MIT-Ökonom Eric So warnt in neuem Buch vor kognitiver Verkümmerung durch KI
„The Collision: What AI Does to Us“ bündelt vorhandene Forschung, eine neue Primärstudie liefert es laut den Quellen nicht
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Eric So ist Sloan Distinguished Professor an der MIT Sloan School of Management.
- So leitet die IDE-Forschungsgruppe "AI in Financial Markets and Decision-Making".
- Sein Buch "The Collision: What AI Does to Us" erscheint bei W. W. Norton.
- Laut Buch verändert KI Gedächtnis, Urteilsvermögen, Lernen und Aufmerksamkeit.
- So nennt die Tendenz zur Abgabe kognitiver Leistungen "AI gravity".
Warnung vor kognitiver Verkümmerung
Eric So, Professor an der MIT Sloan School of Management, hat ein Buch über die Folgen intensiver KI-Nutzung für das Denken vorgelegt: „The Collision: What AI Does to Us“. Der Verlag ist W. W. Norton. Die Pressemitteilung von MIT Sloan datiert vom 6. Oktober 2026. MIT News schreibt, das Buch erscheine in diesem Monat.
Sos Kernthese lautet: Wer KI stark nutzt, riskiert kognitive Verkümmerung. Wesentliche Denkfähigkeiten werden dann nicht ausgebildet oder gehen verloren. Lernen gelinge besser, wenn man sich mit dem Stoff abmüht, Anfangsfehler macht und iteriert.
So ist Sloan Distinguished Professor of Global Economics and Behavioral Science und Finanzökonom. Er leitet den MIT Sloan Generative AI Hub for Teaching and Learning sowie die neue IDE-Forschungsgruppe „AI in Financial Markets and Decision-Making“. Dort will er Finanzmärkte als Labor nutzen, um zu untersuchen, wie KI menschliches Verhalten verändert.
„AI gravity“: Energiesparen, sozialer Druck, Bewertungsanreize
Nach So verändert KI Gedächtnis, Urteilsvermögen, Lernen und Aufmerksamkeit. Auch die Bereitschaft, sich durch schwierige Probleme zu kämpfen, leidet. Die Neigung, dieses Denken abzugeben, nennt er „AI gravity“. Sie wirke besonders stark, weil die Abgabe oft wie Produktivität aussehe.
Das Buch führt drei Triebkräfte an: den biologischen Instinkt zum Energiesparen, sozialen Druck, weil Gleichaltrige und Organisationen KI einsetzen, und institutionelle Anreize, etwa wenn KI-Kompetenz in Leistungsbewertungen einfließt. Das Gehirn sei darauf ausgelegt, Energie zu sparen. Sofortigen Antworten sei deshalb kaum zu widerstehen.
Dafür greift So ein Bild von Steve Jobs auf. Der nannte den frühen PC ein „bicycle for the mind“. KI sei dagegen ein „motorcycle for the mind“: schnell, aber gefährlich, wenn Nutzer nicht wachsam bleiben. So unterscheidet zwei Gruppen. Die einen nutzen KI, um besser zu denken. Die anderen setzen sie an die Stelle des Denkens. Ohne Gegenmaßnahmen drohe der zweiten Gruppe ein hoher Preis.
Bestehende Studien gebündelt, keine neue Primärstudie
Das Buch stützt sich auf Forschung von So und anderen aus Wissenschaft und Industrie. Genannt wird unter anderem eine Anthropic-Studie. Demnach waren rund die Hälfte der Anfragen von College-Studierenden Low-Effort-Anfragen nach einfachen Antworten.
Zur Forschung im Feld gehört auch „Your Brain on ChatGPT“ vom MIT Media Lab. 54 Teilnehmende wurden drei Gruppen zugeteilt (LLM, Suchmaschine, nur Gehirn) und per EEG untersucht. 18 von ihnen absolvierten die vierte Sitzung mit Gruppenwechsel. Die Studie erschien vor einem Peer Review. Eine Untersuchung von Microsoft Research und Carnegie Mellon befragte 319 Wissensarbeitende zu 936 realen KI-Einsätzen. Mehr Vertrauen in die KI ging mit weniger kritischem Denken einher.
Die Pressemitteilung beschreibt das Buch als fundiert in Kognitionswissenschaft, Verhaltensökonomie und Neurowissenschaft. MIT News nennt es eine der bislang umfassendsten Synthesen. Das ist Selbstdarstellung von MIT Sloan und bislang nicht unabhängig geprüft. Laut den vorliegenden Quellen enthält das Buch keine eigene neue Primärstudie. Rezensionen oder Gegenstimmen liegen bislang nicht vor. Unser Archivartikel „MIT-Ökonom Eric So warnt vor kognitiver Verkümmerung durch KI – die Belege sind bislang dünn“ hatte die Beleglage für Sos These bereits als dünn eingestuft.



