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MIT-Historiker führt generative KI auf gewollten Zufall zurück

Benjamin Lindquist verortet in einem Aufsatz in Past and Present die Wurzeln heutiger Halluzinationen in der Forschung der Jahrhundertmitte. Den Aufsatz und die Belege haben wir nicht prüfen können.

· Veröffentlicht: 23.10.2026 ·2 Min Lesezeit
MIT-Historiker führt generative KI auf gewollten Zufall zurückMit KI erstellt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Benjamin Lindquist ist Assistant Professor in der MIT History Section mit gemeinsamer Position am EECS.
  • Lindquist schreibt in Past and Present, KI-Pioniere hätten absichtlich Zufall in Algorithmen eingebracht.
  • Er führt KI-Halluzinationen auf diese frühe Forschung zurück.
  • Diffusionsmodelle erzeugen Bilder, indem sie Trainingsproben mit Rauschen versehen und den Prozess umkehren.
  • Zu den Diffusionsmodellen zählen Stable Diffusion, DALL-E ab Version 2, Midjourney und Imagen.

Generative KI geht auf Ideen von Ingenieuren der Mitte des 20. Jahrhunderts zurück. Sie hielten ein Stück Irrationalität für unverzichtbar, wenn eine Maschine wie ein Mensch denken soll. So argumentiert Benjamin Lindquist, Assistant Professor in der MIT History Section. Seine Stelle ist gemeinsam am MIT Schwarzman College of Computing und am Department of Electrical Engineering and Computer Science (EECS) angesiedelt. Zudem ist er Principal Investigator im Laboratory for Information and Decision Systems.

In einem neuen Aufsatz in der Zeitschrift Past and Present schreibt Lindquist, KI-Pioniere hätten Zufall absichtlich in Algorithmen eingebracht, die eigentlich deterministische Probleme lösen sollten. Das Ziel war, kreatives Denken nachzuahmen. Laut MIT News verweist Lindquist darauf, dass Wissenschaft und Kunst den Zufall seit Langem als wichtigen Bestandteil von Entdeckung und Kreativität betrachten. Kreativität habe man dabei mit unerwarteten Sprüngen der Logik gleichgesetzt oder mit einem traumähnlichen Zustand, der erlaubt, Dinge aus neuer Perspektive zu sehen.

MIT News fasst die Thesen in einem Q&A mit Lindquist zusammen. Wir stützen uns ausschließlich auf dessen Anfang. Den Aufsatz selbst kennen wir nicht. Außerdem stammt die Darstellung aus der eigenen Nachrichtenstelle des MIT und gibt die Sicht des Autors wieder.

Halluzinationen als Preis der Kreativität: Lindquists Deutung

Aus dieser Geschichte leitet Lindquist auch den Ursprung heutiger KI-Halluzinationen ab. Demnach gehen sie auf die frühe Forschung zurück, in der man Zufall bewusst in Rechenverfahren einbaute. Zudem nimmt er an, dass beim Versuch, menschliches Verhalten maschinell nachzubilden, unvermeidliche Zielkonflikte zwischen Kreativität und Vorhersagbarkeit entstehen. Wer Überraschung und Einfall will, muss also Berechenbarkeit opfern.

Das ist Lindquists historische Interpretation, keine belegte Tatsache. Daraus ließe sich folgern, dass Halluzinationen eher zum Konstruktionsprinzip gehören als ein vermeidbarer Fehler zu sein. Diese Schlussfolgerung ziehen wir aus der These. Überliefert ist sie nicht als Aussage Lindquists.

Rauschen in Diffusionsmodellen und der Ruf nach pluralen KI-Genealogien

Zwei Anknüpfungspunkte haben mit Lindquist nichts zu tun, passen aber zum Thema. Erstens beruhen Diffusionsmodelle auf gezielt eingeführtem Zufall. Sie überlagern Trainingsproben schrittweise mit Zufallsrauschen und kehren diesen Prozess um, um Bilder zu erzeugen. Zu dieser Architektur gehören Stable Diffusion, DALL-E ab Version 2, Midjourney und Imagen.

Zweitens plädiert der Einführungstext eines Themenhefts zur KI-Geschichte in Cambridge dafür, die gängigen Ursprungsmythen hinter sich zu lassen, etwa Dartmouth 1956 und Turing 1950. Stattdessen seien plurale Genealogien zu betrachten. KI erscheint dort als Verbindung aus Logik, Statistik und digitaler Technik.

Offen bleibt, ob Lindquists These gegenüber der bekannten Literatur tatsächlich neu ist. Das konnten wir nicht prüfen. Uns fehlen der Aufsatztext und konkrete Belege, etwa zu den Algorithmen, Personen und Projekten, auf die sich die Argumentation stützt.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

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