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Radical Numerics meldet erste Behandlung mit KI-entworfenen Phagen

Das Start-up beschreibt einen Compassionate-Use-Einsatz gegen eine resistente E.-coli-Infektion. Erstmaligkeit, Genehmigung und Erfolg stützen sich bislang allein auf Angaben des Unternehmens.

· Veröffentlicht: 30.10.2026 ·2 Min Lesezeit
Radical Numerics meldet erste Behandlung mit KI-entworfenen PhagenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Radical Numerics meldet nach eigenen Angaben den weltweit ersten klinischen Einsatz KI-generierter Phagen.
  • Die Phagen stammen laut Unternehmen aus Omnii-1, einem multimodalen Genom-Sprachmodell.
  • Verabreicht wurden Bakteriophagen; das Schwanzfaserprotein gp17 des T7-Phagen wurde verändert.
  • Der Patient hatte eine E.-coli-Infektion, resistent gegen Antibiotika und verfügbare natürliche Phagen.
  • Das klinische Ergebnis wurde nicht mitgeteilt; die Ankündigung ist bislang nicht begutachtet.

Radical Numerics meldet ersten Patienten mit KI-entworfenen Phagen

Das kalifornische KI-Start-up Radical Numerics gibt an, erstmals Bakteriophagen verabreicht zu haben, die ein KI-Modell entworfen hat. In einem technischen Bericht auf der eigenen Website heißt es, Designs des Modells Omnii-1 seien bei einem Menschen im Rahmen eines Compassionate-Use-Verfahrens eingesetzt worden, also einer Behandlung außerhalb regulärer Studien. Das Unternehmen spricht vom weltweit ersten klinischen Einsatz KI-generierter Phagen.

Bakteriophagen sind Viren, die Bakterien befallen. Verabreicht wurde demnach kein Virus, das Menschen infiziert. Die Phagen greifen bakterielle Zellen an, keine menschlichen.

Laut Berichten litt der Patient an einer E.-coli-Infektion, die gegen Antibiotika und gegen verfügbare natürliche Phagen resistent war. Im Labor soll der KI-entworfene Phagen-Cocktail das Bakterienisolat des Patienten in vitro eliminiert haben. Diese Angabe stammt vom Unternehmen und ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Die Ankündigung erfolgte an einem Dienstag.

Omnii-1 verändert das Schwanzfaserprotein gp17 des T7-Phagen

Radical Numerics beschreibt Omnii-1 als multimodales Genom-Sprachmodell. Es wurde auf 28 biologischen Modalitäten vortrainiert, darunter DNA, RNA und Proteine. Das Modell soll lebensfähige Phagen erzeugen, Varianten priorisieren und Wechselwirkungen zwischen Phage und Wirtsbakterium vorhersagen.

Laut Berichten veränderten die Forschenden die DNA, die für das Schwanzfaserprotein gp17 des T7-Phagen kodiert. Dieses Protein ist für die Bindung an den Rezeptor des Bakteriums zuständig. Das übrige Genom blieb nach Unternehmensangaben erhalten. Die so entstandenen Phagenvarianten wurden gegen das Isolat des Patienten getestet. Das Prinzip: Statt im Umweltbestand nach einem passenden Phagen zu suchen, wird das Erkennungsmerkmal gezielt auf den Erreger zugeschnitten.

Das Modell ist proprietär. Für Biodefense ist es über eine zugangsbeschränkte API erreichbar. Dass Omnii-1 das weltweit fortschrittlichste multimodale Genommodell sei und einen Schritt zu allgemeiner biologischer Intelligenz darstelle, behauptet allein das Unternehmen. Unabhängige Benchmarks dazu liegen nicht vor.

Klinisches Ergebnis, Patient und FDA-Genehmigung bleiben ungeprüft

Ein klinisches Ergebnis hat das Unternehmen nicht mitgeteilt. Zu Patient und behandelnden Ärzten macht es keine Angaben und verweist dabei auf Vertraulichkeit. Ein Peer-Review gibt es nicht, die behauptete Erstmaligkeit ist unabhängig nicht geprüft. Fachleute halten offen, ob KI-entworfene Viren gefährliche Infektionen beim Menschen zuverlässig behandeln können. Ein Laborerfolg beantwortet diese Frage nicht.

Radical Numerics gibt an, die Gabe sei über einen von der US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigten Compassionate-Use-Weg erfolgt. Andere Berichte sprechen nur allgemein von einem Sonderprogramm für experimentelle Therapien. Patient, Ärzte und Einrichtung sind unbekannt, daher lässt sich die Genehmigung nicht prüfen. Eine Bestätigung der Behörde oder einer Klinik liegt nicht vor.

Künftig, so das Unternehmen, könne der Prozess nur Tage dauern und sei skalierbar. Belege dafür fehlen.

Hintergrund ist die Resistenzkrise. Für 2021 werden 4,7 Millionen Todesfälle geschätzt, die mit Antibiotikaresistenzen in Verbindung stehen. Für die Jahre 2025 bis 2050 rechnet man mit rund 40 Millionen.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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