KI-Boom saugt Chipkapazitäten ab – Preise für Consumer-Hardware steigen
KI-Nachfrage verknappt Speicher und Prozessoren für Verbraucher – Preise steigen, Auswahl sinkt.
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◆ Fakten auf einen Blick
- Verbraucher müssen mit spürbaren Preissteigerungen und einer geringeren Auswahl bei Smartphones, Notebooks, PCs sowie Gaming-Hardware rechnen, weil Produktionskapazitäten für Chips in Hochleistungsrechenzentren abwandern.
- Hersteller konzentrieren sich auf nachfragestarke Konfigurationen wie 256 oder 512 Gigabyte, dünnen die Modellvielfalt aus und ziehen die Preise an; günstige Einstiegsgeräte können kaum noch angeboten werden.
- LPDDR5X-Speicher (in Smartphones und Laptops) verteuerte sich im zweiten Quartal 2024 um bis zu 89 Prozent, DDR4 um 51 Prozent.
- Realisierte Preiserhöhungen bei Dell, HP und Lenovo betrugen in diesem Jahr bisher 15 bis 30 Prozent.
- Im ersten Halbjahr 2024 stiegen die Verkäufe von Smartphones mit einem Preis ab 1.000 US-Dollar im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent.
- Die globalen IC-Umsätze wuchsen im zweiten Quartal 2024 um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr, angetrieben durch die KI-Nachfrage.
KI-Boom saugt Chipkapazitäten ab – Preise für Consumer-Hardware steigen
Der weltweite Boom bei Künstlicher Intelligenz verlagert Halbleiterproduktionskapazitäten zunehmend in Hochleistungsrechenzentren. Moderne Prozessoren und schnelle Speichermodule für Smartphones, Notebooks und PCs werden dadurch zur Mangelware. Verbraucher müssen mit spürbaren Preissteigerungen und einer geringeren Auswahl rechnen, wie aktuelle Marktzahlen des Marktforschungsunternehmens NIQ zur IFA belegen. Betroffen sind vor allem rechenintensive Produktkategorien wie Smartphones, Laptops, PCs sowie Gaming-Hardware und Spielekonsolen. Die Hersteller passen ihre Strategie an die Engpässe an: Sie konzentrieren sich auf nachfragestarke Konfigurationen, dünnen die Modellvielfalt aus und ziehen die Preise an. Günstige Einstiegsgeräte können unter diesen Rahmenbedingungen kaum noch angeboten werden. Ein genereller Lieferstopp steht laut NIQ-Branchenexperte Alexander Dehmel zwar nicht bevor, doch bestimmte Konfigurationen mit hoher Rechenleistung und üppigen Speicherkapazitäten verteuern sich oder sind zeitweise nur mit längeren Wartezeiten verfügbar.
LPDDR5X verteuert sich um bis zu 89 Prozent – Hersteller dünnen Modellpalette aus
Konkrete Marktdaten zeigen das Ausmaß: LPDDR5X-Speicher, der in Smartphones und Laptops steckt, verteuerte sich im zweiten Quartal 2024 um bis zu 89 Prozent, DDR4 um 51 Prozent. Das geht aus Daten von TrendForce hervor. Samsung strebt für das dritte Quartal eine weitere Preiserhöhung von 20 Prozent bei DRAM an, wobei TrendForce für die tatsächlich ausgehandelten Kontraktpreise einen Anstieg von 13 bis 18 Prozent erwartet – der dritte Quartalsanstieg in Folge. Gartner prognostiziert, dass die kombinierten Kosten für DRAM und SSD bis Ende 2026 um rund 130 Prozent steigen. Diese Kosten fließen direkt in die Gerätepreise ein: Gartner rechnet mit einem Anstieg der PC-Preise um 17 Prozent und der Smartphone-Preise um 13 Prozent gegenüber 2025, einzelne Laptop-Modelle könnten sogar um bis zu 40 Prozent teurer werden. Realisierte Preiserhöhungen bei Dell, HP und Lenovo betrugen in diesem Jahr bisher 15 bis 30 Prozent. Die Hersteller reagieren, indem sie sich auf wenige Speicherkonfigurationen wie 256 oder 512 Gigabyte konzentrieren, die Modellvielfalt ausdünnen und kaum noch günstige Einstiegsgeräte anbieten. Die Verlagerung von Produktionskapazitäten zu High-Bandwidth-Memory (HBM) für KI-Rechenzentren entzieht dem Consumer-Markt Wafer und verschärft die Knappheit.
Spotpreise fallen, Kontraktpreise steigen – der scheinbare Widerspruch erklärt
Auf den ersten Blick widersprüchlich: Die Spotpreise für Consumer-Speicher fielen im zweiten Quartal 2024 um über 30 Prozent gegenüber dem ersten Quartal, während die Kontraktpreise für LPDDR5X stark stiegen. TrendForce erwartet für das dritte Quartal weiter steigende DRAM-Preise um 8 bis 13 Prozent. Der scheinbare Widerspruch erklärt sich durch unterschiedliche Marktsegmente und Zeitpunkte. Die Spotpreise betreffen den freien Handel mit Consumer-Modulen und sind von schwacher Endnachfrage geprägt: Die Nachfrage nach Consumer-Elektronik erholte sich nicht wie erwartet, Smartphone-Lagerbestände in China sind überhöht, und Notebook-Käufe werden verschoben, weil Verbraucher auf neue KI-PCs warten. Modulhersteller hatten ihre DRAM-Bestände seit dem dritten Quartal 2023 auf 11 bis 17 Wochen erhöht, was den Spotmarkt zusätzlich belastet. Die Kontraktpreise für Speicher in Geräten steigen dagegen, weil die KI-Nachfrage die Produktionskapazitäten zu High-Bandwidth-Memory (HBM) verlagert und die Anbieter ihre Preismacht nutzen. Zudem beziehen sich die Spotpreis-Rückgänge auf das zweite Quartal, während die Kontraktpreis-Prognosen das dritte Quartal betreffen. Diese Divergenz zwischen Spot- und Kontraktpreisen kann ein Signal für künftige Kontraktpreisentwicklungen sein.
Gewinner, Verlierer und was jetzt zu tun ist
Gewinner der Entwicklung sind Halbleiterhersteller mit Fokus auf KI-Chips und High-Bandwidth-Memory sowie Anbieter von KI-Rechenzentren. Die globalen IC-Umsätze wuchsen im zweiten Quartal 2024 um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr, angetrieben durch die KI-Nachfrage. Auch Premium-Smartphones boomen: Im ersten Halbjahr 2024 stiegen die Verkäufe von Geräten mit einem Preis ab 1.000 US-Dollar um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Verlierer sind Verbraucher, die höhere Preise und weniger Auswahl hinnehmen müssen, sowie Hersteller von günstigen Einstiegsgeräten, deren Geschäftsmodell unter den Engpässen leidet. Der Maschinen- und Anlagenbau leidet ebenfalls: Im September 2022 berichteten 54 Prozent der Unternehmen von ernsten Engpässen bei elektronischen Komponenten, weitere 32 Prozent von spürbaren Engpässen. Handlungsbedarf besteht auf mehreren Ebenen: OEMs müssen ihre Preisstrategien und Produktportfolios anpassen, Politik und Regulierer sollten Lieferketten und Halbleiterkapazitäten stärken, und Verbraucher sollten ihre Kaufentscheidungen überdenken – etwa durch längere Nutzungszyklen oder den Kauf von Geräten mit weniger Speicher.



