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Drei Männer sollen mit KI-Stimmen Konzernchefs und Anwälte imitiert und rund 129 Millionen Dollar erbeutet haben

Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat eine Anklage gegen Jacob Soall, Sharon Hazan und Guy Sheetrit entsiegelt. Zur Zahl der betroffenen Firmen gehen die Quellen auseinander.

· Veröffentlicht: 07.11.2026 ·3 Min Lesezeit
Drei Männer sollen mit KI-Stimmen Konzernchefs und Anwälte imitiert und rund 129 Millionen Dollar erbeutet habenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Das SDNY und das FBI New York haben Anklage gegen Soall, Hazan und Sheetrit entsiegelt.
  • Soall und Hazan wurden im Juni bzw. August 2026 in Spanien festgenommen.
  • Sheetrit wurde am 7. September 2026 im Vereinigten Königreich festgenommen.
  • Die Täter imitierten per KI Stimme und zeitweise Bild des CEO in Anrufen.
  • Der Schaden wird mit rund bzw. über 129 Mio. USD angegeben.

Drei Männer wegen KI-Imitation von Konzernchefs und Anwälten angeklagt

Die US-Staatsanwaltschaft für den Southern District of New York (SDNY) und das FBI New York haben eine Anklage gegen Jacob Soall, Sharon Hazan und Guy Sheetrit entsiegelt. Die drei sollen zwischen Juli 2024 und Februar 2026 mit KI-Stimmen und teils KI-Bildern Konzernchefs und Anwälte großer Kanzleien imitiert haben. Nach Angaben der Ermittler beläuft sich der Schaden auf rund 129 Millionen US-Dollar. Die Einleitung der Mitteilung des Justizministeriums nennt dagegen „mehr als 100 Millionen“. Das Zitat von U.S. Attorney Jamie McDonald und die Medienberichte sprechen von etwa 129 Millionen. Vermutlich handelt es sich um einen Rundungs- oder Formulierungsunterschied. Die Rechengrundlage wird nicht erläutert.

Soall wurde am 17. Juni 2026 in Spanien festgenommen. Hazan folgte am 5. August 2026, ebenfalls in Spanien. Sheetrit wurde am 7. September 2026 im Vereinigten Königreich festgenommen. Die Auslieferungsanträge sind anhängig. Berichten zufolge lauten die Vorwürfe auf Wire Fraud, Aggravated Identity Theft, Verschwörung und Geldwäsche. UPI zählt sieben Anklagepunkte je Angeklagtem. Die vollständige Anklageschrift liegt hier nicht vor. Die Angaben stützen sich auf die Mitteilung und Berichte.

Hazan wurde 2008 vor einem New Yorker Gericht wegen Verschwörung zum Bankbetrug verurteilt. Das teilte die Staatsanwaltschaft nach Angaben von CBS/AP mit. Die Anwälte von Soall und Sheetrit reagierten zunächst nicht auf Anfragen. Ob Hazan anwaltlich vertreten ist, blieb unklar.

So lief der Betrug laut Anklage: erst der falsche Chef, dann die falschen Anwälte

Laut Anklage nahmen die Täter Mitarbeitende ins Visier, die große Überweisungen freigeben konnten, meist aus der Buchhaltung. Sie gaben vor, bei einer vertraulichen Finanztransaktion Hilfe zu brauchen, häufig bei einer Firmenübernahme. In Sprach- oder Videoanrufen ahmten sie per KI die Stimme nach und zeitweise auch das Bild des Vorstandschefs. So sollte die Transaktion glaubhaft wirken.

Auf der zweiten Stufe verwiesen die vermeintlichen Chefs auf Anwälte großer internationaler Kanzleien, die an dem Vorgang mitarbeiten sollten. Auch diese Anwälte waren laut Anklage KI-Imitationen. Schließlich wiesen sie die Überweisung auf ein Konto an, das die Gruppe kontrollierte. Das Geld ging an Bankkonten weltweit.

Zur Rollenverteilung gibt es nur eine Quelle. PCMag beruft sich auf die 15-seitige Anklage. Demnach trat Soall als britische Anwälte auf. Hazan und Sheetrit waren hauptsächlich für die Geldwäsche zuständig. Das Geld sei in Kryptowährung umgewandelt worden.

Das Justizministerium spricht in Überschrift und Mitteilung von „super intelligence“. Die Medien sprechen dagegen von KI, Voice-Cloning und Deepfakes. Ob der Begriff technisch etwas anderes meint, geht aus dem Material nicht hervor. Soall (41) wird in Marbella und Großbritannien verortet, Hazan (54) in Israel, Sheetrit (42) in Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Anklage nennt mehrere Aliasse, darunter „Rocky Balboa“ und „Superman Cash“.

Sechs benannte Opferfälle, doch die Zahl der betroffenen Firmen bleibt unklar

Genannt werden sechs Fälle: ein Krankenhaussystem in Missouri (mehr als 4,8 Millionen Dollar), eine Bank in Rhode Island, ein Krankenhaussystem in Kalifornien (mehr als 2,9 Millionen), ein britisches Fintech-Unternehmen (mehr als 11,5 Millionen), eine Fondsgesellschaft in Massachusetts (mehr als 4,6 Millionen) und ein Tierfutterhersteller in Florida (5,2 Millionen).

Bei der Bank weichen die Medien ab. Eine Quelle nennt mehr als 2,6 Millionen, eine andere knapp 2,7 Millionen. Der exakte Betrag aus der Anklage liegt nicht vor.

Offen ist zudem, wie viele Firmen betroffen waren. CBS/AP schreibt, die Angeklagten hätten „Tausende Unternehmen“ weltweit angesprochen. Andere Quellen sprechen davon, dass sie sich als mindestens sieben Führungskräfte ausgaben und mehrere Unternehmen täuschten. Die Ursache ist im Material unklar. Möglicherweise werden angesprochene Ziele und tatsächlich Geschädigte vermischt.

U.S. Attorney McDonald rief Einzelne und die Wirtschaft auf, sich gegen die „aufkommende Bedrohung“ zu schützen. Im Fokus stehen Finanz- und Buchhaltungsabteilungen. Ob die Methode technisch neu ist, lässt sich dem Material nicht entnehmen.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. nbcnews.com ↗

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