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Googles AI Mode nennt Biden nicht als Sieger der Wahl 2020

In den USA verwies der KI-Suchmodus am 28. Oktober auf FEC und Nationalarchiv. Im Ausland und später am Tag antwortete er direkt. Google spricht von einer „technical gap“, belegen lässt sich das nicht.

· Veröffentlicht: 30.10.2026 ·5 Min Lesezeit
Googles AI Mode nennt Biden nicht als Sieger der Wahl 2020Mit KI erstellt
Inhalt
◆ Fakten auf einen Blick
  • AI Mode nannte bei der Wahl 2020 keinen Sieger, sondern verwies auf die FEC.
  • Die Gemini-App nannte Biden direkt als Sieger mit 306 zu 232 Wahlmännerstimmen.
  • Das FEC-PDF weist 306 zu 232 Wahlmännerstimmen für Biden aus.
  • Bei Business Insider nannte AI Mode teils Biden als Sieger, teils verwies sie auf die FEC.
  • Auch zu 2024 verwies AI Mode laut Ars Technica auf die FEC.

AI Mode nennt Biden nicht und verweist auf FEC und Nationalarchiv

Googles KI-Suchmodus AI Mode hat am 28. Oktober auf die Frage nach dem Sieger der US-Präsidentschaftswahl 2020 in einzelnen Fällen keinen Namen genannt. Er verwies stattdessen auf Quellen der Federal Election Commission (FEC) und des National Archives. Ars Technica erhielt die Antwort, man solle den „official report compiled by the Federal Election Commission (FEC)“ konsultieren. Mediaite zufolge lautete eine Variante, die offiziellen Ergebnisse stünden in den Dokumenten der FEC und in den Unterlagen des National Archives. Hinzu kam die Standardwarnung „AI can make mistakes, so double-check responses“.

Der FEC-Link führt laut Mediaite zu einem PDF mit dem Titel „OFFICIAL 2020 PRESIDENTIAL GENERAL ELECTION RESULTS“. Es weist 306 zu 232 Wahlmännerstimmen für Joe Biden aus. Gadgetreview nennt als FEC-Ergebnis 81.283.501 Stimmen (51,31 Prozent) für Biden und 74.223.975 (46,85 Prozent) für Donald Trump. Die Antwort verwies also auf ein Dokument, das Bidens Sieg eindeutig belegt, ohne ihn selbst auszusprechen.

Aufgefallen ist das Verhalten auf Bluesky. Laut readtpa.com tauchten die ersten Screenshots in der Nacht zum 28. Oktober gegen 23:31 Uhr ET auf, also am Vorabend. Die Gemini-App, ebenfalls ein Google-Produkt, nannte Biden dagegen direkt als Sieger. Das berichten übereinstimmend TheWrap, Business Insider, Gadgetreview und AI Weekly.

Mal Ausweichen, mal Antwort: ein Muster, das sich nicht festnageln lässt

Das Verhalten war nicht durchgängig. Business Insider erhielt ebenfalls einen Verweis auf die FEC. Anderen Reportern desselben Hauses nannte AI Mode dagegen teils Biden als Sieger.

Ars Technica stellte fest, dass AI Mode bei Präsidentschaftswahlen seit 2000 weitgehend konkrete Antworten gab. Zu 2024 gab es jedoch ebenfalls einen FEC-Verweis, zu 2012 einen Link auf das American Presidency Project statt einer Antwort. Andere Ars-Mitarbeiter bekamen je nach Wahljahr unterschiedliche Ergebnisse. Bei Nachfragen nannte AI Mode laut Ars teils den Sieger und berief sich dabei auf Google-Civics-Daten.

Damit widerspricht die Kurzfassung von AI Weekly dem Ars-Original. AI Weekly zufolge werden 2016 und 2024 sicher beantwortet, nur 2020 führe zum FEC-Verweis. Ars beschreibt dagegen ein Muster, das sich zwischen Personen und Wahljahren unterschied und nicht auf 2020 beschränkt war.

Später am Tag änderte sich das Bild. Um 18:35 Uhr ET nannte AI Mode beim erneuten Versuch des readtpa.com-Autors wieder Biden. Laut Mediaite antwortete der Chatbot am Donnerstag beim ersten Versuch korrekt.

Was die Schwankung auslöste, geht aus den Belegen nicht hervor. Infrage kommen der Standort der Nutzer, die Formulierung der Frage, der Zeitpunkt der Abfrage und eine Nachbesserung im Lauf des Tages. Welcher Faktor wie stark wirkte, lässt sich von außen nicht trennen.

Nur mit US-IP: VPN-Tests grenzen den Fehler geografisch ein

Hinweise auf eine geografische Eingrenzung liefern VPN-Tests. Ars Technica rief AI Mode über VPN-Verbindungen aus Taiwan, Russland, Frankreich und Kanada auf. Jedes Mal kam eine direkte Antwort. Fast Company berichtete aus dem Vereinigten Königreich und bekam zunächst Biden genannt. Nachdem die Autorin die VPN-Verbindung auf die USA umgestellt hatte, verweigerte AI Mode die Nennung.

ChatGPT und Claude beantworteten die Frage laut Ars Technica unabhängig davon direkt.

Aus den Tests folgt, dass vor allem Nutzer mit US-Standort betroffen waren. Weiter reichen die Belege nicht. Wie Google den Standort erkennt und warum er die Antwort beeinflusst, ist nicht dokumentiert. Auch der Anteil betroffener Abfragen in den USA geht aus den Berichten nicht hervor.

Schon 2024 wich Gemini bei Wahlfragen aus

Neu ist das Ausweichen bei Wahlfragen nicht. Laut TheWrap, die sich auf WIRED beruft, verweigerte Gemini schon im Juni 2024 die Nennung des Siegers von 2020. Das gehörte zu Googles damaligen Einschränkungen für Wahlfragen.

TheWrap berichtete außerdem, die neue America.gov-Seite der Trump-Regierung habe Bidens Sieg zunächst anerkannt und die Antwort auf dieselbe Frage danach verweigert. Ob Google erklärt, dass sich AI Mode und Gemini in ihren Regeln unterscheiden, ließ TheWrap offen. Google habe nicht dargelegt, ob die abweichenden Antworten auf getrennten Richtlinien beruhen.

„Technical gap“ oder Rücksichtnahme: was sich belegen lässt und was nicht

Googles Nachrichtenkonto antwortete am 28. Oktober kurz nach 13 Uhr ET auf Bluesky. Die Gemini-App beantworte die Frage ausführlicher, die Antwort in der Suche sei „not the most helpful“. Man prüfe das und arbeite an einer Lösung. Ein Sprecher nannte die Ursache gegenüber Ars Technica und Business Insider eine „technical gap“. Laut Google prüfen die Systeme Wahlantworten bei neueren Wahlen anhand von Nachrichtenartikeln oder AP-Daten, bei älteren anhand historischer Aufzeichnungen. Bei 2020 habe eine Lücke bestanden. Google arbeite an einer Behebung.

Teile der Berichterstattung und der Community vermuten dagegen politische Motive oder Rücksicht auf Trump. Der readtpa.com-Autor hält beides von außen für nicht unterscheidbar und verweist auf fehlende Transparenz. Business Insider merkt an, die FEC habe bei der Zertifizierung der Landesergebnisse oder der Auszählung der Wahlmännerstimmen keine Rolle gespielt. Warum Google dorthin verweise, sei unklar.

Eine unabhängige Prüfung der Systeme gibt es nicht. Googles Erklärung lässt sich deshalb nicht überprüfen. Für eine Panne sprechen die schnelle Rückkehr zur korrekten Antwort und die Nachbesserung. Das uneinheitliche Muster und die Abhängigkeit vom US-Standort bleiben damit unerklärt, sprechen aber ebenso wenig für Absicht. Die Belege erlauben keine Entscheidung.

Offen bleibt, was Google belegen muss: ob und wie die Lücke dauerhaft behoben ist, auch für andere Wahljahre, und nach welchen Regeln AI Mode Wahlantworten prüft oder zurückhält. Der zeitgleich gemeldete Befund, AI-Mode-Anfragen seien geringer monetarisiert, ist ein eigenes Thema. Einen belegten Bezug zum Vorfall gibt es dafür nicht.

A
Andreas Rüdiger
Herausgeber & Redaktionsleitung · KI-Modelle, Technik & Business

Andreas Rüdiger ist Gründer der Agentur INREMA und verantwortet KI Spotlight redaktionell. Sein Schwerpunkt liegt auf KI-Modellen, Recheninfrastruktur, technischen Entwicklungen und der wirtschaftlichen Einordnung. Er sorgt dafür, dass komplexe KI-Themen verständlich und nachvollziehbar aufbereitet werden. Mehr zu ihm auf inrema.de und andiger.de.

Quellen

  1. ai-tldr.dev ↗

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