Trump: Anti-Datenzentren-Proteste spielen China in die Hände
US-Präsident verknüpft lokale Proteste mit Peking – Belege zeigen vor allem Sorgen um Lebensqualität, eine chinesische Steuerung ist nicht belegt
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Trump postete am 31. August auf Truth Social, dass Gemeinden, die Datenzentren ablehnen, „backwards and poor“ würden, und dass China „could not be happier with this anti Data Center movement“ sei.
- Trump sagte in einem Fox-News-Interview während einer Kalifornien-Reise, ein „erheblicher Teil“ der Opposition gegen KI-Infrastruktur könnte mit China verbunden sein.
- In den USA finden landesweite Proteste gegen KI-Datenzentren statt, organisiert von Humans First, einer konservativen Nonprofit-Organisation unter Leitung von Amy Kremer.
- Humans First plante mehr als 100 Demonstrationen in 22 Bundesstaaten, darunter 18 in Texas und 7 in Florida.
- In Kenilworth, New Jersey, protestierten Anwohner gegen ein geplantes 1,8-Milliarden-Dollar-Datenzentrum; eine Petition erreichte über 12.000 Unterschriften.
- In Coweta County, Georgia, gründete eine Anwohnerin die Facebook-Gruppe „Stop Project Sail“ mit über 8.000 Mitgliedern gegen ein geplantes Hyperscale-Datenzentrum.
Trump: Anti-Datenzentren-Proteste spielen China in die Hände
Donald Trump hat die wachsenden Proteste gegen KI-Datenzentren in den USA scharf zurückgewiesen und sie als Vorteil für China dargestellt. In einem Truth-Social-Post vom 31. August schrieb der US-Präsident, Gemeinden, die Datenzentren ablehnten, würden „backwards and poor“ – rückständig und arm. China „could not be happier with this anti Data Center movement“, fügte er hinzu: Peking könne über die Bewegung gegen Datenzentren nicht glücklicher sein. Der Grund für diese Zuschreibung liegt in der Logik des KI-Wettlaufs: Jede Verzögerung beim US-Ausbau der Rechenzentren verschaffe Peking einen Vorteil im Rennen um die Führung bei Künstlicher Intelligenz. Trump warnte, wenn die USA die „Golden Goose“ töteten, hätten die Gemeinden sich selbst die Schuld zu geben.
In einem Fox-News-Interview während einer Reise nach Kalifornien legte Trump nach. Ein „erheblicher Teil“ der Opposition gegen KI-Infrastruktur könnte mit China verbunden sein, sagte er. Er betonte den Wettbewerb zwischen den USA und China um die KI-Führung und deutete an, dass Gemeinden, die sich gegen den Ausbau stellten, china-orientiert sein könnten. Die Äußerungen markieren eine Verschärfung: Zuvor hatte Trump vor allem die US-Führung bei KI betont, ohne die Proteste direkt als China-freundlich zu bezeichnen.
Protestwelle: Über 100 Demonstrationen in 22 Bundesstaaten
Die Proteste, auf die Trump reagiert, werden von Humans First organisiert, einer konservativen Nonprofit-Organisation. Deren Vorsitzende ist Amy Kremer, eine frühere Anführerin der Tea-Party-Bewegung und eine der Hauptorganisatorinnen der Kundgebung am 6. Januar 2021 in Washington, die in einen Sturm auf das Kapitol mündete. Kremer selbst war an der Planung des gewaltsamen Teils nach eigenen Angaben nicht beteiligt.
Humans First plante mehr als 100 Demonstrationen in 22 Bundesstaaten, darunter 18 in Texas und 7 in Florida. Texas ist wegen verfügbarer Flächen, des Zugangs zum Stromnetz und möglicher Steuervergünstigungen ein bevorzugter Standort für KI-Rechenzentren. Kremer betont, der Widerstand sei nicht parteipolitisch motiviert: Die Menschen seien eines Tages aufgewacht und hätten festgestellt, dass dieses „Monstrum“ in ihrer Gemeinde entstehen solle – und sie wollten es nicht.
Lokale Beispiele: Kenilworth und Coweta County
Zwei Fälle zeigen, woraus die Proteste konkret entstehen. In Kenilworth, New Jersey, wehren sich Anwohner gegen ein geplantes KI-Datenzentrum im Wert von 1,8 Milliarden Dollar. Der örtliche Planungsausschuss genehmigte das Projekt im Mai, doch der Widerstand wuchs. Eine Petition gegen den Bau erreichte im April mehr als 12.000 Unterschriften – in einer Gemeinde mit rund 8.500 Einwohnern. Bei einer Demonstration vor dem örtlichen Gericht trugen Protestierende Schilder mit Aufschriften wie „Build community, not data centers“.
In Coweta County, Georgia, gründete eine Anwohnerin namens Laura Beth die Facebook-Gruppe „Stop Project Sail“. Sie war 2023 in die ländliche Gegend gezogen, weil sie der Überentwicklung entkommen wollte. Anfang 2025 erfuhr sie von den Plänen für ein Hyperscale-Datenzentrum mit mehr als 4,9 Millionen Quadratfuß Fläche, das direkt an ihr Grundstück grenzen sollte. Mehr als 8.000 Menschen sind der Gruppe inzwischen beigetreten; sie organisieren Petitionen, stellen Schilder auf und führen einen Rechtsstreit gegen das County und den Projektentwickler Atlas Development.
Datenlage: 75 blockierte Projekte und 71 Prozent Ablehnung
Die Proteste haben messbare Folgen. Nach Angaben der Forschungsgruppe Data Center Watch blockierten oder verzögerten Basisinitiativen im ersten Quartal 2026 mindestens 75 Projekte im Wert von rund 130 Milliarden Dollar. Unternehmen wie OpenAI, Anthropic und Microsoft reagieren auf den Widerstand.
Die Ablehnung ist breit. Eine Gallup-Umfrage vom März ergab, dass 71 Prozent der Amerikaner den Bau von Datenzentren in ihrer Nähe ablehnen. Als Gründe nennen Anwohner steigende Stromkosten, Lärm und hohen Wasserverbrauch. Die Sorge um die lokale Lebensqualität treibt die Bewegung an – nicht eine außenpolitische Agenda. Das zeigt sich auch daran, dass der Widerstand parteiübergreifend wächst: Demokratische Kandidaten und zunehmend auch Republikaner wenden sich in ihren Wahlkampfbotschaften gegen die Anlagen, während die rasche Expansion der Rechenzentren zu einem bestimmenden Thema im Wahlzyklus 2026 geworden ist.
Republikaner fordern Untersuchung, Anwohner weisen China-Verbindung zurück
Trumps Behauptung einer chinesischen Einflussnahme stützt sich auf Berichte des Bitcoin Policy Institute, einer Denkfabrik in Washington. Das Institut behauptete in zwei Berichten seit Mai, China versuche, den Ausbau von Datenzentren in den USA zu verlangsamen, indem es US-Klima-Nonprofits und Proteste finanziere. Republikaner im Repräsentantenhaus zitierten diese Materialien im Juni und forderten eine Untersuchung möglicher ausländischer Einflussnahme auf die inländische Opposition gegen Datenzentren.
Doch die Belege für eine substantielle chinesische Steuerung fehlen. Anwohner in Sterling, Virginia, weisen eine Verbindung zu China zurück. Sie erklären ihren Widerstand mit Lärm, Emissionen und anderen Folgen des Anlagenbetriebs für ihre Lebensqualität. Die South China Morning Post stellt fest, dass veröffentlichte Berichte über einen möglichen Einfluss Pekings nicht belegen, dass China die breite lokale Opposition geschaffen oder wesentlich geprägt hat. Die Proteste in Sterling entstanden aus direkten Sorgen der Anwohner um ihre Lebensumstände – nicht aus einer von außen gesteuerten Kampagne. Der Widerspruch bleibt bestehen: Trump behauptet eine erhebliche chinesische Verbindung, während die dokumentierten Fälle auf lokale Motive verweisen und die zitierten Berichte keine direkten Beweise liefern.
Vance: Datenzentren ja, aber eigene Kraftwerke statt Netzbelastung
Innerhalb der US-Regierung ist die Haltung zu den Protesten nicht einheitlich. Vizepräsident J.D. Vance sagte, Datenzentren seien ein wichtiger Teil der KI-Wirtschaft. Er stellte sich damit nicht gegen den Ausbau der Rechenzentren. Zugleich forderte er, die Betreiber sollten eigene Kraftwerke bauen, statt die lokalen Stromnetze zu belasten. Damit adressiert Vance einen der zentralen Kritikpunkte der Anwohner: die Sorge, dass die energieintensiven Anlagen die Strompreise in die Höhe treiben und die Netze überlasten. Die Position des Weißen Hauses ist damit gespalten – Trump attackiert die Proteste pauschal als China-freundlich, während Vance zumindest einen Teil der lokalen Bedenken aufgreift, ohne den Ausbau grundsätzlich infrage zu stellen.



