KI-Überblicke erobern die Hälfte aller Google-Suchen
Innerhalb eines Jahres stieg der Anteil der Suchanfragen mit KI-generierten Zusammenfassungen von 15 auf bis zu 50 Prozent. Unterschiedliche Messmethoden führen jedoch zu widersprüchlichen Zahlen – und alarmieren Regulierer.
Mit KI erstelltKI-Überblicke erobern die Hälfte aller Google-Suchen
Googles KI-generierte Suchantworten, die sogenannten AI Overviews, haben binnen eines Jahres einen massiven Sprung gemacht. Nach einer neuen Analyse des Marktforschungsunternehmens Similarweb erscheinen die automatisch erzeugten Zusammenfassungen inzwischen bei 43 Prozent aller Google-Suchanfragen – vor einem Jahr lag dieser Wert noch bei 15 Prozent. Die Daten zeigen, dass aus einer optionalen KI-Ergänzung ein integraler Bestandteil der Sucherfahrung geworden ist. Nutzer werden direkt in die KI-Übersichten geleitet, von wo aus sie ihre Recherche fortsetzen können.
Noch höhere Werte melden andere Quellen. Das Analysehaus BrightEdge, das mit seinem Generative Parser Suchanfragen trackt, beziffert den Anteil für Februar 2026 auf rund 48 Prozent – ein Anstieg von 58 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Google selbst bestätigte im Februar 2026 offiziell, dass bei etwa der Hälfte aller US-Suchanfragen AI Overviews ausgespielt werden. Diese erstmalige, klare Bestätigung aus erster Hand unterstreicht, wie allgegenwärtig die Funktion geworden ist. Weltweit nutzen monatlich rund zwei Milliarden Menschen die Google-Suche; damit sind AI Overviews das am häufigsten anzutreffende KI-Feature im Netz. Die Expansion verlief rasant: Im Januar 2025 lag der Anteil laut BrightEdge noch bei lediglich 6,49 Prozent, was einer knappen Verachtfachung in 15 Monaten entspricht.
43, 48 oder 50 Prozent? Die widersprüchlichen Messwerte
Die Zahlen zur Verbreitung der KI-Überblicke klaffen auseinander. Similarweb kommt auf 43 Prozent, BrightEdge auf 48 Prozent und Google selbst spricht von rund 50 Prozent der US-Anfragen. Noch deutlicher wird die Diskrepanz mit Blick auf frühere Erhebungen: Das Pew Research Center fand in einer Nutzerstudie im März 2025 lediglich bei 18 Prozent aller Google-Suchen einen KI-Überblick. Die Unternehmensberatung McKinsey hingegen schätzt, dass bereits jetzt etwa die Hälfte aller Google-Suchen KI-Zusammenfassungen enthalten, und prognostiziert einen Anstieg auf über 75 Prozent bis 2028.
Diese Widersprüche sind nicht auf Manipulation zurückzuführen, sondern auf grundlegend verschiedene Messansätze. Während Similarweb und BrightEdge auf automatisiertes Crawling und Tracking von Suchanfragen setzen, basiert die Pew-Studie auf einer kontrollierten Stichprobe realer Nutzer. Zudem unterscheiden sich die Zeitpunkte: Die Pew-Daten stammen vom März 2025, als die Funktion noch im Rollout war; die aktuellen Werte von Similarweb, BrightEdge und Google beziehen sich auf Anfang 2026, als AI Overviews bereits in über 200 Ländern und mehr als 40 Sprachen verfügbar waren. Auch die geografische Eingrenzung spielt eine Rolle: Während Google und Pew sich auf die USA konzentrieren, erheben Similarweb und BrightEdge teils globale Daten. Schließlich ist nicht einheitlich definiert, wann ein AI Overview als ausgespielt gilt – ob bereits bei der Anzeige einer Zusammenfassung oder erst bei einer vollständigen KI-Antwort.
Methodik statt Manipulation: Warum die Messungen auseinandergehen
Die abweichenden Prozentwerte sind kein Zeichen für fehlerhafte Erhebungen, sondern spiegeln unterschiedliche methodische Herangehensweisen wider. Similarweb und BrightEdge analysieren das Suchverhalten, indem sie große Mengen an Suchanfragen automatisiert durchführen und die Ergebnisseiten auf das Vorhandensein von AI Overviews prüfen. Diese Crawling-basierten Verfahren liefern einen technischen Blick auf die Ausspielhäufigkeit, können aber von Googles dynamischer Personalisierung und regionalen Unterschieden beeinflusst sein. Das Pew Research Center hingegen ließ echte Nutzer in einer kontrollierten Umgebung suchen und wertete die Suchergebnisse manuell aus – ein Ansatz, der näher am tatsächlichen Nutzererlebnis liegt, aber nur eine Momentaufnahme zu einem früheren Zeitpunkt (März 2025) bietet.
Hinzu kommt die Frage, was genau gemessen wird. Zählt eine Suchanfrage bereits dann als „mit AI Overview“, wenn die KI-Box erscheint, auch wenn der Nutzer sie ignoriert? Oder nur, wenn sie tatsächlich die erste sichtbare Antwort liefert? Google selbst gibt an, dass die Übersichten bei rund der Hälfte der US-Anfragen ausgespielt werden, macht aber keine Angaben zur Methodik. Die unterschiedlichen Ausgangsniveaus Anfang 2025 – 6,49 Prozent bei BrightEdge gegenüber 15 Prozent bei Similarweb – deuten zudem darauf hin, dass die Messzeitpunkte innerhalb des Jahres 2025 variieren und dass die Expansion nicht linear verlief. Diese methodische Vielfalt erklärt, warum seriöse Quellen zu so unterschiedlichen Ergebnissen kommen, ohne dass eine Seite falsch liegen muss.
90 Prozent Marktanteil: Warum der KI-Vormarsch Regulierer alarmiert
Die rasante Ausbreitung der KI-Überblicke fällt in eine Zeit, in der Googles Marktmacht ohnehin unter strenger Beobachtung steht. Laut StatCounter hält das Unternehmen weiterhin 90,04 Prozent des globalen Suchmaschinenmarktes – bei täglich zwischen 8,5 und 14 Milliarden verarbeiteten Suchanfragen. Wenn nun bei rund der Hälfte dieser Anfragen KI-generierte Antworten die klassischen organischen Ergebnisse verdrängen, verändert das die Informationsökonomie des Internets grundlegend. Für Website-Betreiber sinkt die Sichtbarkeit, für Google steigt die Kontrolle über den Zugang zu Wissen.
Diese Entwicklung verleiht dem regulatorischen Druck der EU neue Dringlichkeit. Die Europäische Kommission hat Google bereits zu weitreichenden Datenweitergaben und zur Öffnung seiner KI-Systeme verpflichtet. Mit der Integration von AI Overviews in den Suchalltag wird die Frage virulent, ob der Suchmaschinenriese seine Marktmacht nutzt, um eigene KI-Inhalte zu bevorzugen und Wettbewerber auszubremsen. Die unterschiedlichen Messwerte zur Verbreitung der KI-Überblicke sind dabei nicht nur eine akademische Debatte – sie beeinflussen, wie Regulierer die Marktentwicklung bewerten und ob sie weitere Eingriffe für nötig halten. Dass McKinsey für 2028 einen Anteil von über 75 Prozent prognostiziert, zeigt: Der Wandel zum KI-dominierten Sucherlebnis hat gerade erst begonnen.
Zwischen Euphorie und Skepsis: Die Reddit-Community ist gespalten
Während manche Nutzer die Zeitersparnis durch KI-Überblicke schätzen ItsaMeMemes in r/The10thDentist, beklagen andere die mangelnde Verlässlichkeit – man würde lieber ein Kind fragen, das sei ähnlich akkurat, aber unterhaltsamer, heißt es sarkastisch. Aus SEO-Sicht zeigt sich zudem, dass vor allem große, etablierte Marken in den KI-Antworten auftauchen, was klassische Optimierung zunehmend in Frage stellt Free-Way-9220 in r/GoogleAnalytics.



