
Ein belastbares AI-Security-Programm verbindet klassische Security mit AI-spezifischen Tests. Der UK Code nennt 13 Prinzipien von Awareness über Secure Design, Asset- und Supply-Chain-Schutz bis Testing, Monitoring und Incident/Recovery. [S-009]
Red Teaming sollte mindestens testen:
- direkte und indirekte Prompt Injection,
- Jailbreaks,
- RAG-/Memory-Poisoning,
- Datenexfiltration,
- Tool-Missbrauch,
- Privilege Escalation,
- unsichere Output-Verarbeitung,
- Denial-of-Wallet/Unbounded Consumption,
- Secrets und PII,
- Logging/Forensik,
- Fail-safe-Verhalten.
Incident Response muss AI-spezifische Aktionen vorsehen: Agent stoppen, Tokens/Keys rotieren, Tool-Zugriffe entziehen, kompromittierte Wissensquellen isolieren, Memory bereinigen, Logs sichern, Modell-/Prompt-Version feststellen und abhängige Systeme prüfen.
18 Unternehmensszenarien
| # | Szenario | Hauptrisiko | Bewertung | Mindestkontrollen | Quellen |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Öffentlicher Chatbot für Websitebesucher | Prompt Injection, Datenabfluss | mittel | keine internen Secrets; Output-Filter; Rate Limits | S-001, S-002 |
| 2 | RAG-Chatbot mit internen Dokumenten | Berechtigungsfehler, RAG-Poisoning | hoch | ACL vor Retrieval; Ingestion-Freigabe; Mandantentrennung | S-002, S-011 |
| 3 | KI liest eingehende E-Mails | indirekte Prompt Injection | hoch | E-Mail als untrusted; read-only; keine automatischen externen Aktionen | S-011, S-049 |
| 4 | KI beantwortet E-Mails automatisch | Impersonation, falsche Zusagen | hoch | Freigabegrenzen; Empfänger-/Inhaltsregeln; Logging | S-008, S-009 |
| 5 | Agent darf CRM-Daten ändern | Integritätsverlust | hoch | feldbezogene Rechte; Approval; Rollback | S-003, S-046 |
| 6 | Agent darf Rechnungen erzeugen | Fraud, falsche Bankdaten | sehr hoch | Lieferantenstamm geschützt; Vier-Augen; keine Bankdatenänderung per Agent | S-026, S-027 |
| 7 | Agent darf Zahlungen vorbereiten | CEO-/BEC-Fraud | sehr hoch | keine autonome Freigabe; Limits; out-of-band Verification | S-019, S-022, S-026 |
| 8 | KI fasst vertrauliche Verträge zusammen | Disclosure | hoch | freigegebene Enterprise-/On-Prem-Umgebung; DLP; Logs | S-002, S-038 |
| 9 | Entwickleragent mit Shell-Zugriff | Code-/Systemmanipulation | sehr hoch | Sandbox; Branch; keine Prod-Secrets; Review | S-003, S-009 |
| 10 | Agent mit Browser + Passwortmanager | Credential-/Session-Missbrauch | sehr hoch | scoped credentials; domain allowlist; confirmation | S-003, S-046 |
| 11 | Kundenservice mit Bestelldaten | PII-Abfluss | hoch | Datenminimierung; Authentifizierung; Art. 32 | S-002, S-038 |
| 12 | Meeting-Agent mit Audio/Video | Deepfake/Impersonation | mittel-hoch | Teilnehmerauthentisierung; sensible Beschlüsse separat bestätigen | S-012 |
| 13 | CFO erhält Videoanruf des CEO | Deepfake CEO-Fraud | sehr hoch | kein Zahlungsauftrag allein aus Call; Rückruf/Workflow | S-012, S-026 |
| 14 | Neue Handelsregistereintragung | Fake-Rechnung | hoch | Rechnungsprüfung; amtliche Absender/IBAN verifizieren | S-027 |
| 15 | Lieferant meldet neue Bankverbindung per Mail | BEC | sehr hoch | Rückruf an bekannte Nummer; Vier-Augen; Sperrfrist | S-019, S-022 |
| 16 | KI-generierte Marketingvideos | Art.-50-Transparenz | mittel | Kennzeichnungsprüfung; Provenance; Rechtsreview | S-030, S-031, S-032 |
| 17 | Fine-Tuning mit externem Datensatz | Poisoning/Supply Chain | hoch | Provenance; Hashes; Review; reproduzierbares Training | S-005, S-014 |
| 18 | MCP-/API-Agent über mehrere SaaS-Systeme | Rechtekaskade | sehr hoch | minimale Scopes; Tool-Allowlist; zentraler Audit-Trail; Kill Switch | S-003, S-009 |
Fallanalyse A: E-Mail-Agent mit indirekter Prompt Injection
Ein Agent soll das Postfach priorisieren. Eine externe E-Mail enthält versteckte oder offen formulierte Instruktionen, die den Agenten zum Weiterleiten interner Informationen bewegen sollen. Der Angriff nutzt nicht primär eine klassische Softwarelücke, sondern die Tatsache, dass das Modell externen Text semantisch interpretiert. [S-010, S-049]
Sicherheitsdesign: Postfachzugriff read-only; keine Weiterleitung oder Dateifreigabe ohne separate Policy Engine; externe Inhalte als untrusted markieren; sensible Inhalte vor Modellkontext filtern; Zieladressen allowlisten; ungewöhnliche Aktionen blockieren; vollständiges Logging.
Fallanalyse B: Deepfake-CEO fordert Zahlung
Die visuelle oder akustische Ähnlichkeit ist kein ausreichender Beweis. Das BSI nennt CEO-Fraud ausdrücklich als Deepfake-Szenario. [S-012]
Sicherheitsdesign: Zahlung nur über ERP-/Bankworkflow; zweite berechtigte Person; Rückbestätigung über bekannten Kanal; Bankverbindungsänderungen separat; Limits und Wartezeiten; keine Ausnahme wegen „Vertraulichkeit“ oder „Eile“.
Fallanalyse C: Fake-Rechnung nach Handelsregistereintrag
Die Masche existiert unabhängig von KI. Nach Registervorgängen treffen amtlich wirkende Rechnungen oder Angebote ein. [S-027]
Sicherheitsdesign: neue Rechnungssteller und IBANs separat prüfen; keine Zahlung nur aufgrund amtlicher Optik; interne Liste erwarteter Gebühren; Buchhaltung für typische Registermaschen sensibilisieren.
Fallanalyse D: RAG-Chatbot mit manipuliertem Dokument
Ein Dokument mit schädlichen Instruktionen gelangt in die Wissensbasis. Beim Retrieval interpretiert das Modell den Text als Handlungsanweisung. [S-011, S-049]
Sicherheitsdesign: Ingestion nur aus kontrollierten Quellen; Schreibrechte begrenzen; Dokument-Provenance; ACL vor Retrieval; keine Tool-Aktion aufgrund von RAG-Text ohne Policy-Prüfung.
Sicherheits-Entscheidungsmatrix
| Systemtyp | Untrusted Input | Schreib-/Toolrechte | Schadenspotenzial | Mindestfreigabe |
|---|---|---|---|---|
| interner Textassistent ohne Tools | niedrig-mittel | keine | niedrig-mittel | normale Fachprüfung |
| öffentlicher Chatbot | hoch | keine | mittel | Input-/Output-Kontrollen |
| RAG-Assistent | mittel-hoch | keine | mittel-hoch | ACL + Ingestion Governance |
| E-Mail-Agent read-only | sehr hoch | lesen | hoch | untrusted-content controls |
| Agent mit CRM-Schreibrechten | sehr hoch | schreiben | hoch | Approval + Rollback |
| Agent mit Shell/Code-Ausführung | sehr hoch | Systemaktionen | sehr hoch | Sandbox + Review |
| Agent mit Zahlungs-/Bankzugriff | sehr hoch | Finanzaktion | extrem | keine autonome Freigabe |
36-stufiger Sicherheitsfahrplan
- Use Case beschreiben.
- Datenquellen inventarisieren.
- Externe/untrusted Quellen markieren.
- Modell und Provider dokumentieren.
- RAG-/Memory-Komponenten dokumentieren.
- Tools/APIs inventarisieren.
- Alle OAuth-/API-Scopes erfassen.
- Read- und Write-Rechte trennen.
- Least Privilege anwenden.
- Secrets aus Prompts entfernen.
- Secret Store einsetzen.
- Datenklassifizierung festlegen.
- PII-/Geschäftsgeheimnisregeln definieren.
- RAG-Ingestion freigabepflichtig machen.
- Mandanten-/Berechtigungsprüfung vor Retrieval.
- Strukturierte Tool-Schemas nutzen.
- Output als untrusted behandeln.
- Allowlisting für kritische Ziele.
- Rate Limits setzen.
- Transaktionslimits setzen.
- Irreversible Aktionen mit Human Approval.
- Zahlungs- und Bankdatenänderungen aus Agentenpfad entfernen.
- Out-of-band-Verifikation definieren.
- Logging aller Tool-Aktionen.
- Modell-/Prompt-/Policy-Version loggen.
- Direkte Prompt-Injection-Tests.
- Indirekte Prompt-Injection-Tests.
- Jailbreak-/Policy-Bypass-Tests.
- RAG-/Memory-Poisoning testen.
- Datenexfiltration testen.
- Failure-/Rollback-Test.
- Kill Switch einrichten.
- Incident-Runbook erstellen.
- Mitarbeiter zu CEO-Fraud/Deepfakes schulen.
- Lieferanten-/Registerrechnungsprozess härten.
- Nach Modell-, Tool- oder Rechteänderungen erneut testen.
20 Mythenprüfungen
| Mythos | Bewertung | Korrekte Einordnung | Quellen |
|---|---|---|---|
| „Ein guter System-Prompt verhindert Prompt Injection.“ | falsch | System-Prompts helfen bei Steuerung, sind aber keine harte Sicherheitsgrenze. | S-010, S-052 |
| „Prompt Injection ist einfach SQL-Injection für KI.“ | falsch | Die Trennung von Daten und Instruktionen ist bei LLMs fundamental anders. | S-010 |
| „Wenn der Agent nur vertrauenswürdige Tools nutzt, ist er sicher.“ | falsch | Untrusted Tool-Outputs können die Steuerung beeinflussen. | S-046, S-049 |
| „RAG macht ein LLM automatisch sicherer.“ | falsch | RAG schafft zusätzliche Daten- und Poisoning-Angriffsflächen. | S-002, S-011 |
| „Ein Jailbreak ist dasselbe wie Prompt Injection.“ | zu pauschal | Ziele und Threat Models unterscheiden sich, auch wenn Techniken überlappen. | S-047, S-001 |
| „Moderne Frontier-Modelle sind nicht mehr jailbreakbar.“ | unbelegt | Robustheit steigt, perfekte Abwehr ist nicht belegt. | S-051 |
| „Deepfake-Detektoren erkennen Fälschungen zuverlässig.“ | falsch | Generalisierung und adversariale Umgehung begrenzen Zuverlässigkeit. | S-012, S-007 |
| „Content Credentials beweisen, dass ein Video wahr ist.“ | falsch | Sie dokumentieren Provenance, nicht Faktizität. | S-045 |
| „Ohne Content Credentials ist ein Video verdächtig.“ | falsch | Legitimer Content kann ohne C2PA existieren. | S-045 |
| „CEO-Fraud ist eine neue KI-Masche.“ | falsch | Die Masche ist älter; KI kann sie glaubwürdiger machen. | S-026, S-012 |
| „Eine bekannte Telefonnummer beweist die Identität.“ | falsch | Caller-ID kann manipuliert werden. | S-028 |
| „Die Stimme meines Chefs kann ich erkennen.“ | riskant | Voice Cloning reduziert den Beweiswert der Stimme. | S-012, S-020 |
| „Fake-Rechnungen nach Handelsregistereintrag entstehen erst durch KI.“ | falsch | Das Muster ist unabhängig von KI dokumentiert. | S-027 |
| „BEC-Schäden sind heute überwiegend KI-Schäden.“ | unbelegt | BEC-Gesamtzahlen erlauben keine solche Attribution. | S-022 |
| „Ein AV-/Cloud-Vertrag löst AI-Security.“ | falsch | Rechte, Architektur, Daten und Betrieb bleiben entscheidend. | S-009, S-038 |
| „On-Prem bedeutet automatisch sicher.“ | falsch | Fehlkonfiguration, Rechte und Prompt Injection bleiben möglich. | S-009, S-013 |
| „Wenn das Modell nichts Gefährliches sagt, kann der Agent nichts Gefährliches tun.“ | falsch | Tool- und Rechtearchitektur bestimmt reale Aktionen. | S-003, S-046 |
| „Mehr Autonomie bedeutet automatisch mehr Produktivität.“ | unbelegt | Mehr Autonomie erhöht auch Schadensradius und Prüfbedarf. | S-003 |
| „KI-Sicherheit ersetzt klassische Cybersecurity.“ | falsch | IAM, MFA, Supply Chain, Backups und Incident Response bleiben grundlegend. | S-036, S-009 |
| „Transparenzkennzeichnung verhindert Deepfake-Betrug.“ | falsch | Kennzeichnung hilft, ersetzt aber Authentifizierung und Fraud Controls nicht. | S-030, S-045 |
20 offene Forschungsfragen
- Wie zuverlässig lassen sich indirekte Prompt Injections modellunabhängig erkennen?
- Kann eine harte Instruktions-/Datengrenze architektonisch statt probabilistisch umgesetzt werden?
- Welche Agentenarchitekturen minimieren Tool-Missbrauch bei hoher Nutzbarkeit?
- Wie misst man Prompt-Injection-Robustheit über Modellupdates hinweg?
- Welche Benchmarks bilden reale Unternehmensagenten am besten ab?
- Wie verhindert man persistentes Memory-Poisoning?
- Welche RAG-Provenance-Mechanismen sind praxistauglich?
- Wie zuverlässig sind LLM-Firewalls gegen adaptive Angreifer?
- Wie verändert längerer Kontext Jailbreak-Risiken?
- Welche Schutzwirkung haben Instruction Hierarchies langfristig?
- Wie hoch ist der reale Anteil KI-unterstützter BEC-Fälle?
- Wie stark senkt Voice Cloning die Wirksamkeit telefonischer Rückbestätigung?
- Welche Authentifizierungsverfahren sind für KMU kosteneffizient gegen Deepfake-Impersonation?
- Wie verbreitet sind synthetische Identitäten im deutschen Zahlungsverkehr?
- Welche Deepfake-Detektoren generalisieren auf unbekannte Generatoren?
- Wie robust bleiben Watermarks nach Transcoding, Cropping und Re-Recording?
- Wie breit wird C2PA tatsächlich in Unternehmensprozessen adoptiert?
- Wie wirken Art.-50-Kennzeichnungen praktisch auf Betrug und Desinformation?
- Welche Incident-Kategorien benötigen AI-spezifische Meldeprozesse?
- Wie verändert agentische KI die Ökonomie von Fraud-as-a-Service?
50 buchrelevante Faktenkarten
Die Karten sind bewusst kompakt und einzeln wiederverwendbar.
Faktenkarte F-001
- Aussage: Prompt Injection ist OWASP LLM01:2025.
- Status: Sicherheitsstandard
- Einschränkung: OWASP ist kein Gesetz.
- Hauptquellen: S-001, S-002
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-002
- Aussage: Indirekte Prompt Injection kann in Webseiten, Dateien, E-Mails, Tool-Outputs oder RAG-Quellen stecken.
- Status: Forschungs-/Behördenstand
- Einschränkung: Wirkung hängt von Architektur und Rechten ab.
- Hauptquellen: S-011, S-049
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-003
- Aussage: LLMs erzwingen im Prompt keine harte technische Trennung zwischen Instruktion und Daten.
- Status: Behördenposition
- Einschränkung: Training kann Robustheit erhöhen, aber keine absolute Grenze garantieren.
- Hauptquellen: S-010, S-052
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-004
- Aussage: Prompt Injection und SQL-Injection benötigen unterschiedliche Abwehrmodelle.
- Status: Behördenposition
- Einschränkung: Klassische AppSec bleibt zusätzlich notwendig.
- Hauptquellen: S-010
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-005
- Aussage: Agentische Tool-Nutzung erhöht den möglichen Schaden erfolgreicher Prompt Injection.
- Status: Sicherheitsstandard/Forschung
- Einschränkung: Risiko hängt von Berechtigungen ab.
- Hauptquellen: S-003, S-046
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-006
- Aussage: Least Privilege ist bei Agenten zentral.
- Status: Best Practice
- Einschränkung: Umsetzung ist kontextabhängig.
- Hauptquellen: S-008, S-009
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-007
- Aussage: Kritische Aktionen sollten außerhalb des LLM durch Policies und Freigaben begrenzt werden.
- Status: Best Practice
- Einschränkung: Keine Architektur ist universell.
- Hauptquellen: S-008, S-009
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-008
- Aussage: Jailbreaks umgehen Safety-Guardrails; Prompt Injection manipuliert die Instruktionssteuerung einer Anwendung.
- Status: Forschungsstand
- Einschränkung: Techniken überlappen.
- Hauptquellen: S-047, S-050
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-009
- Aussage: Jailbreak-Erfolgsraten sind ohne einheitliche Benchmarks schlecht vergleichbar.
- Status: Forschungsstand
- Einschränkung: Benchmarks altern schnell.
- Hauptquellen: S-047, S-048
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-010
- Aussage: Perfekte Jailbreak-Robustheit darf 2026 nicht unterstellt werden.
- Status: Forschungs-/Anbieterstand
- Einschränkung: Neue Modelle können Lage ändern.
- Hauptquellen: S-050, S-051
- Aktualisierungsrisiko: sehr hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-011
- Aussage: Input-/Output-Classifier können Risiken reduzieren, erzeugen aber Kosten und Fehlklassifikationen.
- Status: Forschungsstand
- Einschränkung: Anbieterbefunde sind nicht universell.
- Hauptquellen: S-050
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-012
- Aussage: Instruction-Hierarchy-Training kann Robustheit gegen niedrig priorisierte schädliche Instruktionen verbessern.
- Status: Forschungsstand
- Einschränkung: Kein Ersatz für Systemkontrollen.
- Hauptquellen: S-052
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-013
- Aussage: RAG-Systeme schaffen Angriffsflächen über manipulierte Wissensquellen.
- Status: Sicherheitsstandard
- Einschränkung: Risiko hängt von Ingestion/Retrieval ab.
- Hauptquellen: S-002, S-004
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-014
- Aussage: Trainings-, Fine-Tuning- und Embedding-Daten können Ziel von Poisoning sein.
- Status: Sicherheitsstandard
- Einschränkung: Angriffsmodelle unterscheiden sich.
- Hauptquellen: S-002, S-005, S-014
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-015
- Aussage: Modell- und Datensupply-Chain müssen inventarisiert und geprüft werden.
- Status: Behörden-/Best-Practice
- Einschränkung: Pflichten hängen vom Rechtsrahmen ab.
- Hauptquellen: S-008, S-009, S-036
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-016
- Aussage: System-Prompts sind keine geeignete Ablage für Geheimnisse, die niemals offengelegt werden dürfen.
- Status: Sicherheitsstandard
- Einschränkung: Vertraulichkeit kann trotzdem betrieblich sinnvoll sein.
- Hauptquellen: S-002
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-017
- Aussage: LLM-Ausgaben sind als untrusted data zu behandeln, wenn sie an Interpreter oder APIs gehen.
- Status: Sicherheitsstandard
- Einschränkung: Sanitization ist kontextabhängig.
- Hauptquellen: S-002
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-018
- Aussage: Sensible Daten können über Modell- oder Anwendungsausgaben offengelegt werden.
- Status: Sicherheitsstandard
- Einschränkung: Nicht jede Offenlegung stammt aus Training.
- Hauptquellen: S-002, S-038
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-019
- Aussage: Generative KI senkt laut FBI Zeit und Aufwand für glaubwürdigen Betrug.
- Status: Behördenbefund
- Einschränkung: Keine universelle quantitative Rate.
- Hauptquellen: S-020
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-020
- Aussage: KI kann Phishing sprachlich verbessern, übersetzen und massenhaft personalisieren.
- Status: Behördenbefund
- Einschränkung: Phishing funktioniert auch ohne KI.
- Hauptquellen: S-020, S-017
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-021
- Aussage: Deepfakes können Stimme, Gesicht und Video zur Identitätsvortäuschung nutzen.
- Status: Behördenbefund
- Einschränkung: Qualität und Aufwand variieren.
- Hauptquellen: S-012, S-019
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-022
- Aussage: Stimme allein ist für kritische Freigaben kein robustes Authentifizierungsmerkmal.
- Status: Eigene Synthese
- Einschränkung: Abgeleitet aus Voice-Cloning- und Fraud-Evidenz.
- Hauptquellen: S-012, S-020, S-021
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-023
- Aussage: Angezeigte Telefonnummern können manipuliert werden.
- Status: Behördenbefund
- Einschränkung: Nicht jeder unbekannte Anruf ist Spoofing.
- Hauptquellen: S-028, S-018
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-024
- Aussage: CEO-Fraud basiert auf Autorität, Zeitdruck, Geheimhaltung und Vorrecherche.
- Status: Behördenbefund
- Einschränkung: KI ist dafür nicht erforderlich.
- Hauptquellen: S-026
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-025
- Aussage: Handelsregister- und Unternehmensdaten können Betrügern Kontext für personalisierte Ansprache liefern.
- Status: Behörden-/Praxisbefund
- Einschränkung: Öffentliche Daten sind nicht ursächlich für Betrug.
- Hauptquellen: S-026, S-027
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-026
- Aussage: Fake-Rechnungen nach Registereinträgen sind ein dokumentiertes Betrugsmuster.
- Status: Praxis-/Behördenwarnung
- Einschränkung: Kein spezifisches KI-Phänomen.
- Hauptquellen: S-027
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-027
- Aussage: BEC verursachte laut FBI/IC3 2024 gemeldete Verluste von rund 2,77 Mrd. USD.
- Status: Amtliche Statistik USA
- Einschränkung: Nicht vollständig KI-attributierbar.
- Hauptquellen: S-022
- Aktualisierungsrisiko: jährlich
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-028
- Aussage: INTERPOL bewertet BEC 2026 als weltweit besonders häufig gemeldete Fraud-Typologie.
- Status: Strafverfolgungsanalyse
- Einschränkung: INTERPOL-Daten sind kein vollständiges Weltregister.
- Hauptquellen: S-019
- Aktualisierungsrisiko: jährlich
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-029
- Aussage: INTERPOL beobachtet eine Zunahme synthetischer Identitätsbetrugsfälle mit KI-Unterstützung.
- Status: Strafverfolgungsanalyse
- Einschränkung: Keine vollständige Prävalenzmessung.
- Hauptquellen: S-019
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-030
- Aussage: FinCEN beobachtete mehr Verdachtsmeldungen zu Deepfake-Medien, besonders gefälschten Identitätsdokumenten.
- Status: Behördenbefund USA
- Einschränkung: US-Finanzsektor.
- Hauptquellen: S-023
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-031
- Aussage: Deepfake-Erkennung ist anfällig für Generalisierungsprobleme.
- Status: Behörden-/Forschungsstand
- Einschränkung: Leistungswerte hängen vom Datensatz ab.
- Hauptquellen: S-012, S-007
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-032
- Aussage: Ein einzelner Deepfake-Detektor sollte keine kritische Freigabe entscheiden.
- Status: Eigene Synthese
- Einschränkung: Defense-in-depth-Empfehlung.
- Hauptquellen: S-012, S-007
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-033
- Aussage: C2PA kann Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen kryptografisch binden.
- Status: Technischer Standard
- Einschränkung: Adoption ist nicht universell.
- Hauptquellen: S-045
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-034
- Aussage: C2PA-Provenance beweist nicht die sachliche Wahrheit eines Inhalts.
- Status: Technischer Standard
- Einschränkung: Provenance und Faktizität sind verschieden.
- Hauptquellen: S-045
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-035
- Aussage: Fehlende Content Credentials beweisen nicht, dass ein Inhalt falsch ist.
- Status: Technischer Standard
- Einschränkung: Legitimer Content kann ohne C2PA existieren.
- Hauptquellen: S-045
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-036
- Aussage: Art. 50 AI Act enthält Transparenzpflichten für bestimmte synthetische Inhalte und Deepfakes.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Ausnahmen und Übergangsregeln beachten.
- Hauptquellen: S-030, S-031
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-037
- Aussage: Die Art.-50-Pflichten sind seit 2. August 2026 anwendbar.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Übergang für bestimmte Alt-Systeme beachten.
- Hauptquellen: S-031, S-032
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-038
- Aussage: Der Transparenz-Code 2026 ist ein freiwilliges Instrument zur Compliance-Unterstützung.
- Status: Offizielle EU-Position
- Einschränkung: Keine unwiderlegbare Konformitätsvermutung.
- Hauptquellen: S-032, S-033
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-039
- Aussage: Art. 15 AI Act verlangt bei Hochrisiko-KI angemessene Robustheit und Cybersecurity.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Hochrisiko-Anwendungsbereich gesondert prüfen.
- Hauptquellen: S-030
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-040
- Aussage: Art. 15 nennt Data/Model Poisoning, adversariale Eingaben und Vertraulichkeitsangriffe ausdrücklich.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: „where appropriate“ und risikobasiert.
- Hauptquellen: S-030
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-041
- Aussage: Art. 55 verlangt für GPAI mit systemischem Risiko adversariales Testing und Cybersecurity.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Nur betroffene GPAI-Provider.
- Hauptquellen: S-030, S-034
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-042
- Aussage: NIS2 verlangt bei betroffenen Einrichtungen Supply-Chain-Sicherheit, Incident Handling, Training und Access Control.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Anwendungsbereich prüfen.
- Hauptquellen: S-036
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-043
- Aussage: DSGVO Art. 32 bleibt für personenbezogene Daten in KI-Systemen relevant.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Risikobasierte Einzelfallprüfung.
- Hauptquellen: S-038
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-044
- Aussage: Der Cyber Resilience Act ergänzt Security-Pflichten für Produkte mit digitalen Elementen.
- Status: Geltendes EU-Recht
- Einschränkung: Gestaffelte Anwendung beachten.
- Hauptquellen: S-037
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-045
- Aussage: Betrug mit KI kann unter bestehende Straftatbestände fallen; ein eigener „KI-Betrug“-Tatbestand ist nicht Voraussetzung.
- Status: Rechtsanalyse
- Einschränkung: Einzelfall entscheidet.
- Hauptquellen: S-039, S-040, S-041
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-046
- Aussage: Unbefugtes Ausspähen oder Verändern von Daten kann unabhängig vom KI-Einsatz strafbar sein.
- Status: Geltendes deutsches Recht
- Einschränkung: Tatbestandsvoraussetzungen prüfen.
- Hauptquellen: S-042, S-043
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-047
- Aussage: Geschäftsgeheimnisse benötigen angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen; unbefugte Erlangung/Nutzung ist gesetzlich adressiert.
- Status: Geltendes deutsches Recht
- Einschränkung: Geheimnisqualität und Maßnahmen sind einzelfallabhängig.
- Hauptquellen: S-044
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-048
- Aussage: AI Security braucht Logging, Monitoring, Incident- und Recovery-Pläne.
- Status: Behörden-/Best-Practice
- Einschränkung: Umfang risikobasiert.
- Hauptquellen: S-009
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-049
- Aussage: Red Teaming muss Modelle, Prompts, Datenquellen, Tools und Berechtigungen einbeziehen.
- Status: Forschungs-/Best-Practice
- Einschränkung: Kein einmaliger Test.
- Hauptquellen: S-004, S-046, S-048
- Aktualisierungsrisiko: hoch
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Faktenkarte F-050
- Aussage: Der sichere Geschäftsprozess muss stärker sein als eine glaubwürdige synthetische Identität.
- Status: Eigene Synthese
- Einschränkung: Organisatorische Schlussfolgerung.
- Hauptquellen: S-012, S-019, S-026
- Aktualisierungsrisiko: mittel
- Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.
Glossar
- Adversarial Example
- Eingabe, die gezielt ein Fehlverhalten eines Modells auslösen soll.
- Agent
- KI-System, das Ziele verfolgt und Werkzeuge/Aktionen nutzen kann.
- Allowlist
- Positivliste erlaubter Tools, Ziele, Domains oder Aktionen.
- Attack Surface
- Gesamtheit technisch erreichbarer Angriffsflächen.
- Authentication
- Prüfung einer behaupteten Identität.
- Authorization
- Prüfung, ob eine identifizierte Instanz eine Aktion ausführen darf.
- BEC
- Business Email Compromise; Betrug über kompromittierte oder imitierte Geschäftskommunikation.
- CEO-Fraud
- Impersonation einer Führungskraft zur Manipulation von Mitarbeitenden.
- C2PA
- Standard für kryptografisch gebundene Content-Provenance.
- Content Credentials
- C2PA-basierte Herkunfts-/Bearbeitungsinformationen.
- Data Poisoning
- Manipulation von Trainings- oder Lerndaten.
- Deepfake
- KI-generierter/manipulierter Bild-, Audio- oder Videoinhalt mit täuschender Authentizität.
- Defense in Depth
- Mehrere voneinander unabhängige Schutzschichten.
- DLP
- Data Loss Prevention.
- Egress Control
- Begrenzung ausgehender Netzwerkverbindungen/Datenflüsse.
- Embedding
- Vektorrepräsentation von Daten für Ähnlichkeitssuche.
- Excessive Agency
- Zu große Funktionalität, Rechte oder Autonomie eines Agenten.
- Fine-Tuning
- Nachtraining eines Modells auf zusätzlichen Daten.
- Guardrail
- Schutzmechanismus für Modell- oder Anwendungsausgaben.
- Human Approval
- Menschliche Freigabe vor einer Aktion.
- Indirect Prompt Injection
- Schädliche Instruktion aus einer externen Datenquelle.
- Instruction Hierarchy
- Priorisierung von Instruktionen nach Vertrauensstufe.
- Jailbreak
- Umgehung von Safety- oder Nutzungsbeschränkungen eines Modells.
- Kill Switch
- Mechanismus zum sofortigen Stoppen eines Systems/Agenten.
- Least Privilege
- Nur minimal notwendige Berechtigungen vergeben.
- LLM
- Large Language Model.
- MCP
- Model Context Protocol; Protokoll zur Anbindung von Tools/Kontext.
- Model Poisoning
- Manipulation eines Modells oder vorgelagerter Modellkomponenten.
- Model Extraction
- Versuch, Modellverhalten oder Parameter systematisch zu rekonstruieren.
- OAuth Scope
- Begrenzter Berechtigungsumfang eines Zugriffstokens.
- Output Handling
- Verarbeitung von Modellantworten durch nachgelagerte Systeme.
- Prompt Injection
- Manipulation der Instruktionssteuerung eines LLM-Systems.
- Prompt Leak
- Offenlegung von System-/Developer-Prompts.
- Provenance
- Herkunfts- und Bearbeitungshistorie digitaler Inhalte.
- RAG
- Retrieval-Augmented Generation.
- RAG Poisoning
- Manipulation von Quellen, die später per Retrieval in den Modellkontext gelangen.
- Rate Limit
- Begrenzung der Zahl/Frequenz von Anfragen oder Aktionen.
- Red Teaming
- Gezieltes adversariales Testen eines Systems.
- Rollback
- Rückkehr zu einem früheren, bekannten Zustand.
- Sandbox
- Isolierte Ausführungsumgebung.
- Secret Store
- System zur sicheren Verwaltung von Zugangsdaten/Schlüsseln.
- Social Engineering
- Manipulation von Menschen zur Preisgabe von Daten oder Durchführung von Aktionen.
- Spoofing
- Fälschung von Absender-, Identitäts- oder technischen Merkmalen.
- Synthetic Identity
- Identität aus realen und künstlich erzeugten Datenbestandteilen.
- Tool Call
- Vom Modell ausgelöster Aufruf eines externen Werkzeugs/API.
- Unbounded Consumption
- Missbrauch oder Fehlverhalten, das unkontrollierte Ressourcen-/Kosten verursacht.
- Untrusted Data
- Daten, deren Inhalt nicht als vertrauenswürdige Steuerinstruktion gelten darf.
- Vishing
- Voice-Phishing.
- Voice Cloning
- Synthetische Nachbildung einer Stimme.
- Watermarking
- Einbettung eines Erkennungs-/Herkunftsmerkmals in Inhalte.
Beleg- und Quellenmatrix
| Themenblock | Kernaussagen | Hauptquellen | Belegstärke |
|---|---|---|---|
| Prompt Injection | K-001 bis K-007 | S-001, S-010, S-011, S-049, S-052 | hoch |
| Jailbreaks | K-008 bis K-012 | S-047, S-048, S-050, S-051, S-052, S-053 | mittel-hoch |
| RAG/Poisoning/Supply Chain | K-013 bis K-018 | S-002, S-004, S-005, S-008, S-014 | hoch |
| AI-enabled Fraud | K-019 bis K-030 | S-017, S-019, S-020, S-022, S-023, S-026, S-027 | hoch für Existenz; mittel für Prävalenz |
| Deepfake Detection/Provenance | K-031 bis K-035 | S-007, S-012, S-045 | hoch |
| EU-Regulierung | K-036 bis K-044 | S-030 bis S-038 | sehr hoch |
| deutsches Straf-/Geheimnisschutzrecht | K-045 bis K-047 | S-039 bis S-044 | sehr hoch für Normtext; Einzelfallanwendung offen |
| Governance/Red Teaming | K-048 bis K-050 | S-004, S-008, S-009, S-046, S-048 | hoch |
Vollständiges Quellenregister
| ID | Herausgeber | Quelle | Datum | Relevanz | URL |
|---|---|---|---|---|---|
| S-001 | OWASP GenAI Security Project | LLM01:2025 Prompt Injection | 2025 | Prompt Injection | Link ↗ |
| S-002 | OWASP GenAI Security Project | OWASP Top 10 for LLM Applications v2025 | 2025 | LLM-Risiken | Link ↗ |
| S-003 | OWASP GenAI Security Project | Top 10 Risks and Mitigations for Agentic AI Security | 09.12.2025 | Agentische Risiken | Link ↗ |
| S-004 | MITRE | MITRE ATLAS | 07.08.2026 | AI-Threat-Knowledge-Base | Link ↗ |
| S-005 | NIST | Adversarial Machine Learning, AI 100-2 E2025 | 03.2025 | Attack/Defense-Taxonomie | Link ↗ |
| S-006 | NIST | AI RMF: Generative AI Profile, AI 600-1 | 26.07.2024; Update 08.04.2026 | GenAI-Risikomanagement | Link ↗ |
| S-007 | NIST | Reducing Risks Posed by Synthetic Content, AI 100-4 | 20.11.2024; Update 08.04.2026 | Provenance/Detection | Link ↗ |
| S-008 | NCSC/CISA et al. | Guidelines for Secure AI System Development | 27.11.2023 | Secure-by-Design | Link ↗ |
| S-009 | UK DSIT/NCSC | Code of Practice for the Cyber Security of AI | 31.01.2025 | 13 Security-Prinzipien | Link ↗ |
| S-010 | NCSC | Prompt injection is not SQL injection (it may be worse) | 2025 | Daten-/Instruktionsgrenze | Link ↗ |
| S-011 | BSI | Generative KI-Modelle - Chancen und Risiken für Industrie und Behörden | 2026 V7 | Prompt Injection | Link ↗ |
| S-012 | BSI | Deep Fakes - Threats and Countermeasures | 07.08.2026 | Deepfake/Voice Cloning | Link ↗ |
| S-013 | ANSSI | Security recommendations for a generative AI system | 29.04.2024 | sichere GenAI-Architektur | Link ↗ |
| S-014 | NSA AISC et al. | AI Data Security: Best Practices | 22.05.2025 | Datenintegrität/Supply Chain | Link ↗ |
| S-015 | ENISA | ENISA Threat Landscape 2025 | 01.10.2025; Rev. 09.01.2026 | EU-Cyberlage | Link ↗ |
| S-016 | Europol | EU SOCTA 2025 | 18.03.2025 | AI-powered Social Engineering | Link ↗ |
| S-017 | Europol | Internet Organised Crime Threat Assessment 2026 | 2026 | GenAI und Online-Crime | Link ↗ |
| S-018 | Europol | Position Paper on Caller ID Spoofing | 27.10.2025 | Spoofing | Link ↗ |
| S-019 | INTERPOL | Global Financial Fraud Threat Assessment 2026 | 03.2026 | AI, BEC, Impersonation | Link ↗ |
| S-020 | FBI/IC3 | Criminals Use Generative AI to Facilitate Financial Fraud | 03.12.2024 | AI-enabled Fraud | Link ↗ |
| S-021 | FBI | Senior U.S. Officials Impersonated in Malicious Messaging Campaign | 2025 | Impersonation/Voice | Link ↗ |
| S-022 | FBI/IC3 | 2024 IC3 Annual Report | 2025 | BEC-Schäden | Link ↗ |
| S-023 | FinCEN | Alert on Fraud Schemes Involving Deepfake Media | 13.11.2024 | Deepfake-Identitäten | Link ↗ |
| S-024 | FTC | FTC Voice Cloning Challenge | 2023-2024 | Voice-Cloning-Risiken | Link ↗ |
| S-025 | FCC | FCC Makes AI-Generated Voices in Robocalls Illegal | 08.02.2024 | Voice-Cloning/Robocalls | Link ↗ |
| S-026 | Polizeiliche Kriminalprävention | CEO-Fraud | 07.08.2026 | CEO-Fraud | Link ↗ |
| S-027 | IHK Reutlingen/Justizwarnungen | Dubiose Rechnungen - Handelsregister | 02.04.2024 | Fake-Rechnungen | Link ↗ |
| S-028 | Bundesnetzagentur | Manipulation von Rufnummern | 07.08.2026 | Caller-ID-Spoofing | Link ↗ |
| S-029 | Bundesnetzagentur | Maßnahmenliste Ärger mit Rufnummern | 03.06.2026 | Vollzug Rufnummernmissbrauch | Link ↗ |
| S-030 | Europäische Union | Verordnung (EU) 2024/1689 - AI Act | 13.06.2024 | Art. 15, 50, 55 | Link ↗ |
| S-031 | Europäische Kommission | Guidelines on transparency obligations for AI systems | 20.07.2026 | Art. 50/Deepfakes | Link ↗ |
| S-032 | Europäische Kommission/AI Office | Code of Practice on Transparency of AI-Generated Content | 10.06.2026 | Markierung/Kennzeichnung | Link ↗ |
| S-033 | Europäische Kommission/AI Board | Assessment of Transparency Code | 08-09.07.2026 | Angemessenheit Code | Link ↗ |
| S-034 | Europäische Kommission/AI Office | General-Purpose AI Code of Practice | 10.07.2025 | GPAI Safety/Security | Link ↗ |
| S-035 | Europäische Kommission | Guidelines for GPAI providers | 18.07.2025 | GPAI-Pflichten | Link ↗ |
| S-036 | Europäische Union | Richtlinie (EU) 2022/2555 - NIS2 | 14.12.2022 | Security Governance | Link ↗ |
| S-037 | Europäische Union | Verordnung (EU) 2024/2847 - Cyber Resilience Act | 23.10.2024 | Produktsicherheit | Link ↗ |
| S-038 | Europäische Union | DSGVO Art. 32 | 27.04.2016 | Sicherheit personenbezogener Daten | Link ↗ |
| S-039 | Deutschland | § 263 StGB - Betrug | 07.08.2026 | Betrug | Link ↗ |
| S-040 | Deutschland | § 263a StGB - Computerbetrug | 07.08.2026 | Computerbetrug | Link ↗ |
| S-041 | Deutschland | § 269 StGB - Fälschung beweiserheblicher Daten | 07.08.2026 | Datenfälschung | Link ↗ |
| S-042 | Deutschland | § 202a StGB - Ausspähen von Daten | 07.08.2026 | Datenzugang | Link ↗ |
| S-043 | Deutschland | § 303a StGB - Datenveränderung | 07.08.2026 | Datenmanipulation | Link ↗ |
| S-044 | Deutschland | GeschGehG § 4 | 07.08.2026 | Geschäftsgeheimnisse | Link ↗ |
| S-045 | C2PA | C2PA and Content Credentials Explainer 2.2 | 2025 | Provenance/Grenzen | Link ↗ |
| S-046 | Debenedetti et al. | AgentDojo | 19.06.2024 | Agent Security Benchmark | Link ↗ |
| S-047 | Chao et al. | JailbreakBench | 28.03.2024 | Jailbreak Benchmark | Link ↗ |
| S-048 | Mazeika et al. | HarmBench | 06.02.2024 | Red Team Benchmark | Link ↗ |
| S-049 | Greshake et al. | Not what you've signed up for | 23.02.2023 | indirekte Prompt Injection | Link ↗ |
| S-050 | Anthropic | Constitutional Classifiers | 03.02.2025 | Jailbreak-Abwehr | Link ↗ |
| S-051 | Anthropic | Next-generation Constitutional Classifiers | 09.01.2026 | aktuelle Jailbreak-Abwehr | Link ↗ |
| S-052 | OpenAI | Improving instruction hierarchy in frontier LLMs | 10.03.2026 | Prompt-Injection-Robustheit | Link ↗ |
| S-053 | Anthropic | Many-shot jailbreaking | 02.04.2024 | Long-context Jailbreak | Link ↗ |
Schnell veraltende Informationen und Qualitätsbericht
| Thema | Stand 07.08.2026 | Warum schnell veraltend | Prüfintervall | Quellen | Priorität |
|---|---|---|---|---|---|
| Prompt-Injection-Robustheit | keine absolute Lösung | Modelle/Agenten ändern sich schnell | quartalsweise | S-001, S-010, S-052 | sehr hoch |
| Jailbreak-Abwehr | starke Fortschritte, keine perfekte Robustheit | Angriff/Abwehr ko-evolvieren | quartalsweise | S-047, S-050, S-051 | sehr hoch |
| Agentic Security | eigene OWASP-Agentic-Risiken seit Ende 2025 | neue Tool-/Memory-Architekturen | quartalsweise | S-003, S-046 | sehr hoch |
| AI-enabled Fraud | Europol/INTERPOL 2026 | Täterökonomie und Tools ändern sich | halbjährlich | S-017, S-019 | sehr hoch |
| Deepfake-Detektion | begrenzte Generalisierung | Generatoren entwickeln sich schnell | halbjährlich | S-007, S-012 | hoch |
| Art. 50 AI Act | seit 02.08.2026 anwendbar | erste Vollzugspraxis entsteht | quartalsweise | S-030 bis S-033 | sehr hoch |
| GPAI Safety/Security | Code/Guidelines 2025 | Enforcement und Modelle ändern sich | halbjährlich | S-034, S-035 | hoch |
| Caller-ID-Spoofing | aktuelle Maßnahmen 2026 | Täter wechseln Infrastruktur | halbjährlich | S-018, S-028, S-029 | hoch |
| BEC-Schäden | IC3-Daten 2024 | Jahresdaten und Dunkelfeld | jährlich | S-022 | mittel |
| C2PA-Adoption | Standard 2.2 | Tool-/Plattformadoption dynamisch | halbjährlich | S-045 | hoch |
Qualitätsbericht
- Dokumentierte Quellen: 53 Kernquellen.
- Primär-/offizielle Quellen: EU-Recht, deutsches Bundesrecht, NIST, BSI, NCSC, NSA, Europol, INTERPOL, FBI/IC3, FinCEN, Bundesnetzagentur und Polizeiliche Kriminalprävention.
- Originalforschung: AgentDojo, JailbreakBench, HarmBench und die grundlegende Arbeit zu indirekter Prompt Injection.
- Anbieterforschung: Anthropic und OpenAI nur zur Dokumentation eigener Abwehrforschung; nicht als neutrale Marktstatistik.
- Zentrale methodische Regel: Gesamtverluste aus BEC, Investment Fraud oder Cybercrime werden nicht ohne Beleg als KI-verursacht ausgewiesen.
- Zentrale Unsicherheit: Prävalenz und Erfolgsraten AI-gestützter Angriffe sind wegen Dunkelfeld, Modellwechseln und uneinheitlicher Klassifikation schwer stabil zu messen.
- Größte Refresh-Risiken: Prompt Injection, Agenten, Deepfake-Erkennung, Art.-50-Vollzug und AI-enabled Fraud.
Schlussfolgerung für die Buchreihe
Die belastbare Storyline lautet nicht „KI macht Cybercrime möglich“. Viele Betrugs- und Angriffsmuster existieren seit Jahren. Neu sind Geschwindigkeit, Skalierung, Personalisierung, synthetische Glaubwürdigkeit und autonome Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig schafft die LLM-Architektur mit Prompt Injection eine neue Klasse von Vertrauensproblemen.
Für Unternehmen ist die Konsequenz klar: Nicht versuchen, jede perfekte Fälschung am Aussehen zu erkennen. Prozesse so bauen, dass selbst eine perfekte Fälschung nicht genügt, um Geld, Daten oder Systemrechte zu bewegen.