Mathematiker Calegari will Berufungen über Gespräche statt über Paper-Akten steuern
In einem Gastbeitrag auf Terence Taos Blog begründet der Mathematiker seinen Vorschlag damit, dass KI einfache Forschungsergebnisse leicht herstellbar macht. Ob Institutionen ihre Kriterien ändern, ist offen.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Calegari veröffentlichte einen Gastbeitrag auf Terence Taos Blog, laut Beleg am 1. November.
- Ausgangspunkt ist die Veröffentlichung von mehr als 700 Forschungsarbeiten durch OpenAI am 6. Oktober.
- Calegari nennt diese Veröffentlichung einen Wendepunkt („watershed“) in der Geschichte der Mathematik.
- Calegari kritisiert die OpenAI-Arbeiten als schlecht geschrieben, attributionsfehlerhaft und teils falsch.
- Calegari warnt davor, KI-Ergebnisse als „Lösung“ ganzer Gebiete wie der Zahlentheorie zu lesen.
Calegari: 30 Minuten Gespräch statt Paper-Dossier
Frank Calegari von der University of Chicago will Berufungen in der Mathematik stärker über persönliche Begegnungen steuern als über die Papierakte. In einem Gastbeitrag auf Terence Taos Blog schreibt er: „The hiring process is going to have to be much more about personal interactions than a paper file.“ Der Grund liegt in der KI. Sie macht einfache Forschungsergebnisse leicht herstellbar. Calegari befürchtet, dass Einstiegsstellen an Studierende gehen, die vor allem KI-generierte Beweise vorlegen.
Gesucht werde, so Calegari, „a narrative of where you want mathematics to go“, dazu die technische Fähigkeit zu erklären, warum das möglich sein könnte. Ein 30-minütiges Gespräch könne KI-Vielschreiber von Bewerbenden mit klarer Vision unterscheiden. Scharf kritisiert er „Lazy committees“, die nach einem einzelnen Paper einstellen. Ein solches Paper könne heute von einer KI stammen. Folgerichtig fordert er, Doktorandinnen und Doktoranden besser darin auszubilden, Mathematik zu kommunizieren.
Business Insider und hyper.ai setzen den Essay in Beziehung zu Steven Strogatz von der Cornell University. Strogatz beschreibt Charisma und Erklärfähigkeit als zunehmend wertvoll.
Auslöser: mehr als 700 OpenAI-Arbeiten
Auslöser ist die Veröffentlichung von mehr als 700 Forschungsarbeiten durch OpenAI am 6. Oktober. Calegari nennt sie einen Wendepunkt („watershed“) in der Geschichte der Mathematik. KI sei nun unbestreitbar in der Lage, bedeutende Beiträge zu liefern. Zugleich wirft er den Arbeiten vor, sie seien „atrociously written“, verletzten Zuschreibungskonventionen, und einige seien sogar falsch.
Dass er bei Einstellung, Publikation und Ausbildung ansetzt, begründet Calegari mit dem Einfluss. Die Mathematik habe darüber weit mehr Kontrolle als über das Verhalten von Konzernen, die er als Billionen-Dollar-Firmen beschreibt. Dort sei die Energie besser aufgehoben.
Er warnt außerdem davor, KI „löse“ ganze Gebiete wie die Zahlentheorie oder das Langlands-Programm. Selbst wenn alle Probleme des Langlands-Programms gelöst wären, wäre das so naiv, als hätte der Bau des Periodensystems die Chemie gelöst. Der Essay mit dem Titel „Why we should not be sad“ ist insgesamt ein Aufruf zu Gelassenheit und praktischen Reformen.
Ein Vorschlag von sechs: Was belegt ist und was offen bleibt
Das Thema Einstellung ist nur einer von sechs Vorschlägen Calegaris. Der erste lautet, jede Arbeit so zu bewerten, als sei KI beteiligt gewesen („Evaluate all work as if it is AI-assisted“). Bei Begutachtungen sollen Autorinnen und Autoren erklären, welche mathematischen Beiträge von ihnen stammen. Die übrigen fünf liegen im vorliegenden Material nicht vollständig vor. Ob Institutionen ihre Kriterien tatsächlich ändern, ist nicht belegt. Bislang handelt es sich um einen Vorschlag.
Offen ist auch der Titel des Beitrags. Ein Beleg nennt „Why we should not be sad“, cocoloop dagegen „Mathematics has changed. Let's act like it“. Mit dem vorliegenden Auszug lässt sich das nicht klären. Zur Lage der KI-Beweise schreibt hayadan.com, die wichtigsten Erdős-Ergebnisse seien noch nicht in Fachzeitschriften begutachtet.



