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Zweigeteilter Arbeitsmarkt: KI-Stellen boomen, klassische Wissensjobs schrumpfen

Während KI-bezogene Ausschreibungen boomen, fallen stark KI-exponierte Rollen um 38 Prozent – eine Erklärung des Widerspruchs.

Veröffentlicht: 05.08.2026 ·4 Min Lesezeit
Zweigeteilter Arbeitsmarkt: KI-Stellen boomen, klassische Wissensjobs schrumpfenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • 9,4 % der britischen Stellenausschreibungen erwähnten Ende Juni 2026 KI, gegenüber etwa 2 % im Jahr 2023.
  • Die Nachfrage nach KI breitet sich über den Tech-Sektor hinaus auf Marketing, Finanzen und Medien aus.
  • In Wissensarbeitsfeldern wie Marketing, Management und HR sinken die Gesamtstellenausschreibungen, während KI-bezogene Ausschreibungen in denselben Kategorien stark steigen.
  • Spezialisierte KI-Stellenausschreibungen stiegen im UK im Jahr 2025 um 61 % (plus 68.000).
  • Die Beschäftigung im UK-KI-Sektor wuchs um 33 % auf rund 86.000.
  • 11 % der Aufgaben sind durch bestehende generative KI gefährdet, bei tieferer Integration steigt der Anteil auf 59 %.

KI-Stellen boomen, klassische Wissensjobs schrumpfen

Der britische Arbeitsmarkt für Wissensarbeit entwickelt sich zunehmend zweigeteilt. Nach Daten des Hiring Lab von Indeed enthielten Ende Juni 2026 rund 9,4 Prozent aller britischen Stellenausschreibungen einen Bezug zu Künstlicher Intelligenz – ein sprunghafter Anstieg gegenüber etwa zwei Prozent im Jahr 2023. Die Nachfrage nach KI-Kompetenz greift dabei längst über den Technologiesektor hinaus: Auch in Marketing, Finanzen und Medien werden vermehrt Fachkräfte mit KI-Kenntnissen gesucht.

Parallel dazu legt eine Studie von PwC offen, dass die Zahl spezialisierter KI-Stellenausschreibungen im Vereinigten Königreich im Jahr 2025 um 61 Prozent gestiegen ist, was einem Plus von 68.000 Anzeigen entspricht. Die Beschäftigung im britischen KI-Sektor wuchs im selben Zeitraum um 33 Prozent auf rund 86.000 Personen. Dieser Boom kontrastiert jedoch mit der Entwicklung in klassischen Wissensarbeitsfeldern: In Bereichen wie Marketing, Management und Personalwesen sinkt die Gesamtzahl der ausgeschriebenen Stellen, während KI-bezogene Anzeigen in denselben Kategorien stark zulegen. Es entsteht ein „Two-Speed“-Arbeitsmarkt, in dem KI-getriebene Rollen florieren und traditionelle Wissensjobs unter Druck geraten.

Der Widerspruch: Fallen die Ausschreibungen oder steigen sie?

Die Datenlage birgt einen scheinbaren Widerspruch: Während KI-bezogene Ausschreibungen boomen, verzeichnen Stellen, die stark durch KI ersetzbar sind, einen deutlichen Rückgang. Zwischen 2022 und 2025 fielen die Ausschreibungen für stark KI-exponierte Rollen um rund 38 Prozent, verglichen mit 21 Prozent bei weniger exponierten Positionen.

Der Schlüssel zur Auflösung liegt in den unterschiedlichen Definitionen. „KI-bezogen“ meint Jobs, die explizit KI-Kompetenz erfordern – etwa die Entwicklung oder Anwendung von KI-Modellen. „KI-exponiert“ hingegen bezeichnet Tätigkeiten, die potenziell durch KI ersetzt werden könnten, ohne dass die Ausschreibung selbst KI-Kenntnisse voraussetzt. Beide Trends können parallel existieren: Unternehmen bauen einerseits gezielt KI-Expertise auf, während sie andererseits in automatisierbaren Bereichen weniger Personal nachfragen. So entsteht die Zweiteilung, bei der die Gesamtzahl der Wissensarbeits-Anzeigen sinkt, aber der KI-Anteil in den verbleibenden Ausschreibungen steigt.

Kein Massensterben – aber eine stille Verschiebung

Ob KI bereits in großem Stil Arbeitsplätze vernichtet, ist umstritten. Eine Untersuchung des Thinktanks British Progress findet in den Daten der Annual Population Survey keine Belege für einen flächendeckenden Jobersatz: Zwischen Berufen mit hoher und niedriger KI-Exposition zeigt sich kein signifikanter Unterschied in der Beschäftigungsentwicklung. Das legt nahe, dass KI bislang eher Tätigkeiten verändert als ganze Stellen abbaut.

Demgegenüber modelliert das Institute for Public Policy Research (IPPR) ein erhebliches Gefährdungspotenzial. Demnach sind bereits 11 Prozent der Aufgaben durch bestehende generative KI gefährdet; bei tieferer Integration in Unternehmen könnte dieser Anteil auf 59 Prozent steigen. Die Szenarien reichen von massiven Jobverlusten bis hin zu deutlichen Lohn- und Produktivitätsgewinnen – eine „Job-Apokalypse“ sei keineswegs unausweichlich. Zusätzliche Hinweise auf eine Verschiebung liefern Lohndaten: Hochbezahlte Firmen verzeichneten einen Beschäftigungsrückgang von 9,6 Prozent, während sich bei Niedriglohnfirmen kaum etwas änderte. Das spricht für eine stille Umwälzung, die vor allem gut bezahlte Wissensarbeit betrifft.

Produktivitätssprung und die Risiken für Frauen und Einsteiger

Unstrittig ist das Potenzial generativer KI für sofortige Produktivitätssteigerungen. Insbesondere beim Schreiben und in der Softwareentwicklung lassen sich erhebliche Effizienzgewinne erzielen. Diese Gewinne sind jedoch ungleich verteilt. Nach IPPR-Analysen sind Backoffice-Tätigkeiten, Einstiegs- und Teilzeitjobs am stärksten von Automatisierung bedroht. Frauen sind überproportional betroffen, da sie in diesen Bereichen häufiger beschäftigt sind.

Die Risiken gehen über den reinen Stellenabbau hinaus: Ohne Gegenmaßnahmen drohen eine Vertiefung der Ungleichheit und eine Spaltung des Arbeitsmarktes. Neben den Arbeitsmarktrisiken wirft KI auch Sicherheitsfragen auf, wie ein kürzlich berichteter Fall zeigt, in dem ein KI-Modell eigenständig eine Sicherheitslücke einschleuste (siehe Archiv: KI-Sicherheitsrisiken).

Was nun? Handlungsbedarf und offene Fragen

Die Zweiteilung des Arbeitsmarktes verlangt nach abgestimmten Maßnahmen. Das IPPR betont, dass Regierung, Arbeitgeber und Gewerkschaften handeln müssen, um negative Auswirkungen abzufedern und neue, automatisierungssichere Jobs zu schaffen. Konkret schlägt das Institut groß angelegte Qualifizierungsprogramme, die Förderung von Übergängen in weniger automatisierbare Tätigkeiten und eine engere Abstimmung zwischen Politik, Unternehmen und Gewerkschaften vor.

Gleichzeitig bleiben zentrale Fragen offen. Die widersprüchlichen Befunde – keine nachweisbaren Jobverluste in retrospektiven Daten, aber hohe Gefährdungsmodellierungen – sind auf unterschiedliche Methoden und Zeithorizonte zurückzuführen. Während British Progress auf Beschäftigungsstatistiken schaut, projiziert das IPPR künftige Aufgabenverluste. Welches Szenario eintritt, hängt davon ab, wie schnell Unternehmen KI integrieren und wie Politik sowie Sozialpartner gegensteuern.

Wenn die KI kommt: Drei Stimmen aus der Praxis

Während ein Nutzer berichtet, wie KI eine komplette Dateneingabe-Abteilung ersetzte und die Kosten drastisch senkte shankarun in r/agi, zeigt ein anderer Fall, dass voreilige KI-Entlassungen bei Entwicklern zum Bumerang wurden – das verbliebene Team kündigte geschlossen deleted in r/ArtificialInteligence. Eine dritte Perspektive mahnt, dass Automatisierung ohne soziale Absicherung ganze Bevölkerungsschichten gefährdet und plädiert für ein bedingungsloses Grundeinkommen als Voraussetzung DarkeyeMat in r/agi.

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