Proton-CTO verlangt von Ingenieuren, dem LLM zuzuarbeiten statt selbst Code zu schreiben
404 Media veröffentlicht ein dreiseitiges Manifest von Bart Butler und Slack-Äußerungen von CEO Andy Yen. Protons Dementi zu Entlassungen steht im Widerspruch zum Wortlaut einer internen Mail.
Mit KI erstelltInhalt
◆ Fakten auf einen Blick
- Bart Butler, CTO von Proton, verfasste ein dreiseitiges internes Manifest zur Rolle von Ingenieuren im KI-Zeitalter.
- 404 Media stützt die Recherche auf Slack-Chats, Meeting-Aufnahmen und das Manifest des CTO.
- CEO Andy Yen wies Ende August im Slack die Bitte um Pentest-Zeit vor Release zurück.
- Yen richtete eine E-Mail-Adresse für KI-Adoptionshindernisse ein; Proton installierte Software zur Messung des KI-Codeanteils.
- Proton stellt laut Yen künftig nur noch Leute ein, die mit KI bauen.
Proton-CTO: Ingenieure sollen dem LLM zuarbeiten, nicht selbst Code schreiben
Proton-CTO Bart Butler hat ein dreiseitiges internes Manifest verbreitet, in dem er die Rolle der Ingenieure neu beschreibt. Business Insider zitiert daraus: „Your job has fundamentally changed. It is no longer to write code, and LLMs are not here to help you write better code faster. Your job is to help the LLM write better code faster.“ Laut einer Zusammenfassung von hn.today beschreibt das Papier den Wandel der Ingenieursrolle und verlangt, dass KI den Großteil des Codes prüft.
Den vollständigen Wortlaut konnten wir nicht prüfen. Vorliegen nur die Auszüge, die Business Insider und hn.today wiedergeben.
404 Media hat das Manifest öffentlich gemacht. Die Recherche stütze sich nach Angaben des Mediums auf neun aktuelle und ehemalige Beschäftigte, interne Slack-Chats, Aufnahmen von Meetings und das Papier des CTO. Eine andere Darstellung nennt acht Beschäftigte und einen ehemaligen. Das dürfte dieselbe Zahl sein, nur anders formuliert.
Yen drängt auf mehr KI, Re-Interviews gelten als „consequential“
Den Rahmen liefern laut 404 Media Slack-Nachrichten von CEO Andy Yen. Ende August bat ein Beschäftigter im Sicherheitskanal um einige Tage, um neuen Code vor der Veröffentlichung einem Pentest zu unterziehen. Yen nannte das „bullshit and loser thinking“. Man solle aufhören, „lovingly handcrafting all our code“, und stattdessen mehr KI nutzen.
Dem Bericht zufolge richtete Yen außerdem eine E-Mail-Adresse für Hindernisse bei der KI-Einführung ein. Proton installierte zudem Software, die den Anteil KI-generierten Codes misst. Yen soll gesagt haben, es sei das letzte Jahr, in dem Proton Ingenieure einstelle. Künftig kämen Leute ins Haus, die mit KI bauen. In einem Unternehmensmeeting wurde der KI-Anteil am Code mit 90 Prozent angegeben, vieles davon mit Claude von Anthropic geschrieben.
Hinzu kommen Re-Interviews vom 4. bis 11. November. Sie führen teamfremde Führungskräfte mit „strong AI capability“ durch. Laut interner Mail sind sie „consequential“. Die Bewertungen können zu Änderungen an Rollen und „continued employment“ führen.
Proton dementiert Entlassungen und räumt Kommunikationsfehler ein
Nach dem Leak der Mail auf Reddit veröffentlichte Proton am selben Tag ein Statement. Demnach gibt es keine Entlassungen, KI sei keine Ausrede dafür, und man stelle weiter ein. Die Gespräche dienten dazu, zu prüfen, wer Unterstützung braucht und wer Führungsrollen übernehmen kann. Gegenüber 404 Media räumte Proton ein, man sei „sometimes too blunt or too slow in explaining ourselves“.
Am 30. Oktober erschien auf Reddit eine Nachricht unter dem Namen andy1011000, die Verantwortung für Kommunikationsfehler übernimmt. Der Absender ist nicht verifiziert.
Offen bleibt der Widerspruch zwischen Dementi und internem Wortlaut („consequential“, „continued employment“). Offen ist auch die berichtete Aussage zum Ende der Ingenieur-Einstellungen. Unklar bleibt zudem die Messsoftware. Eine Antwort auf r/degoogle, ebenfalls ohne verifizierten Absender, bestreitet Tracking-Software auf Laptops. Möglicherweise wird „Tracking“ unterschiedlich definiert. Laut internen Dokumenten verfehlt Proton sein ARR-Ziel. Einen Zusammenhang belegen die Quellen nicht.
Aus der Branche kommt Zustimmung. Unter Nutzern und Beschäftigten gibt es Kritik und Sorge um die Sicherheit. Belegt ist das nur durch einzelne Beiträge, nicht durch eine breite Datenbasis.



