Censys zählt 1.465 offene ARTEX-Konsolen, dazu Docker-Images mit Root-Backdoor
Rund 815 Deployments wirken eigenständig, jeder zehnte Host betreibt weitere Angriffswerkzeuge. Das KI-Pentest-Framework war bereits im Oktober in realen Angriffen gemeldet worden.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Censys zählte am 4. November 2026 1.465 Hosts mit offener ARTEX-Konsole.
- ARTEX erschien am 26. Juli 2026 auf GitHub unter AGPL-3.0 als Autumn-27/ARTEX.
- 155 ARTEX-Hosts (10,6 %) betreiben mindestens eine weitere erkannte Bedrohung, etwa Cobalt Strike.
- CrowdStrike verknüpfte ARTEX mit einer Kampagne gegen südkoreanische Finanzinstitute zwischen spätem September und Anfang Oktober 2026.
- Check Point Research beobachtete fast vollständig autonome Angriffe über ARTEX-Operator-Konsolen.
Censys zählt 1.465 offene ARTEX-Konsolen, rund 815 davon eigenständig
Der Scan-Anbieter Censys hat am 4. November 2026 insgesamt 1.465 Hosts gefunden, auf denen die Konsole des KI-Pentest-Frameworks ARTEX offen erreichbar ist. Laut Berichten ist dafür kein Login nötig. Rund 650 dieser Hosts gehören zu zwei Hosting-Blöcken mit identischer Konfiguration. Nach deren Abzug bleiben rund 815 Deployments, die eigenständig wirken.
Censys hält die globale Gesamtzahl für wahrscheinlich höher. Nicht jede Konsole ist öffentlich erreichbar. Installationen hinter einer Zugangsbeschränkung erscheinen in einem Internet-Scan daher nicht.
Check Point Research hat dagegen mehr als 1.800 öffentlich erreichbare ARTEX-Instanzen beobachtet. Warum die Zahlen auseinanderliegen, lässt sich dem vorliegenden Material nicht entnehmen. Methodik, Zeitraum und Zählweise beider Messungen sind offen.
Jeder zehnte ARTEX-Host betreibt weitere Angriffswerkzeuge
155 der Hosts, also 10,6 Prozent, betreiben nach Censys mindestens eine weitere erkannte Bedrohung. Dazu zählen andere KI-Angriffsframeworks, Recon-Plattformen, Tunneling-Tools sowie C2-Systeme wie Vshell, Cobalt Strike und Adaptix C2.
Auf dem im CrowdStrike-Report genannten ARTEX-Server sah Censys ab dem 18. August 2026 offene Verzeichnisse. Sie enthielten Exploit-Binaries und einen .claude-Ordner, sieben Wochen vor Veröffentlichung des Reports. Der Fehler ist laut Censys verbreitet. Aktuell laufen 32 offene Verzeichnisse auf anderen ARTEX-Hosts, die Post-Exploitation-Kits, Stager und Implantate zeigen.
Docker-Images mit Root-Backdoor: 62 Konsolen betroffen
Der unabhängige Forscher BadByte hat am 4. November 2026 das Docker-Hub-Image tomicdd/artex analysiert. Der Login-Code enthält demnach eine versteckte Routine. Sie führt vor jeder Passwortprüfung Betriebssystembefehle als root aus und gibt die Ausgabe zurück. Das Image congdonglinux/artex hat identische Digests und ist ebenso betroffen. Nach Angaben von pwn.watch laufen 62 aus dem Internet erreichbare Konsolen mit dem Backdoor-Build.
Zum Hintergrund: Am 8. Oktober kündigte der ARTEX-Autor an, das Projekt werde Closed Source, und zog das GitHub-Repository zurück. Danach tauchten ein neuer Docker-Hub-Account und ein Quellcode-Fork auf. Dessen Compose-Datei verweist auf das manipulierte Image. Laut BadByte sammelte der Fork etwa 2.400 Sterne und mehr als 600 Forks.
Wer das Image gezogen hat, muss die Konsole samt Secrets und Kundenbefunden als kompromittiert behandeln. Die Kontrolle über den Server gilt als verloren.
Einsatz in Angriffen ist seit Oktober berichtet, die Zuordnung bleibt uneinheitlich
Der Einsatz von ARTEX in Angriffen ist nicht neu. CrowdStrike verknüpfte das Framework mit einer Kampagne gegen südkoreanische Finanzinstitute. Mit mittlerer Sicherheit vermutet der Konzern einen chinesischsprachigen, finanziell motivierten Akteur. Microsoft brachte das Framework mit Storm-0940 und der Kompromittierung von ConnectWise-Kunden-Tenants in Verbindung. Die indische Behörde CERT-In meldet eine laufende Kampagne namens Crafty Falcon gegen Banken, Finanzdienstleister, Versicherungen und Krypto-Börsen. ARTEX gehört dort zu den eingesetzten Tools.
Die Zuordnung wird unterschiedlich wiedergegeben. TechCrunch, zitiert über startupfortune, nennt den Angreifer im Fall Südkorea nicht zugeordnet und beziffert die Betroffenen auf rund 68.000 Personen. Die Projektbetreiber verweisen auf autorisierte Nutzung und Verteidigungszwecke. Das ist eine Selbstdarstellung.
Für Verteidiger ergibt sich daraus Handlungsbedarf. Eigene ARTEX-Instanzen gehören nicht offen ins Netz. Gezogene Images sind gegen die genannten Namen zu prüfen, und ARTEX-Aktivität lässt sich erkennen. Dafür gibt es Community-Tools zur Erkennung und Log-Analyse.



