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KI-Empathie wird besser bewertet, bei der Wahl entscheiden sich Teilnehmende aber für Menschen

Eine Studie der Penn State University in Communications Psychology beschreibt ein „AI empathy choice paradox“: Qualitätsurteil und Wahlverhalten der Teilnehmenden gehen auseinander.

· Veröffentlicht: 01.11.2026 ·2 Min Lesezeit
KI-Empathie wird besser bewertet, bei der Wahl entscheiden sich Teilnehmende aber für MenschenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Studie in Communications Psychology: KI-Empathie wurde höher bewertet, bei der Wahl aber menschliche Empathie bevorzugt.
  • Die Autoren nennen es „AI empathy choice paradox“; Krisenhelfende erreichten oft nicht die KI-Empathiewerte.
  • Als möglicher Faktor wird wahrgenommener Aufwand genannt, der bei Menschen stärker mit Empathie zusammenhing.
  • Laut Cameron gibt es eine Teilgruppe, die KI-Empathie durchaus will.
  • Lizenzierte Fachkräfte bewerteten in Ayers et al. (2023) 195 Reddit-r/AskDocs-Fälle: ChatGPT gegen verifizierte Ärzte.

Empathische KI-Antworten schneiden besser ab, bei der Wahl fällt die Entscheidung anders aus

Viele Menschen bewerten empathische Antworten einer KI besser als menschliche. Bei freier Wahl entscheiden sie sich dennoch für menschliche Empathie. Das berichtet ein Team um den Psychologen C. Daryl Cameron und den Doktoranden Joshua Wenger von der Penn State University in der Fachzeitschrift Communications Psychology. Die Autoren nennen den Befund „AI empathy choice paradox“.

Laut den vorliegenden Darstellungen stuften die Teilnehmenden die Antworten großer Sprachmodelle häufiger als empathischer, interessanter und validierender ein. Bei diesen Antworten hatten sie außerdem öfter das Gefühl, gehört zu werden. Selbst Antworten geschulter Krisenhelfender erreichten oft nicht die Empathiewerte der KI. Hatten die Teilnehmenden die Wahl, bevorzugten sie jedoch menschliche Empathie. Das galt auch dann, wenn die menschliche Antwort zuvor schlechter bewertet worden war.

Einschränkend gilt: Die Originalstudie lag nicht vor. Die Angaben stützen sich auf zwei Sekundärdarstellungen, eine Zusammenfassung der Ergebnisse und ein Interview mit Cameron und Wenger. Studiendesign, Stichprobe und Effektstärken lassen sich daher nicht prüfen.

Wahrgenommener Aufwand als möglicher Erklärungsfaktor

Als möglichen Faktor nennen die Autoren den wahrgenommenen Aufwand. Frühere theoretische Überlegungen gehen davon aus, dass menschliche Empathie auch deshalb geschätzt wird, weil sie emotionale Mühe kostet. Sie signalisiert dem Gegenüber, dass es zählt. Die Teilnehmenden sahen bei der KI oft mehr Aufwand als bei menschlichen Empathiegebern. Nach Darstellung der Autoren könnte das erklären, warum die KI-Antworten so hoch bewertet wurden.

Zugleich fiel der Zusammenhang zwischen Aufwand und wahrgenommener Empathie bei Menschen stärker aus als bei der KI. Das ist ein Hinweis der Autoren, keine gesicherte kausale Erklärung.

Cameron betont, das Bild sei komplex. Eine Teilgruppe wolle KI-Empathie durchaus, auch wenn viele Menschen sie insgesamt nicht wünschten.

Frühere Studien: Bewertungsvorteil und Label-Abschlag

Frühere Arbeiten kommen teils zu gegenläufigen Ergebnissen. Eine Replikation der Studie von Ayers und Kollegen (N = 1454, online rekrutiert, USA) fand höhere Empathiewerte für Chatbot-Antworten als für Arztantworten (Cohen's d = 0,56). Dieser Unterschied zeigte sich unabhängig davon, wer als Autor angegeben wurde.

Perry, Rubin, Goldenberg und Ong berichten dagegen in Nature Human Behaviour aus neun Experimenten mit mehr als 6.000 Teilnehmenden. Identische Antworten galten als weniger empathisch, wenn sie als KI gekennzeichnet waren. Außerdem warteten Teilnehmende lieber länger auf eine menschliche Antwort. Ein Abstract des MIT CSAIL beschreibt einen ähnlichen Effekt samt Präferenz für menschliche Interaktion.

Die Befunde lassen sich nicht direkt vergleichen. Manche Studien setzen unterschiedliche Texte von Mensch und KI gegeneinander. Andere variieren bei identischem Text nur das Label. Auch Aufgaben und Urteilende unterscheiden sich, etwa Fachkräfte und Online-Teilnehmende. Ob die Teilnehmenden der Penn-State-Studie die Herkunft der Antworten kannten, geht aus dem vorliegenden Material nicht hervor.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. hyper.ai ↗

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