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METR schätzt Beschleunigung bei Anthropic auf 1,9-fach – Großteil der Belege geschwärzt

Nach elf Wochen Datenzugang schätzt die Organisation das Tempo bei klar definierten Aufgaben auf fast das Doppelte. Bei der Frühwarnschwelle vom 15. Juli widerspricht sie Anthropic.

· Veröffentlicht: 06.11.2026 ·2 Min Lesezeit
METR schätzt Beschleunigung bei Anthropic auf 1,9-fach – Großteil der Belege geschwärztMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • METR erhielt vom 12. August bis 29. Oktober 2026 Zugang zu internen Anthropic-Daten.
  • Ein Team von 2,5 Vollzeitkräften sichtete interne Daten und führte rund 15 Interviews.
  • METR schätzt Beschleunigung um 1,9x seit Oktober 2025, 95-%-Intervall 1,5–2,8x.
  • Etwa 80 % der Beschleunigung stammen laut Schätzung aus KI-Einsatz in Anthropics Forschung.
  • Veröffentlicht am 5. November 2026 im Rahmen einer High-Access-Bewertung bei Anthropic.

METR beziffert die Beschleunigung auf 1,9-fach – mit breiter Unsicherheit

Die gemeinnützige Organisation METR hat am 5. November 2026 eine Bewertung der KI-Beschleunigung in der KI-Forschung bei Anthropic veröffentlicht. Demnach hat Anthropic seit Oktober 2025 seine Modelle bei klar definierten Aufgaben 1,9-mal so schnell verbessert wie im Vergleichszeitraum von März 2024 bis Oktober 2025. METR gibt ein 95-Prozent-Intervall von 1,5 bis 2,8 an. Die Gesamtunsicherheit beziffert die Organisation auf etwa 1,3 bis 3. Gemessen wurde mit dem AECI, Anthropics Version des Epoch Capabilities Index. Die Aussage gilt ausdrücklich nur für klar definierte Aufgaben, nicht für Fähigkeiten im Allgemeinen.

Rund 80 Prozent der Beschleunigung führt METR auf den Einsatz von KI in der eigenen Forschung zurück, nicht auf mehr Rechenleistung. Laut METR-Darstellung handelt es sich dabei um eine Schätzung („guess“), nicht um eine direkt gemessene Größe.

Grundlage ist ein Zugang vom 12. August bis 29. Oktober 2026. In dieser Zeit arbeiteten 2,5 Vollzeitkräfte auf Anthropic-Geräten, werteten interne Daten aus und führten rund 15 Interviews mit Forschenden. METR erhielt nach eigenen Angaben kein Geld von Anthropic, wohl aber kostenlosen Modellzugang. Den Zugang nennt METR selbst „beispiellos“. Das ist eine Selbsteinschätzung der prüfenden Organisation.

Anthropic ließ die aussagekräftigsten Belege schwärzen

Anthropic hatte bei der Veröffentlichung Schwärzungsrechte und nutzte sie umfassend. Laut METR wurde der Großteil der Belege geschwärzt, die für die Schlussfolgerungen am aufschlussreichsten waren. Als Grund nennt Anthropic das Entfernen vertraulicher Informationen, die andere KI-Entwickler beschleunigen könnten.

Auch die Daten selbst bereiten Probleme. Viele der gesehenen Belege lassen mehrere Deutungen zu. Sowohl METR als auch Anthropic-Forschende sind unsicher, wie sich das Material zu einem Gesamtbild fügt. METR räumt deshalb ein, dass der Bericht keine „Transparenz über die Belege“ herstellt. Die höchsten Risikoschlussfolgerungen durfte METR frei veröffentlichen. Wichtige Schwärzungen beschreibt die Organisation in einer Tabelle und im Text.

Es gibt bereits eine Zusammenarbeit zwischen beiden Seiten, etwa beim Evaluationsbericht zu Claude Opus 5.5 vom 22. September 2026. Für die Öffentlichkeit bedeutet das: Sie kann die Belege kaum selbst prüfen und muss sich weitgehend auf das Urteil von METR verlassen.

Streit um die Frühwarnschwelle vom 15. Juli

Anthropics Responsible Scaling Policy nennt als Warnindikator eine Verdopplung des Fortschrittstempos durch automatisierte KI-Forschung. Der Risikobericht vom August 2026 hält fest, dass die Frühwarnschwellen zum 15. Juli nicht überschritten waren. METR hält es dagegen für plausibel, dass die internen Modelle die Schwelle damals bereits überschritten hatten. Festgestellt hat die Organisation das nicht. Anthropics Aussage beruhe auf „anfechtbaren Ermessensentscheidungen“, die der öffentliche Bericht nicht klar kommuniziere.

Einig sind sich beide Seiten darin, dass das akute Katastrophenrisiko Mitte Juli gering war.

Ein zweites, „relativ leichtgewichtiges“ METR-Review stützte sich allein auf den Risikobericht, an dem Anthropic keine Schwärzungen vornahm. Es stuft das Katastrophenrisiko durch Fehlausrichtung als gering ein, vor allem wegen begrenzter Modellfähigkeiten und nicht wegen Schutzmaßnahmen. Ob die Methodik des Berichts ein höheres Risiko zuverlässig erkennen würde, ist für METR nicht sicher.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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