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Home Depot lässt KI-Einkaufsagenten zu – wenn sie sich ausweisen

Im Interview nennt CIO Angie Brown zwei Bedingungen: Der Agent muss als Agent erkennbar sein und den Auftrag eines echten Nutzers belegen. Eine veröffentlichte Regel gibt es bislang nicht.

· Veröffentlicht: 29.10.2026 ·4 Min Lesezeit
Home Depot lässt KI-Einkaufsagenten zu – wenn sie sich ausweisenMit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • Home Depot-CIO Angie Brown fordert KI-Agenten, die sich selbst identifizieren und im Auftrag des Nutzers handeln.
  • Home Depot will Agenten unterstützen, die Produkte für Kunden suchen, vergleichen und kaufen.
  • Home Depot führt laut Brown aktive Gespräche mit Meta über die Vorstellung des Agenten Muse gegenüber Websites.
  • Home Depot will laut Brown Kunden des Pro-Rewards-Programms nicht verlieren.

Home Depot lässt Einkaufsagenten zu – wenn sie sich ausweisen und den Nutzer belegen

Home Depot öffnet sich für KI-Agenten, die im Auftrag von Kunden Produkte suchen, vergleichen und kaufen. Das sagte Angie Brown, Executive Vice President und Chief Information Officer des US-Händlers, im Gespräch mit Business Insider. Die Offenheit knüpft sie an zwei Bedingungen. Der Agent darf kein gewöhnlicher Bot sein, und hinter ihm muss tatsächlich ein Mensch stehen. Der Händler braucht also Agenten, die sich selbst zu erkennen geben und belegen, dass sie für einen Menschen handeln.

Für die Einordnung ist wichtig: Es handelt sich um eine Aussage im Interview, nicht um eine veröffentlichte Policy. Das ausgewertete Material enthält weder eine formale Regel, etwa in den Nutzungsbedingungen, in der robots.txt oder in einem Partnerprogramm, noch eine technische Spezifikation. Offen bleibt damit, woran Home Depot einen zulässigen Agenten konkret erkennen würde.

Gespräche mit Meta über Muse und der Streit um Amazon

Laut Brown führt Home Depot aktive Gespräche mit Meta darüber, wie sich der Agent Muse gegenüber Websites ausweisen soll. Meta arbeite derzeit an der Selbstidentifikation. Auf beiden Seiten bestehe die Bereitschaft dazu. Berichtet wird außerdem, Meta habe im Oktober erklärt, gemeinsam mit Sierra AI ein Agentenprotokoll zur Vereinheitlichung der Identifikation entwickelt zu haben. Diese Angabe stützt sich allein auf Berichterstattung. Eine Primärquelle von Meta liegt nicht vor.

Auch das Umfeld beruht auf Zweitberichten, die nicht an Originalquellen geprüft wurden. Amazon soll Muse von seinem Marktplatz ausgeschlossen haben, weil sich die Bots nicht korrekt auswiesen. Walmart, Best Buy, Sephora und Shopify haben demnach Integrationen angekündigt oder signalisieren Offenheit gegenüber Agenten.

Kundenbindung bei Pro Rewards: Warum Home Depot den Zugang kontrollieren will

Als Motiv nennt Brown die Kundenbeziehung. Handwerker und Renovierer, die häufig einkaufen, sind oft im Programm Pro Rewards und erhalten dort Rabatte. Home Depot will den Kontakt zu diesen Kunden nicht verlieren. Ein Agent, der sich zwischen Kunde und Shop schiebt, könnte genau das gefährden. Die Identitätsvorgabe soll also auch klären, wer auf der Gegenseite steht.

Betroffen sind drei Gruppen. Erstens Agentenanbieter wie Meta mit Muse oder Spear Street Technology mit Instinct AI, die die Anforderungen erfüllen müssten. Zweitens Nutzer, deren Agent diese Prüfung bestehen muss. Drittens Händler, die noch keine Agentenstrategie haben. Einkaufsagenten, die offen im Web handeln, lassen sich nach Persistenz und Offenheit einordnen, wie andere Formen digitaler Agentenarbeit auch. Weitergehende Schlüsse erlaubt die Faktenlage nicht.

Visa, Cloudflare und Mastercard: Welche Identitätsverfahren es schon gibt

Verfahren zur Agenten-Authentifizierung existieren bereits. Visas Trusted Agent Protocol soll Händlern ermöglichen, von Visa zugelassene Agenten von Bots und Crawlern zu unterscheiden. Der Agent schickt seine Anfrage mit einer Message Signature nach RFC 9421. Der Händler rekonstruiert aus Attributen der Anfrage die signature_base und prüft die Signatur mit dem öffentlichen Schlüssel des Agenten. Visa bezeichnet das als verifizierbaren, kryptografischen Standard, der Betrug verhindere. Dabei handelt es sich um eine Selbstbeschreibung. Unabhängige Belege für die praktische Wirksamkeit fehlen.

Cloudflare gab am 14. Oktober 2025 bekannt, mit großen Zahlungsunternehmen eine Authentifizierungsschicht für Agentic Commerce auf Basis des Web-Bot-Auth-Protokolls aufzubauen. Das Trusted Agent Protocol entstand gemeinsam mit Visa. Mastercard integriert Web Bot Auth in Agent Pay, American Express will es ebenfalls nutzen.

Mastercard beschreibt für Händler eine Stufe 1 mit minimalen Änderungen. Agenten nutzen die Website wie Menschen, und Händler sollen Hürden für legitimen Agentenverkehr abbauen. Zur Begründung zitiert Mastercard einen Anstieg des KI-Traffics auf US-Handelsseiten um 4.700 Prozent im Jahresvergleich (Adobe, Juli 2025). Außerdem nennt es rund 47 Prozent US-Käufer, die Agenten nutzen (Visa, April 2026). Es handelt sich um Zahlen Dritter, die im Werbekontext des eigenen Programms erscheinen. Ob Home Depot eines dieser Verfahren nutzt oder akzeptieren will, geht aus dem Material nicht hervor.

Was offen bleibt: Eine Interviewaussage ist noch keine Regel

Mehrere Punkte sind ungeklärt. Es gibt keine veröffentlichte Policy und keinen Hinweis darauf, welches Verfahren Home Depot akzeptieren würde. Metas Identifikation ist laut Brown noch in Arbeit. Die Wirksamkeit der genannten Standards ist ungeprüft, und die Angaben zu Amazon stammen aus Zweitberichten.

Am Rande streifte das Interview die IT-Sicherheit. Laut einem einzelnen Zweitbericht war der Hauptshop von den kritischen PHP-Schwachstellen nicht betroffen. Kleinere Konzerneinheiten mussten dagegen patchen. Home Depot ist demnach dem Anthropic-Projekt Glasswing beigetreten und will die Patch-Zeit auf wenige Stunden senken.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. hyper.ai ↗

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