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Broadcom übertrifft Erwartungen deutlich – Aktie fällt trotzdem um 11 Prozent

Umsatz fast verdoppelt, Halbleitersparte übertrifft Schätzungen – Anleger fliehen aus KI-Handel, Mizuho erhöht Kursziel auf 450 US-Dollar

· Veröffentlicht: 05.09.2026 ·4 Min Lesezeit
Broadcom übertrifft Erwartungen deutlich – Aktie fällt trotzdem um 11 ProzentMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Broadcom meldete im dritten Quartal einen bereinigten Gewinn von 3,32 USD je Aktie bei einem Umsatz von 29,59 Mrd. USD; der Umsatz stieg im Jahresvergleich um 86 % von 15,95 Mrd. USD.
  • Der Nettogewinn stieg auf 13,09 Mrd. USD, nach 4,14 Mrd. USD im Vorjahreszeitraum.
  • Die Halbleitersparte erzielte 16,7 Mrd. USD Umsatz (Vorjahr verdreifacht) und übertraf die Analystenschätzung von 15,2 Mrd. USD; die Infrastruktursparte erzielte 8,75 Mrd. USD und lag knapp unter der Konsensschätzung von 8,82 Mrd. USD.
  • Die Aktie geriet nach der Veröffentlichung unter Druck und fiel am Freitag um 11 %, der schlechteste Tag seit Januar.
  • Broadcom und OpenAI haben eine offizielle Partnerschaft zum gemeinsamen Bau und Einsatz von 10 Gigawatt kundenspezifischer KI-Beschleuniger bekannt gegeben; die Rack-Bereitstellung soll Ende nächsten Jahres beginnen.
  • Die Broadcom-Aktie stieg nach der Bekanntgabe der OpenAI-Partnerschaft um 9,88 %.

Quartalszahlen übertreffen Erwartungen – Umsatz fast verdoppelt

Broadcom hat im dritten Quartal die Erwartungen der Analysten deutlich übertroffen. Der bereinigte Gewinn lag bei 3,32 US-Dollar je Aktie, der Umsatz bei 29,59 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 86 Prozent im Jahresvergleich, nach 15,95 Milliarden US-Dollar im Vorjahreszeitraum. Der Nettogewinn stieg auf 13,09 Milliarden US-Dollar, nach 4,14 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor.

Die Halbleitersparte erzielte 16,7 Milliarden US-Dollar Umsatz und übertraf damit die Analystenschätzung von 15,2 Milliarden US-Dollar. Die Infrastruktursparte erzielte 8,75 Milliarden US-Dollar und lag damit knapp unter der Konsensschätzung von 8,82 Milliarden US-Dollar.

Aktie fällt trotz Zahlen-Beat – schlechtester Tag seit Januar

Der Kursrutsch am Freitag um 11 Prozent – der schlechteste Tag seit Januar – war weniger eine Reaktion auf Broadcoms Zahlen als vielmehr eine Flucht aus dem gesamten KI-Handel. Die Aktie war im Jahresverlauf bereits um 75 bis 80 Prozent gestiegen, und Anleger nutzten die Gelegenheit für Gewinnmitnahmen. Zusätzlich belastete die negative Stimmung im KI-Sektor, nachdem Oracle am Vortag nach seinen Quartalszahlen um 10 Prozent eingebrochen war. Auch Nvidia und AMD verloren rund 3 bzw. 5 Prozent. Da KI in diesem Jahr der zentrale Treiber für Aktienmarkt und Wirtschaft war, hat jede negative Stimmung weitreichende Folgen – der Nasdaq fiel am Freitag um etwa 1,69 Prozent, der S&P 500 um 1 Prozent. Besonders hart traf es Unternehmen, die eng mit der KI-Infrastruktur verbunden sind.

Mizuho-Analyst Vijay Rakesh erhöhte das Kursziel auf 450 US-Dollar von zuvor 435 US-Dollar. Die Aktie schloss am Freitag knapp unter 360 US-Dollar. Rakesh bezeichnete den Rückgang als Kaufgelegenheit: „Diese Aktie ist im Jahresverlauf um 75 bis 80 Prozent gestiegen. Man sieht einen kleinen Rückgang. Wir wären bei diesem Rückgang Käufer.“

Die Aktienperformance zeigt die langfristige Dynamik: Im Jahr 2026 ist die Aktie bisher um 10 Prozent gestiegen, seit Ende 2022 hat sie sich fast versiebenfacht. Der Kursrutsch verdeutlicht jedoch, wie empfindlich der Markt auf jede negative Stimmung im KI-Sektor reagiert.

OpenAI-Deal über 10 Gigawatt kundenspezifische KI-Chips

Broadcom und OpenAI haben ihre Partnerschaft offiziell gemacht. Die beiden Unternehmen gaben bekannt, gemeinsam 10 Gigawatt kundenspezifischer KI-Beschleuniger zu bauen und einzusetzen. Die Rack-Bereitstellung soll Ende nächsten Jahres beginnen. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Die Aktie stieg nach der Bekanntgabe um 9,88 Prozent. Die Unternehmen arbeiten bereits seit 18 Monaten zusammen, gehen nun aber mit den Plänen an die Öffentlichkeit. Die Systeme umfassen Netzwerk, Speicher und Rechenleistung – alles zugeschnitten auf OpenAIs Workloads und aufgebaut auf Broadcoms Ethernet-Stack.

OpenAI hat in den vergangenen Wochen massive Deals mit Nvidia, Oracle und AMD angekündigt, um den Kapital- und Rechenbedarf für seine KI-Ausbaupläne zu sichern. Durch das Design eigener Chips kann OpenAI die Rechenkosten senken und seine Infrastrukturausgaben strecken.

Mehrjährige Custom-Chip-Vereinbarungen mit Google und Meta

Broadcom hat mehrjährige Vereinbarungen mit OpenAI, Google und Meta über Custom-AI-Chips abgeschlossen. Die Google-Vereinbarung umfasst die Entwicklung und Lieferung von Tensor Processing Units (TPUs) und Netzwerkkomponenten und läuft bis 2031. Die Meta-Kooperation betrifft das MTIA-Programm (Meta Training and Inference Accelerator) und umfasst zunächst über 1 Gigawatt kundenspezifisches Silizium.

Die kombinierten Partnerschaften positionieren Broadcom als kritische Alternative zu Nvidia im Markt für kundenspezifisches Silizium, weil sie langfristige, großvolumige Vereinbarungen mit den wichtigsten KI-Unternehmen umfassen. Diese Deals zeigen, dass große KI-Unternehmen zunehmend auf eigene, maßgeschneiderte Chips setzen, um Kosten zu senken und die Abhängigkeit von Standard-GPUs zu verringern. Broadcom ist dabei der zentrale Partner.

Broadcom-CEO Hock Tan bezeichnete die Nachfrage der sechs Kunden als „einfach unersättlich“ („simply insatiable“). „Es ist einfach viel mehr, als wir bedienen können“, sagte er, „und das gilt nicht nur für '26, nicht '27 – wir sehen dieselbe und sogar erhöhte Nachfrage auch in '28.“

Widersprüchliche Prognose-Berichte – Wall Street uneins

Zur Prognose für das laufende Quartal gibt es widersprüchliche Berichte. SiliconAngle meldet, die Prognose blieb hinter den Erwartungen der Wall Street zurück. CNBC hingegen berichtet, Quartalsergebnisse und Prognose hätten die Wall-Street-Schätzungen übertroffen.

Mögliche Ursachen für den Widerspruch sind unterschiedliche Kennzahlen: SiliconAngle bezieht sich möglicherweise auf die Umsatzprognose, während CNBC die bereinigten Gewinne oder andere Kennzahlen betrachtet. Auch der Zeitpunkt der Berichterstattung kann eine Rolle spielen, da sich die Analystenschätzungen im Laufe der Zeit ändern können. Die widersprüchliche Berichterstattung spiegelt die Unsicherheit im KI-Sektor wider und belastet die Stimmung zusätzlich.

KI war in diesem Jahr der Treiber für den Aktienmarkt und die breitere Wirtschaft, sodass jede negative Stimmung potenziell weitreichende Folgen hat. Die am stärksten betroffenen Unternehmen sind diejenigen, die am engsten mit der KI-Infrastruktur verbunden sind – ein Bereich, der boomt, während Hyperscaler ihre Rechenzentren ausbauen, um die ihrer Aussage nach unersättliche Nachfrage nach rechenintensiven KI-Diensten zu bedienen.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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