Live ChatGPT verweigert Tool-Calls für app-only MCP-Tools
Dossier

KI-Sicherheit und Missbrauch

Bedrohungen, Angriffsflächen und Schutzmaßnahmen rund um KI-Systeme.

· Stand: 04.08.2026 ·38 Min Lesezeit ·

Bedrohungen, Angriffsflächen und Schutzmaßnahmen rund um KI-Systeme. Vollständige, faktenbasierte Fassung mit Belegen und Quellenregister.

Management-Zusammenfassung

Prompt Injection ist keine Randerscheinung

OWASP führt Prompt Injection in der 2025er Liste der Risiken für LLM-Anwendungen an erster Stelle. Dabei verändert eine Eingabe das Verhalten oder die Ausgabe eines Modells entgegen der beabsichtigten Steuerung. Besonders kritisch ist indirekte Prompt Injection: Die schädliche Instruktion stammt nicht vom Benutzer, sondern steckt in einer Webseite, E-Mail, Datei, Datenbank, einem Tool-Ergebnis oder einer RAG-Quelle, die das Modell verarbeitet. Das BSI beschreibt genau dieses Risiko für LLMs, die externe Quellen und Anwendungen einbeziehen. [S-001, S-011]

Der entscheidende Unterschied zu klassischer SQL-Injection: Ein heutiges LLM besitzt innerhalb seines Kontextes keine zuverlässig durchsetzbare technische Trennung zwischen „Daten“ und „Instruktionen“. Das britische NCSC warnt deshalb ausdrücklich davor, Prompt Injection wie eine klassische Injection-Schwachstelle zu behandeln. Input-Sanitizing allein löst das Grundproblem nicht. [S-010]

Für reine Chatbots kann der Schaden auf falsche Antworten oder Datenoffenlegung begrenzt bleiben. Sobald ein Modell jedoch E-Mails lesen, Dateien verändern, APIs aufrufen, Überweisungen vorbereiten, Tickets schließen oder andere Systeme steuern darf, wird aus einer Manipulation der Antwort eine Manipulation von Handlungen. Genau deshalb führt OWASP „Excessive Agency“ als eigenes Risiko und veröffentlichte Ende 2025 zusätzlich eine Top-10-Liste für agentische Anwendungen. [S-002, S-003]

Jailbreak und Prompt Injection sind verwandt, aber nicht identisch

Ein Jailbreak zielt typischerweise darauf, Sicherheits- oder Nutzungsbeschränkungen eines Modells zu umgehen. Prompt Injection zielt auf die Instruktionssteuerung einer konkreten Anwendung. In der Praxis überlappen die Techniken. Forschung wie JailbreakBench und HarmBench entstand gerade deshalb, weil Erfolgsraten verschiedener Angriffe ohne standardisierte Testbedingungen kaum vergleichbar waren. [S-047, S-048]

Abwehr ist möglich, aber keine einzelne Schutzschicht sollte als absolut gelten. Anthropic berichtete 2025 bei einem experimentellen Constitutional-Classifier-System über eine starke Reduktion erfolgreicher Jailbreaks, wies aber selbst auf Overrefusal und zusätzlichen Rechenaufwand hin. 2026 betonte Anthropic erneut, dass derzeit keine am Markt befindlichen AI-Systeme perfekt robuste Jailbreak-Abwehr besitzen. OpenAI verfolgt mit Instruction-Hierarchy-Training denselben Grundgedanken: Instruktionen unterschiedlicher Vertrauensstufen müssen explizit priorisiert werden. [S-050, S-051, S-052]

Agenten verschieben die Sicherheitsfrage von „Was sagt die KI?“ zu „Was darf sie tun?“

AgentDojo untersucht Agenten, die mit E-Mail, Banking und Reisebuchungen interagieren, und enthält 97 realistische Aufgaben sowie 629 Sicherheitstestfälle. Die zentrale Erkenntnis ist nicht, dass jeder Agent unsicher ist, sondern dass Zuverlässigkeit und Sicherheit getrennt gemessen werden müssen: Ein Agent kann eine Aufgabe korrekt lösen und trotzdem auf manipulierte externe Daten reagieren. [S-046]

Für Unternehmen folgt daraus ein robustes Architekturprinzip: Das Sprachmodell darf nicht die letzte Sicherheitsinstanz sein. Berechtigungen, Freigaben, Transaktionsgrenzen, Tool-Allowlisting, Datenklassifizierung, Netzwerkgrenzen und Human Approval müssen außerhalb des Modells durchgesetzt werden. NCSC/CISA und der britische AI Cyber Security Code empfehlen Secure-by-Design, Least Privilege, sichere APIs, getrennte Umgebungen, Logging, Monitoring und Incident-Management. [S-008, S-009]

KI macht Betrug skalierbarer und glaubwürdiger

Das FBI warnt, dass generative KI Zeit und Aufwand für Betrüger reduziert und die Glaubwürdigkeit von Betrug erhöht. Genannt werden massenhaft erzeugte Profile, besser formulierte Phishing-Nachrichten, Übersetzungen ohne typische Sprachfehler, gefälschte Ausweise, Bilder, Audio und Videos. [S-020]

INTERPOL bewertet KI 2026 als „Force Multiplier“ für Finanzbetrug. Der Bericht beschreibt AI-gestützte Personalisierung, synthetische Identitäten, Voice-/Face-Cloning und agentische Systeme. Die dort genannte Schätzung, AI-enhanced fraud sei 4,5-mal profitabler, ist keine universelle Naturkonstante; sie ist als von INTERPOL übernommene, quellenabhängige Schätzung zu behandeln. [S-019]

Europol berichtet im IOCTA 2026, dass generative KI zunehmend zur Anpassung von Social Engineering eingesetzt wird und Online-Betrug beschleunigt und verschleiert. Gleichzeitig bleiben klassische Enabler relevant: Caller-ID-Spoofing, kompromittierte Konten, gestohlene Daten und SIM-Infrastrukturen. [S-017, S-018]

CEO-Fraud ist älter als generative KI - Deepfakes erhöhen aber die Beweiskraft des Angreifers

Die deutsche Polizeiliche Kriminalprävention beschreibt CEO-Fraud als etabliertes Muster: Täter recherchieren Unternehmen, Führungskräfte und Abläufe und erzeugen Zeitdruck, Geheimhaltung und angebliche Autorität. Zu den Informationsquellen gehören ausdrücklich Unternehmenswebseiten, Wirtschaftsberichte und Handelsregister. [S-026]

Generative KI kann diese Vorbereitung beschleunigen und um Stimme oder Video erweitern. Das BSI nennt ausdrücklich den Fall, dass ein Angreifer mit einer imitierten Stimme des Geschäftsführers eine Geldtransaktion auslösen will. Daraus folgt: Stimme, Video, angezeigte Telefonnummer und Schreibstil sind keine hinreichenden Authentifizierungsmerkmale mehr. [S-012, S-028]

Fake-Rechnungen nach Registereinträgen sind real - KI ist dafür nicht erforderlich

Nach Handelsregistereintragungen oder Änderungen erhalten Unternehmen seit Jahren irreführende Zahlungsaufforderungen. Die IHK Reutlingen verweist auf Warnungen der Justizbehörden vor Schreiben, die amtliche Rechnungen nachahmen oder Leistungen nichtamtlicher Register anbieten. [S-027]

Diese Masche ist kein KI-Phänomen. KI kann aber Layout, Sprache, Personalisierung, Skalierung und Recherche verbessern. Wer jeden modernen Betrug als „KI-Betrug“ bezeichnet, überschätzt die Technologie und unterschätzt organisatorische Schwachstellen.

Deepfake-Detektion ist hilfreich, aber kein Wahrheitsautomat

Das BSI beschreibt sicht- und hörbare Artefakte sowie automatisierte Detektoren, weist aber auf Generalisierungsprobleme und adversariale Umgehung hin. Deshalb darf eine Organisation kritische Freigaben nicht von einem einzelnen Deepfake-Detektor abhängig machen. [S-012]

NIST betrachtet Provenance, Watermarking und Detection als komplementäre technische Ansätze. C2PA ermöglicht kryptografisch gebundene Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen. C2PA stellt jedoch ausdrücklich klar: Gültige Provenance beweist nicht, dass der Inhalt sachlich wahr ist; fehlende Content Credentials beweisen umgekehrt nicht, dass ein Inhalt falsch ist. [S-007, S-045]

Seit 2. August 2026 greifen zentrale Transparenzpflichten des AI Act

Art. 50 AI Act verpflichtet bestimmte Anbieter generativer Systeme zu maschinenlesbarer Kennzeichnung synthetischer Inhalte und Betreiber unter anderem zur Offenlegung von Deepfakes. Die Europäische Kommission veröffentlichte 2026 ergänzende Leitlinien und einen Code of Practice. Der Code wurde von Kommission und AI Board als geeignetes freiwilliges Instrument bewertet; seine Einhaltung ist jedoch kein unwiderlegbarer Beweis vollständiger Rechtskonformität. [S-030, S-031, S-032, S-033]

Für Hochrisiko-KI verlangt Art. 15 angemessene Robustheit und Cybersecurity. Die technischen Lösungen sollen gegebenenfalls Data Poisoning, Model Poisoning, adversariale Eingaben, Vertraulichkeitsangriffe und Modellschwachstellen adressieren. Für GPAI-Modelle mit systemischem Risiko verlangt Art. 55 unter anderem adversariales Testing, Risikominderung, Incident-Dokumentation und ein angemessenes Cybersecurity-Niveau. [S-030]

KI-Sicherheit ersetzt bestehende IT-Sicherheit nicht

NIS2 verlangt für betroffene wesentliche und wichtige Einrichtungen angemessene technische, operative und organisatorische Maßnahmen, einschließlich Incident Handling, Supply-Chain-Sicherheit, sichere Beschaffung/Entwicklung, Schwachstellenmanagement, Cyberhygiene, Training, Kryptografie und Zugriffskontrolle. Die DSGVO verlangt bei personenbezogenen Daten ein risikoadäquates Schutzniveau. Der Cyber Resilience Act ergänzt horizontale Anforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. [S-036, S-037, S-038]

KI-Sicherheit ist deshalb eine zusätzliche Schicht auf klassischer Security. Ein unsicheres IAM, fehlende MFA, zu breite API-Rechte, unkontrollierte Secrets oder mangelhafte Backups werden nicht dadurch sicher, dass ein modernes Modell davor sitzt.

Management-Fazit

Die stärkste Sicherheitsstrategie ist keine „magische Prompt-Injection-Erkennung“. Sie ist Defense in Depth: Daten und Instruktionen nach Vertrauensstufe behandeln, Agentenrechte minimieren, irreversible Aktionen freigabepflichtig machen, Identitäten außerhalb von Stimme/Video verifizieren, Zahlungsprozesse vom Kommunikationskanal trennen, Modelle und Datenlieferketten prüfen, Logs führen, Red-Teaming betreiben und Vorfälle üben.

Für Geschäftsführer ist die wichtigste Veränderung organisatorisch: Eine Nachricht des Chefs, ein Video-Call, eine perfekte Rechnung oder eine scheinbar interne E-Mail darf bei kritischen Aktionen nicht mehr als Beweis genügen. Der sichere Prozess muss stärker sein als die perfekte Fälschung.

Die 50 wichtigsten Kernaussagen

IDKernaussageStatusEinschränkungQuellenRefresh
K-001Prompt Injection ist OWASP LLM01:2025.SicherheitsstandardOWASP ist kein Gesetz.S-001, S-002mittel
K-002Indirekte Prompt Injection kann in Webseiten, Dateien, E-Mails, Tool-Outputs oder RAG-Quellen stecken.Forschungs-/BehördenstandWirkung hängt von Architektur und Rechten ab.S-011, S-049hoch
K-003LLMs erzwingen im Prompt keine harte technische Trennung zwischen Instruktion und Daten.BehördenpositionTraining kann Robustheit erhöhen, aber keine absolute Grenze garantieren.S-010, S-052hoch
K-004Prompt Injection und SQL-Injection benötigen unterschiedliche Abwehrmodelle.BehördenpositionKlassische AppSec bleibt zusätzlich notwendig.S-010mittel
K-005Agentische Tool-Nutzung erhöht den möglichen Schaden erfolgreicher Prompt Injection.Sicherheitsstandard/ForschungRisiko hängt von Berechtigungen ab.S-003, S-046hoch
K-006Least Privilege ist bei Agenten zentral.Best PracticeUmsetzung ist kontextabhängig.S-008, S-009mittel
K-007Kritische Aktionen sollten außerhalb des LLM durch Policies und Freigaben begrenzt werden.Best PracticeKeine Architektur ist universell.S-008, S-009mittel
K-008Jailbreaks umgehen Safety-Guardrails; Prompt Injection manipuliert die Instruktionssteuerung einer Anwendung.ForschungsstandTechniken überlappen.S-047, S-050mittel
K-009Jailbreak-Erfolgsraten sind ohne einheitliche Benchmarks schlecht vergleichbar.ForschungsstandBenchmarks altern schnell.S-047, S-048hoch
K-010Perfekte Jailbreak-Robustheit darf 2026 nicht unterstellt werden.Forschungs-/AnbieterstandNeue Modelle können Lage ändern.S-050, S-051sehr hoch
K-011Input-/Output-Classifier können Risiken reduzieren, erzeugen aber Kosten und Fehlklassifikationen.ForschungsstandAnbieterbefunde sind nicht universell.S-050hoch
K-012Instruction-Hierarchy-Training kann Robustheit gegen niedrig priorisierte schädliche Instruktionen verbessern.ForschungsstandKein Ersatz für Systemkontrollen.S-052hoch
K-013RAG-Systeme schaffen Angriffsflächen über manipulierte Wissensquellen.SicherheitsstandardRisiko hängt von Ingestion/Retrieval ab.S-002, S-004hoch
K-014Trainings-, Fine-Tuning- und Embedding-Daten können Ziel von Poisoning sein.SicherheitsstandardAngriffsmodelle unterscheiden sich.S-002, S-005, S-014hoch
K-015Modell- und Datensupply-Chain müssen inventarisiert und geprüft werden.Behörden-/Best-PracticePflichten hängen vom Rechtsrahmen ab.S-008, S-009, S-036mittel
K-016System-Prompts sind keine geeignete Ablage für Geheimnisse, die niemals offengelegt werden dürfen.SicherheitsstandardVertraulichkeit kann trotzdem betrieblich sinnvoll sein.S-002mittel
K-017LLM-Ausgaben sind als untrusted data zu behandeln, wenn sie an Interpreter oder APIs gehen.SicherheitsstandardSanitization ist kontextabhängig.S-002mittel
K-018Sensible Daten können über Modell- oder Anwendungsausgaben offengelegt werden.SicherheitsstandardNicht jede Offenlegung stammt aus Training.S-002, S-038mittel
K-019Generative KI senkt laut FBI Zeit und Aufwand für glaubwürdigen Betrug.BehördenbefundKeine universelle quantitative Rate.S-020mittel
K-020KI kann Phishing sprachlich verbessern, übersetzen und massenhaft personalisieren.BehördenbefundPhishing funktioniert auch ohne KI.S-020, S-017hoch
K-021Deepfakes können Stimme, Gesicht und Video zur Identitätsvortäuschung nutzen.BehördenbefundQualität und Aufwand variieren.S-012, S-019hoch
K-022Stimme allein ist für kritische Freigaben kein robustes Authentifizierungsmerkmal.Eigene SyntheseAbgeleitet aus Voice-Cloning- und Fraud-Evidenz.S-012, S-020, S-021hoch
K-023Angezeigte Telefonnummern können manipuliert werden.BehördenbefundNicht jeder unbekannte Anruf ist Spoofing.S-028, S-018mittel
K-024CEO-Fraud basiert auf Autorität, Zeitdruck, Geheimhaltung und Vorrecherche.BehördenbefundKI ist dafür nicht erforderlich.S-026mittel
K-025Handelsregister- und Unternehmensdaten können Betrügern Kontext für personalisierte Ansprache liefern.Behörden-/PraxisbefundÖffentliche Daten sind nicht ursächlich für Betrug.S-026, S-027mittel
K-026Fake-Rechnungen nach Registereinträgen sind ein dokumentiertes Betrugsmuster.Praxis-/BehördenwarnungKein spezifisches KI-Phänomen.S-027mittel
K-027BEC verursachte laut FBI/IC3 2024 gemeldete Verluste von rund 2,77 Mrd. USD.Amtliche Statistik USANicht vollständig KI-attributierbar.S-022jährlich
K-028INTERPOL bewertet BEC 2026 als weltweit besonders häufig gemeldete Fraud-Typologie.StrafverfolgungsanalyseINTERPOL-Daten sind kein vollständiges Weltregister.S-019jährlich
K-029INTERPOL beobachtet eine Zunahme synthetischer Identitätsbetrugsfälle mit KI-Unterstützung.StrafverfolgungsanalyseKeine vollständige Prävalenzmessung.S-019hoch
K-030FinCEN beobachtete mehr Verdachtsmeldungen zu Deepfake-Medien, besonders gefälschten Identitätsdokumenten.Behördenbefund USAUS-Finanzsektor.S-023hoch
K-031Deepfake-Erkennung ist anfällig für Generalisierungsprobleme.Behörden-/ForschungsstandLeistungswerte hängen vom Datensatz ab.S-012, S-007hoch
K-032Ein einzelner Deepfake-Detektor sollte keine kritische Freigabe entscheiden.Eigene SyntheseDefense-in-depth-Empfehlung.S-012, S-007mittel
K-033C2PA kann Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen kryptografisch binden.Technischer StandardAdoption ist nicht universell.S-045hoch
K-034C2PA-Provenance beweist nicht die sachliche Wahrheit eines Inhalts.Technischer StandardProvenance und Faktizität sind verschieden.S-045mittel
K-035Fehlende Content Credentials beweisen nicht, dass ein Inhalt falsch ist.Technischer StandardLegitimer Content kann ohne C2PA existieren.S-045mittel
K-036Art. 50 AI Act enthält Transparenzpflichten für bestimmte synthetische Inhalte und Deepfakes.Geltendes EU-RechtAusnahmen und Übergangsregeln beachten.S-030, S-031hoch
K-037Die Art.-50-Pflichten sind seit 2. August 2026 anwendbar.Geltendes EU-RechtÜbergang für bestimmte Alt-Systeme beachten.S-031, S-032hoch
K-038Der Transparenz-Code 2026 ist ein freiwilliges Instrument zur Compliance-Unterstützung.Offizielle EU-PositionKeine unwiderlegbare Konformitätsvermutung.S-032, S-033hoch
K-039Art. 15 AI Act verlangt bei Hochrisiko-KI angemessene Robustheit und Cybersecurity.Geltendes EU-RechtHochrisiko-Anwendungsbereich gesondert prüfen.S-030mittel
K-040Art. 15 nennt Data/Model Poisoning, adversariale Eingaben und Vertraulichkeitsangriffe ausdrücklich.Geltendes EU-Recht„where appropriate“ und risikobasiert.S-030mittel
K-041Art. 55 verlangt für GPAI mit systemischem Risiko adversariales Testing und Cybersecurity.Geltendes EU-RechtNur betroffene GPAI-Provider.S-030, S-034hoch
K-042NIS2 verlangt bei betroffenen Einrichtungen Supply-Chain-Sicherheit, Incident Handling, Training und Access Control.Geltendes EU-RechtAnwendungsbereich prüfen.S-036mittel
K-043DSGVO Art. 32 bleibt für personenbezogene Daten in KI-Systemen relevant.Geltendes EU-RechtRisikobasierte Einzelfallprüfung.S-038mittel
K-044Der Cyber Resilience Act ergänzt Security-Pflichten für Produkte mit digitalen Elementen.Geltendes EU-RechtGestaffelte Anwendung beachten.S-037hoch
K-045Betrug mit KI kann unter bestehende Straftatbestände fallen; ein eigener „KI-Betrug“-Tatbestand ist nicht Voraussetzung.RechtsanalyseEinzelfall entscheidet.S-039, S-040, S-041mittel
K-046Unbefugtes Ausspähen oder Verändern von Daten kann unabhängig vom KI-Einsatz strafbar sein.Geltendes deutsches RechtTatbestandsvoraussetzungen prüfen.S-042, S-043mittel
K-047Geschäftsgeheimnisse benötigen angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen; unbefugte Erlangung/Nutzung ist gesetzlich adressiert.Geltendes deutsches RechtGeheimnisqualität und Maßnahmen sind einzelfallabhängig.S-044mittel
K-048AI Security braucht Logging, Monitoring, Incident- und Recovery-Pläne.Behörden-/Best-PracticeUmfang risikobasiert.S-009mittel
K-049Red Teaming muss Modelle, Prompts, Datenquellen, Tools und Berechtigungen einbeziehen.Forschungs-/Best-PracticeKein einmaliger Test.S-004, S-046, S-048hoch
K-050Der sichere Geschäftsprozess muss stärker sein als eine glaubwürdige synthetische Identität.Eigene SyntheseOrganisatorische Schlussfolgerung.S-012, S-019, S-026mittel

Methodik und Evidenzhierarchie

Recherchiert wurde mit Stichtag 7. August 2026. Primär berücksichtigt wurden EU-Rechtsakte, Bundesrecht, Behörden, Strafverfolgungsbehörden, Sicherheitsbehörden und Originalforschung. Anbieterforschung wird nur dort genutzt, wo sie eigene Schutzverfahren oder beobachtete Missbrauchsmuster dokumentiert; solche Aussagen werden nicht als neutrale Marktstatistik behandelt.

Die Evidenz wird in fünf Klassen getrennt: (1) geltendes Recht, (2) Behörden- und Strafverfolgungsbefunde, (3) offene Sicherheitsstandards und Best Practices, (4) wissenschaftliche Originalforschung/Benchmarks, (5) Anbieterbefunde. Quantitative Fraud-Zahlen werden nie automatisch KI zugerechnet, wenn die Quelle nur die Gesamtbetrugsart misst.

Wichtige Recherchegrenze: Cybercrime-Dunkelfelder sind groß. Polizeiliche Meldungen, IC3-Daten und Fraud-Assessments bilden nur gemeldete oder beobachtete Fälle ab. Ebenso ändern sich Frontier-Modelle, Guardrails und Angriffstechniken schnell. Deshalb enthält dieses Dossier eine explizite Refresh-Liste.

Bedrohungsmodell: Was ist bei KI tatsächlich neu?

KI-Sicherheit lässt sich in drei Ebenen zerlegen:

  1. Angriffe auf das KI-System: Prompt Injection, Jailbreak, Poisoning, Model Extraction, Datenoffenlegung, RAG-Manipulation.
  2. Angriffe durch ein kompromittiertes KI-System: Tool-Missbrauch, falsche Transaktionen, Datenexfiltration, unerwünschte Änderungen.
  3. Missbrauch von KI als Werkzeug: Phishing, BEC, Deepfakes, synthetische Identitäten, Scam-Automatisierung.

Viele klassische Sicherheitsziele bleiben identisch: Vertraulichkeit, Integrität, Verfügbarkeit, Authentizität, Zugriffskontrolle und Nachvollziehbarkeit. Neu ist, dass natürlichsprachliche Inhalte gleichzeitig Nutzdaten und Steuerimpulse sein können. [S-005, S-010]

Die wichtigste Architekturfrage lautet deshalb nicht „Welches Modell ist am sichersten?“, sondern: Welche untrusted inputs sieht das Modell, auf welche Geheimnisse kann es zugreifen und welche Aktionen darf es auslösen?

Prompt Injection und indirekte Prompt Injection

Direkte Prompt Injection kommt vom interagierenden Nutzer. Indirekte Prompt Injection wird über Daten eingeschleust, die das System im Auftrag des Nutzers verarbeitet. Greshake et al. demonstrierten 2023, dass manipulierte externe Inhalte LLM-integrierte Anwendungen zu Datenabfluss oder unerwünschten API-Aktionen bringen können. [S-049]

Das BSI beschreibt als Risikokonstellation insbesondere LLMs, die externe Quellen und Anwendungen einbeziehen. OWASP empfiehlt unter anderem Privilegienminimierung, klare Vertrauensgrenzen, Output-Validierung und Human Approval für risikoreiche Aktionen. [S-001, S-011]

Praktische Konsequenz: Ein E-Mail-Agent darf den Text einer eingehenden E-Mail nicht als vertrauenswürdige Instruktion behandeln. Ein Web-Agent darf Webseiteninhalt nicht automatisch in Handlungsbefehle übersetzen. Ein RAG-System muss Dokumente als Daten behandeln, nicht als Autorität über Systemregeln.

Jailbreaks und Safety-Bypass

Jailbreaks zielen auf die Schutzregeln des Modells. Many-shot jailbreaking zeigte, dass lange Kontexte selbst neue Angriffsflächen schaffen können. JailbreakBench und HarmBench standardisieren Tests, weil Modell-, Prompt- und Scoring-Unterschiede sonst zu irreführenden Vergleichen führen. [S-047, S-048, S-053]

Anbieter entwickeln mehrschichtige Abwehr. Anthropic dokumentierte Constitutional Classifiers; OpenAI Instruction Hierarchy. Diese Ansätze sind relevant, aber nicht als Garantie zu lesen. [S-050, S-051, S-052]

Für Unternehmensanwendungen ist entscheidend: Ein Jailbreak darf nicht automatisch zu Datenzugriff oder realen Aktionen führen. Safety-Guardrails des Modells und Security Controls des Systems sind getrennte Schichten.

Agentische Systeme und Excessive Agency

Agenten kombinieren Modellentscheidungen mit Werkzeugen. Damit entsteht eine klassische Least-Privilege-Frage in neuer Form. OWASP bezeichnet zu weitreichende Funktionalität, Berechtigungen oder Autonomie als „Excessive Agency“. [S-002, S-003]

Sicherheitsarchitektur sollte mindestens enthalten:

  • separate Read-/Write-Berechtigungen,
  • minimale OAuth-/API-Scopes,
  • Allowlisting von Tools und Zielen,
  • Betrags- und Transaktionslimits,
  • Human Approval vor irreversiblen Aktionen,
  • keine Secrets im Modellkontext, wenn vermeidbar,
  • sandboxed execution,
  • vollständige Audit-Logs,
  • Rate Limits und Kill Switches.

AgentDojo zeigt, warum Security-Tests reale Tool-Ketten abbilden müssen. Ein Agent, der ohne Angriff schon unzuverlässig arbeitet, ist kein geeigneter Kandidat für hochkritische Autonomie. [S-046]

RAG, Embeddings, Memory und Knowledge-Base-Poisoning

RAG reduziert nicht automatisch Halluzinationen und schafft eine neue Vertrauensschicht: die Wissensbasis. Manipulierte Dokumente können Retrieval und Modellverhalten beeinflussen. OWASP führt Vector- und Embedding-Schwächen als eigenes Risiko. [S-002]

Kontrollen: Provenance der Dokumente, getrennte Schreibrechte, Ingestion-Freigaben, Malware-Scanning, Versionshistorie, Mandantentrennung, Retrieval-Filter, Berechtigungsprüfung vor Retrieval, Kennzeichnung untrusted Quellen und Tests mit absichtlich manipulierten Dokumenten.

Memory-Systeme erhöhen Persistenzrisiken. Eine einmal eingeschleuste falsche Information oder Instruktion kann wiederholt wirksam werden. Deshalb braucht persistentes Agenten-Memory eigene Schreib-, Review- und Löschregeln.

Trainingsdaten, Fine-Tuning und Model Poisoning

NIST und OWASP unterscheiden Poisoning von klassischen Laufzeitangriffen. Manipulierte Trainings- oder Fine-Tuning-Daten können Verhalten, Backdoors oder Verzerrungen verankern. [S-002, S-005]

Die gemeinsame AI-Data-Security-Guidance unter Führung des NSA AISC betont die Schutzbedürftigkeit von Daten über Entwicklung, Test und Betrieb hinweg. [S-014]

Unternehmen sollten Datensätze versionieren, Herkunft dokumentieren, Schreibrechte minimieren, Integritätsprüfungen einsetzen und Training/Fine-Tuning reproduzierbar machen. Externe Datensätze und Modelle gehören in die Supply-Chain-Prüfung.

Sensitive Information Disclosure und System-Prompt-Leaks

OWASP weist darauf hin, dass LLM-Anwendungen personenbezogene Daten, Finanzdaten, Gesundheitsinformationen, Credentials, Geschäftsgeheimnisse oder proprietäre Informationen offenlegen können. [S-002]

Ein System-Prompt kann operative Regeln enthalten, sollte aber nicht als Tresor verwendet werden. API-Schlüssel, Passwörter und langfristige Secrets gehören in Secret Stores und deterministische Zugriffskontrollen. Datenminimierung reduziert zugleich die Schadenshöhe erfolgreicher Angriffe.

Unsichere Output-Verarbeitung und Tool-Ketten

Ein LLM-Output kann Code, HTML, SQL, Shell-Befehle oder API-Parameter enthalten. Wird er ungeprüft ausgeführt, entsteht „Improper Output Handling“. [S-002]

Deshalb: strukturierte Schemas, Parser statt String-Konkatenation, Allowlisting, Parametergrenzen, Prepared Statements, Escaping, Sandbox, Egress-Control und separate Autorisierung. Die Tatsache, dass ein Modell eine Aktion vorgeschlagen hat, ist keine Autorisierung.

Supply Chain, Modelle, Plugins, MCP/API und Abhängigkeiten

AI-Systeme bestehen aus Modell, Runtime, Frameworks, Plugins, APIs, Vektordatenbank, Datenquellen, Observability und Identitätsdiensten. NIS2 verlangt für betroffene Einrichtungen ausdrücklich Supply-Chain-Sicherheit; der UK Code fordert Asset-Inventar und Schutz der Lieferkette. [S-009, S-036]

Bei MCP- oder Tool-Integrationen gilt dieselbe Regel: Tool-Beschreibung und Tool-Output sind keine vertrauenswürdige Sicherheitsgrenze. Berechtigungen müssen im Zielsystem selbst begrenzt werden.

Deepfakes, Voice Cloning und synthetische Identitäten

Das BSI unterscheidet manipulierte Gesichter, Stimmen und Texte. Deepfakes können biometrische Verfahren, Social Engineering, CEO-Fraud, Desinformation und Rufschädigung unterstützen. [S-012]

FinCEN beobachtete 2024 eine Zunahme von Verdachtsmeldungen mit Deepfake-Medien, besonders gefälschten Identitätsdokumenten. INTERPOL berichtet 2026 über Voice-/Face-Cloning aus kurzen Ausgangssequenzen und wachsende synthetische Identitätskriminalität. [S-019, S-023]

Authentifizierung muss deshalb stärker auf kryptografische, gerätegebundene oder out-of-band Verfahren setzen als auf die bloße Wahrnehmung einer Stimme oder eines Gesichts.

CEO-Fraud, BEC, Fake-Rechnungen und Registerdaten

CEO-Fraud nutzt Autorität und Dringlichkeit. Die Polizei empfiehlt organisatorische Gegenmaßnahmen und sensibilisiert insbesondere Finanzabteilungen. [S-026]

BEC verursachte laut FBI/IC3 2024 gemeldete Verluste von rund 2,77 Milliarden US-Dollar. Diese Zahl beschreibt BEC insgesamt und darf nicht als „KI-Schaden“ bezeichnet werden. [S-022]

Fake-Rechnungen nach Handelsregistervorgängen sind dokumentiert. KI kann solche Schreiben verbessern, aber die Basismasche funktioniert ohne KI. [S-027]

Robuste Zahlungsregel: Änderung von Bankverbindungen, außergewöhnliche Überweisungen und vertrauliche Sonderzahlungen immer über einen zweiten, vorher bekannten Kanal verifizieren; Vier-Augen-Prinzip und Limits technisch erzwingen.

KI als Beschleuniger klassischer Betrugsmaschen

Das FBI nennt fünf Beschleuniger: schnellere Texterstellung, Skalierung, Übersetzung, synthetische Profile und Medien sowie glaubwürdigere Websites/Chatbots. [S-020]

Europol und INTERPOL sehen dieselbe Entwicklung: AI ersetzt nicht die gesamte Betrugsinfrastruktur, sondern verbessert Social Engineering, Profiling und Automatisierung. [S-017, S-019]

Die sachlich richtige Buchaussage lautet deshalb: KI industrialisiert Teile des Betrugsprozesses, nicht den gesamten Betrug. Geldwäsche, Konten, Identitäten, Zahlungswege, kompromittierte Systeme und menschliche Manipulation bleiben relevant.

Deepfake-Erkennung, Provenance, C2PA und Grenzen

Automatisierte Detektoren sind nützlich, aber anfällig für Domain Shift und adaptive Angreifer. Das BSI verweist auf begrenzte Generalisierung; NIST betrachtet Detection nur als eine Säule neben Provenance und Watermarking. [S-007, S-012]

C2PA Content Credentials dokumentieren Herkunft und Bearbeitung kryptografisch. Sie beantworten aber nicht die Frage, ob eine Behauptung wahr ist. [S-045]

Für kritische Unternehmensprozesse ist deshalb Authentifizierung vor Forensik besser: Nicht erst versuchen herauszufinden, ob die Stimme gefälscht ist, sondern die Transaktion über einen unabhängigen, authentisierten Workflow bestätigen.

AI Act, DSGVO, NIS2 und Cyber Resilience Act

AI Act: Art. 15 verlangt bei Hochrisiko-Systemen angemessene Accuracy, Robustness und Cybersecurity und nennt AI-spezifische Angriffe. Art. 50 regelt Transparenz für bestimmte synthetische Inhalte und Deepfakes. Art. 55 verpflichtet GPAI-Provider mit systemischem Risiko zu adversarial testing, Risikominderung, Incident Reporting und Cybersecurity. [S-030]

DSGVO: Art. 32 verlangt bei personenbezogenen Daten geeignete technische und organisatorische Maßnahmen. Ein KI-System hebt diese Pflicht nicht auf. [S-038]

NIS2: Art. 20/21 adressiert Managementverantwortung, Risikomanagement, Incident Handling, Business Continuity, Supply Chain, sichere Entwicklung, Training, Kryptografie und Access Control. [S-036]

Cyber Resilience Act: Er schafft horizontale Cybersicherheitsanforderungen für Produkte mit digitalen Elementen. Für konkrete Produkte sind Anwendungsbereich und Übergangsfristen separat zu prüfen. [S-037]

Security Governance, Red Teaming und Incident Response

Ein belastbares AI-Security-Programm verbindet klassische Security mit AI-spezifischen Tests. Der UK Code nennt 13 Prinzipien von Awareness über Secure Design, Asset- und Supply-Chain-Schutz bis Testing, Monitoring und Incident/Recovery. [S-009]

Red Teaming sollte mindestens testen:

  • direkte und indirekte Prompt Injection,
  • Jailbreaks,
  • RAG-/Memory-Poisoning,
  • Datenexfiltration,
  • Tool-Missbrauch,
  • Privilege Escalation,
  • unsichere Output-Verarbeitung,
  • Denial-of-Wallet/Unbounded Consumption,
  • Secrets und PII,
  • Logging/Forensik,
  • Fail-safe-Verhalten.

Incident Response muss AI-spezifische Aktionen vorsehen: Agent stoppen, Tokens/Keys rotieren, Tool-Zugriffe entziehen, kompromittierte Wissensquellen isolieren, Memory bereinigen, Logs sichern, Modell-/Prompt-Version feststellen und abhängige Systeme prüfen.

18 Unternehmensszenarien

#SzenarioHauptrisikoBewertungMindestkontrollenQuellen
1Öffentlicher Chatbot für WebsitebesucherPrompt Injection, Datenabflussmittelkeine internen Secrets; Output-Filter; Rate LimitsS-001, S-002
2RAG-Chatbot mit internen DokumentenBerechtigungsfehler, RAG-PoisoninghochACL vor Retrieval; Ingestion-Freigabe; MandantentrennungS-002, S-011
3KI liest eingehende E-Mailsindirekte Prompt InjectionhochE-Mail als untrusted; read-only; keine automatischen externen AktionenS-011, S-049
4KI beantwortet E-Mails automatischImpersonation, falsche ZusagenhochFreigabegrenzen; Empfänger-/Inhaltsregeln; LoggingS-008, S-009
5Agent darf CRM-Daten ändernIntegritätsverlusthochfeldbezogene Rechte; Approval; RollbackS-003, S-046
6Agent darf Rechnungen erzeugenFraud, falsche Bankdatensehr hochLieferantenstamm geschützt; Vier-Augen; keine Bankdatenänderung per AgentS-026, S-027
7Agent darf Zahlungen vorbereitenCEO-/BEC-Fraudsehr hochkeine autonome Freigabe; Limits; out-of-band VerificationS-019, S-022, S-026
8KI fasst vertrauliche Verträge zusammenDisclosurehochfreigegebene Enterprise-/On-Prem-Umgebung; DLP; LogsS-002, S-038
9Entwickleragent mit Shell-ZugriffCode-/Systemmanipulationsehr hochSandbox; Branch; keine Prod-Secrets; ReviewS-003, S-009
10Agent mit Browser + PasswortmanagerCredential-/Session-Missbrauchsehr hochscoped credentials; domain allowlist; confirmationS-003, S-046
11Kundenservice mit BestelldatenPII-AbflusshochDatenminimierung; Authentifizierung; Art. 32S-002, S-038
12Meeting-Agent mit Audio/VideoDeepfake/Impersonationmittel-hochTeilnehmerauthentisierung; sensible Beschlüsse separat bestätigenS-012
13CFO erhält Videoanruf des CEODeepfake CEO-Fraudsehr hochkein Zahlungsauftrag allein aus Call; Rückruf/WorkflowS-012, S-026
14Neue HandelsregistereintragungFake-RechnunghochRechnungsprüfung; amtliche Absender/IBAN verifizierenS-027
15Lieferant meldet neue Bankverbindung per MailBECsehr hochRückruf an bekannte Nummer; Vier-Augen; SperrfristS-019, S-022
16KI-generierte MarketingvideosArt.-50-TransparenzmittelKennzeichnungsprüfung; Provenance; RechtsreviewS-030, S-031, S-032
17Fine-Tuning mit externem DatensatzPoisoning/Supply ChainhochProvenance; Hashes; Review; reproduzierbares TrainingS-005, S-014
18MCP-/API-Agent über mehrere SaaS-SystemeRechtekaskadesehr hochminimale Scopes; Tool-Allowlist; zentraler Audit-Trail; Kill SwitchS-003, S-009

Fallanalyse A: E-Mail-Agent mit indirekter Prompt Injection

Ein Agent soll das Postfach priorisieren. Eine externe E-Mail enthält versteckte oder offen formulierte Instruktionen, die den Agenten zum Weiterleiten interner Informationen bewegen sollen. Der Angriff nutzt nicht primär eine klassische Softwarelücke, sondern die Tatsache, dass das Modell externen Text semantisch interpretiert. [S-010, S-049]

Sicherheitsdesign: Postfachzugriff read-only; keine Weiterleitung oder Dateifreigabe ohne separate Policy Engine; externe Inhalte als untrusted markieren; sensible Inhalte vor Modellkontext filtern; Zieladressen allowlisten; ungewöhnliche Aktionen blockieren; vollständiges Logging.

Fallanalyse B: Deepfake-CEO fordert Zahlung

Die visuelle oder akustische Ähnlichkeit ist kein ausreichender Beweis. Das BSI nennt CEO-Fraud ausdrücklich als Deepfake-Szenario. [S-012]

Sicherheitsdesign: Zahlung nur über ERP-/Bankworkflow; zweite berechtigte Person; Rückbestätigung über bekannten Kanal; Bankverbindungsänderungen separat; Limits und Wartezeiten; keine Ausnahme wegen „Vertraulichkeit“ oder „Eile“.

Fallanalyse C: Fake-Rechnung nach Handelsregistereintrag

Die Masche existiert unabhängig von KI. Nach Registervorgängen treffen amtlich wirkende Rechnungen oder Angebote ein. [S-027]

Sicherheitsdesign: neue Rechnungssteller und IBANs separat prüfen; keine Zahlung nur aufgrund amtlicher Optik; interne Liste erwarteter Gebühren; Buchhaltung für typische Registermaschen sensibilisieren.

Fallanalyse D: RAG-Chatbot mit manipuliertem Dokument

Ein Dokument mit schädlichen Instruktionen gelangt in die Wissensbasis. Beim Retrieval interpretiert das Modell den Text als Handlungsanweisung. [S-011, S-049]

Sicherheitsdesign: Ingestion nur aus kontrollierten Quellen; Schreibrechte begrenzen; Dokument-Provenance; ACL vor Retrieval; keine Tool-Aktion aufgrund von RAG-Text ohne Policy-Prüfung.

Sicherheits-Entscheidungsmatrix

SystemtypUntrusted InputSchreib-/ToolrechteSchadenspotenzialMindestfreigabe
interner Textassistent ohne Toolsniedrig-mittelkeineniedrig-mittelnormale Fachprüfung
öffentlicher ChatbothochkeinemittelInput-/Output-Kontrollen
RAG-Assistentmittel-hochkeinemittel-hochACL + Ingestion Governance
E-Mail-Agent read-onlysehr hochlesenhochuntrusted-content controls
Agent mit CRM-Schreibrechtensehr hochschreibenhochApproval + Rollback
Agent mit Shell/Code-Ausführungsehr hochSystemaktionensehr hochSandbox + Review
Agent mit Zahlungs-/Bankzugriffsehr hochFinanzaktionextremkeine autonome Freigabe

36-stufiger Sicherheitsfahrplan

  1. Use Case beschreiben.
  2. Datenquellen inventarisieren.
  3. Externe/untrusted Quellen markieren.
  4. Modell und Provider dokumentieren.
  5. RAG-/Memory-Komponenten dokumentieren.
  6. Tools/APIs inventarisieren.
  7. Alle OAuth-/API-Scopes erfassen.
  8. Read- und Write-Rechte trennen.
  9. Least Privilege anwenden.
  10. Secrets aus Prompts entfernen.
  11. Secret Store einsetzen.
  12. Datenklassifizierung festlegen.
  13. PII-/Geschäftsgeheimnisregeln definieren.
  14. RAG-Ingestion freigabepflichtig machen.
  15. Mandanten-/Berechtigungsprüfung vor Retrieval.
  16. Strukturierte Tool-Schemas nutzen.
  17. Output als untrusted behandeln.
  18. Allowlisting für kritische Ziele.
  19. Rate Limits setzen.
  20. Transaktionslimits setzen.
  21. Irreversible Aktionen mit Human Approval.
  22. Zahlungs- und Bankdatenänderungen aus Agentenpfad entfernen.
  23. Out-of-band-Verifikation definieren.
  24. Logging aller Tool-Aktionen.
  25. Modell-/Prompt-/Policy-Version loggen.
  26. Direkte Prompt-Injection-Tests.
  27. Indirekte Prompt-Injection-Tests.
  28. Jailbreak-/Policy-Bypass-Tests.
  29. RAG-/Memory-Poisoning testen.
  30. Datenexfiltration testen.
  31. Failure-/Rollback-Test.
  32. Kill Switch einrichten.
  33. Incident-Runbook erstellen.
  34. Mitarbeiter zu CEO-Fraud/Deepfakes schulen.
  35. Lieferanten-/Registerrechnungsprozess härten.
  36. Nach Modell-, Tool- oder Rechteänderungen erneut testen.

20 Mythenprüfungen

MythosBewertungKorrekte EinordnungQuellen
„Ein guter System-Prompt verhindert Prompt Injection.“falschSystem-Prompts helfen bei Steuerung, sind aber keine harte Sicherheitsgrenze.S-010, S-052
„Prompt Injection ist einfach SQL-Injection für KI.“falschDie Trennung von Daten und Instruktionen ist bei LLMs fundamental anders.S-010
„Wenn der Agent nur vertrauenswürdige Tools nutzt, ist er sicher.“falschUntrusted Tool-Outputs können die Steuerung beeinflussen.S-046, S-049
„RAG macht ein LLM automatisch sicherer.“falschRAG schafft zusätzliche Daten- und Poisoning-Angriffsflächen.S-002, S-011
„Ein Jailbreak ist dasselbe wie Prompt Injection.“zu pauschalZiele und Threat Models unterscheiden sich, auch wenn Techniken überlappen.S-047, S-001
„Moderne Frontier-Modelle sind nicht mehr jailbreakbar.“unbelegtRobustheit steigt, perfekte Abwehr ist nicht belegt.S-051
„Deepfake-Detektoren erkennen Fälschungen zuverlässig.“falschGeneralisierung und adversariale Umgehung begrenzen Zuverlässigkeit.S-012, S-007
„Content Credentials beweisen, dass ein Video wahr ist.“falschSie dokumentieren Provenance, nicht Faktizität.S-045
„Ohne Content Credentials ist ein Video verdächtig.“falschLegitimer Content kann ohne C2PA existieren.S-045
„CEO-Fraud ist eine neue KI-Masche.“falschDie Masche ist älter; KI kann sie glaubwürdiger machen.S-026, S-012
„Eine bekannte Telefonnummer beweist die Identität.“falschCaller-ID kann manipuliert werden.S-028
„Die Stimme meines Chefs kann ich erkennen.“riskantVoice Cloning reduziert den Beweiswert der Stimme.S-012, S-020
„Fake-Rechnungen nach Handelsregistereintrag entstehen erst durch KI.“falschDas Muster ist unabhängig von KI dokumentiert.S-027
„BEC-Schäden sind heute überwiegend KI-Schäden.“unbelegtBEC-Gesamtzahlen erlauben keine solche Attribution.S-022
„Ein AV-/Cloud-Vertrag löst AI-Security.“falschRechte, Architektur, Daten und Betrieb bleiben entscheidend.S-009, S-038
„On-Prem bedeutet automatisch sicher.“falschFehlkonfiguration, Rechte und Prompt Injection bleiben möglich.S-009, S-013
„Wenn das Modell nichts Gefährliches sagt, kann der Agent nichts Gefährliches tun.“falschTool- und Rechtearchitektur bestimmt reale Aktionen.S-003, S-046
„Mehr Autonomie bedeutet automatisch mehr Produktivität.“unbelegtMehr Autonomie erhöht auch Schadensradius und Prüfbedarf.S-003
„KI-Sicherheit ersetzt klassische Cybersecurity.“falschIAM, MFA, Supply Chain, Backups und Incident Response bleiben grundlegend.S-036, S-009
„Transparenzkennzeichnung verhindert Deepfake-Betrug.“falschKennzeichnung hilft, ersetzt aber Authentifizierung und Fraud Controls nicht.S-030, S-045

20 offene Forschungsfragen

  1. Wie zuverlässig lassen sich indirekte Prompt Injections modellunabhängig erkennen?
  2. Kann eine harte Instruktions-/Datengrenze architektonisch statt probabilistisch umgesetzt werden?
  3. Welche Agentenarchitekturen minimieren Tool-Missbrauch bei hoher Nutzbarkeit?
  4. Wie misst man Prompt-Injection-Robustheit über Modellupdates hinweg?
  5. Welche Benchmarks bilden reale Unternehmensagenten am besten ab?
  6. Wie verhindert man persistentes Memory-Poisoning?
  7. Welche RAG-Provenance-Mechanismen sind praxistauglich?
  8. Wie zuverlässig sind LLM-Firewalls gegen adaptive Angreifer?
  9. Wie verändert längerer Kontext Jailbreak-Risiken?
  10. Welche Schutzwirkung haben Instruction Hierarchies langfristig?
  11. Wie hoch ist der reale Anteil KI-unterstützter BEC-Fälle?
  12. Wie stark senkt Voice Cloning die Wirksamkeit telefonischer Rückbestätigung?
  13. Welche Authentifizierungsverfahren sind für KMU kosteneffizient gegen Deepfake-Impersonation?
  14. Wie verbreitet sind synthetische Identitäten im deutschen Zahlungsverkehr?
  15. Welche Deepfake-Detektoren generalisieren auf unbekannte Generatoren?
  16. Wie robust bleiben Watermarks nach Transcoding, Cropping und Re-Recording?
  17. Wie breit wird C2PA tatsächlich in Unternehmensprozessen adoptiert?
  18. Wie wirken Art.-50-Kennzeichnungen praktisch auf Betrug und Desinformation?
  19. Welche Incident-Kategorien benötigen AI-spezifische Meldeprozesse?
  20. Wie verändert agentische KI die Ökonomie von Fraud-as-a-Service?

50 buchrelevante Faktenkarten

Die Karten sind bewusst kompakt und einzeln wiederverwendbar.

Faktenkarte F-001

  • Aussage: Prompt Injection ist OWASP LLM01:2025.
  • Status: Sicherheitsstandard
  • Einschränkung: OWASP ist kein Gesetz.
  • Hauptquellen: S-001, S-002
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-002

  • Aussage: Indirekte Prompt Injection kann in Webseiten, Dateien, E-Mails, Tool-Outputs oder RAG-Quellen stecken.
  • Status: Forschungs-/Behördenstand
  • Einschränkung: Wirkung hängt von Architektur und Rechten ab.
  • Hauptquellen: S-011, S-049
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-003

  • Aussage: LLMs erzwingen im Prompt keine harte technische Trennung zwischen Instruktion und Daten.
  • Status: Behördenposition
  • Einschränkung: Training kann Robustheit erhöhen, aber keine absolute Grenze garantieren.
  • Hauptquellen: S-010, S-052
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-004

  • Aussage: Prompt Injection und SQL-Injection benötigen unterschiedliche Abwehrmodelle.
  • Status: Behördenposition
  • Einschränkung: Klassische AppSec bleibt zusätzlich notwendig.
  • Hauptquellen: S-010
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-005

  • Aussage: Agentische Tool-Nutzung erhöht den möglichen Schaden erfolgreicher Prompt Injection.
  • Status: Sicherheitsstandard/Forschung
  • Einschränkung: Risiko hängt von Berechtigungen ab.
  • Hauptquellen: S-003, S-046
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-006

  • Aussage: Least Privilege ist bei Agenten zentral.
  • Status: Best Practice
  • Einschränkung: Umsetzung ist kontextabhängig.
  • Hauptquellen: S-008, S-009
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-007

  • Aussage: Kritische Aktionen sollten außerhalb des LLM durch Policies und Freigaben begrenzt werden.
  • Status: Best Practice
  • Einschränkung: Keine Architektur ist universell.
  • Hauptquellen: S-008, S-009
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-008

  • Aussage: Jailbreaks umgehen Safety-Guardrails; Prompt Injection manipuliert die Instruktionssteuerung einer Anwendung.
  • Status: Forschungsstand
  • Einschränkung: Techniken überlappen.
  • Hauptquellen: S-047, S-050
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-009

  • Aussage: Jailbreak-Erfolgsraten sind ohne einheitliche Benchmarks schlecht vergleichbar.
  • Status: Forschungsstand
  • Einschränkung: Benchmarks altern schnell.
  • Hauptquellen: S-047, S-048
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-010

  • Aussage: Perfekte Jailbreak-Robustheit darf 2026 nicht unterstellt werden.
  • Status: Forschungs-/Anbieterstand
  • Einschränkung: Neue Modelle können Lage ändern.
  • Hauptquellen: S-050, S-051
  • Aktualisierungsrisiko: sehr hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-011

  • Aussage: Input-/Output-Classifier können Risiken reduzieren, erzeugen aber Kosten und Fehlklassifikationen.
  • Status: Forschungsstand
  • Einschränkung: Anbieterbefunde sind nicht universell.
  • Hauptquellen: S-050
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-012

  • Aussage: Instruction-Hierarchy-Training kann Robustheit gegen niedrig priorisierte schädliche Instruktionen verbessern.
  • Status: Forschungsstand
  • Einschränkung: Kein Ersatz für Systemkontrollen.
  • Hauptquellen: S-052
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-013

  • Aussage: RAG-Systeme schaffen Angriffsflächen über manipulierte Wissensquellen.
  • Status: Sicherheitsstandard
  • Einschränkung: Risiko hängt von Ingestion/Retrieval ab.
  • Hauptquellen: S-002, S-004
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-014

  • Aussage: Trainings-, Fine-Tuning- und Embedding-Daten können Ziel von Poisoning sein.
  • Status: Sicherheitsstandard
  • Einschränkung: Angriffsmodelle unterscheiden sich.
  • Hauptquellen: S-002, S-005, S-014
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-015

  • Aussage: Modell- und Datensupply-Chain müssen inventarisiert und geprüft werden.
  • Status: Behörden-/Best-Practice
  • Einschränkung: Pflichten hängen vom Rechtsrahmen ab.
  • Hauptquellen: S-008, S-009, S-036
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-016

  • Aussage: System-Prompts sind keine geeignete Ablage für Geheimnisse, die niemals offengelegt werden dürfen.
  • Status: Sicherheitsstandard
  • Einschränkung: Vertraulichkeit kann trotzdem betrieblich sinnvoll sein.
  • Hauptquellen: S-002
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-017

  • Aussage: LLM-Ausgaben sind als untrusted data zu behandeln, wenn sie an Interpreter oder APIs gehen.
  • Status: Sicherheitsstandard
  • Einschränkung: Sanitization ist kontextabhängig.
  • Hauptquellen: S-002
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-018

  • Aussage: Sensible Daten können über Modell- oder Anwendungsausgaben offengelegt werden.
  • Status: Sicherheitsstandard
  • Einschränkung: Nicht jede Offenlegung stammt aus Training.
  • Hauptquellen: S-002, S-038
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-019

  • Aussage: Generative KI senkt laut FBI Zeit und Aufwand für glaubwürdigen Betrug.
  • Status: Behördenbefund
  • Einschränkung: Keine universelle quantitative Rate.
  • Hauptquellen: S-020
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-020

  • Aussage: KI kann Phishing sprachlich verbessern, übersetzen und massenhaft personalisieren.
  • Status: Behördenbefund
  • Einschränkung: Phishing funktioniert auch ohne KI.
  • Hauptquellen: S-020, S-017
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-021

  • Aussage: Deepfakes können Stimme, Gesicht und Video zur Identitätsvortäuschung nutzen.
  • Status: Behördenbefund
  • Einschränkung: Qualität und Aufwand variieren.
  • Hauptquellen: S-012, S-019
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-022

  • Aussage: Stimme allein ist für kritische Freigaben kein robustes Authentifizierungsmerkmal.
  • Status: Eigene Synthese
  • Einschränkung: Abgeleitet aus Voice-Cloning- und Fraud-Evidenz.
  • Hauptquellen: S-012, S-020, S-021
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-023

  • Aussage: Angezeigte Telefonnummern können manipuliert werden.
  • Status: Behördenbefund
  • Einschränkung: Nicht jeder unbekannte Anruf ist Spoofing.
  • Hauptquellen: S-028, S-018
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-024

  • Aussage: CEO-Fraud basiert auf Autorität, Zeitdruck, Geheimhaltung und Vorrecherche.
  • Status: Behördenbefund
  • Einschränkung: KI ist dafür nicht erforderlich.
  • Hauptquellen: S-026
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-025

  • Aussage: Handelsregister- und Unternehmensdaten können Betrügern Kontext für personalisierte Ansprache liefern.
  • Status: Behörden-/Praxisbefund
  • Einschränkung: Öffentliche Daten sind nicht ursächlich für Betrug.
  • Hauptquellen: S-026, S-027
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-026

  • Aussage: Fake-Rechnungen nach Registereinträgen sind ein dokumentiertes Betrugsmuster.
  • Status: Praxis-/Behördenwarnung
  • Einschränkung: Kein spezifisches KI-Phänomen.
  • Hauptquellen: S-027
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-027

  • Aussage: BEC verursachte laut FBI/IC3 2024 gemeldete Verluste von rund 2,77 Mrd. USD.
  • Status: Amtliche Statistik USA
  • Einschränkung: Nicht vollständig KI-attributierbar.
  • Hauptquellen: S-022
  • Aktualisierungsrisiko: jährlich
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-028

  • Aussage: INTERPOL bewertet BEC 2026 als weltweit besonders häufig gemeldete Fraud-Typologie.
  • Status: Strafverfolgungsanalyse
  • Einschränkung: INTERPOL-Daten sind kein vollständiges Weltregister.
  • Hauptquellen: S-019
  • Aktualisierungsrisiko: jährlich
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-029

  • Aussage: INTERPOL beobachtet eine Zunahme synthetischer Identitätsbetrugsfälle mit KI-Unterstützung.
  • Status: Strafverfolgungsanalyse
  • Einschränkung: Keine vollständige Prävalenzmessung.
  • Hauptquellen: S-019
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-030

  • Aussage: FinCEN beobachtete mehr Verdachtsmeldungen zu Deepfake-Medien, besonders gefälschten Identitätsdokumenten.
  • Status: Behördenbefund USA
  • Einschränkung: US-Finanzsektor.
  • Hauptquellen: S-023
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-031

  • Aussage: Deepfake-Erkennung ist anfällig für Generalisierungsprobleme.
  • Status: Behörden-/Forschungsstand
  • Einschränkung: Leistungswerte hängen vom Datensatz ab.
  • Hauptquellen: S-012, S-007
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-032

  • Aussage: Ein einzelner Deepfake-Detektor sollte keine kritische Freigabe entscheiden.
  • Status: Eigene Synthese
  • Einschränkung: Defense-in-depth-Empfehlung.
  • Hauptquellen: S-012, S-007
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-033

  • Aussage: C2PA kann Herkunfts- und Bearbeitungsinformationen kryptografisch binden.
  • Status: Technischer Standard
  • Einschränkung: Adoption ist nicht universell.
  • Hauptquellen: S-045
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-034

  • Aussage: C2PA-Provenance beweist nicht die sachliche Wahrheit eines Inhalts.
  • Status: Technischer Standard
  • Einschränkung: Provenance und Faktizität sind verschieden.
  • Hauptquellen: S-045
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-035

  • Aussage: Fehlende Content Credentials beweisen nicht, dass ein Inhalt falsch ist.
  • Status: Technischer Standard
  • Einschränkung: Legitimer Content kann ohne C2PA existieren.
  • Hauptquellen: S-045
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-036

  • Aussage: Art. 50 AI Act enthält Transparenzpflichten für bestimmte synthetische Inhalte und Deepfakes.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Ausnahmen und Übergangsregeln beachten.
  • Hauptquellen: S-030, S-031
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-037

  • Aussage: Die Art.-50-Pflichten sind seit 2. August 2026 anwendbar.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Übergang für bestimmte Alt-Systeme beachten.
  • Hauptquellen: S-031, S-032
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-038

  • Aussage: Der Transparenz-Code 2026 ist ein freiwilliges Instrument zur Compliance-Unterstützung.
  • Status: Offizielle EU-Position
  • Einschränkung: Keine unwiderlegbare Konformitätsvermutung.
  • Hauptquellen: S-032, S-033
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-039

  • Aussage: Art. 15 AI Act verlangt bei Hochrisiko-KI angemessene Robustheit und Cybersecurity.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Hochrisiko-Anwendungsbereich gesondert prüfen.
  • Hauptquellen: S-030
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-040

  • Aussage: Art. 15 nennt Data/Model Poisoning, adversariale Eingaben und Vertraulichkeitsangriffe ausdrücklich.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: „where appropriate“ und risikobasiert.
  • Hauptquellen: S-030
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-041

  • Aussage: Art. 55 verlangt für GPAI mit systemischem Risiko adversariales Testing und Cybersecurity.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Nur betroffene GPAI-Provider.
  • Hauptquellen: S-030, S-034
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-042

  • Aussage: NIS2 verlangt bei betroffenen Einrichtungen Supply-Chain-Sicherheit, Incident Handling, Training und Access Control.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Anwendungsbereich prüfen.
  • Hauptquellen: S-036
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-043

  • Aussage: DSGVO Art. 32 bleibt für personenbezogene Daten in KI-Systemen relevant.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Risikobasierte Einzelfallprüfung.
  • Hauptquellen: S-038
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-044

  • Aussage: Der Cyber Resilience Act ergänzt Security-Pflichten für Produkte mit digitalen Elementen.
  • Status: Geltendes EU-Recht
  • Einschränkung: Gestaffelte Anwendung beachten.
  • Hauptquellen: S-037
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-045

  • Aussage: Betrug mit KI kann unter bestehende Straftatbestände fallen; ein eigener „KI-Betrug“-Tatbestand ist nicht Voraussetzung.
  • Status: Rechtsanalyse
  • Einschränkung: Einzelfall entscheidet.
  • Hauptquellen: S-039, S-040, S-041
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-046

  • Aussage: Unbefugtes Ausspähen oder Verändern von Daten kann unabhängig vom KI-Einsatz strafbar sein.
  • Status: Geltendes deutsches Recht
  • Einschränkung: Tatbestandsvoraussetzungen prüfen.
  • Hauptquellen: S-042, S-043
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-047

  • Aussage: Geschäftsgeheimnisse benötigen angemessene Geheimhaltungsmaßnahmen; unbefugte Erlangung/Nutzung ist gesetzlich adressiert.
  • Status: Geltendes deutsches Recht
  • Einschränkung: Geheimnisqualität und Maßnahmen sind einzelfallabhängig.
  • Hauptquellen: S-044
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-048

  • Aussage: AI Security braucht Logging, Monitoring, Incident- und Recovery-Pläne.
  • Status: Behörden-/Best-Practice
  • Einschränkung: Umfang risikobasiert.
  • Hauptquellen: S-009
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-049

  • Aussage: Red Teaming muss Modelle, Prompts, Datenquellen, Tools und Berechtigungen einbeziehen.
  • Status: Forschungs-/Best-Practice
  • Einschränkung: Kein einmaliger Test.
  • Hauptquellen: S-004, S-046, S-048
  • Aktualisierungsrisiko: hoch
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Faktenkarte F-050

  • Aussage: Der sichere Geschäftsprozess muss stärker sein als eine glaubwürdige synthetische Identität.
  • Status: Eigene Synthese
  • Einschränkung: Organisatorische Schlussfolgerung.
  • Hauptquellen: S-012, S-019, S-026
  • Aktualisierungsrisiko: mittel
  • Mögliche Buchverwendung: Sicherheitsgrundlage, Praxisbeispiel oder Mythosprüfung.

Glossar

Adversarial Example
Eingabe, die gezielt ein Fehlverhalten eines Modells auslösen soll.
Agent
KI-System, das Ziele verfolgt und Werkzeuge/Aktionen nutzen kann.
Allowlist
Positivliste erlaubter Tools, Ziele, Domains oder Aktionen.
Attack Surface
Gesamtheit technisch erreichbarer Angriffsflächen.
Authentication
Prüfung einer behaupteten Identität.
Authorization
Prüfung, ob eine identifizierte Instanz eine Aktion ausführen darf.
BEC
Business Email Compromise; Betrug über kompromittierte oder imitierte Geschäftskommunikation.
CEO-Fraud
Impersonation einer Führungskraft zur Manipulation von Mitarbeitenden.
C2PA
Standard für kryptografisch gebundene Content-Provenance.
Content Credentials
C2PA-basierte Herkunfts-/Bearbeitungsinformationen.
Data Poisoning
Manipulation von Trainings- oder Lerndaten.
Deepfake
KI-generierter/manipulierter Bild-, Audio- oder Videoinhalt mit täuschender Authentizität.
Defense in Depth
Mehrere voneinander unabhängige Schutzschichten.
DLP
Data Loss Prevention.
Egress Control
Begrenzung ausgehender Netzwerkverbindungen/Datenflüsse.
Embedding
Vektorrepräsentation von Daten für Ähnlichkeitssuche.
Excessive Agency
Zu große Funktionalität, Rechte oder Autonomie eines Agenten.
Fine-Tuning
Nachtraining eines Modells auf zusätzlichen Daten.
Guardrail
Schutzmechanismus für Modell- oder Anwendungsausgaben.
Human Approval
Menschliche Freigabe vor einer Aktion.
Indirect Prompt Injection
Schädliche Instruktion aus einer externen Datenquelle.
Instruction Hierarchy
Priorisierung von Instruktionen nach Vertrauensstufe.
Jailbreak
Umgehung von Safety- oder Nutzungsbeschränkungen eines Modells.
Kill Switch
Mechanismus zum sofortigen Stoppen eines Systems/Agenten.
Least Privilege
Nur minimal notwendige Berechtigungen vergeben.
LLM
Large Language Model.
MCP
Model Context Protocol; Protokoll zur Anbindung von Tools/Kontext.
Model Poisoning
Manipulation eines Modells oder vorgelagerter Modellkomponenten.
Model Extraction
Versuch, Modellverhalten oder Parameter systematisch zu rekonstruieren.
OAuth Scope
Begrenzter Berechtigungsumfang eines Zugriffstokens.
Output Handling
Verarbeitung von Modellantworten durch nachgelagerte Systeme.
Prompt Injection
Manipulation der Instruktionssteuerung eines LLM-Systems.
Prompt Leak
Offenlegung von System-/Developer-Prompts.
Provenance
Herkunfts- und Bearbeitungshistorie digitaler Inhalte.
RAG
Retrieval-Augmented Generation.
RAG Poisoning
Manipulation von Quellen, die später per Retrieval in den Modellkontext gelangen.
Rate Limit
Begrenzung der Zahl/Frequenz von Anfragen oder Aktionen.
Red Teaming
Gezieltes adversariales Testen eines Systems.
Rollback
Rückkehr zu einem früheren, bekannten Zustand.
Sandbox
Isolierte Ausführungsumgebung.
Secret Store
System zur sicheren Verwaltung von Zugangsdaten/Schlüsseln.
Social Engineering
Manipulation von Menschen zur Preisgabe von Daten oder Durchführung von Aktionen.
Spoofing
Fälschung von Absender-, Identitäts- oder technischen Merkmalen.
Synthetic Identity
Identität aus realen und künstlich erzeugten Datenbestandteilen.
Tool Call
Vom Modell ausgelöster Aufruf eines externen Werkzeugs/API.
Unbounded Consumption
Missbrauch oder Fehlverhalten, das unkontrollierte Ressourcen-/Kosten verursacht.
Untrusted Data
Daten, deren Inhalt nicht als vertrauenswürdige Steuerinstruktion gelten darf.
Vishing
Voice-Phishing.
Voice Cloning
Synthetische Nachbildung einer Stimme.
Watermarking
Einbettung eines Erkennungs-/Herkunftsmerkmals in Inhalte.

Beleg- und Quellenmatrix

ThemenblockKernaussagenHauptquellenBelegstärke
Prompt InjectionK-001 bis K-007S-001, S-010, S-011, S-049, S-052hoch
JailbreaksK-008 bis K-012S-047, S-048, S-050, S-051, S-052, S-053mittel-hoch
RAG/Poisoning/Supply ChainK-013 bis K-018S-002, S-004, S-005, S-008, S-014hoch
AI-enabled FraudK-019 bis K-030S-017, S-019, S-020, S-022, S-023, S-026, S-027hoch für Existenz; mittel für Prävalenz
Deepfake Detection/ProvenanceK-031 bis K-035S-007, S-012, S-045hoch
EU-RegulierungK-036 bis K-044S-030 bis S-038sehr hoch
deutsches Straf-/GeheimnisschutzrechtK-045 bis K-047S-039 bis S-044sehr hoch für Normtext; Einzelfallanwendung offen
Governance/Red TeamingK-048 bis K-050S-004, S-008, S-009, S-046, S-048hoch

Vollständiges Quellenregister

IDHerausgeberQuelleDatumRelevanzURL
S-001OWASP GenAI Security ProjectLLM01:2025 Prompt Injection2025Prompt InjectionLink ↗
S-002OWASP GenAI Security ProjectOWASP Top 10 for LLM Applications v20252025LLM-RisikenLink ↗
S-003OWASP GenAI Security ProjectTop 10 Risks and Mitigations for Agentic AI Security09.12.2025Agentische RisikenLink ↗
S-004MITREMITRE ATLAS07.08.2026AI-Threat-Knowledge-BaseLink ↗
S-005NISTAdversarial Machine Learning, AI 100-2 E202503.2025Attack/Defense-TaxonomieLink ↗
S-006NISTAI RMF: Generative AI Profile, AI 600-126.07.2024; Update 08.04.2026GenAI-RisikomanagementLink ↗
S-007NISTReducing Risks Posed by Synthetic Content, AI 100-420.11.2024; Update 08.04.2026Provenance/DetectionLink ↗
S-008NCSC/CISA et al.Guidelines for Secure AI System Development27.11.2023Secure-by-DesignLink ↗
S-009UK DSIT/NCSCCode of Practice for the Cyber Security of AI31.01.202513 Security-PrinzipienLink ↗
S-010NCSCPrompt injection is not SQL injection (it may be worse)2025Daten-/InstruktionsgrenzeLink ↗
S-011BSIGenerative KI-Modelle - Chancen und Risiken für Industrie und Behörden2026 V7Prompt InjectionLink ↗
S-012BSIDeep Fakes - Threats and Countermeasures07.08.2026Deepfake/Voice CloningLink ↗
S-013ANSSISecurity recommendations for a generative AI system29.04.2024sichere GenAI-ArchitekturLink ↗
S-014NSA AISC et al.AI Data Security: Best Practices22.05.2025Datenintegrität/Supply ChainLink ↗
S-015ENISAENISA Threat Landscape 202501.10.2025; Rev. 09.01.2026EU-CyberlageLink ↗
S-016EuropolEU SOCTA 202518.03.2025AI-powered Social EngineeringLink ↗
S-017EuropolInternet Organised Crime Threat Assessment 20262026GenAI und Online-CrimeLink ↗
S-018EuropolPosition Paper on Caller ID Spoofing27.10.2025SpoofingLink ↗
S-019INTERPOLGlobal Financial Fraud Threat Assessment 202603.2026AI, BEC, ImpersonationLink ↗
S-020FBI/IC3Criminals Use Generative AI to Facilitate Financial Fraud03.12.2024AI-enabled FraudLink ↗
S-021FBISenior U.S. Officials Impersonated in Malicious Messaging Campaign2025Impersonation/VoiceLink ↗
S-022FBI/IC32024 IC3 Annual Report2025BEC-SchädenLink ↗
S-023FinCENAlert on Fraud Schemes Involving Deepfake Media13.11.2024Deepfake-IdentitätenLink ↗
S-024FTCFTC Voice Cloning Challenge2023-2024Voice-Cloning-RisikenLink ↗
S-025FCCFCC Makes AI-Generated Voices in Robocalls Illegal08.02.2024Voice-Cloning/RobocallsLink ↗
S-026Polizeiliche KriminalpräventionCEO-Fraud07.08.2026CEO-FraudLink ↗
S-027IHK Reutlingen/JustizwarnungenDubiose Rechnungen - Handelsregister02.04.2024Fake-RechnungenLink ↗
S-028BundesnetzagenturManipulation von Rufnummern07.08.2026Caller-ID-SpoofingLink ↗
S-029BundesnetzagenturMaßnahmenliste Ärger mit Rufnummern03.06.2026Vollzug RufnummernmissbrauchLink ↗
S-030Europäische UnionVerordnung (EU) 2024/1689 - AI Act13.06.2024Art. 15, 50, 55Link ↗
S-031Europäische KommissionGuidelines on transparency obligations for AI systems20.07.2026Art. 50/DeepfakesLink ↗
S-032Europäische Kommission/AI OfficeCode of Practice on Transparency of AI-Generated Content10.06.2026Markierung/KennzeichnungLink ↗
S-033Europäische Kommission/AI BoardAssessment of Transparency Code08-09.07.2026Angemessenheit CodeLink ↗
S-034Europäische Kommission/AI OfficeGeneral-Purpose AI Code of Practice10.07.2025GPAI Safety/SecurityLink ↗
S-035Europäische KommissionGuidelines for GPAI providers18.07.2025GPAI-PflichtenLink ↗
S-036Europäische UnionRichtlinie (EU) 2022/2555 - NIS214.12.2022Security GovernanceLink ↗
S-037Europäische UnionVerordnung (EU) 2024/2847 - Cyber Resilience Act23.10.2024ProduktsicherheitLink ↗
S-038Europäische UnionDSGVO Art. 3227.04.2016Sicherheit personenbezogener DatenLink ↗
S-039Deutschland§ 263 StGB - Betrug07.08.2026BetrugLink ↗
S-040Deutschland§ 263a StGB - Computerbetrug07.08.2026ComputerbetrugLink ↗
S-041Deutschland§ 269 StGB - Fälschung beweiserheblicher Daten07.08.2026DatenfälschungLink ↗
S-042Deutschland§ 202a StGB - Ausspähen von Daten07.08.2026DatenzugangLink ↗
S-043Deutschland§ 303a StGB - Datenveränderung07.08.2026DatenmanipulationLink ↗
S-044DeutschlandGeschGehG § 407.08.2026GeschäftsgeheimnisseLink ↗
S-045C2PAC2PA and Content Credentials Explainer 2.22025Provenance/GrenzenLink ↗
S-046Debenedetti et al.AgentDojo19.06.2024Agent Security BenchmarkLink ↗
S-047Chao et al.JailbreakBench28.03.2024Jailbreak BenchmarkLink ↗
S-048Mazeika et al.HarmBench06.02.2024Red Team BenchmarkLink ↗
S-049Greshake et al.Not what you've signed up for23.02.2023indirekte Prompt InjectionLink ↗
S-050AnthropicConstitutional Classifiers03.02.2025Jailbreak-AbwehrLink ↗
S-051AnthropicNext-generation Constitutional Classifiers09.01.2026aktuelle Jailbreak-AbwehrLink ↗
S-052OpenAIImproving instruction hierarchy in frontier LLMs10.03.2026Prompt-Injection-RobustheitLink ↗
S-053AnthropicMany-shot jailbreaking02.04.2024Long-context JailbreakLink ↗

Schnell veraltende Informationen und Qualitätsbericht

ThemaStand 07.08.2026Warum schnell veraltendPrüfintervallQuellenPriorität
Prompt-Injection-Robustheitkeine absolute LösungModelle/Agenten ändern sich schnellquartalsweiseS-001, S-010, S-052sehr hoch
Jailbreak-Abwehrstarke Fortschritte, keine perfekte RobustheitAngriff/Abwehr ko-evolvierenquartalsweiseS-047, S-050, S-051sehr hoch
Agentic Securityeigene OWASP-Agentic-Risiken seit Ende 2025neue Tool-/Memory-ArchitekturenquartalsweiseS-003, S-046sehr hoch
AI-enabled FraudEuropol/INTERPOL 2026Täterökonomie und Tools ändern sichhalbjährlichS-017, S-019sehr hoch
Deepfake-Detektionbegrenzte GeneralisierungGeneratoren entwickeln sich schnellhalbjährlichS-007, S-012hoch
Art. 50 AI Actseit 02.08.2026 anwendbarerste Vollzugspraxis entstehtquartalsweiseS-030 bis S-033sehr hoch
GPAI Safety/SecurityCode/Guidelines 2025Enforcement und Modelle ändern sichhalbjährlichS-034, S-035hoch
Caller-ID-Spoofingaktuelle Maßnahmen 2026Täter wechseln InfrastrukturhalbjährlichS-018, S-028, S-029hoch
BEC-SchädenIC3-Daten 2024Jahresdaten und DunkelfeldjährlichS-022mittel
C2PA-AdoptionStandard 2.2Tool-/Plattformadoption dynamischhalbjährlichS-045hoch

Qualitätsbericht

  • Dokumentierte Quellen: 53 Kernquellen.
  • Primär-/offizielle Quellen: EU-Recht, deutsches Bundesrecht, NIST, BSI, NCSC, NSA, Europol, INTERPOL, FBI/IC3, FinCEN, Bundesnetzagentur und Polizeiliche Kriminalprävention.
  • Originalforschung: AgentDojo, JailbreakBench, HarmBench und die grundlegende Arbeit zu indirekter Prompt Injection.
  • Anbieterforschung: Anthropic und OpenAI nur zur Dokumentation eigener Abwehrforschung; nicht als neutrale Marktstatistik.
  • Zentrale methodische Regel: Gesamtverluste aus BEC, Investment Fraud oder Cybercrime werden nicht ohne Beleg als KI-verursacht ausgewiesen.
  • Zentrale Unsicherheit: Prävalenz und Erfolgsraten AI-gestützter Angriffe sind wegen Dunkelfeld, Modellwechseln und uneinheitlicher Klassifikation schwer stabil zu messen.
  • Größte Refresh-Risiken: Prompt Injection, Agenten, Deepfake-Erkennung, Art.-50-Vollzug und AI-enabled Fraud.

Schlussfolgerung für die Buchreihe

Die belastbare Storyline lautet nicht „KI macht Cybercrime möglich“. Viele Betrugs- und Angriffsmuster existieren seit Jahren. Neu sind Geschwindigkeit, Skalierung, Personalisierung, synthetische Glaubwürdigkeit und autonome Handlungsmöglichkeiten. Gleichzeitig schafft die LLM-Architektur mit Prompt Injection eine neue Klasse von Vertrauensproblemen.

Für Unternehmen ist die Konsequenz klar: Nicht versuchen, jede perfekte Fälschung am Aussehen zu erkennen. Prozesse so bauen, dass selbst eine perfekte Fälschung nicht genügt, um Geld, Daten oder Systemrechte zu bewegen.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.