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Anthropic peilt Börsengang mit Zwei-Billionen-Dollar-Bewertung an

Laut Medienberichten strebt der Claude-Hersteller einen IPO an der Nasdaq im Oktober 2026 an – offizielle Bestätigung fehlt bislang.

· Veröffentlicht: 17.09.2026 ·4 Min Lesezeit
Anthropic peilt Börsengang mit Zwei-Billionen-Dollar-Bewertung anMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Anthropic hat im Mai 2026 eine Series-H-Finanzierung über 65 Milliarden US-Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden US-Dollar abgeschlossen. Die Runde wurde von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital angeführt und enthielt 15 Milliarden US-Dollar zuvor zugesagter Investitionen, darunter 5 Milliarden US-Dollar von Amazon.
  • Anthropic hat am 1. Juni 2026 vertraulich einen S-1-Registrierungsentwurf bei der SEC eingereicht.
  • Anthropic hat die Nasdaq als Börsenplatz gewählt; das Ziel-Zeitfenster für den Börsengang ist Oktober 2026, mit möglichem Roadshow-Beginn Mitte Oktober.
  • Als Lead-Underwriter sind Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley vorgesehen.
  • Die annualisierte Umsatz-Run-Rate von Anthropic lag Ende Juli 2026 bei über 65 Milliarden US-Dollar; im Mai 2026 wurden rund 47 Milliarden US-Dollar genannt.
  • OpenAI wurde Ende März 2026 nach einer 122-Milliarden-Dollar-Runde mit 852 Milliarden US-Dollar bewertet.

Anthropic peilt Börsengang mit Zwei-Billionen-Dollar-Bewertung an

Laut Medienberichten strebt Anthropic, der Hersteller des KI-Modells Claude, einen Börsengang mit einer Bewertung von über 2 Billionen US-Dollar an. Als Börsenplatz sei die Nasdaq gewählt, das Ziel-Zeitfenster für den IPO liege im Oktober 2026. Diese Angaben stützen sich auf Berichte von Euronews, Fortune und CNBC; eine offizielle Bestätigung durch das Unternehmen oder eine SEC-Einreichung mit konkreten Preisspannen fehlt bislang. Die letzte bestätigte private Bewertung lag bei 965 Milliarden Dollar nach einer Finanzierungsrunde im Mai 2026. Die 2-Billionen-Marke wird in der Berichterstattung teils als Tatsache, teils als Ziel oder Markterwartung dargestellt. Klar ist: Ein Börsengang in dieser Größenordnung wäre einer der größten der Geschichte.

Von 380 Milliarden zu 965 Milliarden: Die Bewertungsexplosion seit Februar

Die Bewertungsentwicklung von Anthropic verlief steil. Im Februar 2026 wurde das Unternehmen mit 380 Milliarden Dollar bewertet. Im Mai 2026 schloss es eine Series-H-Finanzierung über 65 Milliarden Dollar bei einer Post-Money-Bewertung von 965 Milliarden Dollar ab – eine fast Verdreifachung innerhalb von drei Monaten. Die Runde wurde von Altimeter Capital, Dragoneer, Greenoaks und Sequoia Capital angeführt und enthielt 15 Milliarden Dollar zuvor zugesagter Investitionen, darunter 5 Milliarden Dollar von Amazon. Die nun angestrebte 2-Billionen-Marke wäre mehr als eine Verdopplung gegenüber der Series-H-Bewertung und würde Anthropic zum wertvollsten KI-Unternehmen machen.

Diese extreme Bewertungssteigerung ist kein Zufall, sondern das Ergebnis mehrerer zusammenwirkender Faktoren. Das Umsatzwachstum explodierte: Die annualisierte Run-Rate stieg von rund 30 Milliarden Dollar zu Jahresbeginn auf 47 Milliarden Dollar im Mai und über 65 Milliarden Dollar Ende Juli 2026 – ein Anstieg um mehr als das Siebenfache gegenüber Ende 2025. Treiber war vor allem der KI-Coding-Assistent Claude Code, der sich als äußerst populär erwies. Gleichzeitig veröffentlichte Anthropic mit Claude Opus 4.8 ein neues leistungsfähiges Modell und präsentierte mit Claude Mythos Preview ein Modell mit fortgeschrittenen Cybersecurity-Fähigkeiten, das das Interesse von Investoren und Unternehmen zusätzlich befeuerte. Auch die Marktposition verbesserte sich: Im zweiten Quartal 2026 erreichte Anthropic bei Enterprise-LLM-APIs einen Marktanteil von 32 Prozent und überholte damit erstmals OpenAI (25 Prozent). Diese Kombination aus starkem Umsatzwachstum, Produktfortschritten und wachsender Marktdominanz rechtfertigte aus Sicht der Investoren die fast dreifache Bewertungssteigerung innerhalb weniger Monate.

Nasdaq statt NYSE: Der Fahrplan zum Oktober-IPO

Der IPO-Prozess begann am 1. Juni 2026 mit einer vertraulichen Einreichung eines S-1-Registrierungsentwurfs bei der SEC. Als Börsenplatz wurde die Nasdaq gewählt, nicht die New York Stock Exchange. Als Lead-Underwriter sind Goldman Sachs, JPMorgan und Morgan Stanley vorgesehen. Das Ziel-Zeitfenster für den Börsengang ist Oktober 2026, ein möglicher Roadshow-Beginn wird für Mitte Oktober erwartet. Berichten zufolge will Anthropic das Angebot vor den US-Zwischenwahlen im November abschließen. Die vertrauliche Einreichung erlaubt es dem Unternehmen, die Finanzkennzahlen erst kurz vor der Vermarktung offenzulegen.

Ziel oder Tatsache? Die widersprüchlichen Angaben zur IPO-Bewertung

In der Berichterstattung gibt es zwei zentrale Widersprüche. Erstens meldet Euronews, Anthropic sei bereits mit über 2 Billionen Dollar bewertet beziehungsweise „priced above $2 trillion“ – als Tatsache. Andere Medien wie Bloomberg, Fortune und CNBC stellen die 2-Billionen-Marke lediglich als Ziel oder Markterwartung dar; die letzte bestätigte Bewertung liegt bei 965 Milliarden Dollar. Zweitens gibt es eine Diskrepanz beim Umsatz 2025: Eine Quelle nennt eine annualisierte Run-Rate von etwa 9 Milliarden Dollar Ende 2025, eine andere spricht von 10 Milliarden Dollar Jahresumsatz. Offizielle IPO-Preisangaben oder S-1-Details fehlen, daher lassen sich die Unterschiede nicht auflösen.

OpenAI im Rückspiegel: Was der Anthropic-IPO für den KI-Markt bedeutet

OpenAI wurde Ende März 2026 nach einer 122-Milliarden-Dollar-Runde mit 852 Milliarden Dollar bewertet. Ein erfolgreicher Anthropic-IPO mit über 2 Billionen Dollar würde OpenAI als wertvollstes KI-Unternehmen ablösen. Die Run-Rate von Anthropic stieg von 47 Milliarden Dollar im Mai auf über 65 Milliarden Dollar Ende Juli 2026 – ein Wachstum, das die hohe Bewertung stützt.

Doch die Bedeutung geht weit über einen bloßen Rankingwechsel hinaus. Ein Börsengang in dieser Größenordnung würde Anthropic schätzungsweise 60 bis 100 Milliarden Dollar frisches Kapital verschaffen – Mittel, die direkt in Rechenkapazität, Forschung und Marktexpansion fließen könnten. Für OpenAI entstünde dadurch erheblicher Druck: Der Rivale hat bereits bei Enterprise-LLM-APIs die Marktführerschaft übernommen und könnte mit zusätzlichem Kapital seinen Vorsprung ausbauen. OpenAI müsste reagieren, etwa durch eigene Finanzierungsrunden oder einen beschleunigten IPO, um nicht abgehängt zu werden. Für Investoren bedeutet der Anthropic-IPO eine Neubewertung des gesamten KI-Sektors: Die Bewertungen könnten weiter steigen, aber auch das Risiko einer Überbewertung wächst – Anthropic selbst listet „AI backlash“ als Risikofaktor im Prospekt. Kunden könnten kurzfristig von intensiverem Wettbewerb und Preisdruck profitieren, langfristig aber von einer zunehmenden Marktkonzentration betroffen sein. Zu den Gewinnern zählen frühe Investoren wie Amazon und Google, die Lead-Underwriter sowie möglicherweise Nvidia, das Berichten zufolge eine Beteiligung von 10 Milliarden Dollar erwägt. Verlierer sind OpenAI, das seine Spitzenposition einbüßt, sowie kleinere KI-Anbieter, die gegen einen kapitalstarken Rivalen bestehen müssen.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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