ChatGPT-Werbung: Klicks gibt es, Abschlüsse bisher kaum
Was drei Praxistests nach dem Pilot zeigen
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- ChatGPT Ads ist in der Beta; Self-Serve-Zugang folgt nach dem Pilot von Februar bis April.
- Ads Manager Beta unterstützt Kampagnenerstellung, Billing, Zugriffsverwaltung, Reporting, Conversion-Messung und CPC-Gebote.
- Anzeigen erscheinen unter ChatGPT-Antworten und bestehen aus Werbetreibendem, Favicon, Titel, Text, Landingpage und Bild.
- Nutzer mit Plus-, Pro- oder Business-Plänen sowie Konten unter 18 sehen laut OpenAI keine Anzeigen.
- Laut OpenAI wählt das System Anzeigen nach Gesprächskontext; Context Hints garantieren keine Auslieferung.
Klicks ja, Abschlüsse kaum: Was drei Praxistests nach dem Pilot zeigen
OpenAI hat Werbung in ChatGPT geöffnet, für Nutzer der Tarife Free und Go. Der Zugang läuft über Self-Serve im Ads Manager (Beta). Erste unabhängige Tests zeigen ein gemischtes Bild. Klicks kommen zustande. Abschlüsse bleiben weitgehend aus.
Die breiteste Datenbasis stammt von SE Ranking. Das Unternehmen testete im Juni in den USA, Kanada, Australien und Neuseeland, mit drei Kampagnen, acht Anzeigengruppen und 48 Anzeigen. Es zählte 97.131 Impressionen und 1.263 Klicks, die durchschnittliche Klickrate lag bei 1,30 Prozent. Beim Geschäftsergebnis sah es schlechter aus: fast keine Sign-ups. SE Ranking stoppte den Test, bevor das geplante Budget ausgeschöpft war.
AdLibrary berichtet aus einem zweiwöchigen Test von rund 5.000 Impressionen, rund 40 Klicks, 200 US-Dollar Ausgaben und null Conversions. Cleverly meldet bislang ebenfalls keine Conversions.
Die Einschränkung gehört dazu. Alle drei Tests sind klein und kurz. Veröffentlicht wurden sie von den Anbietern selbst; SE Ranking und AdLibrary sind selbst im SEO-Umfeld tätig und haben ein eigenes Interesse am Thema. Die Ergebnisse lassen sich nicht auf den Markt hochrechnen. Sie sind ein Warnsignal, kein Urteil über den Kanal.
Zur Zeitleiste: Die Werbung startete am 9. Februar 2026 in den USA. Den Self-Serve-Zugang datiert Cleverly auf den 5. Mai. Laut OpenAI-Hilfecenter ging dem eine Pilotphase von Februar bis April voraus.
57 Klicks bei OpenAI, unter 20 Besuche in Google Analytics: Wo die Messung hakt
Am deutlichsten zeigt Cleverly das Messproblem. Bei derselben UTM-getaggten Kampagne zählte OpenAI 57 Klicks. Google Analytics verzeichnete weniger als 20 Besuche. Warum, ist offen. Denkbar sind unterschiedliche Zähldefinitionen (Klick gegenüber Sitzung), Tracking-Verluste, abgebrochene Ladevorgänge oder ungültige Klicks. Belegt ist keine dieser Erklärungen. Das Material klärt die Ursache nicht.
Getrennt davon stellt sich die Frage, ob das Reporting sauber ist. AdLibrary bejaht das für den Platzierungsmechanismus. Hier lässt sich differenzieren: Anzeigeninterne Kennzahlen wie Impressionen und Klicks im Ads Manager scheinen zu funktionieren. Lückenhaft bleiben Conversion- und Inkrementalitätsmessung. Fachquellen beschrieben das Tooling im Frühjahr als spärlich. Die Attribution läuft über eigene Pixel der Werbetreibenden, nicht über eine native Zielgruppenbasis.
Seither hat sich die Lage verschoben. In einem Reddit-Walkthrough vom 21. Mai war das Ziel „Conversions“ noch mit „coming soon“ markiert. Laut OpenAI-Hilfecenter unterstützt der Ads Manager Beta inzwischen Conversion-Messung. Das Datum der Hilfeseite ist unbekannt. Wie weit die Funktion in den Tests schon verfügbar war, bleibt offen.
OpenAI räumt selbst ein, dass Delivery und Spend in der Beta schwanken können.
Gesprächskontext statt Keywords: Warum Context Hints keine Auslieferung garantieren
Das Targeting folgt einer anderen Logik als in der Suche. Nach Angaben von OpenAI wählt das System Anzeigen anhand des Gesprächskontexts und der Absicht. Berücksichtigt werden außerdem die Landingpage, Titel und Text sowie die vom Werbetreibenden angegebenen Context Hints. Ist die Personalisierung aktiv, fließen ausgewählte Signale aus der übrigen ChatGPT-Nutzung ein.
Für Werbetreibende heißt das: Context Hints beschreiben Themen und Gespräche, in denen ein Angebot passen könnte. Laut OpenAI sind sie keine Exact-Match-Keywords und garantieren keine Auslieferung. Nach Cleverly gibt es zudem kein PII-Targeting und kein Retargeting. Wer ein Suchkonto spiegelt, steuert also weniger, als die gewohnte Kampagnenstruktur vermuten lässt.
Den Stand im Mai dokumentiert ein Reddit-Walkthrough. Die Freischaltung dauerte rund 15 Tage. Die Context Hints waren ein Freitextfeld ohne Vorschläge. CTA-Auswahl, A/B-Tools und Frequency Cap fehlten. Wie viel davon inzwischen behoben ist, geht aus dem Material nicht hervor.
Hinter der Auswahl steht laut OpenAI ein eigens gebauter Ad-Stack. Ein nachtrainiertes Sprachmodell übernimmt Retrieval, Ranking, Relevanzprüfung und Auktion per Tool-Calls. Ob OpenAI auf die Kritik am Targeting reagiert hat, ist im vorliegenden Material nicht belegt.
Anzeigenlast und Relevanz: Zahlen mit unklarer Herkunft, Versprechen ohne Prüfung
Cryptobriefing nennt Kennzahlen zur Anzeigenlast. Demnach erschienen Anzeigen bei rund 25,94 Prozent der kommerziellen Prompts. Rund 14 Prozent der Anzeigen hätten kaum oder keinen Bezug zu Anfrage oder Gespräch. Die Klickraten lägen zwischen 0,5 und 2 Prozent, die Kosten pro Klick zwischen unter 3 und über 10 US-Dollar. Die Herkunft dieser Zahlen weist der Text nicht aus. Belastbar ist damit nur, dass Cryptobriefing sie so wiedergibt. Dass sie stimmen, ist damit nicht belegt.
Dem stehen Herstellerangaben gegenüber. OpenAI beschreibt Anzeigen als „relevante, hilfreiche“ Botschaften, die an den Zielen der Nutzer ausgerichtet seien. Die Anzeigenauswahl laufe in einem vom Antwortgenerator getrennten Dienst, damit Anzeigen die Antworten nicht beeinflussen. Beides ist bislang eine Behauptung des Anbieters. Prüfbar wäre es durch unabhängige Audits, die Antworten mit und ohne Anzeigen vergleichen. Prüfbar wäre es auch durch eine unabhängige Relevanzmessung, etwa des Anteils von Anzeigen ohne Gesprächsbezug.
Zur Reichweite: Anzeigen sehen Nutzer der Tarife Free und Go. Plus, Pro, Business und Konten unter 18 Jahren sehen laut OpenAI keine. SE Ranking nennt zusätzlich Enterprise und Edu als werbefrei.
Billiger als Google? Anonyme Erfolgsmeldungen gegen kleine, kurze Tests
Ob der Kanal wirtschaftlich trägt, ist umstritten. Einige Marketer berichten laut Cryptobriefing und AirOps von Akquisitionskosten unterhalb der Suche. Diese Berichte sind anonym oder nicht im Detail belegt.
Dem stehen Tests ohne oder fast ohne Conversions gegenüber. AirOps hält fest, dass OpenAI keine Benchmarks veröffentlicht. Die Performancedaten stammen aus Einzeltests und einem Panel. Gemeldete Klickraten lägen unter den Medianen der Google-Suche. Google Ads habe in beiden zitierten Tests mit demselben Werbetreibenden besser konvertiert. Die Preise seien von großen Pilotverpflichtungen auf Self-Serve-CPC mit kleinen Tagesbudgets gefallen.
Auch die Gegenseite hat Schwächen. AdLibrary räumt hastig gebaute Creatives ein. Branche, Budget und Zeitraum unterscheiden sich von Test zu Test. Ein „teurer als Google“ lässt sich daraus ebenso wenig ableiten wie ein „billiger“.
Ein weiterer Widerspruch betrifft die Märkte. Im Mai war das Targeting auf vier Länder beschränkt. SE Ranking schreibt, der Dienst sei inzwischen in 40 Märkten verfügbar, bespielte im Juni aber selbst nur die vier. Wahrscheinlich liegt ein zeitlicher Unterschied vor. Die Liste der 40 Märkte liegt nicht vor.
Kleines Budget, feste Grenze, eigene Attribution: Wie Werbetreibende jetzt testen
Wer im Self-Serve testet, trägt das Risiko von Streuverlusten und unsicherer Messung selbst. Aus den Belegen lassen sich dennoch praktische Konsequenzen ableiten.
Erstens: kleines Budget. Ein Mindestbudget gibt es nicht, ein enger Test mit einer Hypothese ist also möglich. Zweitens: die Entscheidungsgrenze vorab festlegen, etwa Laufzeit und maximale Kosten pro Conversion im Vergleich zur eigenen Google-Basis, bevor der erste Klick fällt. Drittens: Kampagnen mit UTM-Parametern taggen, über eigene Pixel attribuieren und die Zahlen des Ads Managers mit Google Analytics abgleichen. Der Cleverly-Fall zeigt, warum.
Viertens: Vorsicht bei Gebotsempfehlungen. AdLibrary verbrauchte sein Budget nach eigenen Angaben in etwa zwei Tagen. Wer Gebotsempfehlungen nicht ungeprüft übernimmt und ein kleines Tagesbudget ansetzt, begrenzt das Risiko. Ob der Ads Manager harte Obergrenzen erlaubt, geht aus dem Material nicht hervor.
OpenAI muss bei Relevanz, Reporting und Messbarkeit nachbessern. Dazu kommt der Nachweis, dass Antworten unbeeinflusst bleiben. Offen ist, wie die Diskrepanz zwischen Klick- und Besuchszahlen entsteht und wie belastbar die Conversion-Messung in der Praxis ist. Ebenso offen ist, ob größere, sorgfältiger angelegte Tests ein anderes Bild liefern.



