OpenAI-Studie: ChatGPT erweitert Jobprofile – jeder sechste Prompt berufsfremd
OpenAI hat eine neue Studie veröffentlicht, die zeigt, dass KI-Modelle wie ChatGPT die Aufgaben von Arbeitnehmern erweitern, indem sie ihnen ermöglichen, Tätigkeiten außerhalb ihrer traditionellen Rollen auszuführen. Die Analyse von über 800.000 Nachrichten von US-ChatGPT-Nutzern ergab, dass 16,8 %
Mit KI erstelltChatGPT-Nutzung zeigt: 16,8 % der Arbeitsnachrichten sind berufsfremd
Die Diskussion um Künstliche Intelligenz und Arbeitsmarkt war lange von der Frage geprägt, welche Jobs durch Automatisierung wegfallen könnten. Eine neue Studie von OpenAI liefert nun Zahlen, die eine andere Entwicklung belegen: KI wird von Beschäftigten gezielt eingesetzt, um Aufgaben außerhalb ihres angestammten Berufsfelds zu übernehmen. Die Analyse von über 800.000 Nachrichten, die US-Nutzer an ChatGPT gerichtet haben, ergibt: 16,8 Prozent aller arbeitsbezogenen Anfragen betreffen Tätigkeiten, die eigentlich einem anderen Beruf zugeordnet werden. Noch deutlicher wird der Trend bei berufsspezifischen Nachrichten – also solchen, die eindeutig einer bestimmten Tätigkeit zuzuordnen sind. Hier liegt der Anteil berufsfremder Aufgaben bei 43,5 Prozent.
Diese Zahlen sind mehr als abstrakte Statistiken. Sie werden durch konkrete Nutzungsmuster untermauert, die OpenAI Economic Research im Rahmen der neuen Reihe „Work at the Frontier“ dokumentiert hat. So zeigt die Studie, dass ein Kleinunternehmer mithilfe von ChatGPT selbstständig Werbetexte verfasst, Verträge prüft oder grundlegende Finanzanalysen durchführt – Tätigkeiten, die traditionell Textern, Juristen oder Finanzfachleuten vorbehalten sind. Ein Verkäufer wiederum kann die KI nutzen, um Aufgaben außerhalb seiner traditionellen Rolle zu übernehmen. Diese Beispiele illustrieren, warum fast die Hälfte der berufsspezifischen Anfragen fachfremd ist: Die Technologie senkt die Hürden für den Zugriff auf Wissen und Fähigkeiten, die bisher an formale Qualifikationen gebunden waren.
Die Untersuchung liefert damit erstmals konkrete Nutzungsdaten zur berufsübergreifenden Anwendung von KI-Sprachmodellen. Bisherige Erkenntnisse zur Veränderung von Jobprofilen durch KI stützten sich überwiegend auf Potenzialanalysen oder Befragungen. Die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen, dass die Grenzverschiebung zwischen Berufen im Arbeitsalltag bereits in erheblichem Umfang stattfindet. Allerdings handelt es sich um eine Herstellerangabe, deren Methodik und Repräsentativität noch unabhängig zu prüfen sind. Die Stichprobe beschränkt sich zudem auf US-ChatGPT-Nutzer, sodass eine Übertragbarkeit auf andere Länder oder Nutzergruppen nicht ohne Weiteres gegeben ist.
Von Automatisierungsangst zur Aufgabenerweiterung
Die neue Untersuchung markiert eine Verschiebung der Perspektive, die auch in der öffentlichen Debatte sichtbar wird. Frühere Berichterstattung thematisierte vor allem die Befürchtung, KI könne menschliche Arbeitskraft ersetzen. Ein prägnantes Beispiel ist die Klage von Meta-Mitarbeitern, die angaben, eine KI habe über Entlassungen entschieden. Ebenso konzentrierten sich frühere OpenAI-Analysen, etwa die Untersuchung zur Betroffenheit von Berufen durch große Sprachmodelle, fast ausschließlich auf das Automatisierungspotenzial und die Frage, welche Tätigkeiten von KI übernommen werden könnten. Solche Meldungen und Studien nährten die Sorge, dass KI-Systeme vor allem als Werkzeug des Personalabbaus eingesetzt werden.
Die jetzt von OpenAI vorgelegten Nutzungsdaten zeichnen ein differenzierteres Bild. Sie zeigen nicht, dass KI massenhaft Arbeitsplätze vernichtet, sondern dass Beschäftigte ihre Tätigkeitsfelder mithilfe der Technologie ausweiten. Die Quote von 43,5 Prozent berufsfremder Anfragen bei berufsspezifischen Nachrichten ist dabei das zentrale Indiz: Sie belegt, dass Nutzer KI nicht nur für Routineaufgaben im eigenen Job einsetzen, sondern gezielt in andere Berufsfelder vordringen. Dies ist ein starkes Signal dafür, dass die Technologie weniger als Ersatz, sondern vielmehr als Erweiterung des individuellen Handlungsspielraums genutzt wird. Während die Meta-Klage die Angst vor Jobverlust verkörperte und frühere Studien abstrakte Risiken modellierten, liefert die aktuelle Untersuchung eine empirische Grundlage für einen gegenläufigen Trend: KI befähigt Arbeitnehmer, Aufgaben aus anderen Berufen zu übernehmen, und erweitert so ihre Einsatzmöglichkeiten.
Vom Verkäufer zum Vertragsprüfer: Wie KI Jobgrenzen verschiebt
Die Studie illustriert die Aufgabenerweiterung anhand konkreter Berufsbilder. Ein Kleinunternehmer, so die Forscher, kann mithilfe von ChatGPT selbstständig Werbetexte verfassen, Verträge prüfen oder grundlegende Finanzanalysen durchführen – Tätigkeiten, die traditionell von Textern, Juristen oder Finanzfachleuten übernommen werden. Ein Verkäufer wiederum kann die KI nutzen, um Aufgaben außerhalb seiner traditionellen Rolle zu übernehmen. Diese Beispiele verdeutlichen, dass die Technologie nicht nur die Effizienz innerhalb bestehender Rollen steigert, sondern die Grenzen zwischen Berufen durchlässiger macht.
Die Zahlen der Studie legen nahe, dass diese Entwicklung kein Randphänomen ist. Wenn fast die Hälfte der berufsspezifischen Anfragen aufgabenfremd ist, dann verändert sich das Verständnis davon, was einen Beruf ausmacht. Das traditionelle Berufsbild mit einem fest umrissenen Set an Tätigkeiten weicht zunehmend einem flexibleren Modell, in dem Beschäftigte als vielseitige Generalisten agieren. Für Arbeitnehmer bedeutet dies, dass sie Kompetenzen in angrenzenden Feldern aufbauen können, ohne formale Qualifikationen erwerben zu müssen. Für Unternehmen könnte sich die Personalplanung verändern, wenn Mitarbeiter flexibler einsetzbar werden. Gleichzeitig wirft die Entwicklung Fragen zur Qualitätssicherung und Haftung auf, wenn fachfremde Tätigkeiten ohne entsprechende Ausbildung übernommen werden. Die OpenAI-Studie liefert für diese Diskussion eine erste datengestützte Grundlage, auch wenn sie als Herstellerangabe mit entsprechender Vorsicht zu interpretieren ist.
KI im Job: Produktivitätsschub, Hype oder stiller Wandel?
Während einige Fachkräfte wie amarao_san in r/ChatGPT von spürbaren Erleichterungen bei kleinen Aufgaben und der Einarbeitung in neue Technologien berichten, bleibt der Effekt in anderen Branchen hinter den Erwartungen zurück. JayWex in r/ChatGPT beobachtet als Motion-Designer: „Es hat meine Arbeit nicht wirklich verändert, aber die Leute tun so, als ob“ – ein ironischer Seitenhieb auf den KI-Hype. Dass ChatGPT zunehmend berufsfremd genutzt wird, zeigt sich auch in der Jobsuche: GamesDaName869 in r/jobsearchhacks beschreibt, wie KI-Bewerbungen zur logischen Antwort auf KI-gesteuerte Auswahlsysteme werden und traditionelle Jobprofile aufweichen.



