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Netflix startet KI-Suche und neue TV-Oberfläche – niederländische Behörde verhängt Millionenbußgeld

Der Streamingdienst führt eine ChatGPT-basierte Suche als Opt-in-Beta ein und überarbeitet die TV-Oberfläche. Gleichzeitig steht Netflix wegen mangelnder Transparenz in der Kritik: Die niederländische Datenschutzbehörde verhängte ein Bußgeld von 4,75 Millionen Euro.

· Veröffentlicht: 04.09.2026 ·5 Min Lesezeit
Netflix startet KI-Suche und neue TV-Oberfläche – niederländische Behörde verhängt MillionenbußgeldMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Netflix hat eine KI-gestützte Suche auf Basis von OpenAI ChatGPT vorgestellt; sie wird als Opt-in-Beta für iOS-Nutzer ausgerollt.
  • Netflix beginnt ab 19. Mai mit der globalen Einführung einer neuen TV-Benutzeroberfläche, die KI-gestützte Funktionen enthält.
  • Die niederländische Datenschutzbehörde verhängte am 26. November 2024 ein Bußgeld von 4,75 Mio. Euro gegen Netflix wegen Verstößen gegen die DSGVO-Transparenzpflichten.
  • Netflix hat seine Datenschutzerklärung aktualisiert und erfasst nun ausdrücklich Spracheingaben (Transkripte und Aufnahmen) bei Nutzung sprachbezogener Funktionen sowie Rückschlüsse auf Nutzer- und Haushaltspräferenzen für Werbezwecke.
  • In den Netflix-Kontoeinstellungen gibt es einen Bereich 'User Consent Purposes', in dem Nutzer für verhaltensbasierte Werbung ihre Einwilligung erteilen oder verweigern können.
  • Netflix hat für Produktionspartner Leitlinien zu KI-Anwendungsfällen veröffentlicht, die eine vorherige Genehmigung und die Einhaltung von Gewerkschafts- und Arbeitsrecht erfordern.

Netflix startet KI-Suche als Opt-in-Beta für iOS

Netflix hat auf einem Technik- und Produkt-Event eine KI-gestützte Suche vorgestellt, die auf OpenAI ChatGPT basiert. Die Funktion wird in dieser Woche als Opt-in-Beta für iOS-Nutzer ausgerollt. Abonnenten können damit natürliche Suchanfragen stellen, etwa „Ich möchte etwas Lustiges und Aufmunterndes“ oder detailliertere Wünsche. CTO Elizabeth Stone erklärte, die Suche könne auch vage Anfragen wie „gruselig, aber nicht zu gruselig, und vielleicht ein bisschen lustig“ tatsächlich beantworten. Die Teilnahme ist freiwillig: Nutzer müssen die Beta-Funktion aktivieren. Einige Abonnenten in Australien und Neuseeland hatten bereits Zugang. Netflix setzt damit auf generative KI, um die Inhaltsfindung zu verbessern und die Entscheidungsparalyse zu reduzieren. Auch andere Anbieter experimentieren mit KI-Suche, etwa Amazon mit einer Sprachsuche auf Fire-TV-Geräten. Netflix betont, dass die Suche konversational ist und über einfache Stichworte hinausgeht. Die Funktion ist zunächst auf iOS beschränkt; eine Ausweitung auf andere Plattformen wurde nicht angekündigt. Die Einführung erfolgt im Rahmen einer breiteren KI-Offensive des Unternehmens, zu der auch eine neue TV-Oberfläche und generative Aktualisierungen von Titelbildern gehören.

Neue TV-Oberfläche ab 19. Mai global

Seit dem 19. Mai führt Netflix schrittweise eine neue TV-Benutzeroberfläche ein, die KI-gestützte Funktionen enthält. Die Überarbeitung ist die umfassendste seit über einem Jahrzehnt. Die Navigation wandert von der linken Seite an den oberen Bildschirmrand und umfasst Suche, Startseite, Serien, Filme, Spiele und den neuen Bereich „My Netflix“, der Verlauf und gespeicherte Titel bündelt. CPO Eunice Kim sagte, die Startseite sei „flexibler, intuitiver und reaktionsfähiger“ und könne „die spannendsten Momente auf Netflix hervorheben“. Große Banner und personalisierte Empfehlungszeilen wie „Your Next Watch“ oder „Today’s Top Picks For You“ sollen die Auswahl erleichtern. Ziel ist es, Nutzer schneller zu Inhalten zu führen und die wachsende Vielfalt – von Serien über Filme bis zu Live-Sport und Spielen – besser abzubilden. Die neue Oberfläche wird global ausgerollt, zunächst für TV-Apps. Netflix betont, dass die KI-gestützten Elemente die Relevanz der Vorschläge erhöhen sollen. Die Einführung begann am 19. Mai und soll in den kommenden Wochen und Monaten alle Mitglieder erreichen.

Niederländische Datenschutzbehörde verhängt 4,75 Mio. Euro Bußgeld

Die niederländische Datenschutzbehörde Autoriteit Persoonsgegevens hat am 26. November 2024 ein Bußgeld von 4,75 Millionen Euro gegen Netflix International B.V. verhängt. Grund sind Verstöße gegen die Transparenzpflichten der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Die Untersuchung begann nach Beschwerden der österreichischen Nichtregierungsorganisation noyb, die an die niederländische Behörde weitergeleitet wurden, da Netflix seine europäische Hauptniederlassung in den Niederlanden hat. Die Behörde stellte fest, dass Netflix seine Kunden in der Datenschutzerklärung nicht ausreichend klar darüber informierte, was mit ihren Daten geschieht. Konkret fehlten verständliche Angaben zu den Zwecken und Rechtsgrundlagen der Verarbeitung, zur Weitergabe an Dritte, zu Speicherfristen und zu Schutzmaßnahmen bei internationalen Datenübermittlungen. Auch auf Auskunftsersuchen von Nutzern antwortete Netflix unvollständig und mehrdeutig. Die Behörde wertete die Verstöße als fahrlässig, nicht vorsätzlich, und berücksichtigte dabei die Design-Herausforderungen der TV-Oberfläche sowie das Ziel einer einheitlichen Plattform. Das Bußgeld ist eines der höchsten, das gegen einen Streamingdienst in der EU verhängt wurde. Es unterstreicht, dass Transparenz bei der Datenverarbeitung auch für große Plattformen verpflichtend ist. Netflix hat die Entscheidung nicht öffentlich kommentiert.

Datenschutzerklärung erfasst jetzt Spracheingaben und Präferenz-Rückschlüsse

Netflix hat seine Datenschutzerklärung im April dieses Jahres aktualisiert. Die neue Fassung erfasst nun ausdrücklich Spracheingaben: Wenn Nutzer sprachbezogene Funktionen verwenden, sammelt Netflix Transkripte und Aufnahmen. Das ist relevant, weil die neue KI-Suche auf iOS auch gesprochene Anfragen ermöglichen könnte. Zudem stellt die Erklärung klar, dass Netflix Rückschlüsse auf Nutzer- und Haushaltspräferenzen zieht, um diese für Werbezwecke zu nutzen. Das bedeutet, dass aus dem Sehverhalten und anderen Interaktionen Profile für verhaltensbasierte Werbung erstellt werden. Die Aktualisierung erfolgt im Kontext der Einführung neuer KI-Funktionen und der wachsenden Werbeaktivitäten des Unternehmens. Die Erklärung wurde außerdem um einen Abschnitt für US-Bürger ergänzt, der auf eine separate Datenschutzerklärung für US-Bundesstaaten verweist. Datenschützer sehen darin eine Ausweitung der Datenerfassung, die transparent kommuniziert werden muss. Netflix betont, dass die Verarbeitung nur mit Rechtsgrundlage erfolgt, etwa Einwilligung oder berechtigtem Interesse. Die Änderungen zeigen, dass der Konzern seine Datenpraxis an neue Funktionen anpasst, während gleichzeitig die Aufsichtsbehörden genauer hinschauen.

In den Netflix-Kontoeinstellungen gibt es einen Bereich namens „User Consent Purposes“. Dort können Nutzer für verhaltensbasierte Werbung ihre Einwilligung erteilen oder verweigern. Konkret geht es um die Nutzung persönlicher Daten für verhaltensbasierte Werbung, das Speichern und Abrufen von Informationen auf Geräten sowie das Verstehen der Zielgruppe und die Verbesserung der Dienste. Für Kinderprofile wird keine verhaltensbasierte Werbung eingesetzt. Dieser Mechanismus ist eine Reaktion auf die anhaltende Kritik an mangelnder Transparenz: Die niederländische Datenschutzbehörde hatte 2024 bemängelt, dass Netflix nicht klar genug über die Datenverarbeitung informierte. Die Einwilligung muss freiwillig, informiert und widerrufbar sein. Der Bereich „User Consent Purposes“ zeigt, dass Netflix zumindest formal eine Opt-in-Möglichkeit für Werbezwecke anbietet. Allerdings bleibt unklar, ob die Informationen ausreichend verständlich sind und ob die Einwilligung wirklich freiwillig erfolgt. Datenschützer fordern, dass Nutzer ohne Nachteile ablehnen können. Die Existenz dieses Bereichs entbindet Netflix nicht von der Pflicht, alle Verarbeitungszwecke transparent darzulegen. Das Bußgeld aus den Niederlanden unterstreicht, dass formale Einwilligungsmechanismen allein nicht ausreichen, wenn die zugrunde liegenden Informationen unzureichend sind.

KI-Leitlinien für Produktionspartner: Genehmigung und Arbeitsrecht

Für Produktionspartner hat Netflix Leitlinien zu KI-Anwendungsfällen veröffentlicht. Die Richtlinien gelten global für Live-Action-Skriptproduktionen und erfordern eine vorherige schriftliche Genehmigung von Netflix für jeden KI-Einsatz. Produktionspartner müssen zudem Gewerkschafts- und Arbeitsrecht einhalten. Die Leitlinien enthalten praktische Anleitungen und Beispiele, sollen aber nicht den genehmigten Anwendungsfall erweitern. Ändert sich der Einsatz, muss erneut eine Genehmigung eingeholt werden. Netflix betont, dass es lokale Gesetze und Tarifverträge respektiert und von Produzenten dasselbe erwartet. Die Regelung zeigt, dass der Konzern KI auch in der Produktion kontrolliert einsetzen will, um rechtliche und kreative Risiken zu minimieren. Für Dokumentationen und Animationsproduktionen gelten separate Vorgaben, die gesondert mit Netflix abzustimmen sind.

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Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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