Cooley startet GO Public: KI-Agenten für das S-1-Drafting
Die US-Kanzlei Cooley führt ein KI-gestütztes Tool für beschleunigtes S-1-Drafting ein – mit Sicherheitsversprechen und offenen Fragen zum Anwaltsgeheimnis.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Cooley hat das KI-gestützte Angebot GO Public eingeführt, das auf ChatGPT Enterprise basiert und von Cooleys Kapitalmarktanwälten und Legal Engineers entwickelt wurde.
- GO Public wurde in Zusammenarbeit mit OpenAI als Designpartner entwickelt.
- GO Public zielt darauf ab, den Form S-1-Entwurfsprozess durch ein System zweckgebauter KI-Agenten zu beschleunigen, die Kundeninformationen und agentengestützte Recherche mit Cooleys Know-how kombinieren.
- Cooley hat im Jahr 2025 bei 180 Deals weltweit mit einem Volumen von über 51,5 Milliarden US-Dollar beraten.
- Cooley hat eine jahrzehntelange Führungsposition im US-amerikanischen Markt für Emittenten-IPOs und hat in den letzten über 20 Jahren mehr venture-backed IPOs begleitet als jede andere Kanzlei.
- GO Public nutzt einen agentischen Harness, der Informationen analysiert, sodass Anwälte die Arbeit prüfen und validieren können.
Cooley startet GO Public für beschleunigtes S-1-Drafting
Die US-Kanzlei Cooley hat mit GO Public ein eigenes KI-gestütztes Angebot für die Vorbereitung von Börsengängen eingeführt. Das Tool basiert auf ChatGPT Enterprise und wurde [Herstelleraussage] nach Angaben der Kanzlei in Zusammenarbeit mit OpenAI als Designpartner entwickelt. Ziel ist es, den Entwurfsprozess für das Form S-1 – das zentrale Registrierungsdokument bei einem US-IPO – durch ein System zweckgebauter KI-Agenten zu beschleunigen. Entwickelt wurde GO Public von Cooleys Kapitalmarktanwälten und Legal Engineers. Die Kanzlei bewirbt das Produkt auf ihrer Website [Herstelleraussage] als Möglichkeit, das Drafting und die Prüfung zu beschleunigen, die Sorgfalt zu erhöhen und Probleme im IPO-Prozess früher zu erkennen. Rachel Proffitt, Partnerin und CEO von Cooley, bezeichnet GO Public [Herstelleraussage] als „großen Fortschritt in der juristischen Dienstleistungserbringung“, der Kunden mehr Geschwindigkeit, Sicherheit und Einblick bieten soll.
Der Zeitpunkt der Einführung ist kein Zufall. Kapitalmarkttransaktionen sind extrem informationsintensiv: [Herstelleraussage] „Bei einem IPO gibt es Tausende Dinge, die ständig erledigt werden müssen“, erklärt David Wang, Chief Innovation Officer bei Cooley. Die Menge an zu synthetisierenden und analysierenden Informationen – von Unternehmensdaten über Finanzkennzahlen bis zu regulatorischen Anforderungen – überfordert herkömmliche manuelle Prozesse zunehmend. Gleichzeitig ist generative KI inzwischen so weit ausgereift, dass sie große Textmengen strukturieren und erste Entwürfe liefern kann. Cooley erkennt diesen Marktbedarf und adressiert ihn mit einem Produkt, das genau auf den IPO-Workflow zugeschnitten ist. Dave Peinsipp, Partner und Co-Leiter der globalen Kapitalmarktgruppe, betont [Herstelleraussage]: „Ein Börsengang ist einer der folgenreichsten Momente im Leben eines Unternehmens und kann enorme Aufmerksamkeit des Managements binden.“ GO Public helfe, die intensive Vorbereitung schneller zu durchlaufen, damit Anwälte und Managementteams mehr Zeit für strategische Entscheidungen hätten.
Cooley positioniert GO Public als Modell, das auf andere Praxisbereiche ausgeweitet werden soll. In der Pressemitteilung zur Einführung erklärt CEO Rachel Proffitt [Herstelleraussage]: „Wir freuen uns darauf, dieses Modell auf unsere Praxisbereiche auszuweiten, während wir weiterentwickeln, wie KI-gestützte juristische Dienstleistungen aussehen können.“ Diese Ankündigung belegt, dass GO Public als Vorreiter für weitere KI-Produkte in anderen Praxisgruppen der Kanzlei dienen soll. Das Produkt gilt damit als Blaupause für die Integration generativer KI in die juristische Arbeit – nicht als isolierte Einzellösung, sondern als erster Baustein einer umfassenderen Technologiestrategie.
Agenten-Harness kombiniert Mandantendaten mit Kanzlei-Know-how
Technisch setzt GO Public auf einen sogenannten agentischen Harness. Dieser verbindet [Herstelleraussage] nach Angaben von Cooley Kundeninformationen und agentengestützte Recherche mit dem juristischen Know-how, dem Urteilsvermögen und der Markterfahrung der Kanzlei. Die Funktionsweise lässt sich anhand der verfügbaren Informationen genauer beschreiben: Der Harness startet nicht mit einem generischen Präzedenzfall, sondern mit den spezifischen Daten des Mandanten. Dazu gehören Unternehmensinformationen, Finanzkennzahlen, Geschäftsmodellbeschreibungen und andere für den S-1 relevante Angaben. Parallel führen die KI-Agenten eine tiefgehende Recherche durch – etwa zu regulatorischen Anforderungen, Branchenstandards und vergleichbaren Transaktionen. Diese beiden Stränge werden mit Cooleys internem Know-how zusammengeführt: den über Jahrzehnte aufgebauten Erfahrungen aus hunderten von IPOs, den bewährten Formulierungen, den typischen Fallstricken und den strategischen Überlegungen, die in die Struktur eines Börsengangs einfließen.
Der agentische Harness analysiert diese Informationen und generiert daraus einen maßgeschneiderten Ausgangspunkt für den S-1-Entwurf. Das Ergebnis ist kein fertiges Dokument, das ohne menschliche Kontrolle verwendet werden könnte. Vielmehr liefert die KI eine strukturierte Grundlage, die Anwälte prüfen, validieren und anpassen. David Wang beschreibt [Herstelleraussage] den Kapitalmarktprozess als extrem arbeitsintensiv; der Harness soll diese Arbeit strukturieren und beschleunigen, indem er Informationen synthetisiert und Entwürfe generiert. Entscheidend ist, dass die KI nicht die juristische Beurteilung ersetzt, sondern eine Vorarbeit leistet, auf der Anwälte aufbauen. Dave Peinsipp betont [Herstelleraussage], dass GO Public helfe, die intensive Vorbereitung schneller zu durchlaufen, damit Anwälte und Managementteams mehr Zeit für strategische Fragen hätten. Die Kombination aus Automatisierung und menschlicher Kontrolle ist ein zentrales Merkmal des Produkts – und unterscheidet es von einem reinen Chatbot, der ohne Einbindung von Kanzlei-Know-how arbeitet.
Cooleys IPO-Bilanz: 180 Deals und 51,5 Milliarden Dollar 2025
Cooley untermauert die Einführung von GO Public mit einer starken Marktposition im IPO-Geschäft. Im Jahr 2025 hat die Kanzlei [Herstellerangabe] nach eigenen Angaben bei 180 Deals weltweit beraten, die ein Gesamtvolumen von über 51,5 Milliarden US-Dollar erreichten. Cooley verweist zudem auf eine jahrzehntelange Führungsposition im US-amerikanischen Markt für Emittenten-IPOs. In den vergangenen mehr als 20 Jahren hat die Kanzlei [Herstellerangabe] nach eigenen Angaben mehr venture-backed IPOs begleitet als jede andere Kanzlei. Diese Bilanz wird durch externe Anerkennung gestützt: Cooley wurde fünfmal als „Capital Markets Practice Group of the Year“ von Law360 ausgezeichnet (2025, 2024, 2019, 2018, 2015).
Diese Marktstellung begründet das Vertrauen in die Qualität der KI-generierten Entwürfe auf konkrete Weise: Das juristische Know-how aus der jahrzehntelangen Praxis fließt direkt in die Entwicklung der KI-Modelle und Prompts ein. GO Public wurde von Cooleys Kapitalmarktanwälten und Legal Engineers entwickelt, die ihre Erfahrung aus hunderten von Transaktionen in die Struktur der agentischen Workflows einbringen. Die Kanzlei betont [Herstelleraussage], dass das System „auf Cooleys jahrzehntelanger Führung an der Spitze des US-IPO-Marktes aufbaut“ und nicht auf generischen Vorlagen basiert. Stattdessen startet der Entwurf mit den spezifischen Daten des Mandanten und wird durch tiefgehende Recherche ergänzt. Die bewährten Strukturen, typischen Risikopunkte und marktüblichen Formulierungen aus der Praxis der Kanzlei sind in die Prompt-Entwicklung und die Konfiguration der KI-Agenten eingeflossen. Für Mandanten bedeutet das: Sie erhalten keinen generischen Chatbot, sondern ein System, das mit dem kollektiven Erfahrungswissen einer der führenden IPO-Kanzleien der USA angereichert ist – ein Wissen, das aus realen Deals stammt und kontinuierlich durch neue Transaktionen aktualisiert wird.
Vertraulichkeit: Enterprise-Sicherheit trifft auf Privileg-Warnungen
Die Einführung von GO Public wirft eine zentrale Frage auf: Wie vertraulich sind die Daten, die in das System eingespeist werden? Cooley und OpenAI betonen [Herstelleraussage], dass ChatGPT Enterprise spezielle Sicherheitsfunktionen bietet. Dazu gehören Zero Data Retention für die API-Nutzung und eine „Eyes-off“-Haltung bei menschlicher Überprüfung: OpenAI-Mitarbeiter sehen die Inhalte standardmäßig nicht ein. Diese Maßnahmen sollen gewährleisten, dass Mandantendaten nicht für das Training von Modellen verwendet oder von Unbefugten eingesehen werden. OpenAI hat zudem mit Astra for Law ein speziell für juristische Arbeit entwickeltes Modell vorgestellt, das ebenfalls Zero Data Retention und den Ausschluss von menschlicher Überprüfung umfasst. Cooley war eine der Kanzleien, die mit OpenAI an der Nutzung von ChatGPT Enterprise für juristische Arbeit gearbeitet haben.
Dennoch besteht ein Widerspruch. Allgemeine Quellen warnen, dass die Nutzung von KI-Tools das Anwaltsgeheimnis gefährden kann, wenn keine speziellen Schutzmaßnahmen getroffen werden. Insbesondere Materialien, die in öffentliche KI-Portale hochgeladen werden, sind möglicherweise nicht durch das Anwaltsgeheimnis geschützt. Cooley selbst hat bei einem anderen Produkt – dem im Juni 2026 eingeführten GO Lab, einem Portal für Gründer – ausdrücklich darauf hingewiesen, dass dort hochgeladene Materialien nicht durch das Anwaltsgeheimnis geschützt sind und in einem Rechtsstreit offengelegt werden könnten. Ein Gerichtsurteil aus dem Februar 2026 im Fall United States v. Heppner unterstrich, dass Gespräche mit einem Chatbot nicht automatisch dem Anwaltsgeheimnis unterliegen, selbst wenn der Nutzer einen Anwalt mandatiert hat. Der Richter entschied, dass die Eingaben des Angeklagten in Claude nach der Mandatierung nicht geschützt waren, weil das Anwaltsgeheimnis nie an ein Gespräch mit einem Chatbot anknüpfe.
Der Widerspruch erklärt sich durch unterschiedliche Produkte und Einsatzszenarien. GO Public nutzt ChatGPT Enterprise mit den genannten Sicherheitsfunktionen, während GO Lab ein separates Portal ist, bei dem Cooley selbst auf fehlenden Privilegschutz hinweist. Die allgemeinen Warnungen beziehen sich häufig auf öffentliche ChatGPT-Versionen, nicht auf Enterprise-Lösungen. So heißt es in einer Analyse: „Praktisch gilt das Privileg nicht, wenn Mandanteninformationen an ein öffentliches KI-Tool weitergegeben werden.“ Doch auch bei Enterprise-Lösungen bleibt eine Restunsicherheit: Die technischen und vertraglichen Schutzmaßnahmen müssen lückenlos greifen, und Datenflüsse über Schnittstellen oder Drittanbieter können neue Angriffspunkte schaffen. Für Mandanten bleibt daher die Frage, ob die Sicherheitsarchitektur von ChatGPT Enterprise ausreicht, um das Anwaltsgeheimnis in jedem Fall zu wahren – insbesondere wenn sensible Unternehmensdaten in ein System eingespeist werden, das außerhalb der direkten Kontrolle der Kanzlei liegt.
Druck auf Kanzleien und Regulierer wächst
Die Einführung von GO Public setzt andere Kanzleien unter Zugzwang. Wer im wettbewerbsintensiven Markt für Kapitalmarkttransaktionen mithalten will, muss prüfen, ob und wie generative KI in die eigene Arbeitsweise integriert werden kann. Cooleys Schritt zeigt, dass große Kanzleien bereit sind, eigene KI-Produkte zu entwickeln und als Differenzierungsmerkmal zu vermarkten. Konkret bedeutet das: Kanzleien, die kein vergleichbares Tool anbieten, riskieren, bei der Geschwindigkeit und Kosteneffizienz ins Hintertreffen zu geraten. Die Herstellerangaben von Cooley und OpenAI [Herstelleraussage] belegen, dass KI-gestützte Drafting-Automatisierung die Bearbeitungszeiten signifikant reduziert: GO Public „beschleunigt Recherche und Entwurf, damit Arbeitsgruppen und Managementteams sich früher auf kritische strategische Fragen konzentrieren können“, und ChatGPT Work bringt „Intelligenz in jeden Schritt des Prozesses – schneller, effektiver und demokratischer“. Dave Peinsipp ergänzt [Herstelleraussage], dass das Tool helfe, „die intensive Vorbereitung schneller zu durchlaufen“. Mandanten, die einen Börsengang planen, fragen zunehmend nach schnelleren Prozessen und könnten gezielt Kanzleien bevorzugen, die KI-gestützte Beschleunigung nachweisen können. Das zwingt Wettbewerber, entweder eigene Lösungen zu bauen oder Partnerschaften mit KI-Anbietern einzugehen – beides erfordert erhebliche Investitionen in Technologie und Legal Engineering.
Gleichzeitig müssen Mandanten abwägen: Die Aussicht auf schnellere Entwürfe und mehr Zeit für strategische Entscheidungen steht dem Risiko gegenüber, dass vertrauliche Informationen in KI-Systeme gelangen und möglicherweise den Schutz des Anwaltsgeheimnisses verlieren. Die Unsicherheit wird dadurch verstärkt, dass die Rechtsprechung – wie im Fall Heppner – erst beginnt, Grenzen zu ziehen. Aufsichtsbehörden stehen vor der Aufgabe, klare Regeln für den Einsatz von KI im Rechtswesen zu schaffen. Bislang fehlen verbindliche Standards, die festlegen, unter welchen Bedingungen KI-gestützte Tools das Anwaltsgeheimnis wahren und welche technischen und organisatorischen Maßnahmen erforderlich sind. Konkret betrifft dies in den USA vor allem die Securities and Exchange Commission (SEC), die für die Prüfung von S-1-Einreichungen zuständig ist, sowie die Aufsichtsbehörden der Bundesstaaten, die für die Berufsaufsicht über Anwälte verantwortlich sind. Die SEC hat bislang keine spezifischen Leitlinien für den Einsatz generativer KI bei der Erstellung von Registrierungsdokumenten veröffentlicht, und die Anwaltskammern diskutieren erst seit Kurzem, ob und wie KI-gestützte Tools in die bestehenden Regeln zur Vertraulichkeit und zum Anwaltsgeheimnis passen. Solange diese Regeln fehlen, bleibt die Nutzung von Tools wie GO Public eine Einzelfallentscheidung, bei der Kanzleien und Mandanten die Risiken selbst bewerten müssen. Der Druck auf Regulierer wächst, weil die Technologie schneller voranschreitet als die rechtlichen Rahmenbedingungen – und weil Fälle wie Heppner zeigen, dass Gerichte bereits heute über die Grenzen des Privilegs bei KI-Nutzung entscheiden.



