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Cohere und Aleph Alpha besiegeln Fusion zu 20-Milliarden-Dollar-Unternehmen

Verbindliche Vereinbarung unterzeichnet – 90/10-Eigentumsverteilung, Schwarz-Gruppe investiert 600 Millionen Dollar, Doppelspitze Toronto-Berlin

· Veröffentlicht: 17.09.2026 ·5 Min Lesezeit
Cohere und Aleph Alpha besiegeln Fusion zu 20-Milliarden-Dollar-UnternehmenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Cohere und Aleph Alpha haben eine verbindliche Fusions- bzw. Kombinationsvereinbarung unterzeichnet.
  • Die kombinierte Bewertung liegt bei rund 20 Milliarden US-Dollar.
  • Cohere-Aktionäre halten etwa 90 Prozent, Aleph-Alpha-Aktionäre etwa 10 Prozent des fusionierten Unternehmens.
  • Die Schwarz-Gruppe investiert 600 Millionen US-Dollar in Coheres kommende Series-E-Runde.
  • Das fusionierte Unternehmen hat Doppelhauptsitze in Toronto und Berlin; Heidelberg bleibt Forschungszentrum; die Belegschaft wächst auf über 1.000 Mitarbeiter.
  • Ilhan Scheer wird COO, Samuel Weinbach wird Chief Research Officer des fusionierten Unternehmens.

Verbindliche Fusionsvereinbarung besiegelt 20-Milliarden-Dollar-Zusammenschluss

Cohere und Aleph Alpha haben eine verbindliche Fusionsvereinbarung unterzeichnet. Das kombinierte Unternehmen wird mit rund 20 Milliarden US-Dollar bewertet. Die Aktionäre von Cohere halten etwa 90 Prozent, die von Aleph Alpha etwa 10 Prozent. Das fusionierte Unternehmen tritt unter dem Namen Cohere auf und hat Doppelhauptsitze in Toronto und Berlin. Der bisherige Aleph-Alpha-Standort Heidelberg bleibt als Forschungszentrum bestehen. Die Belegschaft wächst auf über 1.000 Mitarbeiter. Der Abschluss steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird noch in diesem Jahr erwartet. Die Vereinbarung formalisiert Pläne, die erstmals im April bekannt wurden. Das Unternehmen positioniert sich als souveräne KI-Alternative zu US-Hyperscalern und zielt auf Regierungen, Behörden und stark regulierte Branchen. Aleph Alpha beschäftigt derzeit rund 200 Personen an vier Standorten in Deutschland; mit der Fusion wächst das Team auf über 1.000.

90/10-Eigentumsverteilung: Fusion oder faktische Übernahme?

Der Deal wird als Fusion angekündigt, doch die Eigentumsverteilung spricht eine andere Sprache. Cohere-Aktionäre halten rund 90 Prozent des fusionierten Unternehmens, Aleph-Alpha-Aktionäre nur etwa 10 Prozent. Zudem tritt das Unternehmen unter dem Namen Cohere auf, und Aleph Alpha geht in Cohere auf. Analysten bewerten den Zusammenschluss daher als faktische Übernahme. Aleph Alpha verliert seine Eigenständigkeit. Die Bezeichnung 'Fusion' dient der politischen und strategischen Kommunikation, da beide Regierungen den Deal unterstützen. Strukturell handelt es sich um eine Übernahme, bei der Cohere als deutlich größerer Partner die Kontrolle übernimmt. Cohere wurde zuletzt mit 6,8 Milliarden US-Dollar bewertet, während Aleph Alphas Bewertung nicht offengelegt wurde. Der Größenunterschied spiegelt sich in der Verteilung wider. Aleph Alpha hatte den Wettbewerb um Frontier-Modelle bereits vor dem Deal aufgegeben und sich auf die Plattform PhariaAI repositioniert. Mit der Übernahme geht diese Plattform in Cohere auf. Für europäische Beobachter wirft der Deal die Frage auf, ob Europa seine KI-Souveränität durch den Verkauf an einen kanadischen Anbieter tatsächlich stärkt oder ob es sich um eine Übernahme handelt, die die Eigenständigkeit beendet.

Schwarz-Gruppe investiert 600 Millionen Dollar und sichert sich Cloud-Anbindung

Die Schwarz-Gruppe investiert 600 Millionen US-Dollar in Coheres kommende Series-E-Runde. Das Unternehmen, das bereits an Aleph Alphas Series B im Jahr 2023 beteiligt war, wird damit zum strategischen Geldgeber des fusionierten Unternehmens. Im Gegenzug erwartet die Schwarz-Gruppe, dass das neue Unternehmen auf STACKIT läuft, der souveränen Cloud-Plattform ihrer IT-Sparte Schwarz Digits. Einige Quellen beziffern die Investition auf 500 Millionen Euro, was umgerechnet etwa 573 Millionen US-Dollar entspricht; die Differenz zu 600 Millionen US-Dollar ergibt sich aus Währungsumrechnung und Rundung. Die Schwarz-Gruppe hatte Aleph Alpha bereits 2023 mit einer Series B über 500 Millionen US-Dollar unterstützt. Mit der neuen Investition sichert sie sich einen Großkunden für ihre Cloud-Plattform und stärkt ihre Position im Bereich souveräner KI. Die Series E von Cohere wird voraussichtlich noch in diesem Jahr abgeschlossen. Die Investition ist Teil der Finanzierung des fusionierten Unternehmens, das eine Bewertung von rund 20 Milliarden US-Dollar anstrebt. Die Erwartung, dass das neue Unternehmen auf STACKIT läuft, zeigt das strategische Interesse der Schwarz-Gruppe: Sie will nicht nur finanziell profitieren, sondern auch ihre Cloud-Infrastruktur auslasten.

Führungsstruktur: Doppelspitze Toronto-Berlin mit neuen Rollen für Scheer und Weinbach

Mit Abschluss der Transaktion übernimmt Ilhan Scheer, bisher Co-CEO von Aleph Alpha, die Rolle des Chief Operating Officer (COO) bei Cohere. Samuel Weinbach, Mitgründer und bisher Co-Chief Research Officer, wird Chief Research Officer. Die Doppelspitze des fusionierten Unternehmens liegt in Toronto und Berlin. Der Standort Heidelberg bleibt als Forschungszentrum erhalten. Die Führungsstruktur spiegelt die transatlantische Ausrichtung wider: Während die Geschäftsführung in Kanada und Deutschland angesiedelt ist, konzentriert sich die Forschung weiterhin auf Heidelberg. Aleph Alpha beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter an vier Standorten in Deutschland; mit der Fusion wächst die Gesamtbelegschaft auf über 1.000. Ilhan Scheer wird COO und Samuel Weinbach Chief Research Officer, sobald die Transaktion abgeschlossen ist. Da der Zusammenschluss noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen steht, werden die Rollen erst nach rechtlicher Freigabe wirksam.

Souveräne KI als Gegenentwurf: Positionierung gegen OpenAI und US-Hyperscaler

Das fusionierte Unternehmen positioniert sich als souveräne KI-Alternative zu US-Hyperscalern und zielt auf Regierungen, Behörden und stark regulierte Branchen. Nach Angaben der Firmen ist es der erste transatlantische Anbieter souveräner KI. Cohere-CEO Aidan Gomez sagte: 'No government or enterprise should have to choose between capable AI and control over their technology.' Das Produktportfolio von Cohere umfasst die Command-LLMs, Parse, North, API-Zugang, Embed-/Rerank-Modelle und Model Vault. Aleph Alpha bringt die PhariaAI-Plattform für souveräne generative KI mit tokenizer-freier Architektur und kleinen Sprachmodellen ein. Aleph Alpha hatte den Wettbewerb um Frontier-Modelle bereits vor dem Deal aufgegeben und sich auf PhariaAI repositioniert. Beim Umsatz gibt es unterschiedliche Angaben: Medienberichten zufolge lag der Umsatz von Cohere im vergangenen Jahr bei 240 Millionen US-Dollar, während Analysten den Umsatz 2025 auf rund 200 Millionen Euro schätzen. Die Diskrepanz ergibt sich aus unterschiedlichen Quellen und Schätzmethoden. Die Positionierung als souveräne KI zielt darauf ab, Kunden zu gewinnen, die ihre Daten nicht an US-Cloud-Anbieter wie Microsoft oder Google auslagern wollen. Das fusionierte Unternehmen will diese Lücke füllen, indem es Modelle und Plattformen anbietet, die in der eigenen Infrastruktur der Kunden laufen.

Offene Fragen: Behördliche Genehmigung und mögliches Kanada-Konsortium

Der Abschluss der Fusion steht unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und wird noch in diesem Jahr erwartet. Die zuständigen Behörden in Kanada und Deutschland müssen den Deal prüfen. Zusätzlich könnte ein von der kanadischen Regierung unterstütztes Konsortium weitere 3 Milliarden US-Dollar investieren. Diese mögliche Investition würde die Finanzierung des fusionierten Unternehmens stärken und die politische Rückendeckung unterstreichen. Die Genehmigungsverfahren sind ein offener Punkt; bis zur Entscheidung bleibt der Zusammenschluss vorläufig. Die Unternehmen haben keine aktualisierten finanziellen Details genannt. Die kanadische Regierung hat den Deal bereits öffentlich unterstützt, ebenso die deutsche Regierung. Die behördliche Prüfung könnte sich auf wettbewerbsrechtliche und sicherheitsrelevante Aspekte konzentrieren. Ein Abschluss noch in diesem Jahr ist das Ziel, aber nicht garantiert.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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